Der Hachinger Bach: Seine Entstehung – seine Menschen – seine Mühlen

Werbung

Hachinger Bach Perlach
Am Hachinger Bach (Foto zur Illustration, kein Foto aus dem Buch) © Thomas Irlbeck

Der Hachinger Bach war hier mehrmals Thema, kein Wunder, fließt er doch auch durch Neuperlach.

Mehr zum Thema gibt es in dem eben erschienen Buch „Der Hachinger Bach: Seine Entstehung – seine Menschen – seine Mühlen“ von Dietrich Grund und Andreas Huber“, das als gedruckte Ausgabe und als Kindle-Edition verfügbar ist. Die Kurzbeschreibung:

Idylle am Hachinger Bach ?
Ja , es gibt sie noch – trotz Siedlungsdruck! Wandern Sie einmal ein Stück am Ufer entlang. Entdecken Sie die schönsten Stellen zwischen Oberhaching und Berg am Laim. Und lesen Sie in diesem Buch, wie der Hachinger Bach entstanden ist, ob er gefährlich ist, wie es in seinem Untergrund ausschaut, wie sich die Menschen hier ansiedelten und wie viele Mühlen hier einst klapperten.

Mehr Infos/bestellen: „Der Hachinger Bach: Seine Entstehung – seine Menschen – seine Mühlen“

Interview mit dem Tod

Werbung

Jürgen Domian – Interview mit dem Tod
Jürgen Domian – Interview mit dem Tod

„Hier ist Peter, und Peter ist 23 Jahre alt“. Nach diesem Schema hat der Nighttalker Jürgen Domian schon um die 20.000 Anrufer begrüßt. Nun aber ist Domian nicht nur Nighttalker, sondern schreibt unter anderem auch Bücher.

In seinem neuen Buch „Interview mit dem Tod“ hat sich Domian nun mit dem Thema Tod beschäftigt. Er hätte hier ein Sachbuch schreiben können, das aufgebaut ist wie die meisten Bücher. Thesen und Antithesen hätten vorgestellt und beleuchtet werden, Abwägungen vorgenommen und Rückschlüsse gezogen werden können. Es hätte ein populärwissenschaftliches Buch werden können. Auch ein autobiographisches Buch wäre denkbar gewesen. Oder ein Roman.

Doch Domian hat sich für einen ganz anderen Weg entschieden. Wenn Domian schon in seiner Sendung mit Leuten spricht, dann scheint es nahe liegend zu sein, ein fiktives Gespräch mit einem Anrufer zu führen, der es bislang noch nicht in die Sendung geschafft hat, weil er entweder nicht wollte oder schlicht bei den überlasteten Leitungen noch nicht durchkam, dem „Tod“. Das Naheliegende ist ja oft in weiter Ferne, weil man überall Ausschau hält, vor allem in der Ferne, und das, was vor den Füßen liegt, nicht erkennt. So gesehen ist die Idee vielleicht geradezu genial.

Es gibt hier aber einen gewaltigen Haken. In einem (populär)wissenschaftlichen Buch kann man das Für und Wider vortragen, aber man wird finale Antworten auf die fundamentalsten Fragen schuldig bleiben, weil es vielleicht (noch) keine Antworten geben kann. Bei einem Interview werden aber klare Fragen gestellt, hier unter anderem, ob es ein Leben nach dem Tod, Wiedergeburt und außerirdisches Leben gibt. Es sind Fragen, die man oft nur mit Ja und Nein beantworten kann. Das Buch würde aber keinen Sinn ergeben, würde sich der fiktive Gesprächspartner hier vor Antworten drücken. Würden die Antworten unscharf bleiben, müsste der Journalist Domian so lange nachhaken, bis die Antworten zufriedenstellend wären. Domian setzt sich also hier selbst unter Zugzwang, diese Fragen mit hoher Ernsthaftigkeit zu beantworten.

Auch wenn der Titel etwas anderes suggeriert, ist das eigentliche Interview der deutlich kleinere Teil des Buches. Damit ist das Buch vielleicht doch nicht ganz so anders, wie es erst den Anschein hat. Das Interview wird immer wieder unterbrochen und Domian beschreibt auf sehr persönliche Weise seine Auseinandersetzung mit den Themen Tod und Sterben, aber auch seine Suche nach dem Sinn des Lebens und die gewaltigen Ungerechtigkeiten, wenn Menschen schwere Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Er legt dar, wie er vom überzeugten Christen zum Atheisten wurde. Wie er sich mit philosophischen und religionskritischen Betrachtungen (Kant, Nietzsche, Schopenhauer, Feuerbach), aber auch mit dem Buddhismus intensiv auseinander gesetzt hat, schon in jungen Jahren, ohne aber irgendwo Antworten gefunden zu haben, die ihn allumfassend zufriedengestellt hätten.

Er hält ein Plädoyer für die Palliativmedizin, die Hospizbewegung und das Recht des Menschen auf einen würdevollen Tod, der seiner Meinung nach auch die Möglichkeit der in Deutschland verbotenen aktiven Sterbehilfe nicht ausschließen dürfe. An sehr intimen Beispielen zeigt Domian auf, dass die Trauerbewältigung in der Regel zu kurz kommt, dass der Tod in der modernen Gesellschaft verdrängt und als Störfall gesehen wird. Unter anderem aus diesem Grund fasziniert ihn das Tibetische Totenbuch, weil die dort beschriebenen Praktiken eine intensive Auseinandersetzung der Angehörigen mit dem Verstorbenen vorschreiben, was vermutlich die Trauerbewältigung verbessert.

Bei allen Betrachtungen in diesem Buch uns in anderen Büchern – letztlich geht es stets weniger um das Thema Tod, sondern mehr um das Sinnstiftende. Was soll ich mit meinem Leben anfangen? Warum gibt es mich, warum bin ich hier? Habe ich eine Mission? Oder ist der Sinn des Lebens nur der, dem man ihm selbst gibt? Was ist Liebe und wie groß ist ihre Kraft? Habe ich einen freien Willen? Gibt es Gott? Warum hat Gott den Holocaust zugelassen?

Es ist müßig, hier kann nur jeder selbst für sich eine Antwort finden. Sicher erscheint nur, dass es nichts gibt, was real ist, außer dem Augenblick, dem unendlich kurzen Moment außerhalb der Zeit. Alles andere ist nur konstruiert, ist reine Illusion, es existiert nur in unserer Vorstellung. Nur der Augenblick ist erfahrbar, und der Augenblick ist Leben. Der gerade vergangene Augenblick ist tot und der nächste Augenblick ist es ebenso. Dieser nächste Augenblick wird aber zum Leben. So gesehen gibt es ein Leben nach dem Tode.

Ich denke nicht, also bin ich

Werbung

Neuperlach.org verfolgt ja ein Motto: Immer mal was Neues wagen, denn immer gleiche Themen wie „Ladensterben im Marx-Zentrum“ werden irgendwann langweilig. Nun soll eine Buchbesprechung für Abwechslung sorgen. „Non cogito, ergo sum“ nennt Holger Junghardt sein Buch, auf Deutsch „Ich denke nicht, also bin ich“.

Junghardt beschreibt im ersten Teil unsere pervertierte Gesellschaft, was alles schief läuft. Wir züchten Tiere in Schlachtfabriken, um sie zu essen oder für Versuche zu verwenden (z.B. um Kosmetikartikel zu testen, die uns ewige Jugend und Schönheit bringen sollen), unser leistungsorientiertes Schulsystem ist ineffektiv, es gibt Kriminalität, Perspektivlosigkeit, die Religionen haben sich widersprechende Absolutheitsansprüche, Parteien dienen dem Selbstzweck, in der Erziehung läuft viel falsch, ebenso im Miteinander, speziell in Partnerschaften, im Beruf finden nur wenige Erfüllung und Freude, und mit immer mehr Bürokratie geht unendlich viel Zeit verloren. Zu allen erdenklichen Themen hat der Autor was zu sagen. Kurz und schonungslos rechnet er mit dem dekadenten System ab. Man hat den Eindruck, hier schreibt ein schlimmer Zyniker, der am Leben verzweifelt und gescheitert ist. Einige Aussagen erscheinen verächtlich, ausländer- und frauenfeindlich. Weisheiten wie

Insbesondere die Jugend fällt immer mehr durch Gewaltkriminalität auf. Dies ist vor allem verbreitet in Unterschichten, die sich in diesem Land ständig vermehren — der größte Reichtum des Prolet in seiner Kinderschar besteht.

würde man spontan Thilo Sarrazin zuschreiben. Junghardt erwähnt zwar nicht namentlich die Muslime, aber spricht von Unterschicht, von Migranten und von radikalen Religionen. Seine Botschaft ist die, dass die westliche Welt irgendwann auf den Stand der Dritten Welt zurückfällt, da die immer größer werdende Unterschicht das ganze System herunterzieht.

Die Aussage zur Gleichberechtigung der Frau ist unhaltbar:

Hierzu ((gemeint ist der Feminismus, der Verfasser)) ist zu sagen, dass die Mehrheit der Frauen für die Emanzipation ist, intelligente Frauen dieser jedoch gleichgültig gegenüberstehen.

Eine andere beleuchtet das Wahlverhalten der Frauen:

[…] wählen Frauen sehr gerne nach der Attraktivität eines Kandidaten, gleichsam wie in einem Wunschprogramm, um ihrem Helden später möglichst oft in Rundfunk und Fernsehen zu begegnen

Ich war mehrmals kurz davor, das Buch im hohen Bogen wegzuwerfen, war aber dann doch neugierig, welche Lösungen der Autor im zweiten Teil anzubieten hat.

Junghardt sieht das Problem in einer Überbetonung des Verstandes, der im Grunde genommen nur eine Art Computer ist und bei vielen Menschen, den Dummen, auch noch schlecht arbeitet, man könnte sagen, schlecht programmiert ist. Dieser Verstand blubbert den ganzen Tag, er ist ein Warner, die Quelle lähmender, schädlicher Ängste und der Ursprung allen Übels. Die wahre Freude, das Empfinden der Schönheit der Natur, ist mit einem verstimmten, dominierendem oder überhaupt einem aktivem Verstand nicht möglich. Tiere empfinden Freude in ihrer reinsten Form, eben weil ihnen der Verstand fehlt, sie sich nicht des Endlichen bewusst sind. Aber der Mensch sieht sich zu Unrecht als Krone der Schöpfung und spricht Tieren das Recht auf Leben ab.

Schlachtfabrik
Schlachtfabrik. Schweine haben ein Hundeleben, das man ihnen auch noch nimmt. Foto: Johannes Lietz / Lizenz siehe: flickr

Der Autor bietet ein paar relativ einfache Verhaltensweisen an, die fern jeder Ideologie und Institution sind. Nach der Goldenen Regel der Ethik („Was du nicht willst, dass man dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu“), dem achtsamen Umgang, z.B. mit dem Leben und Konsum, und dem Ideal des Strebens nach Schmerzlosigkeit statt nach Genuss kommt Junghardt zum interessantesten Punkt. Der Mensch an sich ist halb komatös, er muss wieder wacher werden, sich selbst wahrnehmen und den Verstand auf seine nützliche Funktion zurückschrauben. „Ich denke, also bin ich“ (Descartes) wird als größer Irrtum der Menschheitsgeschichte entlarvt, folgerichtig kommt Junghardt zu seinem Titel. Das Besänftigen des Verstandes bedeutet eine ständige Arbeit, ein permanentes Training, das sich vor allem auf ein immer währendes Selbstbeobachten stützt. Selbstbewusstsein – in unserer Gesellschaft als Charakterstärke fehlgedeutet – wird zum Ursprung zurückgeführt – des Sich-selbst-bewusst-sein, der Mensch erkennt, dass er ist. Wut, Neid, Hass und weitere schlechte Eigenschaften verschwinden, und Konfusionen, die mitunter in Kriege ausarten können, werden vermieden. Alls ist mit allem verbunden, alles wird eins, weil es bereits eins ist. Wer würde sich zum Beispiel selbst den Arm abhacken? Bei anderen haben wir aber nicht diese Hemmungen, wenngleich sich das nicht immer martialisch manifestieren muss, subtilere Vergehen (Steuerbetrug, Ladendiebstahl) oder psychische Varianten (Mobbing etwa) sind nur andere Facetten einer scheinbaren Trennung. Wer anderen schadet, schadet ebenso sich selbst, ja in gewisser Weise nur sich selbst. Die Welt trägt jeder in sich, das Außen ist in Wahrheit nur ein Bild im Inneren, ein Produkt des Gehirns. Das Gegenüber, ob Freund oder Feind, ist eine Projektion, die in uns stattfindet. Der Beobachter ist das Beobachtete, man ist selbst die Welt.

Der erste unsägliche Teil des Buches erscheint auf einmal in einem anderen Licht. Man verzeiht dem Autor nicht nur seine Auswüchse, sie werden vielmehr absolut bedeutungslos. Fazit: Ein Buch zum Aufwachen.

Junghardt, Holger: Non cogito, ergo sum, BOD, Oktober 2010, Taschenbuch, ISBN 978-3839195307, EUR 7,90

Non cogito, ergo sum, Bestellen bei Amazon

Unterirdisch

Werbung

Das „München U-Bahn-Album“ von Florian Schütz ist erschienen. Während sich andere U-Bahnbücher primär mit der Geschichte, den Fahrzeugen und Linienführungen auseinandersetzen, konzentriert sich Schütz vor allem auf die Bahnhöfe, die er in Gestalt von sehr gelungenen Farbfotos (rund 400) und zugehörigen textlichen Beschreibungen, die in Deutsch und Englisch abgedruckt sind, vorstellt.

Natürlich dürfen auch die Neuperlacher U-Bahnhöfe nicht fehlen. Der Autor verrät nicht nur bei diesen Bahnhöfen der U5 Süd, was sich die Planer und Architekten dabei gedacht haben und warum die Bahnhöfe so aussehen, wie sie aussehen. So erfährt man auch das eine oder andere interessante Detail, das vielleicht sogar so manchem U-Bahnspezialisten noch nicht bekannt war.

München U-Bahn Album
München U-Bahn Album

Florian Schütz
„München U-Bahn Album“
Robert Schwandl Verlag
ISBN 978 3 936573 19 0
19,50 EUR

U-Bahn-Blog: Das Buch, ein langer Weg

Bestellen bei Amazon