Handgemacht: Eine ganz besondere Einsendung zum Neuperlacher ÖPNV (Update)

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Die Trambahn nach Neuperlach wurde erst am 12.09.1970 eröffnet. Von diesem Tag stammt auch die Aufnahme. Vorher musste man auf Gummi nach Neuperlach reisen. Fotograf: Peter Wagner. Mit freundlicher Genehmigung der Freunde des Münchner Trambahnmuseums e. V.

In den Anfangsjahren war Neuperlach noch überschaubar und es gab auch keine unzähligen Buslinien. Aus dieser Zeit (1968 bis 1973) stammen spezielle handgezeichnete Pläne mit der ÖPNV-Netz- und Angebotsentwicklung, die mir Matthias Hintzen einsandte. Ganz herzlichen Dank dafür!

Aus den Plänen ist auch der Takt ersichtlich: Jeder Strich steht für eine Fahrt pro Stunde und Richtung zur Hauptverkehrszeit.

Neuperlach nur mit Buserschließung – ohne Trambahn, aber auch ohne U-Bahn und S-Bahn, ja was heute unvorstellbar ist, war für die ersten Bewohner Realität. Dafür waren aber auch die Einkaufsmöglichkeiten bescheiden. Immerhin gab es ab Ende der 1960er-Jahre in der Baracke des heutigen FestSpielHaus (Plettstraße) den ersten Supermarkt in Neuperlach.

Es sei hier auch auf den älteren Artikel Die unbekannte Buslinie nach Neuperlach hingewiesen, der die anfängliche ÖPNV-Anbindung durchleuchtet.

Jetzt aber zu den Plänen. Wie immer: Ein Klick macht groß!

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Netzplan 1968. Urheber: Matthias Hintzen
München-Neuperlach_1969
Netzplan 1969. Urheber: Matthias Hintzen
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Netzplan 1970. Urheber: Matthias Hintzen
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Netzplan 1971. Urheber: Matthias Hintzen
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Netzplan 1972: Urheber: Matthias Hintzen
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Netzplan 1973. Urheber: Matthias Hintzen

Update

Mit weiteren Plänen wird das Netz nun bis in die Gegenwart abgedeckt.

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Netzplan 1975. Urheber: Matthias Hintzen
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Netzplan 1977. Urheber: Matthias Hintzen
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Netzplan 1980 (Juni). Urheber: Matthias Hintzen
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Netzplan 1980 (Okt). Urheber: Matthias Hintzen
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Netzplan 1982. Urheber: Matthias Hintzen
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Netzplan 1985. Urheber: Matthias Hintzen
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Netzplan 1989. Urheber: Matthias Hintzen
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Netzplan 2002. Urheber: Matthias Hintzen
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Netzplan 2003. Urheber: Matthias Hintzen
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Netzplan 2012. Urheber: Matthias Hintzen

Eine reife Leistung? MVG stellt Programm für 2014 vor

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U-Bahnhof Olympia-Einkaufszentrum
U-Bahnhof Olympia-Einkaufszentrum. Foto: jmauerer / Lizenz siehe: flickr

Die MVG stellt ihr Leistungsprogramm 2014 vor, das vom Münchner Wirtschaftsreferenten und Oberbürgermeisterkandidat Dieter Reiter (SPD) initiiert wurde. Erstaunlicherweise hat man es dieses Mal durchaus geschafft, ein paar wirkliche Innovationen vorzusehen. So wird es erstmals eine wirkliche Expressbuslinie geben, die dank eines vergrößerten Haltestellenabstands schneller als eine Metrobus-Linie unterwegs sein soll. Diese Linie X30 wird vom Max-Weber-Platz über Ostbahnhof, Candidplatz und Harras zum Partnachplatz verkehren und nur 10-mal halten. Ein ganz wenig Großstadtflair mag dies sicherlich sein.

Die zweite Innovation: Eine spezielle Altstadtlinie 101 wird die Feinerschließung im Bereich zwischen Sendlinger Tor, Marienplatz und Hofgarten übernehmen. Um in den engen Straßen nicht anzuecken, sollen erstmals im Münchner Stadtverkehr die kleineren Midibusse zum Einsatz kommen.

Sonst finden sich vor allem Taktverdichtungen bei U-Bahn und Trambahn. Erwähnenswert ist, dass die U4 auch im Abendverkehr wieder in die Innenstadt rollen darf und ihr Stummeldasein beendet. Die Endstation ist nicht mehr Max-Weber-Platz, sondern Odeonsplatz. Das Umsteigen von der U4 in die U5 Richtung Neuperlach wird etwas komfortabler, da zumindest Zeitkarteninhaber nun bequemer am Lehel umsteigen können und nicht mehr das Sperrengeschoss am Max-Weber-Platz bemühen müssen.

Mini-Mini-Renaissance der U8

Die U8 kommt als Linie zurück, aber mit Neuperlach hat dies nichts zu tun. Die derzeit linienfreien Verstärkerfahrten an Samstagen, die vom Sendlinger Tor bis Scheidplatz rollen und dort zum Olympiazentrum abbiegen, erhalten diese historische Nummer U8.

Wo aber liegen die Verbesserungen für Neuperlacher, von dem gerade erwähnten Vorteil des einfacheren Umsteigens von der U5 in die U4 und umgekehrt im Spätverkehr abgesehen?

Da gibt es auch ein paar Dinge:

U-Bahn

U5: Montags bis donnerstags an Schultagen fährt die U5 in der nachmittäglichen Hauptverkehrszeit bereits ab ca. 13 Uhr alle 5 Minuten. Die Vision der Wiedereinführung des durchgehenden 5-Minutentaktes tagsüber muss weiter geträumt werden, aber eine Verbesserung ist es dennoch.

U7: Auch im nachmittäglichen Berufsverkehr wird diese am Westfriedhof startende Linie bis Neuperlach Zentrum verkehren und nicht schon am Sendlinger Tor enden.

Bus

139: Auf dem Abschnitt Giesing – Neuperlach Zentrum wird ein 10-Minuten-Takt zur Hauptverkehrszeit eingeführt. Am Abend wird die Linie auch nach 20 Uhr den Abschnitt vom Klinikum Harlaching über Neuperlach Zentrum bis Trudering bedienen (bis ca. 0:30). Der Takt beträgt 20 Minuten.

192/195: Das Truderinger Gymnasium an der Friedenspromenade/Ecke Markgrafenstraße soll im September 2013 eröffnet werden. Es wird dann einzelne zusätzliche Verstärkungsfahrten geben.

198: Die Linie von Neuperlach Zentrum zum Waldperlacher Klara-Ziegler-Bogen wird auch nach 21 Uhr verkehren (bis ca. 0:30).

Fazit

Der große Wurf ist es sicherlich nicht. Aber immerhin vielleicht mehr, als man erwarten konnte. Allerdings ist Wahlkampf, da darf sich der Oberbürgermeisterkandidat schließlich profilieren. Bei allen Verbesserungen gilt jedoch zu bedenken, dass es erst einmal Pläne sind, denen der Stadtrat noch zustimmen muss.

Quellen

Weitere Details kann man hier nachlesen:

Abfahrt alle zwei Minuten (Süddeutsche Zeitung)

MVG-Leistungsprogramm 2014 (Tramgeschichten.de)

Erzähl doch keine Märchen!

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Märchen
Der wohl märchenhafteste Stadtteil Münchens: Waldperlach! Lizenz: Public Domain

Es war einmal … Nein, den Stadtteil gibt es immer noch. Die Rede ist vom wohl märchenhaftesten Stadtteil Münchens: Waldperlach. Die Straßen heißen dort

    • Aschenbrödelstraße
    • Däumlingstraße
    • Dornröschenstraße
    • Drosselbartstraße
    • Elfenstraße
    • Erlkönigstraße
    • Eulenspiegelstraße
    • Frau-Holle-Straße
    • Froschkönigweg
    • Gänselieselstraße
    • Heinzelmännchenstraße
    • Isegrimstraße
    • Koboldstraße
  • Märchenweg
  • Nixenweg
  • Puppenweg (gemeint ist das Marionetten-, Puppen- oder Kasperlspiel)
  • Robinsonstraße (gemeint ist Robinson Crusoe)
  • Rotkäppchenplatz
  • Rotkäppchenstraße
  • Rübezahlstraße
  • Rumpelstilzchenstraße
  • Schneewittchenstraße
  • Sterntalerstraße
  • Struwelpeterstraße
Szene aus „Frau Holle“. Beim Betten-Ausschütteln schneit es – zumindest im Märchen. Foto: Christian Heindel / Lizenz: CC BY-SA 2.0

Damit hat ein Großteil der Straßen dort einen Bezug zu Märchen, Sagen und ähnlichen phantastischen Geschichten.

Eine Frage in einem Forum brachte mich heute auf das Thema. Woher kommen diese Namen? War hier ein Scherzbold am Werk? Ein Märchenpapst? Die Antwort, dass thematische Schwerpunkte die Orientierung vereinfachen würden und z.B. für Taxifahrer eine Erleichterung seien, geht etwas am Thema vorbei. Genauso gut könnte man auch Maler, Dichter, Gebirge oder Kräuterarten bemühen.

Tatsache aber ist, dass Perlach (inklusive Waldperlach und Fasangarten) 1930 nach München eingemeindet wurde. Bei Eingemeindungen stellt sich das Problem, dass leider dann ein paar Straßen Dubletten bilden. Zweimal „Marienplatz“ geht einfach nicht in München (ja, liebe Pasinger, ich weiß, ihr habt dennoch euren Marienplatz behalten). Also müssen jede Menge Straßen umbenannt wurde.

Laut  einem Artikel auf der Webseite der Katholischen Gemeinde St. Michael mit St. Georg (Seite nicht mehr verfügbar) wurden nicht nur Dubletten entfernt, sondern alle an die Monarchie (die bekanntlich 1918 endete) erinnernden Straßennamen. Sehr detailreich ist hier WAPE Bürger IG und verrät folgende Namensanpassungen:

    • Äussere-Prinz-Rupprecht-Str. → Rotkäppchenstraße
    • Finkenstraße → Rübezahlstraße
    • Hirschenstraße → Rumpelstilzchenstraße
    • Hohenzollernstraße → Frau-Holle-Straße
    • Innere-Prinz-Rupprecht-Str. → Schneewittchenstraße
    • Kaiser-Wilhelm-Straße → Erlkönigstraße
    • Otto-Rieger-Straße → Gänselieselstraße
    • Prinz-Arnulf-Straße → Isegrimstraße
    • Prinz-Franz-Straße → Robinsonstraße
    • Prinz-Heinrich-Straße → Aschenbrödelstraße
    • Prinz-Leopold-Straße → Heinzelmännchenstraße
    • Prinzregentenstraße → Däumlingstraße
    • Waldperlachstraße → Waldperlacher Straße
    • Wittelsbacherstraße → Eulenspiegelstraße
    • Zeppelinstraße → Koboldstraße

Nicht alle der märchenhaften Namen sind aus der Umbenennung 1930 hervorgegangen. Auch bei neu gebauten Straßen wurde die Tradition teilweise fortgesetzt. Die Struwelpeterstraße etwa wurde erst 1953 errichtet.

Einfach märchenhaft (04.08.2010) © Thomas Irlbeck

Auffallend ist auch, dass einige neu gebaute Straßen einen Bezug zur germanischen Götter- und Sagenkultur bekamen, so der Asenweg und die Beowulfstraße. Auch weitere Waldperlacher Straßennamen haben indirekt mit Sagen zu tun, Friedrich Panzer etwa war unter anderem ein bayerischer Sagenforscher und wurde 1955 mit der Benennung einer Straße geehrt.

Bis heute schwingt die Tradition in Waldperlach fort. Wer glaubt, die jüngeren Namensvergaben wären im kommunalpolitischen Kleinmief untergegangen, wird eines Besseren belehrt: 2000 etwa wurde eine Straße nach Klara Ziegler benannt, eine Schauspielerin, die als Deutschlands letzte Heldendarstellerin gilt und u.a. die Brunhild in den „Nibelungen“ spielte. Dies passt gut zur Straßenvergabe in der angrenzenden Gemeinde Neubiberg:

Fortsetzung in Neubiberg: Hier findet der sagenhafte Stadtteil nahtlos seine Fortsetzung in Gestalt der Nibelungensage. Die Straßen heißen hier Brunhildenstraße, Nibelungenstraße, Rheingoldstraße, Siegfriedstraße, Walkürenstraße und Wotanstraße.

Hänsel und Gretel
Hexenhaus aus „Hänsel und Gretel“. Das  Märchen kommt zwar nicht als Straßennamen in Waldperlach vor, ist aber durch den „Märchenweg“ abgedeckt. Lizenz: Public Domain

Die Frage nach dem Grund für den Hang zu den Märchen und Sagen wurde aber immer noch nicht zufriedenstellend beantwortet. Möglicherweise war Waldperlach einfach immer schon märchenhaft. Und wenn nicht, ist es das durch die Straßennamen vielleicht inzwischen geworden. Aber vielleicht weiß ja ein Leser mehr … 2012 feierte Waldperlach übrigens 100-Jähriges. 100 Jahre, das ist der Zeitraum, den Dornröschen schlafen sollte.

Leiberheim in Waldperlach 1920
Leiberheim in Waldperlach um 1920. Lizenz: Public Domain
Leiberheim
Wirtshaus/Biergarten Leiberheim am Eck Schneewittchenstraße/… (29.08.2017) © Thomas Irlbeck
Leiberheim
…Nixenweg (29.08.2017) © Thomas Irlbeck
Waldperlach, Koboldstraße
Koboldstraße (18.09.2019) © Thomas Irlbeck

MVG gibt Gas im Bus-Beschleunigungsprogramm: Über 3 Millionen für 3 Minuten

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Der Metrobus 55 wird zwischen Diakon-Kerolt-Weg und Waldheimplatz – also auf dem Abschnitt durch Perlach, Neuperlach und Waldperlach – beschleunigt, der Stadtrat gab grünes Licht dafür und stellte damit die Weichen für das 3,2 Millionen Euro schwere Projekt, bei dem 16 Ämpelchen auf einer Länge von 6,5 Kilometern umgebaut bzw. ausgetauscht werden. Das bringt 3 Minuten Fahrzeitgewinn.

Von der Beschleunigung profitiert auch der Bus 198, der fast vollständig auf dem Linienweg des M55 fährt, sowie die Linien 139, 197 und 199, die zumindest Teilabschnitte mitbenutzen.

Nicht realisiert wird dagegen die Wiedereinführung des 10er-Taktes zur Haltestelle Waldperlach. Derzeit fährt jeder zweite Bus am Waldheimplatz weiter nach Putzbrunn, sodass an der Haltestelle Waldperlach nur noch ein 20-Minuten-Takt angeboten wird. Eine Schleifenfahrt zur Haltestelle Waldperlach würde die Fahrzeiten unattraktiver machen, den Einsatz eines zusätzlichen Fahrzeuges erforderlich machen und zu Fahrgastrückgängen führen. Die alternativ vorgeschlagene Verlängerung der Linie 198 vom Klara-Ziegler-Bogen zum Waldheimplatz lehnt die MVG auch ab. Auch hier müsste ein zusätzliches Fahrzeug eingesetzt werden und der Zuwachs an Fahrgästen wäre nur gering.

Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 17.02.2010, Seite 46, Stadtausgabe

Nein, solche Fahrzeuge werden auch in Zukunft nicht auf dem Metrobus 55 nach Waldperlach/Putzbrunn eingesetzt. Hier hat sich der Bildredakteur einen Scherz erlaubt. Immerhin ist hier ein Bild aus Waldperlach zu sehen. Foto: FWnetz / Lizenz siehe: flickr