Unsere Bavaria

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In Neuperlach haben wir die Therese-Giehse-Allee. Die Theresienwiese hat nur begrifflich etwas damit zu tun. Dennoch ging es heute an diesem wunderschönen, fast sommerlichen Novembertag zur Bavaria! Wie die Bilder weiter unten zeigen, wird die Wiesn wird immer noch abgebaut (oder schon wieder aufgebaut, wer weiß?). Auch zeigt sich, dass früher alles besser und Paulaner nur noch gut ist. Ein Video beweist hingegen,  dass aus „gut“ ein „ner“ wird.

Bavaria
Bild 1 (07.11.2018) © Thomas Irlbeck
Bavaria
Bild 2 (07.11.2018) © Thomas Irlbeck
Bavaria
Bild 3 (07.11.2018) © Thomas Irlbeck
Bavaria
Bild 4 (07.11.2018) © Thomas Irlbeck
Bavaria
Bild 5 (07.11.2018) © Thomas Irlbeck
Bavaria
Bild 6 (07.11.2018) © Thomas Irlbeck
Bavaria
Bild 7 (07.11.2018) © Thomas Irlbeck
Theresienwiese
Bild 8: Weitblick (07.11.2018) © Thomas Irlbeck
Theresienwiese
Bild 9 (07.11.2018) © Thomas Irlbeck
Theresienwiese
Bild 10 (07.11.2018) © Thomas Irlbeck

Früher was alles besser, Paulaner ist nur noch gut.

Theresienwiese
Bild 11 (07.11.2018) © Thomas Irlbeck
Theresienwiese
Bild 12 (07.11.2018) © Thomas Irlbeck
Theresienwiese
Bild 13 (07.11.2018) © Thomas Irlbeck
Theresienwiese
Bild 14 (07.11.2018) © Thomas Irlbeck

Aus „gut“ wird „ner“!

(Link: YouTube)
Theresienwiese
Bild 15: St. Paul und Olympiaturm (07.11.2018) © Thomas Irlbeck

Verkehr verkehrt – wie geht’s weiter mit U und S in München?

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Wie es der Zufall will, haben manche Leute einen Namen, der zu Verwechslungen führt. Georg Kronawitter (SPD), der von 1972 bis 1978 sowie von 1984 bis 1993 Münchner Oberbürgermeister war und seit über 35 Jahren in einer Bungalow-Siedlung in Neuperlach (!) wohnt, hat einen Namensvetter, der noch dazu Münchner Stadtpolitiker ist und im Stadtrat sitzt. Nur die Partei ist eine andere, er ist bei der CSU. Namentlich unterscheidet er sich nur darin, dass der CSU-Kronawitter seinen Doktor- und Ingenieurtitel führt.

Alt-Oberbürgermeister Georg Kronawitter (SPD)
Münchens Alt-Oberbürgermeister Georg Kronawitter (SPD) ist seit Urzeiten Neuperlacher. Foto: Michael Lucan / Lizenz siehe: Wikipedia.

Da sich Alt-OB Kronawitter auch heute noch zu aktuellen Münchner Themen meldet, führte dies immer wieder zu gewissen Konfusionen: Medien greifen Nachrichtenschnipsel auf, in denen Georg Kronawitter genannt wurde, und ergänzen sie mit „der frühere Münchner Oberbürgermeister“, obwohl der CSU-Kronawitter gemeint ist. All dies ist aber nicht so schlimm, denn dadurch werden immerhin die Leute zum Schreiben von Leserbriefen und Onlinekommentaren animiert und danach haben die Redakteure etwas für ihre Fehler-Rubrik. Sollte Josef Schmid (CSU) Nachfolger von Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) werden, dem aus Altersgründen nichts anderes übrig bleibt, als in die Landespolitik zu wechseln (er ist bei der nächsten OB-Wahl älter als 65 und darf daher nicht mehr antreten, in der Landespolitik gibt es keine Altersgrenze) und das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten anzustreben, könnte CSU-Kronawitter in Zukunft nicht nur verkehrspolitische Vorschläge aus der Opposition machen, sondern als städtischer Verkehrspolitiker diese auch aus der Regierung selbst mitgestalten.

CSU-Kronawitter fiel bislang des Öfteren mit kreativen Ideen auf. Ich mag prinzipiell Leute, die aus der herkömmlichen Denke herausgehen und ungewöhnliche Vorschläge machen.

Die Münchner S-Bahn am Limit

Derzeit platzt das Münchner-S-Bahnnetz bekanntlich aus allen Nähten. Es erstickt am eigenen Erfolg. So soll die bestehende S-Bahn-Stammstrecke zwischen Pasing und dem Ostbahnhof durch eine zweite Stammstrecke ergänzt werden. Ganz nebenbei müssen auch die S-Bahn-Außenäste ausgebaut werden. Obwohl man alles so schön geplant und im Marienhof schon das Graben angefangen hat (wenngleich erst einmal aus archäologischen Gründen, aber man kann ja beides verbinden), droht die zweite Stammstrecke nun an der Finanzierung zu scheitern.

S-Bahn Hackerbrücke
Wann geht’s wieder aufwärts mit der Münchner S-Bahn? Foto: rikdom / Lizenz siehe: flickr

Nun gibt es aber mehr oder weniger zufällig eine annähernd parallel führende U-Bahnstrecke vom Ostbahnhof zum Laimer Platz, die irgendwann bis Pasing fertig gebaut werden soll. Es fehlen hier nur noch 3,2 Kilometer. Die S-Bahn-Stammstrecke kostet um die 2 Milliarden EUR, die U-Bahn nach Pasing ist für rund 300 Millionen EUR zu haben, geradezu ein Schnäppchen. Die Realisierung der U-Bahn nach Pasing ist derzeit fraglich, da der Nutzen als gering bewertet wird. Die letzte Berechnung ergab mit Hängen und Würgen und unter Streichung einiger Rolltreppen (!) einen NKF (Nutzen-Kosten-Faktor) von über 1. Konkret lag lag er bei 1,05, nur wenn er die 1 überschreitet, kann es die essentiellen Fördergelder geben. Eine Neuberechnung steht an. Die stadteigene Verkehrsgesellschaft MVG ist gegen den Bau, unter anderem, weil man zur Wiesn-Zeit den U-Bahnhof Theresienwiese dann endgültig am Limit sieht, schließlich würden viele Wiesn-Besucher, die aus Westen mit der S-Bahn kommen, in Zukunft in Pasing umsteigen und mit der U4/U5 zur Theresienwiese fahren, statt die S-Bahn zur Hackerbrücke zu benutzen.Schließlich muss man von der Hackerbrücke ein paar Meter laufen. Damit würden die subtil geleiteten Fahrgastströme im Bahnhof Theresienwiese aus dem Takt geraten. Bereits jetzt gibt es große Probleme, der Bahnhof musste dieses Jahr stolze 170 Mal wegen Überfüllung geschlossen werden. Zwei Jahre zuvor kam man noch mit etwa halb so viel Schließungen hin. Spätestens bei Verlängerung der U-Bahn nach Pasing wird es erforderlich werden, den U-Bahnhof komplett umzubauen, etwa durch Einbau zusätzlicher Bahnsteigkanten, sodass eine Türreihe zum Einsteigen und eine zum Aussteigen genutzt wird, so wie dies an den S-Bahnstationen Hauptbahnhof, Stachus und Marienplatz auf der Stammstrecke praktiziert wird. So ein Umbau käme jedoch einem halben Neubau gleich und könnte den NKF unter 1 drücken. Nun mag es befremdlich erscheinen, sollte die U5 nicht gebaut werden, weil sie zwei Wochen im Jahr zu erfolgreich wäre, die restlichen Wochen dagegen mangels ausreichender Fahrgastzahlen keine ausreichende Effizienz besäße. Aber die zwei Wochen Wiesn kann man nicht einfach wegdiskutieren und die Sicherheit der Fahrgäste am Bahnhof Theresienwiese muss natürlich höchste Priorität besitzen.

Gleichermaßen U und S: die Mischröhre, in der Zweisystemzüge rollen

Kronawitter denkt in puncto U-Bahn Pasing ein wenig weiter: Warum nicht U-Bahn und S-Bahn verbinden? Man könnte doch auch S-Bahnfahrzeuge durch die U-Bahnröhre von Pasing zum Ostbahnhof schicken. Nun aber saugen U-Bahnzüge über seitlich an den Gleisen montierte Stromschienen ihren elektrischen Saft, S-Bahnzüge dagegen über eine Oberleitung. Dann müssen halt Zweisystemfahrzeuge her, die beides können. Technisch machbar ist dies prinzipiell. Man hätte dann zunächst eine U4/U5 nach Pasing, sodass die Bewohner in Laim und Pasing einen leistungsfähigeren ÖPNV erhalten würden. Des Weiteren übernähme eine solche Mischröhre auch die Funktion einer S-Bahn-Stammstrecke, die zwar nicht so leistungsfähig wäre wie eine reine S-Bahnröhre, aber es wäre deutlich besser als nichts. Man könnte hier nicht nur einige S-Bahnlinien fahren lassen, um die erste S-Bahn-Stammstrecke zu entlasten, sondern es gäbe auch ein leistungsfähiges Backup für den Störfall – wenn auf der ersten S-Bahn-Stammstrecke nichts mehr geht. Im letzteren Fall will Kronawitter die U4, die derzeit meist an der Theresienwiese endet, bis Pasing verlängern. Sie soll dann als Express verkehren und die gestrandeten S-Bahnfahrgäste ohne Halt direkt von Pasing zum Hauptbahnhof und umgekehrt schaufeln. Auch zur Wiesn-Zeit soll es Express-Züge geben, die nicht an der Theresienwiese halten, schließlich will nicht jeder Berufstätige sofort und täglich zur Wiesn.

Im Detail betrachtet

Alles klingt nicht schlecht, aber sehen wir uns das im Detail an:

  • Ein Zweisystemfahrzeug müsste erst einmal entwickelt werden, einen fertigen Typ wird man kaum von der Stange bekommen. Bestehende Züge können nicht auf den Mischlinien eingesetzt werden, was die Flexibilität schmälert, man hat dann letztlich drei Systeme statt zwei.
  • Die U-Bahnsteige in München sind nur 120 Meter lang, entsprechend könnte ein Zweisystemzug erheblich weniger Fahrgäste wegsschaufeln als ein S-Bahnzug, der als Langzug 200 Meter misst. Es ist also schon man der erste große Kompromiss zu machen.
  • Ferner muss man in Pasing eine Ausfädelung implementieren, den U-Bahnhof Pasing am besten oberirdisch bauen. Die Deutsche Bahn sträubt sich aber, hier Platz herzugeben.
  • Viel problematischer ist die Ausfädelung am Ostbahnhof. Diese unter laufendem Rad zu realisieren, dürfte fast ein Ding der Unmöglichkeit sein. Natürlich könnte man auf die Ausfädelung dort verzichten, hätte dann aber nur eine Verbesserung für die nach Westen verkehrenden S-Bahnen. Die Zweisystemfahrzeuge würden dann über die U5 nach Neuperlach Süd rollen. Dort kommen die Züge ja heute schon praktischerweise direkt neben den S-Bahngleisen an die Oberfläche. Dort ließe sich zumindest eine Ost-S-Bahn verstärken, in Gestalt der S7 nach Kreuzstraße, doch dummerweise benötigt gerade diese eher schlecht ausgelastete Strecke keinen kürzeren Takt.
  • Fädelt man am Ostbahnhof aus, hat man das Problem, dass zwischen Theresienwiese und Max-Weber-Platz schon heute zur Hauptverkehrszeit U4 und U5 im 2,5-Minutentakt verkehren, da ist nur noch sehr wenig Platz für weitere Linien. Man kommt kaum umhin, die U5 ausdünnen, was aber bedeuten würde, dass der Abschnitt Ostbahnhof – Neuperlach Süd zur Hauptverkehrszeit noch im 10-Minutentakt bedient wird, was nicht ausreichend ist. Die U5 ist zur Hauptverkehrszeit jetzt schon so gut ausgelastet, dass sie ab Dezember dieses Jahres durch eine U7 zwischen Neuperlach Zentrum und Westfriedhof verstärkt wird.
  • Zu erwarten ist auch, dass die hervorragende Pünktlichkeit der U-Bahn leidet, wenn die S-Bahnen mit angesammelten Verspätungen in die U-Bahnröhre eintauchen und somit die Taktfolge durcheinanderbringen.
  • Zu den Express-U-Bahnen für den S-Bahnstörfall: Die MVG müsste hier Fahrer und Wagen vorhalten, die einspringen. Die MVG zeigt sich hier nicht begeistert, aus Kundensicht wäre mir eine Fehde zwischen MVG und der Deutschen Bahn herzlich egal, da würde ich auf eine gute Kooperation drängen. Auch wenn das zusätzliches Geld kostet, hat der S-Bahnfahrgast ein gewisses Recht, von Pasing in angemessener Zeit weiterzukommen, dann darf es an so etwas nicht scheitern. Doch zumindest bei der Express-Idee von Kronawitter bleibt unberücksichtigt, dass ein U4-Expresszug sofort die vorausfahrende U5 einholen würde. Man müsste die Strecke dann viergleisig ausbauen oder zumindest Überholgleise vorsehen, was für den S-Bahnstörfall völlig unverhältnismäßig wäre. Man würde sich auch schnell einer Kostendimension der S-Bahn-Stammstrecke nähern. Ähnliches gilt für die Express-U4, die zur Wiesn-Zeit nicht am Bahnhof Theresienwiese halten soll. Die gesamte U-Bahn-Strecke ist während der Wiesn-Zeit auch heute schon oft genug ein einziger Stau. Wie sollen da bitte noch U-Bahn-Express-Züge rollen und noch der zusätzliche S-Bahnverkehr mit vielleicht zwei oder drei Linien?

Fairerweise muss man sagen, dass Kronawitter hier zahlreiche Ideen festgehalten hat, aber nicht behauptet, dass in Sachen U-/S-Bahn-Mischröhre alle Teilvorschläge gleichzeitig realisierbar sind.

Leute mit ungewöhnlichen Ideen braucht es sicherlich. In der Regierungsverantwortung lernen sie dann schnell, das Hauptaugenmerk auf technisch, logistisch und monetär realistische Lösungen zu legen. Mich wundert aber eines, dass CSU-Kronawitter seine Zweisystem-Idee immer noch propagiert, etwa über eine jüngst herausgegebene Presseerklärung, obwohl die wesentlichen Thesen nach Expertenmeinung schon längst widerlegt sind.

Ich bin für die echte zweite S-Bahn-Stammstrecke. Die U5 nach Pasing sehe ich allenfalls als reine U-Bahn – langfristig. Da weiß man, dass dies funktionieren wird. Dies ist wenig kreativ, die Idee ist langweilig. Aber um Kurzweile geht es in der Politik nicht.

Christian Udes Outing

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Christian Ude hat sich überraschend geoutet. Nein, nicht als Marianne Rosenberg-Fan und auch nicht als Genießer von Pringles Hot & Spicy-Chips. Es ist viel spektakulärer: Er wolle bayerischer Ministerpräsident werden. Zuerst dachte ich an einen Scherz. Es käme einem politischen Erdbeben gleich, wenn Ude dies gelänge, denn das Amt ist seit 1957 fest in CSU-Hand. Bei der großen Beliebtheit, die der Münchner Oberbürgermeister innehat, ist Ude nicht mal chancenlos. Bei Straßeninterviews, die im TV zu sehen waren, konnten sich sogar einige Leute ganz spontan vorstellen, das erste Mal in ihrem Leben die bayerische Splitterpartei SPD zu wählen. Vielleicht sind solche Bekenntnisse die eigentliche Sensation.

Die CSU dürfte sich sehr schwer tun, die absolute Mehrheit zu erringen. Ergo benötigen die Christsozialen wieder einen Koalitionspartner, denn ihr jetziger Koalitionspartner FDP kommt ihnen gerade abhanden. Auch die SPD wäre natürlich auf einen Koalitionspartner angewiesen, denn „50 + x“ schafft auch der Gott Ude nur bei der Oberbürgermeisterwahl. Da bieten sich natürlich die Grünen an. Doch auch dann wäre ein kleines Wunder erforderlich, dass es reicht. Also müsste ein dritter Helfer zur Thronbesteigung her. Die Freien Wähler sind ein denkbarer Partner, die aber eine Unterstützung für die dritte Startbahn am Strauß-Flughafen ausgeschlossen haben, die Ude unbedingt teeren lassen will. Auch die Grünen sind gegen, es gibt also bereits im Flugfeld äh… Vorfeld gewisse offene Punkte.

Die Frage ist, warum tut sich Ude dies an? Zu den Landtagswahlen im Herbst 2013 steht Ude kurz vor seinem 66. Geburtstag. Seine Amtszeit als Oberbürgermeister läuft im Frühjahr 2014 aus, aus Altersgründen darf er sich dann nicht mehr zum angeblich zweithöchsten bayerischen Amt küren lassen. Aber zum höchsten. Anstatt den Lebensabend in seinem herrlichen Haus auf der noch herrlicheren griechischen Insel Mykonos zu verbringen, deren Ehrenbürger er ist, strebt Ude nach der Krone und wird spätestens dann in unserem schönen föderalistischen Land, in dem der bayerische Ministerpräsident traditionell die Bundesregierung mit Giftpfeilen beschießt, zum Bundes-Ude.

Mykonos
Relaxen auf Mykonos: nur die zweitschönste Tätigkeit für einen Rentner. Foto: lewishamdreamer / Lizenz siehe: flickr

In einem Interview mit der Rheinischen Post antwortete Ude auf die Frage, wann bei ihm die Idee gereift sei, anzutreten:

Die Entscheidung ist kurzfristig gefallen. Mich beschäftigt allerdings schon seit längerem die Frage, was man tun könnte, um der bayerischen SPD so weiter zu helfen, dass sie eine gute Grundlage für die Stadtratswahlen 2014 bekommt. Dass dies durch eine eigene Rolle in der Landespolitik gelingen kann, ist in einem Gespräch mit dem Fraktionsvorsitzenden der SPD im bayerischen Landtag Markus Rinderspacher und dem Landtagsvizepräsidenten Franz Maget entstanden. Als mich dann auch noch der Landesvorsitzende Florian Pronold vorgeschlagen hat, waren wir uns in dieser sonst so streitlustigen Partei schnell einig.

Ehrlich gesagt überrascht mich die Antwort. Könnte hier das wahre Motiv liegen? Es versteht sich natürlich von selbst, dass Ude der Münchner SPD etwas Gutes tun möchte. Aber ist hier ein Gang in die Landespolitik der richtige Weg? Landespolitik sollte dem Wohle des Landes dienen und nicht zum Vorteil des Kommunalwahlkampfes der Münchner SPD. Als Ministerpräsidentkandidat kann Ude natürlich weit besser Wahlkampf für den noch unbenannten Münchner OB-SPD-Kandidaten machen als in der Rolle eines Poltitpensionärs. War die Antwort vielleicht naiv ehrlich oder gar entlarvend? Wahrscheinlich nicht, Ude ist da zu sehr Profi. Zum einen ist es sicher nur eines von vielen Motiven. Zum anderen könnte es sein, dass Ude mit der provozierenden Antwort nur ein wenig die CSU ärgern wollte.

Traditionell sticht der Münchner Oberbürgermeister immer das erste Wiesn-Fass an und überreicht die erste Maß dem bayerischen Ministerpräsidenten. Der Wahltermin für die bayerischen Landtagswahlen steht noch nicht fest, das Zeitfenster reicht vom 01.09.2013 bis 24.11.2013, wobei der 01.09.2013 und der 08.09.2013 wegen der Schulferien faktisch ausscheiden. Wahrscheinlich ist ein Wahltermin am 15.09.2013, 22.09.2013 oder 29.09.2013. Wiesn-Beginn ist am 21.09.2013. Entscheidet man sich für den 15.09.2013, werden also die bayerischen Landtagswahlen dann schon gelaufen sein. Allerdings finden am 15.09.2013 oder 22.09.2013 Bundestagswahlen statt. Eine Zusammenlegung mit den Landtagswahlen wird die CSU wohl vermeiden wollen, damit sie nicht zusammen mit der Koalition in Berlin abgewatscht wird. Es ist also noch vieles unklar, auch wann Ude im Falle eines Landtagswahlsieges vorzeitig als Oberbürgermeister zurücktritt.

Zwar ist es aus formalen Gründen nicht möglich, dass Ude beide Ämter vorübergehend gleichzeitig bekleidet. Ein möglicher Wahlsieger Ude könnte zum Wiesn-Anstich 2013 also nicht als Oberbürgermeister das erste Fass anzapfen und sich die erste Maß in seiner Rolle als Ministerpräsident selbst überreichen. Aber als Noch-Oberbürgermeister und bereits designierter Ministerpräsident würde er die erste Maß einschenken und diese dem geschlagenen Noch-Ministerpräsidenten Seehofer übergeben. Für Seehofer wäre dies ein Akt der maximalen Demütigung. Nicht mal die Hölle ist schlimmer. Erst ein Jahr später würde Ude als bayerischer Ministerpräsident die erste Maß erhalten. Aber von wem? O’zapft is!

Sicherererer

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Airbags kann man falsch bedienen. Foto: Taekwonweirdo / Lizenz siehe: flickr

Mit diesem kreativ gesteigerten Komparativ wirbt der Onlinebezahldienst PayPal. Treffender könnte man es gar nicht ausdrücken, um eine Krankheit zu beschreiben, die nicht nur die deutsche Politik und die deutschen Behörden befallen hat. Zunächst einmal ist ja nichts dagegen einzuwenden, wenn die Welt immer sicherer wird. Der Sicherheitsgurt etwa hat unzählige Leben gerettet. Bei seiner Einführung hat man noch leidenschaftlich diskutiert, ob eine Anschnallpflicht nicht dem Selbstbestimmungsrecht zuwiderläuft. Da nicht angeschnallte Leute beim Crash aus dem Wagen geschleudert werden können und damit nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere eine Gefahr darstellen – andere Verkehrsteilnehmer müssen ggf. den Herausgeschleuderten ausweichen –, ist die Anschnallpflicht sicherlich gerechtfertigt.

Münchner J-Wagen (Heidelberger) am 11.09.2010. Die alten Wagen dürfen nur ohne hohen Auflagen wieder fahren – schließlich könnten bei den ungesicherten Türen Fahrgäste aus dem Zug fallen (11.09.2010) © Thomas Irlbeck

Der Luftsack, auf Neudeutsch auch Airbag, hat ebenso viele Leben gerettet und Leute vor schlimmeren Verletzungen bewahrt. Oft wird aber der Fehler gemacht, sich nicht anzuschnallen, da ja der Airbag da ist. Nur verpufft die Wirkung des Airbags dann im wahrsten Sinne des Wortes. Der Airbag kann nämlich eine Person gar nicht auffangen; ohne die Unterstützung des Sicherheitsgurtes ist der Airbag ein Sprungtuch ohne haltende Helferhände. Es gibt aber noch einen weiteren „Bedienungsfehler“: Mehr Sicherheit verleitet zu riskanteren Fahrweisen. Damit wird mindestens ein Teil, im Extremfall der gesamte Sicherheitsgewinn wieder verspielt. Ähnliches gilt für das Antiblockiersystem (ABS) und die Stabilitätsprogramme (ESP). Mit ABS bremst es sich auf Schnee und generell glatten Straßen besser, also wird schneller gefahren. ESP kann so manchen Fahrfehler ausgleichen, folglich wird mehr Gas gegeben. Immerhin ging die Anzahl der Verkehrstoten in Deutschland seit den 1970er-Jahren kontinuierlich zurück. Waren es 1970 in Westdeutschland noch dramatische 13.000 Tote, lag die Zahl 2009 bei entschärften 4.150 Toten, wobei im letzteren Fall auch die Neuen Bundesländer enthalten sind. Wenn man sich aber den immensen Aufwand an Technik anschaut, der betrieben wurde, müsste die Anzahl der Verkehrstoten mathematisch gesehen schon längst unter null liegen.

Teufelsrad auf der Wiesn. Hier soll sich schon mal jemand blaue Flecken geholt haben. Wie furchtbar! Foto: Traveller_40 / Lizenz siehe: flickr

Der staatlich verordnete Schutz greift in alle Lebensbereiche hinein. Neue Personenumlaufzüge – auf Altlateinisch Paternoster – etwa werden wegen der Verletzungsgefahr in Deutschland allenfalls noch unter hohen Sonderspezialauflagen genehmigt. So musste bei einem 2009 neu in Betrieb genommenen Paternoster in Berlin eine Ampel eingebaut werden, die signalisiert, wann ein Zustieg und Abstieg gefahrlos möglich ist. Bei einem Rotlichtverstoß wird die Anlage, die übrigens gegenüber früheren Paternostern deutlich gedrosselt ist, per Lichtschranke automatisch gestoppt.

Früher mussten die Fahrgäste noch selbst aufpassen. Ähnliches gilt z.B. bei der Trambahn. Am 11.09 dieses Jahres feierte man 115 Jahre Elektrische Trambahn in München. Die alten Wagen, die nicht über automatische Türen, sondern über rein per Hand bediente Schiebetüren verfügen, erhielten ihre Zulassung für den Einsatz bei Sonderveranstaltungen nur unter der Auflage, dass 2 (!) Zugbegleiter pro (!) Türe das Öffnen und Schließen der selbigen überwachen. Damit dürfen die Züge aber nicht im normalen Fahrgasteinsatz rollen, hier würde die Auflage sicherlich auf vier Zugbegleiter pro Türe erhöht werden.

Velodrom auf der historischen Wiesn 2010. Stürze und Zusammenstöße lassen sich nicht vermeiden. Unerhört! Foto: sanfamedia.com / Lizenz siehe: flickr

Neue Bahnübergänge werden in Deutschland in der Regel nicht mehr genehmigt, wegen der vielen meist selbst verschuldeten schweren Unfällen. Zuerst gab es die Vollschranken, die jedoch zur Falle werden konnten. Dann kamen die Halbschranken. Diese lassen einen Fahrzeugführer mit abgestorbenem Motor wieder aus dem Gefahrenbereich rausfahren, aber geben anderen die Möglichkeit, einen Bahnübergang trotz geschlossener Schranken zu passieren. Manche scheinen nicht zu wissen, wie unfassbar groß der Bremsweg eines Zuges ist und dass auch die stabilste Automobilkarosserie von einem Zug zermanscht wird wie ein Modell aus Pappmaché. Nun werden bei neuen Bahnstrecken als Ersatz für die Bahnübergänge millionenteure Unterführungen und Brücken gebaut. Die hohen Kosten verhindern so manche Neubau-Regionalbahnstrecke (bei Hochgeschwindigkeitsstrecken sind Bahnübergänge freilich nicht angebracht). Aber wenn es der Sicherheit dient.

Auch das Gehör wird geschützt, die Lautstärkebegrenzung – deren Umgehung immer besser abgesichert wird – von MP3-Playern macht es möglich.

Bei so viel Sicherheit und Gängelung blickt man erstaunt auf die Wiesn (auf Alt- und Neupreußisch: Oktoberfest). Dort gibt es Parcours mit rotierenden Trommeln, bei der gefühlt jeder zweite stürzt und sich verletzten könnte. Da ist das Teufelsrad, das die Leute spätestens per Boxattacke vom Rad schleudert. Im Velodrom kann man mit merkwürdigen Fahrrädern seine Geschicklichkeit unter Beweis stellen. Man liest verwundert, dass sich „Zusammenstöße und Stürze nicht vermeiden lassen“. Ja, äh, wo bleibt hier die Sicherheit?

Wann kommt die Schaumstoff- und Helmrepublik, in der jede Anhöhe mit einem Schutzgitter versehen ist? Wo selbst Treppen nur noch als Feuerfluchtweg erlaubt sind, unter strengsten Auflagen versteht sich? In der man sich ohne Hirn und Verstand gefahrlos frei bewegen kann und vor allem und vor allem vor sich selbst geschützt wird? Wir sind auf dem Weg dahin. Aber sicher.

Die berühmteste Wiese der Welt ist keine

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Wiesn, die Wiese mit eher wenig Grashalmen (20.01.2010) © Thomas Irlbeck

Irgendwie erinnert mich dieser Platz an den Neuperlacher Hanns-Seidel-Platz, bei dem man die Bebauung seit 30 Jahren plant. Doch, was hier zu sehen ist, ist die berühmte Wiese der Welt, die Theresienwiese. Dieses Jahr feiert man 200-Jähriges!* Das Bild zeigt, wie groß das Gelände ist. Statt Autoscootern und Achterbahnwagen sieht man derzeit aber nur Kraftwagen und vor allem viel Leere.

Wiesn 2009. Foto: meironke / Lizenz siehe: flickr

Dieses Jahr wird es eine spezielle historische Wiesn geben – in einem extra Bereich, für den wahrscheinlich ein extra Eintrittsgeld verlangt werden wird.

* Zwar fand die erste Wiesn 1810 statt, aber es ist die 177. Wiesn, da einige Male das Fest ausfiel – im Krieg und in den Nachkriegsjahren sowie wegen Cholera-Epidemien 1854 und 1873.