Was bin ich?

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Mindestens einmal im Leben sollte man – nicht nur als Blogger – diese 4 Fragen beantworten.  Stadtneurotiker hat es bereits getan. Nun bin ich nachgezogen.

1. Was machst du beruflich?

Offiziell bin ich „Schriftsteller und EDV-Berater“. In Wirklichkeit arbeite ich als Schriftsteller (rund 35 Buchveröffentlichungen und unzählige Artikel), EDV-Berater, Lektor, Übersetzer, Softwareentwickler, Webdesigner, Kundendienstmitarbeiter, freier Journalist, Texter, Werbetexter, Grafiker oder habe in diesen Bereichen gearbeitet. Meist hat es sich in den Bereichen um die Themen IT und Internet gedreht. Mit zunehmendem Maße geht es in andere Bereiche rein, etwa ins Populärwissenschaftliche. Ganz kurz würde ich mich inzwischen als Künstler bezeichnen.

Zu meinen Arbeitsproben – hier klicken

2. Was ist gut – was ist nicht so gut daran?

In den meisten Bereichen kam und kommt es auf Genauigkeit und auf die Fähigkeit, zu formulieren, umzuformulieren und zu erklären an. Diese Fähigkeiten habe ich, also ist es gut. Die Entwicklung von Software sah ich als ideale Kombination von Handwerk, Wissenschaft und Kreativität. Aber irgendwann ist die Kreativität bei der Programmierung ausgeschöpft. Als Lektor sind oft stumpfsinnige Dinge zu tun – Tausende Suchen-und-Ersetzenvorgänge, das maschinenhafte Starten Tausender kleiner Skripts („Listings“), um deren Lauffähigkeit zu überprüfen. Dann gilt es den Text dazu kontrollieren und stilistisch zu verbessern und die vielen, vielen Fehler, welche die Autoren nicht selbst sehen, zu beseitigen. Es gibt Autoren, die ein lauffähiges Skript nehmen und in Word daran weiterprogrammieren. Natürlich würde das Skript laufen, schließlich hätten sie nur ein paar Ergänzungen gemacht, etwa eine Ausgabezeile hinzugefügt. Das ist eine Auffassung, aber keine Wahrheit. In Wirklichkeit verhält es sich so, dass bereits in einem kleinen Skript von zehn Zeilen dann sieben Fehler reingekommen sind. Oft fehlt eine Klammer, aber bei fünf verschachtelten Klammerebenen ist die richtige Stelle nicht so leicht zu finden. Die Änderungen müssen dann dokumentiert werden. Solche Arbeiten sind kein Traum. Gut ist, dass ich mir die Zeit selbst einteilen kann, auch wenn es harte Abgabetermine gibt. Aber bis zum Termin habe ich dann relativ freie Hand.

3. Was wäre dein absoluter Traumberuf?

Künstler. Vielleicht kreativer Texter, vielleicht aber auch Skulpturkünstler.

4. Warum gerade dieser?

Bereits als Jugendlicher übten Computer zunächst eine ungeheure Faszination auf mich aus. Kaum einer hatte Anfang der 1980er-Jahre einen eigenen Computer oder wusste gar, wie ein solcher funktioniert. Viele hatten sogar Angst davor. Für mich war der Bereich ein riesiges Feld, das es zu ernten galt und dessen Ende man nicht mal mit einem Fernglas sehen konnte. Software zu schreiben und zu begleiten, die das Leben erleichtert oder einfach nur Spaß macht, das war es. Später in Verlagen habe ich mir dann eigene Softwarereihen ausgedacht, Konzepte gemacht, Ideen umgesetzt. So unkreativ war die Zeit nicht. Aber alles nutzt sich einmal ab. Dazu kommt, dass die Politik seit Jahren das Internet nicht in Ruhe lässt und es durch hanebüchene Aktionen beschädigt. Das macht so keinen Spaß mehr.

Mein erster Computer, der VC20. Der Arbeitsspeicher Betrug 3,5 KB. Heutige Computer haben typischerweise 1 Million mal mehr Speicher. Foto: digitaljohnuk / Lizenz siehe: flickr

Inzwischen habe ich erkannt, dass im Kreativen meine wahre Stärke liegt und dass das Beherrschen einer Technik irgendwo auf der Ebene der Computer selbst angesiedelt ist. Der Mensch hat aber was, was eine Maschine wahrscheinlich nie besitzen wird. Ich darf an dieser Stelle ein vor kurzem gebrachtes Zitat von Theodor Heuss wiederholen: „Eines Tages werden Maschinen vielleicht denken können, aber sie werden niemals Phantasie haben“. Vielleicht musste ich diese Entwicklung erst machen, auch wenn ich aus heutiger Sicht gleich in etwas Kreativeres einsteigen würde. Im Texten etwa sind im Unterschied zur Programmierung keine Grenzen in der Kreativität gesetzt. Man findet immer wieder neue Formulierungen, man kann neue Wörter schaffen, neue Sprachstile, neue Erzählformen, mit Ironie und Halbironie den Leser (ver)zweifeln lassen oder zum Nachdenken anregen, es ist alles erlaubt. Wer jetzt Parallelen in der Programmierung sieht, wo man sich auch neue Wörter „schaffen“ kann, etwa in Form neuer „Klassen“ (Typen von irgendwas, gewissermaßen die Substantive), „Methoden“ (Verben) oder „Eigenschaften“ (Adjektive), der verkennt den Unterschied. Programmierung bleibt die Erstellung einer reinen mathematischen Ablaufsystematik, am Ende steht immer eine gigantische Maschinenbefehlsfolge von 0en und 1en, etwa 00100101010010101010111010101010 11110101001011001010000010101000 11010101011000010100110010000001 01001000101010101111101001011010, die irgendwas ganz Genaues ausführt. Programmiersprachen bleiben auch syntaktisch beschränkt. (Natürliche) Sprache ist was völlig anderes, was viel Komplexeres, Größeres, Freieres. Die Kreativität beginnt irgendwo, wo weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass sie nirgendwo aufhört.

Blau-Bau

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Ein Pflegeheim ist dies ganz sicher nicht – wie die Treppen andeuten (04.10.2009) © Thomas Irlbeck

Ein schöner blauer Bau ist dies, die Kindertagesstätte an der Marianne-Plehn-Straße im Neubaugebiet Bajuwarenstraße in Trudering. Hier möchte man noch einmal Kind sein, ganz klein noch einmal ganz von vorne anfangen. Als Dreikäsehoch würde man sich statt der auffälligen Treppen Rutschen wünschen. Trotz der gelungenen Architektur können Bauten aber nur zur Institution werden, wenn sie einmalig sind.

Langsam bekommt München jedoch zu viele Bauten, die sich zu stark ähneln. Der Bau könnte auch in Riem oder irgendwo anders stehen.

Antenne zum Nach-Hause-Telefonieren?

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Auch die Nachbarn in Riem haben permanent ausgestellte Kunstobjekte. Z.B. das Werk von Monica Felgendreher. Es ist irgendwie eine Mischung aus Funkantenne, Wäschespinne und Löwenzahn. Folgerichtig erhielt es den Namen „Löwenspinne“.

Ein Überbleibsel der BUGA 2005 (21.09.2009) © Thomas Irlbeck

Kunst-liches am Inn

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Permanente Kunstausstellungen gibt es natürlich in Neuperlach, aber auch z.B. in Wasserburg am Inn.

Diashow von der ganzen Tour zeigen – hier klicken

Direkt am Inn steht dieses … (24.08.2009) © Thomas Irlbeck
… aber auch dieses und … (24.08.2009) © Thomas Irlbeck
… … dieses Kunstwerk (24.08.2009) © Thomas Irlbeck

Was Billigpapier aus dem Discounter mit mangelndem Mut bei der Architektur zu tun hat

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Hochhaus in Seoul. Foto: saucy_pan / Lizenz siehe: flickr

Hochhäuser sind generell schön, können aber auch ungewöhnlich und avantgardistisch sein. Manche Städte haben den Mut. München gehört bislang nicht dazu, das Motto ist Mutmangel. Dagegen macht es Seoul vor.

Einige Teile des nächsten Prachtexemplars scheinen flacher als das billige dünne Schreibpapier aus dem Discounter zu sein. Das Haus hält aber noch, was es verspricht, es hält. Auch hier wird es nichts mit den einstürzenden Neubauten. Einstürzen tut hier nur die konservative Grundhaltung, dass alles nach Schema F gebaut sein muss.

Einflüsse aus Seoul gibt es in Neuperlach wohl nur an der Ständlerstraße. Der Künstler dieses Meisterwerks, Jai-Young Park, wurde in Seoul geboren. Ich würde mir wünschen, wenn man Jai-Young Park auch auf so manches in München neu zu errichtendes Hochhaus loslassen würde. Mehr zu diesem Kunstwerk und generell zum Thema Kunst in der Rubrik Kunst (auch über die obere Navigationsleiste erreichbar).

Hochhäuser in Seoul. Foto: saucy_pan / Lizenz siehe: flickr
„Nur der Mensch ist der Ort der Bilder“ des Künstlers Jai-Young Park an der Kreuzung Ständlerstraße/Heinrich-Wieland-Straße (13.05.2009) © Thomas Irlbeck

Kunst oder künstlich? Bei Fritz Roth hat es sich ausgequetscht

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Eine Art Minimuseum, … (12.06.2009) © Thomas Irlbeck
… wo es keiner erwartet (12.06.2009) © Thomas Irlbeck

Vor einiger Zeit hatte ich vollmundig verkündet, fast ganz Neuperlach sei eine einzige Kunstausstellung. Ob die folgenden Objekte, die ich heute mit meinem Objektiv fixierte, Kunst oder nur künstlich sind, mag der Betrachter selbst entscheiden. Es sind auf jeden Fall faszinierende Technikrelikte, die man in einer Art dauerhaften Freiluftausstellung im alten Quetschwerk Fritz Roth in Neuperlach (Putzbrunner Straße) bewundern kann.

Zur Anfahrt per ÖPNV: Am besten fährt man mit dem Autobus M55 oder 198 bis zur Haltestelle „Gefilde“ und läuft dann am Waldrand entlang Richtung Kieswerk. Die Objekte muss man sich aber selbst zusammensuchen – das Ganze ist kein offizielles Museum!

Entsprechend muss man sich nicht erst am Eingang anstellen, bis man … (12.06.2009) © Thomas Irlbeck
zu diesem Kurzhobler vorgelassen wird. Wann an dieser wohl das letzte Mal Schichtende war? (12.06.2009) © Thomas Irlbeck
Die Feldbahn erfüllt nun einen anderen Zweck – als Blumenkübel. (12.06.2009) © Thomas Irlbeck

Diese und weitere Bilder zu permanenten Freiluftausstellungen in Neuperlach in höherer Auflösung gibt es hier

Was das Hochparterre mit dem Lügenbaron Münchhausen verbindet

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Barrierefreiheit mal anders. Gesehen an einem Wohnhaus am Karl-Marx-Ring (21.05.2009) © Thomas Irlbeck

Auf das Hochparterre wird heute in vielen neu gebauten Wohnhäusern verzichtet. Nicht wegen der Barrierefreiheit, sondern wohl eher deshalb, um bei der erlaubten Bebauungshöhe eine zusätzliche Etage unterbringen zu können. Es geht also nur ums liebe Geld.

Dabei waren früher Wohnhäuser ohne Hochparterre typische Arme-Leute-Häuser, die besseren Häuser hatten Hochparterre. Schließlich schützt das Hochparterre vor neugierigen Blicken vom Bürgersteig in die Zimmer.

Neuperlach ist ja, wie hier immer wieder gepredigt wurde, architektonisch gar nicht so schlecht. Folglich ist das Hochparterre hier – im „anderen“ München – weit verbreitet. Doch wie kommen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen in ihre Wohnungen, wenn es erst ein paar Stufen zu erklimmen gilt?

Ganz einfach: Ein zusätzliche Fahrstuhl muss eingebaut werden, der die ersten 1,50 Meter überwindet. Mit dem Stemmeisen wird ein Teil vom Eingang weggeschlagen (frei nach Torfrock: Ratatazong, ratatazong – weg ist der Beton), dann kommt der freundliche Monteur und errichtet die Vertikalbeförderungseinrichtung.

Münchhausen
„Münchhausen“, Bronzeskulptur, 1971 von Marlene Neubauer-Woerner geschaffen, gesehen an der Außenfassade der Grundschule an der Max-Kolmsperger-Straße (21.05.2009) © Thomas Irlbeck

Es geht übrigens auch anders: Man kann Häuser bauen, die Hochparterre haben, und dennoch den normalen Fahrstuhl so konstruieren, dass er sowohl im normalen Parterre als auch im Hochparterre hält. Dazu braucht man natürlich einen (zusätzlichen) Eingang auf Straßenhöhe. Auch braucht die Fahrstuhlkabine konstruktionsbedingt zwei Türen.

Ein ebenso ungewöhnliches Beförderungsmittel hat der berühmte Lügenbaron Münchhausen gewählt. Er lässt sich auf einer Kanonenkugel aus einer belagerten Festung herausschießen. Das Haus mit dem Rollstuhlaufzug und die Münchhausen-Skulptur sind übrigens nur wenige Meter voneinander entfernt. Sie verbindet damit mehr als nur die Entscheidung für ein spezielles Beförderungsmittel.

Mehr Kunst gibt es in der Kunst-Rubrik von Neuperlach.org.

Einstürzende Neubauten

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„Pavillon – Schräge Wände“ des Künstlers Kay Winkler an der Ständlerstraße (07.05.2009) © Thomas Irlbeck

Zugegeben, „einstürzende Neubauten“ gibt es in Neuperlach nicht. Bis auf ein paar marode Balkone in schwindelerregender Höhe ist Neuperlach noch stabil. Der Titel ist also ein Eye Catcher, der neugierig machen soll. Ein Trick. Obwohl, die Installation von Kay Winkler könnte durchaus „Einstürzende Neubauten“ heißen, tut sie aber nicht.

Mehr Kunst gibt es in der Rubrik Kunst von Neuperlach.org, die in Anbetracht der vielen Kunstinstallationen in Neuperlach immer noch viel zu klein ist.

Update: Langsam füllt sich die Kunstrubrik. Ein paar weitere wichtige Installationen wurden aufgenommen:

Blaue Spirale
„Die blaue Spirale“ von Louis Constantin, 1972 gebaut, 2001 an der Heinrich-Wieland-Straße auf der alten Trambahntrasse der Linie 24 installiert (17.05.2009) © Thomas Irlbeck
„Stahlskulptur“ von Alfred Aschauer, 1970 gebaut, steht vor dem AOK-Gebäude am Friedrich-Engels-Bogen 6, (17.05.2009) © Thomas Irlbeck

Mehr Fotos in höherer Auflösung gibt’s hier: http://www.flickr.com/photos/wolkenkratzer