Marx-Zentrum: Müllhaus ersetzt Mülltonnenabstellplatz

Werbung

Müllhaus, Max-Kolmsperger-Straße
Bild 1: Im Hintergrund rechts ist der Kirchturm von St. Monika zu sehen (06.10.2018) © Thomas Irlbeck

Marx-Zentrum: Unweit vor meinem Haus wurde der offene Mülltonnenabstellplatz mit Treppenabgang und Mülltonnenaufzügen mit einem Häuschen überbaut. Es schaut nun viel ordentlicher aus. Ich lege Vergleichsbilder aus dem März 2017 bei.

Müllhaus, Max-Kolmsperger-Straße
Bild 2 (06.10.2018) © Thomas Irlbeck
Müllhaus, Max-Kolmsperger-Straße
Bild 3 (06.10.2018) © Thomas Irlbeck

Rückblick: Dieselbe Stelle im März 2017

Müllabstellplatz, Max-Kolmsperger-Straße
Bild 4 (23.03.2017) © Thomas Irlbeck
Müllabstellplatz, Max-Kolmsperger-Straße
Bild 5: Zwei Mülltonnenaufzüge (23.03.2017) © Thomas Irlbeck
Müllabstellplatz, Max-Kolmsperger-Straße
Bild 6: Detail Treppenmauer (23.03.2017) © Thomas Irlbeck

Die Abstimmung: Müll in die Müllhäuser oder Müllhäuser auf den Müll?

Werbung

Betrieb auf dem Mülltonnenspielplatz
Hier stehen die Tonnen, damit die Kleinen schon früh die Geheimnisse der Mülltrennung kennen lernen (Archivbild) © Thomas Irlbeck

Vor über zwei Monaten haben die Mülltonnen meiner Wohnanlage am Karl-Marx-Ring eine neue Bleibe gefunden. Sie stehen nicht mehr in den Müllräumen im Keller, sondern in zwei Gruppen am Kinderspielplatz und an der Freifläche an der Tischtennisplatte. Der Grund ist, dass der TÜV Süd die Mülltonnenaufzüge stilllegte. Das hat zur Folge, dass die Müllräume im Keller und auch die Müllabwurfschächte nicht mehr benutzt werden können, da es keine praktikable Möglichkeit mehr gibt, die Tonnen zwecks Entleerung an die Oberfläche zu befördern.

AnwALT eingeschALTet

Eigentlich sollte schon im Januar dieses Jahres das Thema behandelt werden, doch erst heute wurde auf einer außerordentlichen Eigentümerversammlung das Thema recycelt, nachdem man schon im November darüber gesprochen hatte. Ein Eigentümer hat einen Anwalt mitgebracht, der ihn unterstützen soll, den Bau von Müllhäusern zu verhindern. Der Anwalt ist schlau vorgegangen. Er hat schon vor Tagen ein umfassendes Schreiben an die Eigentümer herausgeschickt, aber diejenigen Eigentümer dabei übergangen, die verdächtigt werden, für den Bau von Müllhäusern stimmen zu wollen. Damit will er offenbar im „richtigen“ Lager einen Informationsvorsprung halten und nicht den Gegnern in die Hände spielen.

Ich bin ja der Auffassung, dass man was Bestehendes, das sich bewährt hat, reparieren und nicht für viel Geld stilllegen sollte, um nachher weniger zu haben als vorher. Ich bin also dafür, die Mülltonnenaufzüge zu sanieren. Zwar würde es mir nichts ausmachen, den Müll quer durch die Gartenanlage zu einem Mülltonnenhaus zu tragen. Aber es muss auch nicht sein, was nicht sein muss.

Teuer, teuer…

Ich werde aber den Eindruck nicht los, dass Verwalter und Beirat ganz massiv auf den Bau zweier Müllhäuser und für die Stilllegung der Müllabwurfschächte und der Mülltonnenaufzüge drängten. Schließlich seien Müllhäuser nicht nur in Neuperlach absoluter Standard und Müllabwurfschächte nicht mehr zeitgemäß oder gar illegal. Am Anfang sah es noch so aus, dass eine Sanierung der Mülltonnenaufzüge mindestens 300.000 EUR kosten würde, die Müllhäuser aber für „nur“ 150.000 EUR zu haben seien. Doch in Wahrheit ist die Sanierung der Mülltonnenaufzüge schon für ca. 126.000 EUR im Angebot, eine Erneuerung für ca. 165.000 EUR. Die Müllhäuser schlagen dagegen mit ca. 180.000 EUR zu Buche. In den Preisen sind jeweils alle erforderlichen Maßnahmen enthalten. So muss bei der Mülltonnenaufzugsanierung/-erneuerung in eines der Häuser eine Sprinkleranlage eingebaut werden, da es sich formal um ein Hochhaus handelt. Bei den anderen, niedrigeren Häusern ist es nicht notwendig. Im Übrigen erkennt man echte Hochhäuser daran, dass sie nicht über ein normales Treppenhaus, sondern über ein abgeschirmtes Fluchttreppenhaus verfügen. Das ist normalerweise ab 9 Stockwerken der Fall. Im Preis inbegriffen ist auch eine Abdichtung der Müllabwurfklappen im Hochhaus. In den anderen Häusern ist diese aus dem gleichen Grund nicht erforderlich.

In Verbindung mit dem Müllhausbau müssen natürlich die Müllabwurfschächte stillgelegt werden, hier rechnet man mit 12.000 EUR. Viel Geld, um danach etwas nicht mehr zu haben. 180.000 EUR sind natürlich eine richtige Stange Geld für zwei profane Müllhäuschen. Man bekommt eine recht schöne Wohnung für so viel Kohle, und das in München. Daher kam die Idee auf, keine Müllhäuser, sondern nur eingegitterte Müllstellplätze zu errichten. Ohne Dach mit abschließbarem Tor. Das gibt es für rund 62.000 EUR. Das ist aber eine Lösung, die auch kaum überzeugt, denn wer will schon bei Regen den Müll einwerfen? Mit einer Hand hält man den Schirm, mit der anderen den Deckel hoch und der Müllsack fliegt von alleine in die Tonne.

Daher spricht eigentlich viel für die Sanierung oder Erneuerung der Mülltonnenaufzüge, auch wenn die dachlosen Müllhäuser unschlagbar sind in ihrer preislichen Gestaltung. Daher ging ich davon aus, dass es zwischen diesen beiden Vorschlägen zu einer knappen Abstimmung mit viel Emotionen und Wortbeiträgen kommen würde.

Doch es kommt ganz anders: Zwar redetet der Anwalt viel und gut, weiß immer eine Antwort und stellt von der Gegenseite alles infrage. Er ist gut vorbereitet. Er scheint sogar die Abmaße jeder Mülltonnennorm zu kennen. Doch ab einem Punkt verliert er schlagartig seine Rolle, nämlich, als es in Richtung Abstimmung geht. Die Verwalterin weist überraschend darauf hin, dass laut einem Gerichtsurteil eine Eigentümerversammlung gar nicht befugt sei, einen Beschluss zur Stilllegung der Müllabwurfschächte zu fassen. Sie hätte das bislang auch nicht gewusst. Dennoch könne man Müllhäuser bauen. Prinzipiell. Zu meiner Verblüffung erfahre ich, dass man auch über die Müllhauspläne nicht abstimmen werde. Denn es handele sich um eine größere bauliche Veränderung, für den man unbedingt einen einstimmigen Beschluss brauche. Da aber ein solcher niemals erzielt werden könne, da im Vorfeld Eigentümer angekündigt hatten, auf jeden Fall gegen Müllhäuser zu stimmen, sei jeder Versuch sinnlos. Drei wunderschöne Vorschläge für Müllhäuser waren umsonst ausgearbeitet worden. Wenn man das früher gewusst hätte, hätte man sich die Arbeit…

Von 6 Abstimmungspunkten bleiben noch 2 – das macht die Sache einfacher, aber nicht einfach

So blieben nur noch die Sanierung und die Erneuerung (Neubau) der Mülltonnenaufzüge als Abstimmungspunkte1. Einige wenige wollen das nicht wahrhaben und kämpfen aussichtslos weiterhin für die Müllstandplätze. Ein Wutredner, der sich dafür einsetzt, wohnt offenbar gar nicht selbst in der Anlage. Dann will man natürlich als Vermieter die Kosten so niedrig wie möglich halten. Aber es hilft alles nichts, die Müllhauspläne sind schon längst im Reißwolf – rein gedanklich versteht sich.

Die Mülltonnenaufzüge (rechts hinten im Bild) werden nun doch erneuert (Archivbild) © Thomas Irlbeck

Eine Handabstimmung ergibt zunächst ein relativ knappes „Ja“ für die Sanierung der Mülltonnenaufzüge. Da aber ein Eigentümer nicht genau eine Stimme hat, sondern Stimmanteile gemäß seiner Wohnfläche, muss bei knappen Ergebnissen schriftlich abgestimmt werden. Nun aber verfehlt der Vorschlag überraschend die Mehrheit und es gibt auch Enthaltungen, die bei der Handabstimmung nicht vorhanden waren. Der Vorschlag, die Mülltonnenaufzüge erneuern zu lassen, bekommt dann die Mehrheit. In allen Häusern werden auch die Müllabwurfschächte allen Unkenrufen zum Trotz wieder in Betrieb gehen. Im Endeffekt haben sich hier vielleicht nicht Vernunft und monetäre Abwägung durchgesetzt, sondern die Sachzwänge. Mit dem Ergebnis werden aber die meisten leben können. In ein paar Monaten, wenn der Sommer vorbei ist, wird es auch wieder einen Spielplatz geben, den man nicht wie jetzt in die Tonne treten kann.

1Die Sanierung hat den Nachteil, dass geringfügig höhere Müllgebühren anfallen (pro Eigentümer typischerweise 3,50 EUR im Jahr), da kleinere Tonnen verwendet werden müssen. (Der Anwalt bestreitet, dass die großen Tonnen nicht passen.) Außerdem ist zu befürchten, dass man für den sanierten Aufzug in ein paar Jahren keine Ersatzteile mehr bekommt. Da ist ein neu gebauter Aufzug im Vorteil, der auch garantiert die großen Tonnen aufnehmen kann.

Dem Müll (k)eine Abfuhr erteilen

Werbung

Seit knapp 7 Wochen stehen die Mülltonnen in meiner Wohnanlage am Karl-Marx-Ring nun Tag und Nacht auf dem Spielplatz, da die Mülltonnenaufzüge vom TÜV Süd stillgelegt wurden und die Mülltonnen entsprechend nicht mehr von den Müllräumen im Keller an die Oberfläche befördert werden können (Neuperlach.org berichtete). Doch der Spielplatz wird weiter benutzt – Hygiene, Gerüche und Optik zum Trotz. Der Zustand wird wohl noch länger anhalten, da es noch nicht einmal einen Termin für die außerordentliche Eigentümerversammlung gibt, auf der dann etwas beschlossen werden könnte, was dann (irgendwann) mal umgesetzt werden könnte. Es ist kein Geheimnis, dass Baugenehmigungen nur im Märchen von heute auf morgen erteilt werden.

Betrieb auf dem Mülltonnenspielplatz
Betrieb auf dem Mülltonnenspielplatz (12.06.2011) © Thomas Irlbeck

Update

Mit einem halben Jahr Verzögerung hat es nun die Hausverwaltung endlich geschafft, einen Termin für die außerordentliche Eigentümerversammlung anzuberaumen. Am 05.07. soll nun entschieden werden, wie es weitergeht. Es gibt sechs verschiedene Lösungen, darunter sind auch einfache Müllstellplätze, die nur per Tor vor Fremdbenutzung geschützt werden, aber kein Dach haben. Der Vorteil ist neben der geringen Kosten, dass offenbar dafür keine Baugenehmigung erforderlich ist. Aber man kann dann den Müll ohne Regenschutz einwerfen, aber daran haben sich ja einige schon gewöhnt.

Wie auch immer entschieden wird, so schnell werden wohl die Mülltonnen nicht vom Spielplatz verschwinden. Planung und Bau der Mülltonnenhäuser werden nicht wenig Zeit in Anspruch nehmen.

Das neue Highlight in Neuperlach: Mülltonnenspielplatz

Werbung

Mülltonnen im Freien
Die Mülltonnen stehen nun Tag und Nacht im Freien (29.04.2011) © Thomas Irlbeck

Bislang hatten die Bewohner einer Wohnanlage am Karl-Marx-Ring, in welcher der Autor übrigens selbst wohnt, Müllräume in den Kellergeschossen, in denen der Müll bequem ohne weite Wege entsorgt werden konnten, sowie Müllabwurfschächte. Nun hat der TÜV Süd eine sofortige Stilllegung der Mülltonnenaufzüge wegen erheblicher Sicherheitsmängel veranlasst. Da die Tonnen nicht mehr befördert werden können, wurden sie nun im Freien neben dem Spielplatz sowie neben der Tischtennisplatte aufgestellt, was beide Plätze ungemein „aufwertet“. Die Mülltonnen sind dem Regen ausgesetzt. Die Pergola beim nordwestlichen Standplatz bietet nur eine minimale optische Kaschierung, aber keinen Wetterschutz, da sie nicht über ein Dach, sondern nur über Querbalken verfügt. Der nordöstliche Müllplatz hat nicht mal diese optische Kompensation. Die Müllabwurfschächte, die in den Müllräumen im Keller enden, mussten auch aus dem gleichen Grund außer Betrieb genommen werden.

Mülltonnen im Freien
Der Spielplatz wird durch die Mülltonnen ungeheuer „aufgewertet“. Das stinkt! (29.04.2011) © Thomas Irlbeck

Wie konnte es so weit kommen, dass Kinder nun keine zwei Meter neben den Mülltonnen spielen dürfen? Dass die Mülltonnenaufzüge Sicherheitsmängel haben, ist länger bekannt (Neuperlach.org berichtete). Im November letzten Jahres wurde bei der Eigentümerversammlung kein Beschluss gefasst, weil als TOP faktisch nur ein Bau von Müllhäusern in der Gartenanlage angeboten wurde und noch keine Alternativen umfassend ausgelotet wurden (Modernisierung der Mülltonnenaufzüge etwa). Anfang dieses Jahres sollte eine außerordentliche Eigentümerversammlung zu dem Thema einberufen werden. Passiert ist aber bislang nichts. Warum muss es erst immer zu einer Ausnahmesituation kommen, bevor gehandelt wird? Wer hat hier versagt?

Mülltonnen im Freien
Der zweite Standplatz. Das Tischtennisspielen … (29.04.2011) © Thomas Irlbeck
Mülltonnen im Freien
… ist sicherlich jetzt ein besonders gerunchssensorisches Erlebnis (29.04.2011) © Thomas Irlbeck

Updates

Noch ein paar zusätzliche Bilder:

Mülltonnenaufzug außer Betrieb
Mülltonnenaufzug außer Betrieb. Wahrscheinlich für immer, da eine Nachrüstung der Sicherheitsmerkmale wohl nicht möglich ist. Auch ein Neubau ist angeblich an derselben Stelle nicht zulässig bzw. würde sehr teuer kommen, etwa doppelt so viel wie Mülltonnenhäuschen (30.04.2011) © Thomas Irlbeck
Müllschlucker außer Betrieb
Müllschlucker außer Betrieb (Bildmitte). Der Griff wurde abmontiert und die Klappe zugeklebt. Selbst wenn der Mülltonnenaufzug wieder in Betrieb genommen werden würde, dürfte der Müllschlucker wegen der Brandschutzvorschriften wohl nicht wieder in Gang gesetzt werden (30.04.2011) © Thomas Irlbeck
Mülltonnen-Rutsche
Mülltonnen-Rutsche (30.04.2011) © Thomas Irlbeck
Verschmutzter Mülltonnenplatz
Langsam verschmutzt der Platz: (04.05.2011) © Thomas Irlbeck

EU-Norm: 160.000 Euro wegen ein paar Zentimeter Plastik – oder „Wir sind schließlich keine Müllionäre“

Werbung

Das Thema Stilllegung der Müllschlucker und Bau von Mülltonnenhäuschen (Neuperlach.org berichtete) wurde ausgiebig auf der Eigentümerversammlung am Dienstag behandelt. Die Müllabwurfschächte müssten definitiv geschlossen werden, heißt es seitens der Verwaltung, die Lokalbaukommission hätte dies angeordnet. Der Anbringung von Brandschutzvorbauten hätte die Lokalbaukommission nicht zugestimmt, auch sonst gäbe es keine Möglichkeiten des Weiterbetriebs, weder über den Bestandsschutz noch durch Sondergenehmigungen etc. Komisch nur, dass im Marx-Zentrum vorerst keine Schließung der Müllabwurfschächte geplant ist, obgleich die Anlage fast genauso alt ist. Hat man hier wirklich alles ausgelotet?

Die Stimmung im Saal verschlechtert sich beim Thema Müllhäuschen. Bislang entsorgen die Bewohner den Müll in einem Müllraum im Keller. Auch in dem einen Haus, das über den Müllabwurfschacht verfügt, müssen größere Gegenstände und alles, was nicht Restmüll ist, dort hingebracht werden.

Mülltonnen
So sieht es derzeit ausdrücklich nicht vor dem Haus aus, aber ein Bild zur Illustration muss sein, da kaum niemand reine Bleiwüsten liest. Foto: hmboo/ Lizenz siehe: flickr

Die Tonnen werden zur Entleerung mit Lastenaufzügen an die Oberfläche befördert. Diese 40 Jahre alten Lastenaufzüge entsprechen nicht mehr den Sicherheitsbestimmungen. Sie verfügen z.B. nicht über eine automatische Abschaltung, falls etwas eingeklemmt wird. Über den Bestandsschutz könnten sie wahrscheinlich vorerst noch weiterbetrieben werden. Das Problem aber seien die neuen vorgeschriebenen EU-Mülltonnen aus Plastik, so die Verwaltung. Diese würden von der Form nicht in die Lastenaufzüge passen, ein Test hätte dies bereits ergeben. Momentan bestehe noch eine Sondergenehmigung für die alten Metalltonnen, die aber auslaufe und nicht mehr verlängert werden könne. Daher empfiehlt die Verwaltung den Bau von Müllhäuschen. Kosten: ca. 160.000 Euro für die zwei benötigten Müllhäuschen. Plus Zusatzkosten, etwa für Schließung der Müllabwurfschächte, Stilllegung der Lastenaufzüge, Umbau der Müllräume für eine andere Nutzung usw. Andernfalls müssten die Tonnen demnächst im Freien gelagert werden. Im Saal regt sich Protest. Es kommen Zwischenrufe wie „Wegen einer EU-Norm und ein paar cm Unterschied müssen wir 160.000 Euro bezahle und verlieren wir unseren Komfort“. Ein anderer Eigentümer: „Wir verschandeln unsere Gartenanlage.“ Ein Herr mit einer körperlichen Einschränkung befürchtet, er könne sich bei Glatteis den Oberschenkelhals brechen. Andere Leute befürchten, dass die Leute einen Teil ihres Mülls auf dem Weg zum Müllhaus verlieren und nicht wieder aufsammeln. Die Gefahr von Geruchsbelästigungen und Ratten kommt auch zur Sprache. In den anderen Wohnanlagen ginge das auch mit den Müllhäuschen, hieß es seitens der Verwaltung. Der Hausmeister würde ja die Wege räumen und streuen. Der Herr mit der körperlichen Einschränkung wendete ein, er würde derzeit bei Eis und Schnee das Haus nie verlassen, aber wenn der Müllraum wegkäme, dann müsste er. Dann müsse er sich halt von Nachbarn helfen lassen, hieß es. Auch eine kurzzeitige Lagerung des Mülls auf der Loggia sei möglich. Es gibt immer eine Lösung, wenn man nur wolle.

Ein Eigentümer fragt, warum man denn die Lastenaufzüge nicht erneuern könne. Die Antwort ist, dies sei noch viel kostspieliger. Man könnte zwar neue Lastenaufzüge einbauen. Dann greife aber der Bestandsschutz nicht mehr. Das Problem sei, dass der Einbau nicht mehr in die bestehenden Schächte erfolgen könne, da diese nach Vorschrift nun weiter weg vom Haus sein müssten. Man müsse alles aufgraben und neue Schächte bauen. Kosten: ca. 270.000 Euro plus diverse Zusatzkosten. Einige Eigentümer werfen ein, dass diese Lösung zwar sehr teuer sei, aber man dafür auch den Komfort behalten könne. Im anderen Fall müsste man 160.000 Euro zahlen, um danach weniger als jetzt zu haben. Wir sind ja schließlich keine Müllionäre.

Es wird gefordert, dass nicht nur ein Antrag zum Bau der Müllhäuschen zur Abstimmung gestellt werde, bei dem man keine andere Wahl hätte, da ein mehrheitliches Nein zur Folge hätte, dass die Tonnen demnächst im Freien stehen würden, sondern auch ein Alternativantrag zur Sanierung bzw. des Neubaus der Lastenaufzüge.

Ein Eigentümer bringt noch einen interessanten Vorschlag auf. Warum nehme man denn nicht kleinere Tonnen, die kleinere EU-Tonne würde in den Lastenaufzug passen. Seitens der Verwaltung heißt es, dann müsste man mehr Müllgebühren bezahlen. Es wird gefragt, ob dies nicht auf viele Jahre erheblich billiger sei, als jetzt mindestens 160.000 Euro hinzulegen. Dies müsse man noch durchrechnen, hieß es.

Nachdem die Proteste zu groß werden, entscheidet sich die Verwaltung dafür, das Thema zu vertragen. In einer noch einzuberufenden außerordentlichen Versammlung soll dann das Thema noch einmal behandelt und schließlich abgestimmt werden. Es soll dann ein dreiteiliger Antrag vorgelegt werden: Variante 1: Bau der Müllhäuschen. Variante 2: Sanierung/Neubau der Lastenaufzüge. Variante 3: Weiterbetrieb der Lastenaufzüge über den Bestandsschutz mit kleineren Tonnen. Bei so viel Optionen erinnert mich das an die Mülltonne mit der Aufschrift „Rein oder nicht rein, das ist hier die Frage“.

So ein Müll!

Werbung

Müllhaus
Zwei solcher Müllhäuser könnten bald in der Gartenanlage errichtet werden. Das Foto zeigt ein Müllhaus im Bauabschnitt Neuperlach Nord. Foto: Franco und Manuel aus Neuperlach

Müllschlucker sind laut, stinken, sind wartungsintensiv, fördern keine Mülltrennung, da viele Leutchen alles unsortiert reinschmeißen, und laufen dem Brandschutz zuwider. Ein Großteil der Bewohner empfinden die Müllschlucker hingegen als praktisch. Da die Müllschlucker nicht mehr den Bestimmungen des Brandschutzes entsprechen, sollen diese nun in meiner Wohnanlage stillgelegt werden. Klar, wenn jemand per Müllschlucker z.B. eine glimmende Zigarettenkippe entsorgt, kann es dann im Müllraum, der im Keller angesiedelt ist, ein hübsches Feuerchen geben.

Doch dies ist nicht das einzige Problem. Die Lastenaufzüge, mit denen der fleißige Hausmeister die Mülltonnen aus den Müllräumen an die Oberfläche und wieder zurück befördert, entsprechen nicht mehr den Sicherheitsvorschriften. Es sei die Frage erlaubt, ob wirklich jemand durch den Lastenaufzug auch nur theoretisch gefährdet werden könnte. Da für die Benutzung ein spezieller Schlüssel erforderlich ist und der Aufzug vom Hausmeister überwacht wird, ist dies sehr unwahrscheinlich. Dennoch wird man sich den Vorschriften beugen und das Beste daraus machen müssen. Eine Sanierung der Lastenaufzüge wäre allerdings sehr kostspielig. Klar, dies ist ein weiteres Argument dafür, die Müllschlucker außer Betrieb zu nehmen. Allerdings gibt es ein kleines Problem. Wo sollen dann die Tonnen hin? Der Müllraum ist nämlich der Ort, in den die Bewohner auch ohne Verwendung des Müllschluckers ihren Müll hinbringen, z.B. wenn sie Altpapier ordnungsgemäß entsorgen, oder Restmüll, der zu groß für den Müllschlucker ist.

Doch es gibt für alles eine Lösung, ich betone: „für alles“. Nach den derzeitigen Plänen sollen die Müllräume aufgelöst und die Lastenaufzüge für immer stillgelegt werden. Als Ersatz soll die schöne grüne Gartenanlage hinter dem Wohnblock mit zwei Müllhäusern verschandelt werden. Bei Eis, Schnee und Starkregen sollen dann die Bewohner den Müll zu diesen feinen Häuschen bringen. Vom Brandschutz ist das ideal, denn brennt es in so einem Abfallgebäude, kann das Feuer kaum auf die Wohnhäuser überschlagen.

Nur kostet der Bau solcher Häuschen auch eine Stange Geld. Ein Ingenieurbüro soll mit der Planung der Häuschen beauftragt werden. Viel sinnvoller wäre es jedoch meines Erachtens, die bestehende Infrastruktur zu verbessern und den geltenden Bestimmungen anzupassen. Selbst wenn es teurer wird, denn für den Mehrpreis erhält man mehr Komfort. Zumindest sollte man beide Alternativen zur Abwägung gegenüberstellen. Derzeit steht jedoch nur der Bau der Müllhäuschen auf der Tagesordnung. Das letzte Wort haben aber die Eigentümer.