Man kann ja auch mal gegen etwas demonstrieren, das es in Deutschland nicht gibt

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(Video nicht mehr verfügbar.)

Pegida demonstriert gegen Muslime in Sachsen, obwohl es in Sachsen fast keine Muslime gibt, weil ja in Sachsen gegen die Abholzung des Regenwaldes in Ländern, in denen es einen Regenwald gibt, demonstriert wird. Auf diese verquere Logik muss man erst mal kommen.

Reden halten – Jauch startet am 11. September

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Günther Jauch
Günther Jauch bei Madame Tussauds. Dort ist er so lebendig wie die deutsche Talkshowkultur. Foto: Chris1002x / Lizenz siehe: flickr

Ich muss gestehen, dass ich früher Fan von Talkshows war. Erich Böhme († 2009) hatte es damals mit seinem „Talk im Turm“ immer wieder geschafft, den Talkshowgästen etwas zu entlocken, was diese eigentlich nicht preisgeben wollten. Und das auf einem Privatsender! Böhmes Talkshows waren meist informativ und gleichermaßen unterhaltsam. Dazu brauchten sie keine unterstützende Musikband, der eigentliche Talk machte die Musik. Doch nicht immer schaffte Böhme die Entzauberung, bei einer Neuauflage von Böhmes Talkshow, jetzt auf neuem Sender (n-tv) und mit neuem Namen („Talk in Berlin“), gelang es dem Kulttalker (Markenzeichen: seine Lesebrille, die er wie eine Rassel mit der Hand drehte) nur begrenzt, den Rechstaußen Jörg Haider († 2008) vorzuführen.

Die Talkshows sind größtenteils langweilig geworden. Die Gästeliste nicht nur bei Anne Will besteht immer öfter aus den gleichen Namen. Nachgefragt wird nur selten und wenn, dann nur pro forma. Dabei sollte eigentlich so lange nachgehakt werden, bis eine wirklich klar verständliche, zufrieden stellende Antwort gegeben wurde. Politiker, Medienleute und wer halt eingeladen ist, sagen ihre auswendig gelernten Sprüche auf. Für einen gewissen Unterhaltungswert sorgt noch der Historiker und Fast-Dauergast Arnulf Baring, der sich oft in Rage redet.

Nun soll Günther „Wer wird Millionär“ Jauch die komatöse Talkshowkultur wiederbeleben, und zwar auf der alten Tante ARD. Am geschichtsträchtigen 11. September dieses Jahres übernimmt Jauch den sonntäglichen Sendeplatz von Anne Will. Diese zieht auf den Mittwoch um. Dort kollidiert sie aber mit Plasbergs „hart aber fair“, der auf den Montag wechselt. Hierfür macht Reinhold Beckmann Platz, der in Zukunft am Donnerstag talkt. Ob bei diesem Verschiebebahnhof jemand vergessen wurde, sodass in Zukunft zwei ARD-Talkshows gleichzeitig versuchen zu senden, ist nicht bekannt.

Jauch steht sicher keine leichte Aufgabe bevor. Eine Talkshow bleibt sicher eine Talkshow, reden bleibt reden. Man kann nur begrenzt völlig neue Elemente dafür entwickeln. Vielleicht fehlt mir aber auch die Phantasie für Jauchs mögliche Ideen. Man sollte deshalb Jauch eine Chance geben. Ich werde daher gespannt seine erste Sendung verfolgen. Ob ich dann noch mit dem Konsum weiterer Sendungen die Einschaltquoten der ARD pushe, wird sich zeigen. Hauptsache, wir haben aneinander vorbeigeredet.