Wenn der Postmann endlos klingelt

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Es ist später Vormittag. Auf einmal ist ein nerviges Dauerläuten zu hören. Wenn es in der eigenen Wohnung wäre, würde ich sofort wahnsinnig werden. Aber es ist in der Nachbarwohnung und dennoch ist es laut genug.

Ich öffne die Türe. Der Nachbar hat schon reagiert und ist gerade im Begriff, mit dem Fahrstuhl nach unten zu fahren und nach dem Rechten zu sehen. Nach ein paar Minuten kommt er zurück und es läutet immer noch in einer Endlosschleife. Ich frage ihn, ob er ein paar Mal auf die Klingel gedrückt habe, damit ein eventuell verkanteter Knopf wieder rausspringt. Er sagt ja, habe er. Nun reicht es ihm und er kappt das Kabel seiner Glocke.

So weit, so gut. Ich erwarte ein Paket, aber dennoch entscheide ich mich am frühen Nachmittag, zum Einkaufen zu gehen. Die Erfahrung sagt, dass der Bote dann kommt, wenn ich gerade im Supermarkt bin. Dann muss ich das Paket im Einkaufszentrum Life abholen oder bei einem Nachbarn, der dann natürlich nie zu Hause sein wird.

Doch ich habe Glück. Der Bote ist gerade vor dem Hauseingang. Ich frage ihn, ob er was für mich habe. Er ist etwas sauer. Er habe bereits mehrfach bei mir geläutet, sagt er, warum ich ihm nicht öffne. Ich sagte ihm, da sei ich wohl schon unterwegs gewesen. Nein, er habe schon vor Minuten mehrfach geläutet, da sei ich sicherlich noch in der Wohnung gewesen. Gut, mein Paket bekomme ich, auch noch die Post zweier Nachbarn zum Aufbewahren.

Abwurf Blumentopf
Eingangsbereich mit Klingelanlage. Es ist nur ein Gerücht, dass frustrierte Bewohner bei Klingelstreichen mit Blumentöpfen werfen (Archivbild) © Thomas Irlbeck

Ich läute bei dem Endlosschleifen-Nachbarn. Ich sage ihm, dass vermutlich meine Klingel defekt sei. Er erwidert, er habe das Lautsprecherkabel inzwischen schon längst wieder draufgesteckt. Ich gebe ihm recht, da könne ja kaum das Kabel auch für meine Glocke durchlaufen, also sei dies keine Erklärung, zumal ja der Urzustand längst wiederhergestellt worden sei. Ich biete ihm an, unten zu läuten, um das mal zu testen. Ich würde sowohl bei ihm als auch bei mir läuten. Gesagt, getan. Es fällt mir auf, dass sich Nachbars Klingelknopf im gedrückten Zustand befindet, der Knopf wirkt, als hätte er keine Feder. Hatte der Nachbar nicht behauptet, der Knopf sei draußen? Vielleicht hat ja inzwischen wieder jemand gedrückt. Ich klopfe ein paar Mal drauf, dann springt der Knopf wieder raus. Nun läute ich dreimal bei ihm und dreimal bei mir.

Der Nachbar ist zufrieden, zumindest mit seiner Glocke. Es habe bei ihm dreimal geläutet. Bei mir allerdings kein einziges Mal. Na toll! Erst vor einigen Monaten hatte der Hausmeister mein Modul unten ausgetauscht, nachdem die Glocke wacklig in der Funktion war und es bei Tests keine eindeutigen Ergebnisse gab – die Glocke funktionierte damals manchmal und manchmal eben nicht.

Solche Klingelanlagen sind offenbar sehr störanfällig. Oder die Hersteller setzen auf schnellen Verschleiß, was ja nichts Neues ist. In den nächsten Tagen erwarte ich ein weiteres Paket. Gestern übrigens ging die Glocke noch…

Wenn der Postbote umsonst klingelt – Bewohner an der Plettstraße sind Pannen leid

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Neuperlach Nord
Eine schöne Wohnanlage an der Neuperlacher Plettstraße. Die Bewohner sind aber zum Großteil unzufrieden. Immer wieder kommt es dazu, dass dringende Reparaturen nur mit großer Verzögerung durchgeführt werden (Archivfoto). Foto: Franco und Manuel aus Neuperlach

In einem Haus einer Wohnanlage in Neuperlach Nord an der Plettstraße haben es Leute ohne Schlüssel derzeit schwer, denn der Türöffner ist im gesamten Haus außer Betrieb. Und das bereits seit 1½ Wochen. Der Defekt wurde mehrfach der Hausverwaltung gemeldet, aber es geschieht nichts.

Dies ist besonders unglücklich, da derzeit die Postboten die ganzen Weihnachtspakete anliefern möchten. Pizza- und China-Bringdienste stehen vor der gleichen Schwierigkeit, ebenso Besucher generell. Jedes Mal müssen die Bewohner ins Erdgeschoss, um die Türe manuell zu öffnen. Vorausgesetzt, die Boten oder Besucher sind nicht bereits entnervt abgezogen.

Die Probleme häufen sich. Der Austausch der Briefkastenanlage letztes Jahr war eine einzige große Panne. Eine ganze Woche stand die alte Briefkastenanlage auf dem Boden und die neue Anlage ließ auf sich warten. Doch da die Briefkastentüren zum Teil entfernt worden waren, weigerten sich die Postboten, die Sendungen in Fächer ohne Türe einzuwerfen. Einige Bewohner bekamen entsprechend tagelang keine Post (Neuperlach.org berichtete). Auch ist das Schloss zur Türe in den Müllraum, der von außen zugänglich ist, immer wieder defekt. Die Reparatur dauert jedes Mal Monate. Dem schließt sich dann eine kurze Phase an, in der das Schloss funktioniert. Dann beginnt das Spiel wieder von vorne. In den langen Intervallen ohne funktionierendes Schloss haben auch Unbefugte Zugang zu dem Raum und können dort ihren Müll abladen – auf Kosten der Eigentümer und Mieter. Bei einer Wärmedämmungssanierung wurden bestehende hochwertige Rollläden einfach entfernt und – in einer seltsamen Form der Entsorgung – in die Blumentröge geworfen. Erst auf Druck der Eigentümer wurden neue Rollläden auf Kosten der Eigentümergemeinschaft angebracht. Die Montage erfolgte unfachmännisch, Kabel wurden zum Teil nur provisorisch in die Steckdose gesteckt und quer durch den Raum gespannt, aber nicht hinter Leisten versteckt. Ein herbeigerufener Elektriker eines anderen Unternehmens meinte, es gehöre Mut dazu, so eine Installation zu hinterlassen.

Update

Heute, Mittwoch, den 21.12., nach ziemlich genau zwei Wochen, wurde nun der Türöffner endlich repariert. Kann es ein schöneres Weihnachtsgeschenk geben?