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Friedhof am Perlacher Forst

Friedhof am Perlacher Forst
Aussegnungshalle Friedhof am Perlacher Forst (06.05.2011) © Thomas Irlbeck

Zugegeben liegt unser heutiger mystischer Ort nicht in Neuperlach und auch überhaupt nicht in Perlach. Aber der Name „Friedhof am Perlacher Forst“ könnte „perlachiger“ nicht sein. Außerdem ist unsere heutige Einrichtung der „Mutterfriedhof“ des nicht eigenständigen Friedhof Perlach, und Letzterer befindet sich nur als einen Steinwurf vom Neuperlacher Wohnring entfernt. Es gibt also genug Verbindungen zu Perlach, auch wenn der Friedhof an der Stadelheimer Straße 24 offiziell zu Obergiesing gehört. Im Nordwesten grenzt das Gelände an das Gefängnis Stadelheim. Das Waldgebiet des Perlacher Forst beginnt ein Stück hinter dem Friedhof im Südwesten, getrennt durch die Bundesautobahn 995. In der Umgebungskarte am Artikelende ist links unten noch ein kleiner Ausschnitt des Perlacher Forst zu sehen.

Per ÖPNV erreicht man den Friedhof mit der Trambahn (Linie 27), die vor dem Friedhof ihren Endpunkt hat. Diese Haltestelle heißt heute Schwanseestraße, früher Schwanseeplatz und noch früher „Friedhof am Perlacher Forst“ und nochmals früher „Perlacher Forst“. Außerdem wird die Haltestelle Schwanseestraße von der Buslinie 139 bedient, die ostwärts nach Neuperlach Zentrum und von dort weiter zur Messestadt West fährt.

Der Friedhof wurde 1931 eröffnet und verfügt über rund 27.000 Grabplätze. Des Weiteren finden sich zwei Ehrenhaine für KZ-Opfer.
Aussegnungshalle Friedhof am Perlacher Forst

Gräber bekannter Persönlichkeiten

Friedhof am Perlacher Forst
Friedhof am Perlacher Forst. Grab der Geschwister Scholl und von Christoph Probst und deren Eltern. Foto: קיין אומוויסנדיקע פּרעפֿערענצן / Lizenz: CC BY-SA 4.0

Auf dem Friedhof haben die Mitglieder der Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus „Weiße Rose“ Hans Leipelt (*1921, †1945), Christoph Probst (* 1919, † 1943), Alexander Schmorell (* 1917, † 1943), Hans Scholl (* 1918, † 1943), Sophie Scholl (* 1921, † 1943) und Marie-Luise Schultze-Jahn (* 1918, † 2010) ihre letzte Ruhestätte. Hans Leipelt, Christoph Probst, Alexander Schmorell, Hans Scholl und Sophie Scholl wurden von den Nazis im Gefängnis Stadelheim mit dem Fallbeil hingerichtet. Marie-Luise Schultze-Jahn entging der Hinrichtung, da Hans Leipelt die gesamte Verantwortung für die Widerstandshandlungen auf sich nahm. Sie wurde schließlich zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt und 1945 von US-Soldaten befreit.

Wilhelm Hoegner (* 1887, † 1980), „Vater“ der Bayerischen Verfassung, bayerischer Ministerpräsident und Ehrenbürger der Landeshauptstadt München hat hier ebenso seine letzte Ruhe gefunden. Nach ihm wurde eine Straße in Perlach benannt.

Ein Besuch auf dem Friedhof

Ich stelle mein Rad vor einem der Nebeneingänge ab. Gleich fällt auf, wie groß das Gelände ist. Es gibt natürlich noch größere Friedhöfe, aber ein wenig Orientierungssinn sollte man schon mitbringen, wenn man dort einen Rundgang unternimmt. Obwohl auf dem Gelände Fahrrad fahren streng verboten ist, sieht man auffallend viele Radler. Ich hätte es nicht mal gewagt, mein Rad auch nur schiebend mitzuführen. Einige der Leute, die auf dem Rad am mir vorbeifahren, sind in einem Alter, in dem es für sie vielleicht der weit bequemere oder gar der faktisch einzig mögliche Weg ist, um überhaupt zur Grabstätte ihrer verstorbenen Angehörigen zu gelangen. Hier sollten wir nachsichtig sein. Doch dann brausen an mir immer wieder sehr junge Radler vorbei. Diese Bewegung kann aber die Atmosphäre eines Friedhofs nicht angreifen. Ein paar Gartenbaufahrzeuge sind auch unterwegs. Ich gehe zweimal kreuz und quer über das Gelände, in einer für mich untypisch geringen Geschwindigkeit, an der Aussegnungshalle vorbei, an den Urnengräbern und an den Ehrenhainen. Jegliche Alltagshektik ist verschwunden, die Mystik eines Friedhofs ist über den Dingen.

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Der unbekannte Friedhof gleich am Wohnring

Friedhof Perlach
Friedhof Perlach, der Hintergrund wird von den Neuperlacher Hochhäusern geprägt. Hier treffen zwei Welten aufeinander (20.04.2011) © Thomas Irlbeck
Friedhof Perlach
Vor dem Eingang des „Friedhof Perlach“ befindet sich die gleichnamige Bushaltestelle, die von der Metrobuslinie 55 und der Nachtbuslinie N45 angefahren wird (20.04.2011) © Thomas Irlbeck
Friedhof Perlach
Eingang (20.04.2011) © Thomas Irlbeck

Ob es auf Neuperlacher Gebiet mystische Orte gibt, ist umstritten. Zwar spürte Neuperlach.org bereits zweimal einen mystischen Ort auf, beide Orte lagen aber haarscharf außerhalb Neuperlachs (Alter Schwede und Mini-Lourdes im Truderinger Wald). In diesem dritten und keinesfalls letzten Teil sind wir aber dieses Mal so nahe an Neuperlach dran wie noch nie.

An der Putzbrunner Straße, die Neuperlach Nord/Mitte und Neuperlach Süd teilt, liegt er, der „Friedhof Perlach“. Die Adresse ist Putzbrunner Straße 51. Gemeint ist also nicht der „Neue Südfriedhof“ an der Hochäckerstraße und auch nicht der Friedhof am Perlacher Forst an der Stadelheimer Staße, sondern ein weniger bekannter und recht kleiner Friedhof – fast quadratsich mit einer Kantenlänge von rund 125×130 Metern. Quasi der Altperlacher Friedhof, wenngleich es Altperlach als Stadtteil offiziell nicht gibt, es heißt Perlach. Fast unmittelbar hinter den letzten Gräbern stehen die ersten Neuperlacher Hochhäuser. Diese Kulisse könnte widersprüchlicher kaum sein, dort der bescheidene, alte Friedhof und dahinter die moderne „Entlastungsstadt“ mit viel Beton und noch mehr Beton.

Friedhof Perlach
Der hintere Teil des Friedhof Perlach wird noch mehr von der Neuperlach-Skyline dominiert. Zum „Wohnring“ ist es nur ein Steinwurf. Lediglich die Bäume verdecken etwas die Sicht (20.04.2011) © Thomas Irlbeck

Eine Besonderheit sind die strengen Regeln für diejenigen, die hier ihre letzte Ruhe finden möchten. Der Verstorbene oder der Erwerber des Grabnutzungsrechts muss einen Wohnsitz im Stadtviertel oder einem angrenzenden Stadtviertel (ganz genau in einem der Stadtbezirksviertel 16.31, 16.32, 16.33, 16.34, 16.35, 16.41, 16.42, 16.43, 16.44, 16.45, 16.46, 16.47, 16.51, 16.52, 16.53, 16.54 sowie 16.55) von mindestens 20 Jahren gehabt haben bzw. haben.

Auf dem Friedhof Perlach sind auch einige Prominente beerdigt. So hat der bekannte bayerische Volksschauspieler Willy Harlander (* 1931; † 2000), der in unzähligen Filmen und Fernsehserien mitwirkte, hier seine letzte Ruhestätte.