Was Wilfriedes künstlicher Papagei mit Momo und dem Pflegesystem zu tun hat

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Dieser Papagei ist echt. Das Spielzeug wird aber immer realistischer © sproti2000/Pascal Schmitt / Pixelio

Wilfriede ist 75 und hatte einen Autounfall. Seitdem läuft sie am Stock. Wenn man dann alleine ist – klar, dann muss ein Haustier her. Am besten ein sprechendes, man will ja schließlich unterhalten werden. Also muss es ein Papagei sein. Dumm nur, dass der ziemliche Arbeit macht. Es gibt aber eine einfachere Möglichkeit. Man setzt sich mal schnell in die nächste Tram, fährt zum Spielzeugladen seines Vertrauens und kauft sich für 60 EUR einen unechten Papagei. Dieses moderne Spielzeug ist mehr ein Roboter denn ein triviales Spielzeug. Er spricht nicht nur, sondern er wiederholt sogar die Worte seines Frauchens oder Herrchens. Ferner bewegt er sich und reagiert auf Körperkontakt. Vielleicht ist es ja dieser Papagei, den sich Wilfriede zugelegt hat:

Hasbro 77182100 – sprechender Spielzeugpapagei

Der Preis kommt jedenfalls hin. Die Geschichte von Wilfriede ist übrigens echt, im Unterschied zu ihrem Papagei. Wilfriede war in der Nacht von Freitag auf Samstag (20. auf 21.11.2009) in der Call-in-Sendung „Domian“ (Montag bis Freitag auf 1LIVE und im WDR-Fernsehen) zu hören.

Hier – in Neuperlach – werden Menschen gepflegt. Aber noch ohne Pflegeroboter (Archivbild) © Thomas Irlbeck

Eine Art Prototyp des sprechenden Spielzeugs kommt in der berühmten und genialen Parabel „Momo“ von Michael Ende vor, dem man durchaus seherische Fähigkeiten unterstellen kann. Denn bei Ende schenken die Grauen Herren der kleinen Momo sprechende Puppen. Diese Puppen soll Momo vergessen lassen, dass sie in Zukunft alleine sein muss, damit sich die Leute mit wichtigeren Dingen – dem vorgeschobenen Zeitsparen – beschäftigen können als mit einem kleinen streunenden Mädchen. Auch wenn die Puppen bei Ende eher ein kurzes Beiwerk sind, stellen sie dort eine Art Teufelswerkzeug dar. Freilich sind Endes Puppen primitiv – sie spielen eine im Inneren versteckte kleine Schallplatte ab.

Technik mal menschlich oder doch eine grauenhafte Vision? © mad max / Pixelio

Man kann sich aber gut vorstellen, welche Wirkung immer raffinierteres künstliches Spielzeug haben kann. Dabei muss es nicht beim Spielzeug bleiben. Diejenigen, die heute jung sind, werden im Alter wahrscheinlich mal von einem Pflegeroboter betreut. Erste Prototypen gibt es schon seit Jahren. Man kann sich kaum ausdenken, welche Entwicklung solche Roboter noch vor sich haben. Die Entwicklung hört sicher nicht mal dann auf, wenn sie eine echte Pflegekraft vollständig ersetzen können. Schließlich kann man diese Dinger ja dann noch weiterentwickeln, um sie noch effizienter und preiswerter zu bauen. Vielleicht werden Roboter mal zu einer Art Ersatzmenschen. Ob die Wortwahl des „Menschlichen“ gerechtfertigt ist, darf aber bezweifelt werden. Wie sagte einst Theodor Heuss: „Eines Tages werden Maschinen vielleicht denken können, aber sie werden niemals Phantasie haben“.