Die Mauer von Neuperlach – offener Brief an den Oberbürgermeister

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Die Neuperlacherin G. S. hat zum Thema „Mauer in Neuperlach“ an den Oberbürgermeister einen offenen Brief geschrieben. Neuperlach.org veröffentlicht diesen gerne.

Da eine Mauer erstens ein hässliches Signal gegen Flüchtlinge und Integration ist und zweitens auch noch der Satzung von Neuperlach widerspricht, die Neuperlach als Stadtteil der offenen Wege ausruft, positioniert sich Neuperlach.org gegen die Mauer. Der offene Brief gibt aber nicht zwangsläufig in allen Punkten die Meinung des Betreibers von Neuperlach.org wieder.

Herrn
Oberbürgermeister Dieter Reiter

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich kann mir als geborene Münchnerin, die seit 1970 in Neuperlach wohnt und auch gerne hier wohnt, diese Zeilen leider nicht verkneifen.

Es geht, wie könnte es anders sein, um unsere Mauer!

Wie kann es sein, dass München, das ja im letzten Jahr die Willkommensstadt schlechthin war und für die Flüchtlinge, für Integration und für ein friedliches Miteinander stand, jetzt so auf den Widerstand von 7 (!) Anwohnern reagiert? Dass München wegen dieser nicht mal 2 Händen voll Anwohner, deren Häuser übrigens weit genug von dem Gelände entfernt stehen, so einknickt? Warum kann man da nicht genauso viel Rückgrat und Tatkraft beweisen wie vor einem Jahr?

Gerade in Neuperlach funktioniert übrigens das Multikulti-Miteinander sehr gut. Ich selbst bin mit 8 Jahren hier mit meinen Eltern von Trudering nach Neuperlach gezogen und bin seit dieser Zeit mit ausländischen Bürgern, die hier leben, aufgewachsen, zur Schule gegangen, arbeite mit ihnen Seite an Seite. Auch meine Kinder sind hier so aufgewachsen. In einem Miteinander mit ausländischen Kindern und mit einer Selbstverständlichkeit, die es sonst glaube ich nirgends in München so gibt. Und dann so etwas! Das ist weder mein München noch mein Neuperlach!

Sicherlich hat Neuperlach zeitweise auch einen schlechten Ruf gehabt, auch wegen „Mehmet“ in den 1990-ern. Doch das sind Ausnahmen. Da hat Neuperlach ganz andere Probleme und Konflikte, z.B. die Methadon-Praxis und damit die Drogensüchtigen im Marx-Zentrum sowie an der Quiddestraße. Und das seit vielen Jahren. Davor haben auch viele Bürger Angst. Aber da wird nichts getan, darüber regt sich keiner auf.

Es ist auf jeden Fall ein absolutes Armutszeugnis für die Stadt München, dass sie dem Wunsch – der Klage von sieben Bürgern, denen mehr als 100.000 Einwohner von Neuperlach gegenüberstehen – nachgibt. Diese Bürger haben offensichtlich keine Kinder und kein Herz für andere und sind offensichtlich auch schon erwachsen zur Welt gekommen, sonst würden sie nicht so reagieren. Und die Befürchtung von zu viel Lärm halte ich nur für eine Ausrede, da es ja auch noch gar keinen Lärm gibt, den die Mauer abhalten könnte. Es ist offensichtlich nur ein Mittel zum Zweck, um ans Ziel zu kommen. Nämlich gar keine Flüchtlinge hier zu haben.

Mir bleibt hier nichts anderes übrig, als mich fremdzuschämen – für München, diese Anwohner und diese Menschen, die auf Facebook rassistische und fremdenfeindliche Kommentare veröffentlichen.

Lieber Herr Oberbürgermeister, mich würde interessieren, was Sie persönlich dazu sagen, denn nach dem, das Sie letztes Jahr bei der Flüchtlingszuwanderung getan und gesagt haben, kann das kaum in Ihrem Interesse sein.

Mir bleibt hier nur noch zu sagen: „Die Mauer muss weg!“

G. S.

Neuperlach: Die dämlichste Mauer der Welt

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Sie wird höher als die Berliner Mauer. Derzeit entsteht in Neuperlach Süd eine Lärmschutzwand, welche die Anwohner vor den Geräuschemissionen der Flüchtlinge schützen soll. Oder etwas weiter gefasst: Es wird eine Wand gebaut, die die Anwohner vor den Flüchtlingen bewahren soll. Die Lärmquelle ist die Flüchtlingsunterkunft an der Nailastraße, in der 160 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einziehen sollen. Ironisch gedacht werden die Flüchtlinge vor den Anwohnern geschützt.

Was wird aus unserem Stadtteil, der laut Satzung der „Stadtteil der offenen Wege“ ist, in dem Mauern und Zäune nur in besonderen Ausnahmefällen, etwa bei einem einem Kindergarten, genehmigt werden dürfen?

Und, noch schlimmer, was ist aus der Willkommenskultur geworden, fragt sich Jens Krumpholz:

(Link: YouTube)

Mehr zum Thema:

Spiegel: Mauer soll vor Flüchtlingslärm schützen

Jetzt Petition gegen die Mauer unterschreiben!

Süddeutsche Zeitung: Satire-Aktion an der Mauer in Perlach erzürnt Anwohner

Abendzeitung: Die Mauer kostet wohl 200.000 Euro

Abendzeitung: Vandalen haben in der Nacht auf Donnerstag Parolen an Häuserfassaden in unmittelbarer Nähe zur umstrittenen Mauer in Neuperlach geschmiert. Polizeischutz, Fotoverbot und emotionale Statements – der Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach diskutiert den Hype um die Schallschutzmauer

Focus: Gastbeitrag von Jens Krumpholz: Ein Bollwerk der Unmenschlichkeit

LAO (Leben am Ostpark) eröffnet

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LAO eröffnet
Das LAO gesehen vom wieder freigegebenen Fußwegsystem zwischen Quidde-Zentrum und Life (13.09.2015) © Thomas Irlbeck

Nachdem die ersten Bewohner bereits Mitte August gesichtet worden waren, wurde am 8. September nun das LAO offiziell freigegeben. Entsprechend sind an der LAO-Baustelle endlich die meisten Bauzäune verschwunden. Damit sind die meisten Verbindungen wieder frei. So kann das Neuperlacher Fußwegsystem zwischen dem Einkaufszentrum Life und dem Quidde-Zentrum wieder benutzt werden. Für die Bewohner am Plett-Zentrum entfallen lange Umwege.

LAO eröffnet
Der neue Fußweg ins Innere des LAO ist geräumig (13.09.2015) © Thomas Irlbeck
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Als Ersatz für die Sonnenuhr gibt es nun einen eingezäunten Spielplatz (13.09.2015) © Thomas Irlbeck

Die meisten Verbindungen sind wieder frei

Der Innenhof wirkt, obgleich er relativ klein ist, durchaus geräumig, hell und freundlich. Dies liegt an der abgeschrägten Form der Häuser, wodurch viel Licht in den Innenhof fällt, und an dem weißen Anstrich.

LAO eröffnet
Innenhof (13.09.2015) © Thomas Irlbeck
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Innenhof (13.09.2015) © Thomas Irlbeck
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Innenhof (13.09.2015) © Thomas Irlbeck
LAO eröffnet
Die Passage bietet Schutz vor Regen. Von den späteren Läden ist noch nicht viel zu sehen (13.09.2015) © Thomas Irlbeck
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Einer der Eingangsbereiche (13.09.2015) © Thomas Irlbeck
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Das LAO von der Rampe zur Fußgängerbrücke aus gesehen (13.09.2015) © Thomas Irlbeck

Anbindung der Fußgängerbrücke Richtung Allianz/pep

Die Fußgängerbrücke über die Ständlerstraße ist auf Höhe der Allianz noch gesperrt, aber die Brücke selbst kann bereits betreten werden. Leider ist die Treppe mit der integrierten Rampe zur Brücke rauf sehr steil ausgefallen. Mit einem Rollstuhl ist die Rampe kaum passierbar, ein Fahrrad oder Kinderwagen kann geschoben werden. Nur lebensmüde Fahrradfahrer werden sich hier fahrend bewegen. Es ist schade, dass man keine elegantere Lösung realisiert hat, zumal reichlich Platz gewesen wäre.

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Auf der Fußgängerbrücke. Deutlich zu sehen: die gläserne Lärmschutzwand zwischen den beiden Schanzen (13.09.2015) © Thomas Irlbeck
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Nicht so elegant: Die neue Rampe zur Fußgängerbrücke. Rollstuhlfahrer werden hier kaum passieren können und müssen den bisherigen Umweg zum pep in Kauf nehmen (13.09.2015) © Thomas Irlbeck