Finsterworld – ein bitterböser Film voller Lichtblicke

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Eine unschöne Vorgeschichte

Finsterworld - Drehort
Hier an dieser Stelle wurde 2012 gedreht. Das Klettergerüst und die Wohnanlage im Hintergrund sind im Film zu sehen (23.07.2014) © Thomas Irlbeck

Vor zwei Jahren fanden in meiner Wohnanlage Dreharbeiten zu dem Kinofilm Finsterworld statt. Während der Arbeiten kam es zu Einschränkungen, die einige Bewohner als Belästigung empfanden. Der Durchgang über den Nordweg wurde immer wieder unterbrochen. Zeitweise durften die Bewohner nicht am eigenen Fenster stehen, verständlich, weil es im späteren Film ja reichlich seltsam aussehen würde, wenn eine Menge Leute aus dem Fenster schauen.

Einige Bewohner wollten so etwas kein weiteres Mal erleben. Als dann noch bekannt wurde, dass man von der Produktionsgesellschaft laut Aussage der Hausverwalterin kein Honorar als Entschädigung für die Unannehmlichkeiten bekommen habe, kochte bei einigen die Wut hoch. Schlimmer: Einige glaubten der Verwalterin nicht und vermuteten, sie habe das Geld in die eigene Tasche gesteckt. Beweise dafür gibt es keine.

„Ich schwöre …“ – Eid beim Amtsgericht und das ist kein Film …

Mit einem Antrag auf der Eigentümerversammlung sollte zweierlei erreicht werden: Erstens: Es soll nie wieder Dreharbeiten in der Wohnanlage geben – unabhängig davon, ob mit oder ohne Honorar. Zweitens: Die Verwalterin legt auf eigene Kosten einen Eid beim Amtsgericht München ab, dass sie kein Honorar erhalten habe.

Zu meinem Erstaunen wurde der Antrag in allen Bestandteilen zugelassen, also auch der Eid beim Amtsgericht. Die Verwalterin wagte die Flucht nach vorne. Sie habe sich nichts vorzuwerfen, also könne sie das auch unter Eid aussagen. Bei der Abstimmung erhielt der Antrag dann eine große Mehrheit. Das ewige Drehverbot und auch der abzuleistende Eid wurden als Gesamtpaket durchgewunken.

Ich finde so etwas spießig. Natürlich gibt es bei Dreharbeiten immer Einschränkungen und es entstehen auch Schäden, für deren Beseitigung das Honorar kaum ausreicht. Aber ich habe dennoch als einer der wenigen gegen den Antrag gestimmt. Wenn in Zukunft Honorare gezahlt würden, hätte ich mir durchaus erneute Dreharbeiten vorstellen können. Schon einmal, weil es mir Freude macht, meine Wohnanlage später in einem Spielfilm zu sehen.

Der Film

Finsterworld, eine deutsche Produktion, kommt zunächst als typischer Episodenfilm daher. Man sieht in wechselnden Szenen Menschen, die an verschiedenen Plätzen leben und arbeiten. Ein Fußpfleger, ein Polizist, Schüler einer Privatschule, eine Regisseurin, eine alte Dame im Altenheim, ein Einsiedler, um nur einige zu nennen. Erst nach und nach kristallisiert sich heraus, dass die Leute miteinander verbunden sind – weil sie eng verwandt sind oder anderweitig zusammengehören.

Das Faszinierende aber ist, dass hinter der spießigen Fassade gewaltige menschliche Abgründe und Perversionen stecken, die dem Zuschauer in einem dramaturgischen Spannungsablauf mit bitterbösen Szenen präsentiert werden. Manchmal ist der Film absolut und fast enttäuschend vorhersehbar, oft wird der Zuschauer aber mit höchst überraschenden Wendungen konfrontiert. Die meisten Gags sind so gelungen, dass es unangemessen wäre, sie hier zu verraten. Nur eines soll gesagt werden: Die unrühmliche deutsche Geschichte unter Adolf Nazi und typische deutsche Klischees spielen eine zentrale Rolle. Einige der vorgetragenen Thesen sind geradezu köstlich und wie immer steckt in jeder Satire auch eine dynamisch große Portion Wahrheit.

Negativ ist mir aufgefallen, dass im Film laufend geraucht wird. Rauchen wird als Normalität dargestellt, auch die Schüler qualmen wie Schlöte und erhalten sogar von Erwachsenen Zigaretten angeboten. In einer Szene in einer Tankstelle gibt es ein riesiges überbreites Regal, in dem klar erkennbar Zigaretten fast nur einer Marke zu sehen sind. Offenbar wurde hier massives Product Placement betrieben.

Finsterworld ist inzwischen als DVD erhältlich.

Infos kompakt

Produktionsjahr: 2013
Regie: Frauke Finsterwalder
Drehbuch: Christian Krach
Darsteller: Ronald Zehrfeld, Sandra Hüller, Michael Maertens, Margit Carstensen, Corinna Harfouch
Spieldauer: 91 Minuten
FSK 12
Mehr Infos/bestellen: hier klicken

„Dieses Rattenloch ist kein Zuhause“

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Marx-Zentrum mit Alpenpanorama © Jörg Lutz

Es gibt Filme, die sieht man sich nur an, weil sie direkt vor der eigenen Haustüre gedreht wurden. Im Marx-Zentrum. „Das beste Jahr meines Lebens“ ist so ein Film, der vor kurzem im SWR wiederholt wurde und auch auf DVD erhältlich ist. Ausgerechnet auf der Geburtstagsfeier von Laura (gespielt von Christine Neubauer) wird ihr Mann Niklas (Huub Stapel) verhaftet. Der Vorwurf: Kreditbetrug. Es gebe eine anonyme Anzeige, heißt es. Am Anfang glaubt Laura nur an ein großes Missverständnis, doch mit jeder Filmminute spitzt sich die Lage zu. Zunächst muss Laura ihren Luxus aufgeben. Die Möbelfirma ihres Mannes ist pleite. Auch das luxuriöse Haus ist futsch. Laura zieht mit ihren beiden Kindern ins Marx-Zentrum, das offenbar eine Entsorgungsstätte für gescheiterte Reiche ist (siehe TV-Serie Arme Millionäre). Sohn und Tochter sind von dem heruntergekommenen Hochhausblock gar nicht begeistert. Das Filmteam half ein wenig nach, um von vornherein eine mögliche Neuperlach-Liebe zu verhindern – beim Einzug werden sie von einem übel hustenden Penner begrüßt. Die Tochter bezeichnet das Marx-Zentrum als „Rattenloch“.

In „Das beste Jahr meines Lebens“ bezieht sich das „beste“ nicht aufs Marx-Zentrum – im Gegenteil

Die Kinder rebellieren zunächst, fügen sich aber letztendlich. Laura freundet sich mit ihrer allein lebenden Nachbarin Ziggy (Sandra Borgmann) an. Die unkonventionelle Frau, die ihr Geld mit Taxifahren und Telefonsex verdient, bringt Laura auf neue Gedanken und findet auch einen Bezug zu den Kindern. Nachdem Laura es auch mit dem Taxifahren versucht hatte, was mit einem kleinen alkoholbedingten Unfall ein jähes Ende fand, tritt Laura einen Job als Bedienung in dem verlotterten italienischen Lokal „La Grotta“ an, das irgendwo in der Innenstadt liegt. Dort wird sie vom Koch angegrabscht. Der ihr zur Hilfe eilende Arbeitskollege Robert (Nicki von Tempelhoff), mit dem sie später eine Affäre haben wird, befördert ihn mit einem mächtigen Faustschlag ins Spital. Der Koch fällt erst einmal für längere Zeit aus. Das ist die Chance für Laura und spätestens jetzt wird es arg kitschig. Laura steigt zur Küchenchefin auf und bringt mit Talent und Vollweib-Einsatz das Lokal wieder auf Vordermann. Währenddessen findet Laura heraus, dass ihr Mann nicht nur die Banken betrogen hatte, sondern auch sie. Er hatte ein Verhältnis mit seiner Sekretärin. Aber auch das wirft sie nur kurz aus der Bahn.

Der Film ist größtenteils vorhersehbar, und wo er das nicht ist, ist er nicht immer ganz logisch und glaubwürdig. Als Laura die Geliebte zur Rede stellt, gibt diese innerhalb von Sekunden nicht nur die Affäre zu, sondern auch ohne Not und ohne zu zögern, hinter der anonymen Anzeige zu stecken, als Rache, weil Niklas sich nicht ganz für sie entscheiden wollte und eine Trennung von Laura ablehnte.

Christine Neubauer bekommt 2008 den BAMBI
Christine Neubauer lobt im Film die herrliche Aussicht, die man von den oberen Stockwerken im Marx-Zentrum hat. Foto: BAMBI 2010 / Lizenz siehe: flickr

Letztlich ist der Film nur eine auf Zelluloid gebannte Trivialliteratur-Schnulze mit schwülstigem Happy-End. Die Charaktere folgen einer strikten Gut-Böse-Einteilung. Witzige Elemente, die den Film noch in eine Komödie retten könnten, findet man so gut wie keine, es sei denn, man interpretiert abgedroschene Szenen, etwa die, in der Lauras spießige, reiche Freundin Helene (Andrea L’Arronge) zufällig zum Taxifahrgast wird, als irgendwie komisch. Oder die Einstellung, in der Laura an ihrem ehemaligen Wohnhaus vorbeifährt und wehmütig das Schild „Zu verkaufen“ entdeckt.

Keine Negativdarstellungen mehr erlaubt

Der Film entstand bereits 2005, damals durfte im Marx-Zentrum noch ungehemmt gedreht werden. Heute darf per Eigentümerbeschluss das Marx-Zentrum nicht mehr negativ dargestellt werden. Generell treffen hier künstlerische Freiheit und die Interessen der Eigentümer und Bewohner aufeinander.

Ich habe selbst im Marx-Zentrum gewohnt. Ich zog 1974 dorthin, da war das Marx-Zentrum noch eine halbe Baustelle; als 8-Jähriger sah ich damals mit Freude den Bauarbeitern zu, die die letzten Arbeiten erledigten. So waren die Fußgänger- und Lieferbereiche noch nicht gepflastert und es war noch kein Laden fertiggestellt. Auf dem nahe gelegenen Sportplatz gab es aber Baracken mit Einkaufsmöglichkeiten. Heute lebe ich in einem Wohnblock, der fast derselben Architektur unterliegt, also auch „hübsch“ mit schwarzen Platten verkleidet ist. Er schließt sich nahtlos, ohne dass auch nur ein Zentimeter dazwischen wäre, an das Marx-Zentrum an. Man könnte den Bau als eine Art Erweiterung des Marx-Zentrum sehen, der Schönheitsfehler liegt jedoch darin, dass er bereits ein paar Jahre vor dem Marx-Zentrum entstand, so gesehen ist das Marx-Zentrum eher eine Erweiterung meines Wohnblocks. Formal sind beide Wohnanlagen getrennt. Weitere Bauten mit der gleichen Architektur gibt es in Neuperlach keine. Damit will ich sagen, die Bezeichnung „Rattenloch“ trifft mich ebenso. Immerhin werden die Bezeichnungen „Marx-Zentrum“ und irgendwelche Straßennamen im Film weder erwähnt, noch sind entsprechende Schilder zu sehen. Das verringert die Chance, dass man sich am Tag nach solchen Filmausstrahlungen bei Arbeitskollegen und Bekannten für sein Zuhause rechtfertigen muss. Allerdings fällt der Name Neuperlach mehrere Male. Ich habe Verständnis, dass Bewohner sich über solche Negativdarstellungen ärgern. Meinen Ärger unterdrücke ich damit, dass ich der künstlerischen Freiheit einen sehr hohen Rangwert einräume, auch wenn ich nichts Künstlerisches an diesem Film erkennen kann.

Maibaum Viktualienmarkt Stadtflagge
Maibaum auf dem Viktualienmarkt mit der schwarz-gelben Stadtflagge. Foto: patrikmloeff / Lizenz siehe: flickr

Trotz des erwähnten Eigentümerbeschlusses wird im Marx-Zentrum vermutlich auch in Zukunft fleißig weitergedreht. Wenn das Marx-Zentrum nicht mehr ins schlechte Licht gerückt werden darf, dann spielt der Film halt offiziell wo anders. Wenn die Filmhandlung etwa in Berlin stattfindet, dann kann ja das Marx-Zentrum in München nicht heruntergemacht werden. Oder etwa doch? In beiden Fällen sind es ja Geschichten, die erzählt werden, wo diese auch immer stattfinden. Das, was der Zuschauer sieht, bleibt optisch das Marx-Zentrum. Aber es ist eben nur Fiktion. Trotz einiger Missstände lebt es sich im Marx-Zentrum und drumherum gut. Die Wohnungen haben einen Komfort, wie er von heutigen Neubauten oft nicht mehr erreicht wird. Die schwarzen Gebäude mit den vielen gelben Sichtbetonelementen mag man als bedrohlich, unästhetisch ansehen. Mit etwas Phantasie findet man in der Gestaltung aber die Münchner Identifikationsfarben der Stadtflagge: schwarz-gelb. Aber dass diese das Motiv des Architekten waren, bleibt ein Gerücht.

Sich wie im falschen Film fühlen – Peschelwood lebt

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Marx-Zentrum mit Alpenpanorama © Jörg Lutz

Das Marx-Zentrum am Peschelanger mit seinen schwarzen Hochhäusern ist ein Eldorado für Filmemacher. Man könnte es auch „Peschelwood“ nennen, nur der Schriftzug fehlt. Für die Filmschaffenden hat das Marx-Zentrum einen Vorteil, der sich in den letzten Jahren noch verstärkt hat. Denn inzwischen werden immer mehr Hochhäuser in Neuperlach bunt angemalt und verlieren ihre bedrohliche Kulisse. Nicht so das Marx-Zentrum: Da die Häuser mit Myriaden schwarzer Platten verkleidet sind, die man nur aufwändig austauschen könnte, bleibt das Marx-Zentrum ein Relikt des alten Neuperlachs, des Hässlichen. Also eine ideale Filmkulisse, um Gewalt, sozialen Abstieg und das Marode zu verkörpern. In den Jahren wurde nur Nuancen verändert, z.B. die Farbe der wenigen plattenfreien Wände zum Teil geändert (1). Das Schwarz blieb. Es muss aber immer wieder betont werden, dass das Bild in den Medien falsch ist. Das Marx-Zentrum ist keine Kriminalitätshochburg und es lässt sich hier gut leben.

Berlin in München gedreht

Fast wie in Neuperlach: Berlin. Foto: jonas_k / Lizenz siehe: flickr

Derzeit finden im Marx-Zentrum Dreharbeiten für den Film Kaddisch für einen Freund statt, der eigentlich am Berliner Mehringplatz spielt (Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 06.08.2010; Seite 58/R14, Stadtausgabe). Die Häuser sind von der Architektur ähnlich, sodass das Ganze passt. Allerdings ist das Marx-Zentrum viel zu sauber für Berlin, sodass man ein bisschen nachhelfen muss. Warum man nicht gleich in Berlin produziert, liegt am Geld – der Filmfernsehfonds Bayern macht den Dreh in Bayern möglich. So dreht man Berlin in München, wenn man so will. Laut Informationen eines Marx-Zentrum-Eigentümers dürfen im Marx-Zentrum keine Drehs mehr erfolgen, in denen das Marx-Zentrum negativ dargestellt wird (Neuperlach.org berichtete über die damals noch drohende Maßnahme, die nun Realität ist: „Daaa wohnst du?“ – Bald nur noch Heile-Welt-Produktionen im TV?). Allerdings kann das Marx-Zentrum jetzt gar nicht negativ abgebildet werden, wenn das Marx-Zentrum als Berlin Mehringplatz ausgegeben wird. So einfach ist das in der Filmwelt, und der Mythos Peschelwood „dreht“ sich weiter.

„Arme Millionäre“ lernen den wahren Reichtum kennen – in Neuperlach!

Legendär war die RTL/ORF-Comedy-Produktion „Arme Millionäre“ (2005/2006). Arm und Reich liegen ja oft nahe beieinander. Die Milliardärsfamilie Gabriel (hochkarätig besetzt, Sky du Mont als Paul Gabriel, Andrea Sawatzki als Ehefrau Adina, Mavie Hörbiger als Tochter Lilo, Maxi Warwel als Tochter Sarah), der eine Hotelkette, eine Luxusvilla und viel, viel Geld gehören, ist von einem Tag auf den anderen pleite. Unter der Brücke müssen sie aber nicht leben. Ihr ehemaliger Chauffeur Fritz (gespielt von Ludger Pistor) nimmt sie selbstlos (oder doch mit Hintergedanken!?) in seiner Plattenbauwohnung im Peschelanger 7 auf, übrigens ein Haus, das nur wenige Häuser von meinem Wohnhaus entfernt ist.

Der eigentliche Höhepunkt dieser Serie ist dieser Einzug. Um die Wirkung zu verstärken und die Kluft zwischen Luxus und maroder Tristesse in den Slums zu potenzieren, hat man – man ahnt es schon – ein wenig nachgeholfen. Sobald die Kamera in das Haus am Peschelanger 7 schwenkt, sieht man eine andere Realität: Fahrstühle mit grotesken Bullaugen-Türen und ein Foyer, das an einen apokalyptischen Film erinnert, aber nicht an das Marx-Zentrum. Ferner wurde das Haus künstlich an eine Autobahn verlegt. Entsprechende Filmschnitte machen es möglich. Ein Fenster der Wohnung geht direkt zur Autobahn raus, die aber in Wahrheit ganz wo anders liegt. Im Haus sind ständige laute Geräusche zu hören, dazu kommt der Lärm der Autobahn und viele Polizei- und Notarzteinsätze. Die geschummelten Schnitte gehören gewiss zur künstlerischen Freiheit und dürften nur von Ortskundigen als Fälschung erkannt werden.

„Arme Millionäre“-Hauptdarstellerin Andrea Sawatzki. Foto: Schröder+Schömbs PR _ Brands | Media | Lifestyle / Lizenz siehe: flickr

Die Familie Gabriel findet im Peschelanger wieder zusammen. Die neue Erfahrung der Armut lässt sie den wahren Reichtum kennen lernen. Nach dem grandiosen Höhepunkt plätschert die Serie aber ein wenig vor sich hin. Aus dem Einzug ins Marx-Zentrum hätte man sicher weit mehr machen können. Sky du Mont und Andrea Sawatzki kompensieren aber manche lauen Gags, die ohne sie kaum gezündet hätten. Bereits Sky du Monts einzigartige Stimme rechtfertigt schon fast das Zusehen – genauer Zuhören muss man ja dann wohl sagen. In einer Szene will Sky du Mont sich mit einem mal eben gecharterten Kleinflugzeug in den Tod stürzen, damit seine Familie wieder zu Geld kommt. Denn seine Lebensversicherung ist alles, was noch an monetären Werten da ist, aber die zahlt nur im Todesfall. Man darf unterstellen, dass Selbstmord ein Ausschlusskriterium ist, aber über solche kleinen Ungereimtheiten soll mal hinweggeblickt werden, passen doch die Szenen zur Story wie die Faust aufs Auge.

Die Serie wurde, obwohl sie zunächst ein Überraschungserfolg war, nie zu Ende gedreht und starb nach zwei Staffeln. Alle 12 Folgen dieser beiden Staffeln sind auf DVD erhältlich und mit 9,97 EUR (Amazon) auch bezahlbar.

Da sicher viele noch mehr vom Marx-Zentrum sehen möchten, nun die filmreife Frage: Wer kennt weitere TV- und Kinoproduktionen, die im Marx-Zentrum gedreht wurden? Hilfreich wären der genaue Titel und das Produktionsjahr. Hollywoodreif wäre ein Hinweis auf Produktionen, die demnächst im TV laufen (als Neuproduktion oder Wiederholung) mit Sender und Sendetermin. Danke schon mal im Voraus!

(1) Die südlichen Häuser im Marx-Zentrum, die zur Max-Kolmsperger-Straße gehören, hatten früher blaue Fahrstuhl-Betriebsräume und orange Fahrstuhltürme statt gelbe wie bei den anderen Häusern. Inzwischen hat man vereinheitlicht: Jetzt sind die genannten Flächen gelb. Vielleicht hatte man bei der Sanierung versehentlich nur gelbe Farbe gekauft.

Voll abgedreht

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Man glaubt es kaum: Das Marx-Zentrum ist älter als „Der Alte“. Siegfried Lowitz alias Kriminalhauptkommissar Köster ging 1977 mit dem „Alten“ erstmals auf Sendung, das Marx-Zentrum öffnete bereits 1975. Die Fahrzeugflotte des „neuen Alten“ parkt vor dem Penny (10.12.2008). Foto: Thomas Irlbeck

Das Marx-Zentrum in Neuperlach ist diese Woche mal wieder großes Kino angesagt (siehe dazu auch unter „Daaa wohnst du?“ – Bald nur noch Heile-Welt-Produktionen im TV?) . Eine neue spannende Folge der beliebten ZDF-Krimiserie „Der Alte“ steht auf dem Programm, sagt der Drehplan. Kriminalhauptkommissar Herzog alias Walter Kreye schlägt sich wie immer mit Mord und Totschlag herum. Der Tod kommt halt mörderisch gut. Aber wer war’s? Kein Problem, ich lös‘ den Fall auf jeden Fall. Das Ende der Story ist mal wieder voll abgedreht.

Ein Bewohner hatte den Finger am Abzug und schoss mit der Digicam – treffsicher:

(Bild entfernt)

In dieser Fotoserie … (12.12.2008).

(Bild entfernt)

… dreht sich alles um den Drehort, der sich auf der Anlieferzone des Penny … (12.12.2008).

(Bild entfernt)

… vor dem Peschelanger 9 befindet. Nun wer steht denn da?  Michael Brandner spielt in dieser Folge vom Alten mit (12.12.2008).

(Bild entfernt)

Gut getroffen (12.12.2008).

(Bild entfernt)

Ein Taxi scheint in dieser Folge auch eine Rolle zu spielen (12.12.2008).

„Daaa wohnst du?“ – Bald nur noch Heile-Welt-Produktionen im TV?

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Im Neuperlacher Marx-Zentrum werden häufig TV-Serien und Spielfilme gedreht. Die mächtige schwarze Hochhausfestung scheint eine Faszination auf die Regisseure auszuüben.

Doch meist wird das Marx-Zentrum ins schlechte Licht gerückt und als heruntergekommene Kriminalitätsfestung präsentiert. Oft wird noch nachgeholfen und die Häuser werden noch etwas „nachbearbeitet“. Die RTL/ORF-Comedy-Serie  „Arme Millionäre“ mit Sky du Mont etwa wurde hier gedreht.

Laut einem Eigentümer vom Marx-Zentrum wurde in einer Eigentümerversammlung bereits gefordert, dass in Zukunft keine Drehgenehmigung mehr erteilt werden soll, wenn das Marx-Zentrum negativ dargestellt wird. Es sollen schon Leute dumm angesprochen worden sein, wenn ihre Wohntempel im TV gesichtet wurden, „Daaa wohnst du?“. Aber es darf gefragt werden, ob die künstlerische Freiheit nicht vorgeht. Und was überhaupt „positiv“ oder „negativ“ ist. Ist das nicht alles auch subjektiv?