Die Turnerschule – die ehemals schönste Schule Münchens (Das historische Haus, Folge 25)

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Grundschule an der Turnerstraße
Bild 1: Die Turnerschule mit dem Haupteingang (03.04.2018) © Thomas Irlbeck

Unser heutiges Objekt ist ein Stückchen von Neuperlach entfernt, aber noch mit einem kleinen Spaziergang gut zu erreichen. Die „Grundschule an der Turnerstraße“ (kurz: Turnerschule) liegt in Waldtrudering. Es ist unschwer zu erraten, dass die Schule an der Turnerstraße zu finden ist (die nach dem ehemaligen „Turnerplatz“, dem heutigen Gelände der Schule, benannt ist). Aber die Tunerstraße ist lang, sie verläuft vom „Am Hochacker“ bis zur Wabula. Daher soll die Position mit „Höhe Reiherweg“ genauer angegeben werden. Von hier aus ist es nicht mehr weit zur Wabula.

Auffällig trägt der dreigeschossige Bau, für den Denkmalschutz beantragt, der aber noch nicht bewilligt wurde, die große Jahreszahl 1938 unter dem Dachgiebel.

Nationalsozialistische Geschichte

Ursprünglich hieß die Schule „Ostmark-Schule“, was auf den Anschluss Österreichs 1938 an Deutschland anspielt und natürlich nichts mit der Währung der DDR zu tun hat. Die Schule wurde errichtet, um die 1930 gebaute und schon bald zu klein gewordene Waldschule zu entlasten. Die Bauphase war von 1938 bis 1939. Der Bezug fand am 12. Juni 1939 statt, die offizielle Einweihung am 28. September 1939. Die Schule galt als schönste von ganz München, wozu die „wunderbar ausgemalten Türblätter und Trachtenfiguren der österreichischen Landschaften“ beitrugen. Damit wird klar, dass auch die malerische Gestaltung auf den Anschluss Österreichs Bezug nimmt.

Über dem Portal gab es eine Inschrift, die nach dem Krieg wenig überraschend übermalt wurde:

Dieses Schulgebäude wurde erbaut im Jahre 1938, in dem die Ostmark in das Reich heimgekehrt ist.

In der Endphase des Zweiten Weltkrieges – ab dem 29. August 1943 – wurde die Schule zum Hilfskrankenhaus. Erst im April 1948 kamen die Schüler zurück. 1969 wurde die Schule um einen Anbau erweitert. 2015 wurde eine neue Mensa (Bild 5) gebaut und am 13. März 2017 eröffnet. Derzeit besuchen rund 600 Schülerinnen und Schüler in über 20 Klassen die Schule.

Der Bayerische Denkmal-Atlas weiß zu dem Gebäude Folgendes zu berichten:

Ehem. Volksschule, sog. Ostmark-Schule, jetzt Grundschule an der Turnerstraße, dreigeschossiger Satteldachbau mit weit überstehendem Dach und niedrigem Nebenflügel mit Turnhalle, im Heimat- bzw. Heimatschutzstil, von Hermann Leitenstorfer, 1937/38. Benehmen nicht hergestellt.

Grundschule an der Turnerstraße
Bild 2: Totale (03.04.2018) © Thomas Irlbeck
Grundschule an der Turnerstraße
Bild 3: Eingang (03.04.2018) © Thomas Irlbeck
Grundschule an der Turnerstraße
Bild 4: Jahreszahl unter dem Giebel (03.04.2018) © Thomas Irlbeck
Grundschule an der Turnerstraße
Bild 5: Die neue Mensa (29.10.2016). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Grundschule an der Turnerstraße
Bild 6: Herbststimmung (12.11.2016). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Grundschule an der Turnerstraße
Bild 7: Herbststimmung (05.11.2016). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Grundschule an der Turnerstraße
Bild 8: Winterstimmung (14.01.2017). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke

3D-Ansicht der Schule (Google Maps)

Hinweis: Die neue Mensa ist in dieser Ansicht mit dem Stand April 2018 noch nicht zu sehen.

Quelle

Trudering – Waldtrudering – Riem: Münchens ferner Osten / hrsg. von Willibald Karl. Mit Beitr. von Karl Bachmair … – München: Buchendorfer Verl., 2000

Zu den übrigen Folgen „Das historische Haus“

Wie mich schlechte Werbung zu guter Reklame brachte – oder „Fleisch auf RTL Austria“

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Der Spruch „Fleisch bringt’s“ dürfte bei eingefleischten Vegetariern nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen. Einer sehr netten Idee unterliegt der folgende Werbespot aber dennoch:

(Link: YouTube)

Spot „Fleisch bringt’s“ alternativ öffnen/herunterladen

Quelle: AMA (Seite nicht mehr verfügbar)

Die Pointe der kräftezehrenden Verbraucherinformation soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Nur so viel: Der Protagonist ist Radfahrer.

Dieser Entdeckung dieses wirklich vom Einfall gelungenen Werbespots, über dessen qualitative Ausführung man aber verschiedener Meinung sein kann, war eine Frustration bei meinem Lieblingsfeindsender RTL vorausgegangen. Die Glasbruch- und Marcell D’Avis-Spots verursachten blubbernde akustische Turbulenzen im Mageninneren. Spontan kam ich auf die Idee, in der TV-Karte „RTL“ durch „RTL Austria“ auszutauschen. Ein Klick und Marcell D’Avis war so ruhig wie vor seiner Geburt, und der Horror mit berstenden Autoscheiben hatte auch ein glückliches Ende.

Glücklich – nicht ganz, denn die österreichische Werbung ist selten besser, höchstens anders. Dafür gibt es die Produkte in Deutschland oft nicht zu kaufen, sodass das Werbeprinzip und unbewusste Einflussnahme im Supermarktregal ins Leere laufen, was ein ganz klein wenig Genugtuung verschafft. Wenn ein hoher Teil der TV-Zuschauer wechseln würde (was aber oft technisch kaum möglich ist), könnte man ein Protestzeichen gegen den Kommerz setzen.

Das Programm hat neben den divergierenden Kauf-mich-Filmchen aber noch zwei erwähnenswerten Unterschiede:

  • „Wetterman“ Christian Häckl, seines Zeichens unverkennbar Österreicher, spricht in der österreichischen Version von RTL viele der hauseigenen Trailer. Das ist Mehrfachverwertung par excellence.
  • In RTL aktuell entfällt der Sponsorspot zwischen den eigentlichen Nachrichten und dem Wetter. Diese zehnsekündige Pause bespricht – na, wer schon – Christian Häckl mit einem festen Fülltext.
Leider ist das Programm von RTL auch in der österreichischen Variante nicht besser. Nur die Werbung. Zumindest manchmal, wenn es vielleicht um Fleisch geht. Foto: sn0rk / Lizenz siehe: flickr
Hier hat der Bildredakteur geschlafen und zum Stichwort RTL die Kamera RTL 1000 rausgesucht, die mit dem Thema leider nichts zu tun hat. Foto: John Kratz / Lizenz siehe: flickr