Ein Wagen der Linie 8 und wann er abfährt − die App „MVV Companion“

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Eigentlich war ich nie ein besonderer Freund des Immer-und-überall-erreichbar-Seins, sprich des Mobilfunks. Ein Defekt meines Museumsstücks – Smartphone traue ich mich zu dem historischen Gerät kaum dazu sagen – veranlasste mich dazu, ein richtiges Smartphone zu kaufen, ein Samsung Galaxy Ace, also mit Android-Betriebssystem.

Seitdem kann ich in meinem WLAN kostenlos surfen, was letztlich aber kaum was bringt, denn dazu ließe sich ja auch den Desktop-PC nehmen. Das Surfen unterwegs ist möglich, aber unbezahlbar, denn bereits nach einem kleinen Besuch einer Website musste ich zum Supermarkt laufen und mir eine neue Telefonkarte holen, die es dort für unschlagbare 15 oder 25 EUR gibt. Dann das umständliche Aufladen des Guthabens.

Also musste eine Datenflat her. Aber wofür kann man diese nutzen, außer ein wenig auf Spiegel online & Co. zu surfen und E-Mails zu versenden? Es gibt da was: Als Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel in München ärgert man sich, dass nur wenige Haltestellen mit einer DFI-Anzeige ausgestattet sind, die die Abfahrtszeiten der nächsten Bähnlis, Autobusse und Trämlis anzeigt.

DFI Schellingstraße
Eine DFI-Anzeige in München. Leider haben nur wenige Haltestellen so was. Foto: Tramgeschichten / Lizenz siehe: flickr

Hier steigt die kostenlose App „MVV Companion“ ein (die übrigens auch für das iPhone erhältlich ist). Sie zeigt die Live-Abfahrtszeiten an, fast ebenso wie auf einer echten DFI-Anzeige aus Metall und Kunststoff. Damit bekommt der vernachlässigte Friedrich-Engels-Bogen endlich eine zumindest virtuelle DFI-Anzeige:

MVV Companion
Die App "MVV Companion" mit dem Abfahrtsmonitor – der virtuellen DFI-Anzeige

Mit Wiesn-Zelten!

Die App kann aber auch Routen berechnen (einschließlich Fahrpreisen), verrät Störungsmeldungen, zeigt die aktuelle Umgebungskarte (ähnlich Google Maps) einschließlich eingezeichneter Haltestellen und wichtiger Einrichtungen (sogar die einzelnen Bierzelte auf der Wiesn sind abgebildet, wenngleich viele nicht das Problem haben, zu diesen zu gelangen, sondern wieder nach Hause zu finden) und den Schnellbahnnetzplan an. Dank der Satellitenortung GPS werden per Knopfdruck die räumlich nächsten Haltestellen berücksichtigt, was einem die Eingabe der Haltestellen- und Straßennamen erspart, wenngleich man mit der virtuellen Tastatur mit etwas Übung ganz gut tippen kann. Die Richtung zur Haltestelle wird per Pfeil dargestellt, die Entfernung erfährt man auch gleich.

Auch Fahrstuhlphobiker werden berücksichtigt

Eine Reihe von Einstellungen ermöglichen es, nur bestimmte Verkehrsmittel zuzulassen, etwa für Nostalgiker und besonders moderne Menschen das Trämle. Auch für Rollstuhlfahrer, aber auch Fahrstuhlphobiker gibt es entsprechende Optionen, die bei den berechneten Routen berücksichtigt werden. Die Bedienung ist recht intuitiv, die Installation aus dem Android Market sehr simpel.

Inzwischen gibt es auch eine Offlineausgabe als Betaversion, die logischerweise stark eingeschränkt ist. Sie kann im Wesentlichen nur Abfahrten laut Fahrplan zeigen. Routen sind nicht möglich. Umgebungskarten gehören auch nicht zum Repertoire, obwohl dies technisch mit entsprechendem vorab geladenen Kartenmaterial möglich, wenngleich sehr aufwändig wäre. Nur der Schnellbahnnetzplan steht auch offline zur Verfügung. Aber die Datenflat dürfte ja schon fast zum Standard gehören.

Das größte Problem, das ich mit der App hatte, war es, einen Screenshot zu erstellen, da die benötigte Zurück-Taste, die dazu länger zu drücken ist, einen Tab zurückspringt und auch sehr schnell (und fast immer) eine Sicherheitsabfrage stellt, ob man die Anwendung wirklich beenden möchte, die dann mit auf den Screenshot kommt. Zudem wird – schlimmer – der gesamte Bildschirm abgedunkelt, sodass dieser unbrauchbar wird. Hier half nur viel Fingerspitzengefühl und Geduld, die Zurück- und Home-Taste in einem geeigneten Moment zu drücken. Aber es hat ja dann doch noch geklappt. Sonst hätte ich halt die inzwischen reparierte Kamera genommen oder nach einer ganz neuen Lösung gesucht. Apps für die verschiedensten Zwecke gibt es schließlich eine ganze Menge, hier kann man dann in Zukunft beim Warten an der Haltestelle viel Zeit damit verbringen und den letzten Bus verpassen.

Update – Anzeige der Ringlinie 197

Erst kurz nach Veröffentlichung des Artikels fiel mir auf, dass die Anzeige für die Linie 197 nicht wirklich brauchbar ist. Da diese als Ringlinie verkehrt, ist die Endhaltestelle für beide Richtungen identisch. Man sieht also nicht, in welche Richtung der Bus fährt, ja nicht einmal, auf welcher Straßenseite einzusteigen ist. 2006 gab es beim echten DFI das gleiche Problem. Damals reagierte die MVG sehr schnell auf meine Meldung und änderte die Anzeige freundlicherweise und übrigens sehr zeitnah von „Neuperlach Zentrum“ in „Ring Neuperlach Innen“ bzw. „Ring Neuperlach Aussen“ (über das Doppel-S – richtig wäre natürlich „außen“ – sehen wir mal hinweg). Ich habe das jetzt auch mal gemeldet. Jetzt heißt es abwarten.

Update 2 – die mobile Version von MVG live im Browser

Solange der Fehler nicht korrigiert ist, behelfe ich mir mit dem Aufruf der mobilen Version von MVG live (http://mobil.mvg-live.de) im Browser. Man braucht keine zusätzliche App, hat dafür keine Standortbestimmung und kaum weitere Extras, aber man wird mit der fallweisen Anzeige „Ring Neuperlach Aussen“ und „Ring Neuperlach Innen“ statt „Neuperlach Zentrum“ belohnt. Jetzt wird offenbar ein anderer Datenbestand abgegriffen. Wenn man nur die Live-Abfahrtszeiten wissen will, reicht die Browserversion von MVG live prinzipiell aus, auch wenn’s nicht so komfortabel wie eine eigene App ist.

Die mobile Version von MVG-Live im Browser
Die mobile Version von MVG-Live im Browser. Hier stimmt die Anzeige beim 197er