Nach den Radarkontrollen kommen jetzt die MVV-Blitzer

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Schwarzfahren
Schwarzfahren kostet nichts, es sei denn, man wird erwischt. Dann kann es aber im Wiederholungsfall (theoretisch auch beim ersten Mal) viel teurer werden als die hier angedrohten 40 EUR. Foto: zemeigo / Lizenz siehe: flickr

Bei fast allen Autofahrern sind sie gefürchtet, die Blitzer. Vor vielen Jahren kamen Radiosender auf die Idee, von Hörern gemeldete Blitzerstandorte bekanntzugeben. Offiziell sollen diese Meldungen natürlich nicht dem Rasen Vorschub leisten, sondern dem Hörer vermitteln, dass überall Blitzer lauern können, sodass es nicht nur aus Gründen der Verkehrssicherheit, sondern auch zur Schonung des eigenen Geldbeutels sinnvoll ist, die Geschwindigkeitsbeschränkungen einzuhalten. Ob eine solche erzieherische Maßnahme erzielt wird, ist stark umstritten. Tatsache ist aber, dass die Meldungen meist unvollständig und veraltet sind. Man kann sich also auf sie nicht verlassen, sodass sie als Raseranleitung kaum funktionieren. Verboten wurden die Meldungen nie, aber die Radiostationen dürfen die genauen Blitzerstandorte nicht mehr punktgenau, sondern nur noch grob beschreiben. Auch die Polizei kündigt übrigens schwerpunktmäßige Geschwindigkeitskontrollen an und gibt sie an die Medien. Hier werden meist Stadtteile und Zeiträume genannt. Die Polizei ist folglich kein Gegner der Meldungen, wenn bestimmte Regeln eingehalten werden.

Nun gibt es eine ganz andere Art von Blitzermeldungen: Dabei melden Fahrgäste per Twitter oder Facebook, wenn sie im MVV-Gebiet – U-Bahn, S-Bahn, Tram, Bus – kontrolliert werden oder Kontrolleure entdecken. Da es sich auch um Kontrollen handelt, bei denen man im Falle eines Vergehens das Portmonee zücken muss, lag es nicht fern, auf die Radarkontrollen anzuspielen. Fertig war der Begriff MVV-Blitzer. Das Ganze entstand daraus, dass Einzelne per Smartphone ihre Twitter-Follower und Facebook-Freunde vor den Kontrollen warnten. Auch ich bekomme solche Meldungen per Twitter, da ich verschiedene Tag-Suchen eingerichtet habe, z.B. „#Neuperlach“, sodass ich darüber informiert werde, dass z.B. in Neuperlach Zentrum geblitzt wird. Eine Struktur war anfangs nicht dahinter. Inzwischen gibt es jedoch einen eigenen Twitter-Account mit rund 250 Followern und eine Facebook-Gruppe mit über 4.000 Mitgliedern dafür. Die Verbreitung der Meldungen geschieht entsprechend organisierter. Man folgt dem entsprechenden Twitter-Account oder ist Mitglied der jeweiligen Facebook-Gruppe und erhält die Meldungen. Potz Blitz!

Ob mit diesem Dienst möglicherweise Gesetze verletzt werden, will, darf und kann ich nicht final beurteilen, sondern höchstens einige Gedanken einstreuen. Einerseits melden die Fahrgäste ja nur eine Beobachtung. Andererseits kann man damit argumentieren, dass dadurch dem Schwarzfahren Vorschub geleistet wird. Allerdings wechseln die Kontrolleure zu oft die Linien und Standorte und vollständig sind die Meldungen ebenso nicht. Wie auch immer, Schwarzfahren ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Der eine oder andere, der das Stempeln oder seine Netzkarte* zu Hause vergessen hat, mag davon profitieren, ohne auf Kosten der anderen Fahrgäste Leistungen zu erschleichen. Das dürften aber nur Ausnahmefälle sein. Aus solidarischen Gesichtspunkten ist der Dienst sehr fragwürdig. Ob die Aktion beim MVV einschlägt wie ein Blitz und dieser einschreitet oder mit Konzeptänderungen, etwa noch häufigeren Linien- und Standortwechseln, reagiert, bleibt abzuwarten.

(* Bei nicht übertragbaren Netzkarten kann man diese nachträglich vorlegen und bekommt die 40 EUR erhöhtes Beförderungsentgelt abzüglich einer Bearbeitungsgebühr von 7 EUR wieder zurück).

Kostenlos für 99 Euro pro Monat

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Kostenlos für 99 EUR im Monat
Solche Faxe nehmen kein Ende. Mein virtuelles Faxgerät spuckt eines nach dem anderen aus

Dubiose Branchenbuchanbieter mit Abzockgarantie sind zwar nichts Neues, aber es scheinen immer wieder Leute darauf anzuspringen, sonst gäbe es diese Angebote nicht in dieser Fülle.

Hier mal wieder ein Beispiel eines Angebots für einen Branchenbucheintrag. Es stammt von OBD, der das „Branchenbuch Bayern“ betreibt, und kam vorhin per Fax. Da ich auf ein virtuelles Faxgerät umgestellt habe, muss ich mich zumindest nicht über Papier- und Tintenverbrauch sowie eine Abnutzung des Gerätes ärgern. Dabei setzt der Anbieter auf den Facebook-Hype. Konkret wird angeboten, „ohne zusätzliche Kosten“ eine Seite auf facebook.com einzurichten, oben heißt es auffällig „jetzt mit Gratis-Seite auf www.facebook.com“.

Weiter unten ist jedoch zu lesen, dass die Dienstleistung des Unternehmens OBD selbst für den Brancheneintrag 99 Euro im Monat koste bei einer Laufzeit von 2 Jahren. In dem langen Text kann man den Preishinweis schon mal übersehen. Man kann jedem nur empfehlen, wer sein Unternehmen in Facebook präsentieren will, einfach selbst eine Facebook-Seite einzurichten. Das kostet nichts, außer Zeit und ggf. die normalen Gebühren für den Internetzugang. Aber für 99 Euro × 24 = 2.376 Euro (!) kann man lange im Internet surfen.

Wir wollen „wollen“

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pep
Viele Neuperlacher haben einen weiten Weg zum Einkaufszentrum pep. Dort findet sich der einzige McDonald’s weit und breit. Kann ein Lieferdienst hier alle Probleme lösen (Archivbild)? © Franco und Manuel

In Facebook gibt es ja die verrücktesten Seiten und Gruppe. Innerhalb weniger Tage hat eine Unterstützerseite, die zu Guttenberg zurückhaben (Seite nicht mehr verfügbar) will, rund 550.000 Fans gesammelt. Eine andere Seite will Gutenberg (sic!) (Seite nicht mehr verfügbar) zurück, den Buchdrucker und genialen Erfinder. Immerhin knapp 4.000 Fans fordern dieses eher aussichtslose Unterfangen. Magere 1.000 Anhänger wünschen das Comeback des alten Kaisers Wilhelm (Seite nicht mehr verfügbar). Wahrscheinlicher ist freilich, dass Lebende ein angemessenes Amt erhalten. Rund 150 Anhänger fordern die geeignetste Kandidatin, sie wollen Lilo Wanders als neue Verteidigungsministerin, obschon ein Nachfolger ja schon gefunden ist.

Doch es geht auch weniger verrückt, dafür aber mit einem hohen praktischen Nutzen: Eine Seite mit über 150.000 Fans, die die offenbar zu weiten Wege zu den kulinarischen Tempeln scheuen, fordert einen McDonald’s-Lieferservice. Der Unterstützer Marcel P. meint, in Amerika gäbe es so was schon, für die Leute, die nicht mehr durch die Tür passen würden.

Die genannten Gruppen und Seiten beginnen fast alle mit „Wir wollen“. Ausnahme ist die vorhin genannte Seite, die Lilo Wanders als Verteidigungsministerin propagiert. Wahrscheinlich, weil es noch das realistischste Ziel ist.

Update

Dem Wahnsinn schiebe ich noch ein Video nach. Eine Art Verfilmung des Vorwortes von zu Guttenbergs Doktorarbeit. Das (ich meine das Video) ist Kunst!

(Video leider nicht mehr verfügbar.)