Doppelgrotte in Aying – Mystische Orte (Teil 21)

Werbung

Grotte in Aying
Grotte 1 in Aying. Hier geschah das „Wunder von Aying“ (27.05.2017) © Thomas Irlbeck

Nachdem in der letzten Folge bereits eine Grotte vorgestellt wurde, ist die Frage berichtigt, warum nun schon wieder eine Grotte das Thema ist. Zunächst einmal kam ich an dieser Grotte mehr oder wenig zufällig mit dem Rad vorbei. Da bietet sich ja das Thema an. Außerdem passt es auch in anderer Hinsicht sehr gut: Wenn schon etwas doppelt ist, dann gleich richtig. Denn dieses Mal haben wir es gewissermaßen mit einer doppelten Grotte zu tun.

Der Weg zur Grotte

Wer nicht mit dem Rad oder Auto anfahren will, hat es auch mit der S-Bahn einfach. Von Neuperlach Süd aus sind es mit der S7 nur wenige S-Bahnstationen bis Aying. Von dort aus geht in der Bahnhofstraße bis zum Ende, dann leicht links in die Peißer Straße und nun scharf rechts in die Münchner Straße. Man kommt dort am Brauereigasthof Hotel Aying vorbei, die Straße wird zur Zornedinger Straße. Scharf rechts zweigt etwas später der Lindacher Weg ab. Auf diesem geht es schließlich bis zum Waldrand. Kurz nach den ersten Bäumen findet man rechts die erste Grotte. Die zweite Grotte ist ebenfalls rechter Hand, wenn man dem Weg noch rund 100 Meter weiter in den Wald folgt. Siehe auch in der Map weiter unten.

Grotte 1 (Platz des guten Hirten)

Grotte in Aying
Bild 1: Das ganze Ensemble der Grotte 1 am „Platz des guten Hirten“ von links nach rechts: Grotte, Baumstumpf mit Holzskulptur des Much, Baum mit Gneis-Stein und Gemälde (27.05.2017) © Thomas Irlbeck

Am Platz des guten Hirten findet sich eine frei stehende Grotte mit Marienstatue. Auf einem Baumstumpf hinter der Grotte steht eine Holzskulptur des guten Hirten. Eine Hinweistafel an der Grotte erzählt die Geschichte des „Wunder von Aying“. Vor einem daneben befindlichen Baum wurde ein Gneis-Stein mit der Aufschrift „Much †“ gesetzt. An diesem Baum wurde außerdem ein Gemälde angebracht, das die entscheidende Szene aus dem Leben des Much zeigt.

Grotte in Aying
Bild 2: Die Grotte 1 (27.05.2017) © Thomas Irlbeck

Der Sage nach hat Ende des 19. Jahrhunderts der damalige Ayinger Dorfhirte, der „Much“, zusammen mit seinen ihm anvertrauten Schafen wegen eines aufkommenden Gewitters Schutz unter einer uralten, großen Buche gesucht. Diese Stelle war beliebt, weil dort eine Quelle entspringt, an der man sich erfrischen konnte. Ohne erkennbaren Grund liefen plötzlich alle Schafe in die gleiche Richtung los. Der Much fand sie in der Nähe in einem damaligen Jungholz. Minuten später schlug ein Blitz in die uralte Buche und zerstörte sie komplett. Der Much hätte das vermutlich nicht überlebt, wäre er an dem alten Standort geblieben. Überwältigt von dem Ereignis kniete der Much nieder und dankte Gott für seine Rettung. Danach war er verändert, wortkarg und nachdenklich. Wochen später fand man ihn tot an der Stelle, an der er für seine Rettung gedankt hatte, bekleidet mit seinem Sonntagsanzug. An was und wie er gestorben ist, wurde nie geklärt.

Grotte in Aying
Bild 3: Der Gneis-Stein erinnert an die Stelle, an der der Much starb (27.05.2017) © Thomas Irlbeck

An der Todesstelle wurde ihm zu Ehren ein grüner Gneis-Stein gesetzt. Daneben wurde 1905 die Grotte erbaut, in der ursprünglich eine Figur des auferstandenen Heilands stand. 1959 wurde die Grotte von Schorsch Kirner renoviert und wird weiter von ihm betreut. Jetzt befindet sich eine Marienstatue in ihr. Die Holzskulptur auf dem Baumstumpf erinnert an den guten Hirten Much. Der Gneis-Stein ist zwar teilweise von einer Baumwurzel überwachsen, aber dennoch gut sichtbar.

Grotte in Aying
Bild 4: Künstlerische Darstellung des dankenden Much (27.05.2017) © Thomas Irlbeck
Grotte in Aying
Bild 5: Holzskulptur des guten Hirten Much (27.05.2017) © Thomas Irlbeck
Grotte in Aying
Bild 6: Grotte 1 (27.05.2017) © Thomas Irlbeck
Grotte in Aying
Bild 7: Marienstatue in Grotte 1 (27.05.2017) ©Thomas Irlbeck
Grotte in Aying
Bild 8: Grotte 1, noch näher dran

Kapelle mit Grotte 2

Wie bereits erwähnt, findet man rund 100 Meter weiter waldeinwärts eine zweite Grotte, wieder auf der rechten Wegesseite. An dieser Stelle stand die Buche, in die der Blitz einschlug. Die Grotte befindet sich in einer Holzkapelle.

Grotte in Aying
Bild 9: Kapelle mit der Grotte 2 (27.05.2017) © Thomas Irlbeck

Die Grotte ist mit ihrer Marienstatue und Jesus-Figur besonders eindrucksvoll:

Grotte in Aying
Bild 10: Marienstatue in Grotte 2 (27.05.2017) © Thomas Irlbeck
Grotte in Aying
Bild 11: Jesus-Figur in Grotte 2 (27.05.2017) © Thomas Irlbeck

Ein Marterl an der Kapelle weist noch auf einen schrecklichen Unfall hin. In der Nähe der Kapelle habe die Jungfrau Teresia Pichler Bärhambauerstochter von Aying durch einen Baumschlag am 1. Dezember 1876 den Tod gefunden, heißt es. Sie war erst 17 Jahre alt.

Grotte in Aying
Bild 12: Marterl (27.05.2017) © Thomas Irlbeck
Grotte in Aying
Bild 13: Marterl, Detail (27.05.2017) © Thomas Irlbeck

Aying und Umgebung

Umgebungskarte Mariengrotten Aying
Umgebungskarte Mariengrotten Aying. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

Folgt man dem Weg weiter, kommt man nach einem längeren Waldstück nach Lindach. Von dort aus geht es weiter nach Kreuz. Dort  ist die Filialkirche Mariä Geburt, eine ehemalige Wallfahrtskirche, sehenswert. Von Kreuz aus ist es nicht mehr weit nach Glonn.

Kreuz, Kirche
Bild 14: Kirche „Mariä Geburt“ in Kreuz (27.05.2017) Thomas Irlbeck

Weitere Folgen „Mystische Orte“

Das Kruzifix vor Oedenstockach – Mystische Orte (Teil 11)

Werbung

Kruzifix vor Oedenstockach
Kruzifix vor Oedenstockach (06.06.2013) © Thomas Irlbeck

Ich bin keineswegs katholisch oder anderweitig religiös erzogen worden, auch heute würde ich mich nicht als religiös bezeichnen, vielleicht bestenfalls noch als Agnostiker. Dennoch faszinieren mich die Themen Religion und alle damit verbundenen Bauwerke, Kultstätten und sonstigen Einrichtungen, vor allem, wenn sie älter sind und auf mich in irgendeiner Weise mystisch wirken. Es geht von ihnen irgendetwas Unfassbares, Unheimliches, Faszinierendes aus.

Oedenstockach Kapelle, Wasserturm
St.-Anna-Kapelle und Wasserturm in Oedenstockach (Archivbild) © Thomas Irlbeck

Die wohl wichtigste bildliche Darstellung des Christentums ist das Kruzifix (von lateinisch cruci fixus; „ans Kreuz geheftet“), also die Darstellung des gekreuzigten Jesus Christus. Solche Kruzifixe finden sich nicht nur in Kirchen sowie in deutschen Gerichtssälen und Klassenzimmern (in letzteren beiden Orten sind sie nicht unumstritten, man beachte die juristischen Auseinandersetzungen dazu), sondern auch z.B. in Gestalt von Flur- und Wegekreuzen in katholischen Landstrichen. Auch für Nichtgläubige bieten solche Flurkreuze oft einen Ort zum Verweilen und dienen auch häufig als Markierungen an Weggabelungen. Nicht nur solche Orte werden als Aufstellorte auserwählt, sondern auch Orte, an denen schwere Unfälle oder Verbrechen geschehen sind. Es ist also keinesfalls eine neuzeitliche Modeerscheinung, Unfallkreuze aufzustellen.

Bank bei Kruzifix vor Oedenstockach
Bank neben dem Kruzifix (06.06.2013) © Thomas Irlbeck

Zurück zu den traditionellen Flurkreuzen: Direkt am Truderinger Wald, der bekanntlich an Neuperlach grenzt, allerdings genau an der gegenüberliegenden Seite, steht solch ein Flurkreuz. Es liegt vor den Toren von Oedenstockach, einem kleinen Dorf ein paar Meter vor der Gemeinde Putzbrunn, zu der es verwaltungsrechtlich gehört. Radfahrer und Spaziergänger finden hier eine Route, die weit abseits von der hektischen Hauptstraße durch den Truderinger Wald führt. In Oedenstockach sind die St.-Anna-Kapelle aus dem 19. Jahrhundert mit dem markanten hölzernen Turm (der allerdings aus dem 20. Jahrhundert stammt) sowie der Wasserturm (1905) erwähnenswert.

Kruzifix vor Oedenstockach
Näher dran am Kruzifix (06.06.2013) © Thomas Irlbeck
Umgebungskarte Kruzifix Odenstockach
Umgebungskarte Kruzifix Oedenstockach. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

16 Kilometer unter uns

Werbung

Heute fand ich in meinem Briefkasten einen DIN-A4-Zettel, beidseitig bedruckt, eine schlichte Fotokopie einer schlechten und notdürftig ausgebesserten Schreibmaschinenvorlage. Das nennt man wahrscheinlich Web 0.0. Gezeichnet ist das Ganze mit einem Nachnamen, einer Telefonnummer, und für Web 0.0 nicht untypisch fehlt die Internetadresse. Eine Sekte, Organisation oder dergleichen ist nicht namentlich aufgeführt, versteckt im Text gibt es aber eine Bezugsadresse für eine „Tonkassette“.

Passend zu Ostern geht es um Gott, um Jesus Christus und vor allem um Menschen, die dem Teufel und der schwarzen Magie verfallen sind. Warum Gott zulässt, dass es Leid und so extrem viel Leid gibt, wird in einer kruden Theorie erklärt. Die Lösung der Probleme, auch die steigender Mieten und Luxussanierungen (kein Witz!), liege im Gebet und im Exorzismus.

Auch einen Beweis der Existenz der Hölle bleibt der Autor nicht schuldig:

Dass es eine Hölle gibt, haben 1989 russische und norwegische Wissenschaftler bewiesen, als sie bei Erforschung von Erdbeben in 16 km Tiefe einen Hohlraum erreichten, aus dem das Geschrei unzähliger menschlicher Stimmen zu hören war. Auch ein Dämon kam hervor. Alle Zeitungen in Oslo berichteten darüber. Kardinal Lehmann hatte das im Februar 2005 dem Präsident Bush mitgeteilt. Dieser kam und überzeugte sich bei Präsident Putin. Er besuchte am 14.03.2007 den Papst.

Nichts gegen den Glauben an sich, nichts gegen religiöse Gefühle. Aber die Existenz von Gott, Himmel und Hölle kann nicht durch irdische Tiefbohrungen bewiesen werden. Wer sich dann auf solche lächerlichen, etwas freundlicher gesagt, wackeligen Konstrukte stützt, verliert den Halt, sollten diese sich als haltlos rausstellen. Es werden dann neue Konstrukte gesucht und auch gefunden, aber nicht die eigene Überzeugung infrage gestellt.

Earthscraper
Earthscraper. Ein Hochhaus wächst umgedreht in die Tiefe. Wer will da nicht ganz oben, ähhh unten wohnen? Bild: caseorganic / Lizenz siehe: flickr

Das Leiden sieht der Autor als Strafe Gottes. Dass Gott Sünder sogar extra lange leiden lässt, selbst weit über die Verbüßung ihrer Sünden hinaus, liegt in der Aufgabe begründet, die Gott ihnen auferlegt hat. Mit ihrem christlichen Geist werden sie – nennen wie sie mal die Erleuchteten – andere bekehren. Nicht immer gelingt dies, also werden die anderen, die diesen christlichen Geist nicht ertragen können, gegen die Erleuchteten kämpfen, sie vielleicht sogar töten. Dieser Glaubens- und Heldentod beinhaltet eine Eintrittskarte ins Himmelreich, auch ein Upgrade ist möglich, es gibt dann einen Schatz oder der Neuankömmling steigt gar zum Heiligen auf. Auch das ist kein Witz, sondern die These des Autors. Eine derartige religiöse Verblendung kann schnell blind machen und damit den Blick auf weltliche Problemlösungen, mit denen sich Ungerechtigkeiten, Krankheiten, Umweltschäden, Verbrechen und dergleichen bekämpfen lassen, versperren.

Allen Ernstes wird auch behauptet, Muslime würden nicht zu Allah beten, sondern zu Satan. Dies ist eine ungeheuerliche Provokation und dient sicher nicht der Verständigung der einzelnen Welt- und Splitterreligionen, die eigentlich alles was Ähnliches wollen, aber nicht mehr ihre Gemeinsamkeiten und Ursprünge erkennen.

Es gibt Planungen, in Zukunft Hochhäuser nach unten zu bauen. Es entstünde eine umgekehrte Pyramide, gewissermaßen ein Earthscraper, ein Erdkratzer. Man wohnt in der Tiefe, im Keller. Ein bisschen Tageslicht gibt es auch, und zwar von oben, da der Fuß des Hauses aus Glas ist. Wenn ich dort mal einziehen werde, darf ich mein Mikrophon nicht vergessen.

Update 05.10.2016:

Natürlich handelt es sich bei der Tiefbohrung in die Hölle um einen Hoax:

Hoppla, wir haben die Hölle angebohrt!