Radio Feierwerk goes Podcast – Immer mehr spannende Audioserien aus dem Kinder- und Szenebereich

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Bei Radio Feierwerk gibt’s was auf die Ohren, und das nicht nur on air! Seit dem Start des Feierwerk Podcasts „Nahaufnahme“ vor über einem Jahr hat sich viel getan: Mit „Drei Jahre wach“ ist auf dem Sender seit Herbst 2018 auch ein Familienpodcast beheimatet, außerdem werden mit dem preisgekrönten „Rice & Shine“ sowie dem seit drei Jahren erfolgreichen „Feuer und Brot“ zwei weitere packende Podcast-Formate zugeliefert. Und nicht nur im Szenebereich ist etwas geboten: Mit der „Kurzwelle“, dem Kindermagazin von Radio Feierwerk, und der „Südpolshow“, die bereits gelungen auf YouTube performed, gibt es nun auch die Radio-on-demand-Formate für Kinder als Podcasts für die jungen Hörer*innen auf Spotify, Apple Podcasts und Podigee zu hören!

Kurzwelle (https://kurzwelle.podigee.io/)

Podcast Kurzwelle
Foto: Feierwerk Südpolstation

Was macht eigentlich Pluto, der Kosmos-Korrespondent von Radio Feierwerk? An welchem Fall arbeitet Inspektor Wirbelwort? Und wie ist  es nun wirklich um das Klima auf der Welt bestellt? Ohren gespitzt und reingehört! In der „Kurzwelle“ gibt es jede Woche ein topaktuelles Programm zu Themen, die Kinder bewegen. Reportagen, Interviews, Umfragen, Nachrichten, Spiel- und Buchtipps, ein Hörspiel und viele Fragen an Livegäste im Studio. Das Beste: Bei der Kurzwelle machen Kinder zwischen acht und 13 Jahren das Programm selbst. Unter der Anleitung von Journalist*innen und Medienpädagog*innen werden sie zu Reporter*innen. Kopfhörer auf, Podcast an und schon nimmt die Kurzwelle euch mit zur Filmpremiere, zur Lamawanderung, zum Bogenschießen, zum Interview mit der Lieblingsband und vielem mehr.

Südpolshow (https://suedpolshow.podigee.io)

Podcast Südpolshow
Foto: Feierwerk Südpolstation

Bücher, Autor*innen, Filme, Regisseur*innen, Schauspieler*innen – das sind die Schwerpunkte der „Südpolshow“. Seit über 20 Jahren entstehen an der Feierwerk Südpolstation in Neuperlach mit und von Kindern und Jugendlichen produzierte Radiosendungen. Es gibt kaum einen deutschen Promi aus Film und Fernsehen, den die Südpolreporter*innen noch nicht interviewt haben. Seit 2015 trifft man das Team rund um Medienpädagogin Patricia Bodensohn jährlich auf der Frankfurter Buchmesse oder auch bei Kinderfilmpremieren am roten Teppich. Dass sich die Kinder so leicht für die viele Arbeit motivieren lassen, liegt ganz klar an der Ernstfallsituation. Radiomachen wird hier nicht nur gespielt, sondern es entsteht eine Radiosendung, die jeden Samstag von 9 bis 10 Uhr „ganz in echt“ ausgestrahlt wird – und ab sofort auszugsweise auch als Podcast verfügbar ist.

Drei Jahre wach (https://dreijahrewach.podigee.io/)

Podcast Drei Jahre wach
Foto: Feierwerk Südpolstation

Julia und Eveline kennen sich aus der Arbeit, aber es hat kaum vier Begegnungen in der Kaffeeküche gebraucht, da waren sie auch schon Freundinnen – und irgendwann dann Mamas. Die durch Schlafentzug gewonnene Zeit investierten die beiden schnell in ein Baby der etwas anderen Art: den Podcast „Drei Jahre wach“. Inhaltlich geht es eben nicht um die rosarote Zuckerwatte in den klinisch reinen, perfekten Familien, wie es auf Instagram und Co. gerne inszeniert wird. Sondern darum, warum unsere Kinder die größten Emotionen in uns auslösen. Liebe und so, klar; aber auch Wut, Verzweiflung, Ratlosigkeit, Überforderung. Wie steinig der Weg sein kann, bis man schwanger wird. Oder auch, warum man auf gar keinen Fall Kinder bekommen will. Julia und Eveline nennen „Drei Jahre wach“ einen „Familienpodcast“, weil sie spannende Geschichten für alle erzählen wollen: Mamas, Papas, Großeltern, Söhne, Töchter, Brüder, Schwestern – denn eine Familie hat im Grunde ja jeder.

Nahaufnahme (https://nahaufnahme.podigee.io/)

Podcast Nahaufnahme
Foto: Feierwerk Südpolstation

„Panama Plus“, „Sound of Munich now“, „Nußbaumpark“ … Projekte, die in München alle kennen, die sich in der kulturellen Szene bewegen. Doch wer sind die Menschen, die dahinterstecken? Die Macher*innen, die die Münchner Subkultur gestalten? Genau das möchten Julia Viechtl, Leiterin der Fachstelle Pop im Feierwerk, und Esther Diestelmann, Chefredakteurin von Radio Feierwerk, herausfinden und haben deshalb den Feierwerk-Podcast „Nahaufnahme“ gegründet. Einmal im Monat sprechen sie mit ihren Gästen über Laster, das Sein und die Zukunft. Und warum man halt so ist, wie man ist. In den Studioräumen von Radio Feierwerk haben die beiden schon Menschen wie Florian Kreier, Rüdiger Linhof, Roger Rekless, Mira Mann oder Zehra Spindler begrüßt. Allesamt Menschen, die München prägen und bewegen. Und der Zuhörer darf Mäuschen spielen – ganze 12 Mal pro Jahr.

Rice & Shine (https://riceandshine.podigee.io/)

Podcast Rice and Shine
Foto: Feierwerk Südpolstation

Minh Thu und Vanessa sind Journalistinnen und haben sich in München an der Deutschen Journalistenschule kennengelernt. In ihrem Podcast „Rice & Shine“ erzählen die beiden von ihren Erfahrungen als Kinder vietnamesischer Einwanderer in Deutschland. Wer oder was sind wir? Wie wollen wir leben und lieben? Mit welchen Fragen und Problemen sind Menschen mit einer deutschen und einer vietnamesischen Identität konfrontiert? Diese Fragen diskutieren sie einmal im Monat, mal zu zweit, mal mit Gast, immer mit Humor und persönlichen Anekdoten. Für ihre ergreifenden Gespräche rund um Identität, Rituale und den Prozess der Anpassung sind sie bei „Apple Podcasts“ in den Top 10 im Gesellschaftsbereich gelistet und wurden jüngst für den Grimme Online Award nominiert.

Feuer und Brot (https://feuer-und-brot.podigee.io/)

Podcast Feuer und Brot
Foto: Feierwerk Südpolstation

Alice und Maxi kennen sich seit der fünften Klasse, inzwischen sind in ihren 30ern. Maxi arbeitet als Sprecherin in Berlin, Alice war freie Journalistin in Hamburg und ist mittlerweile auch in der Hauptstadt gelandet. Derzeit arbeitet sie auf Hochtouren an ihrem Buch zum Thema Alltagsrassismus, das im Herbst erscheint. In ihrem monatlich erscheinenden Podcast „Feuer und Brot“ besprechen die beiden besten Freundinnen in lockerer Atmosphäre gesellschaftlich relevante, popkulturelle und persönliche Themen wie z.B. Rap, Feminismus, Angst, Männlichkeit oder auch mal das Tabuthema Menstruation.

Podcaste – alle Infos

Alle Podcasts sind zu folgenden Zeiten auf Radio Feierwerk 92,4 zu hören:

Radio Feierwerk für Kinder

  • Südpolshow (jeden Samstag von 9 bis 10 Uhr)
  • Kurzwelle (jeden Samstag von 10 bis 12 Uhr)

Radio Feierwerk für die Szene

  • Nahaufnahme (jeden 1. Samstag im Monat von 21 bis 22 Uhr)
  • Drei Jahre wach (jeden 3. Samstag im Monat von 21 bis 22 Uhr)

Zugelieferte Formate

  • Feuer & Brot (jeden 2. Freitag im Monat von 21 bis 22 Uhr)
  • Rice & Shine (jeden 3. Freitag im Monat von 21 bis 22 Uhr)

Feierwerk Südpolstation
Kinder- und Jugendfreizeitstätte
Gustav-Heinemann-Ring 19
81739 München

A very very very special Radio – eine Geschichte des Radios (Update 04.02.2018)

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Aufziehradio
Auch so kann man Radio hören – man zieht es auf. Foto: paulmmay / Lizenz siehe: flickr

Früher, zu Beginn der 1980er-Jahre, konnte man in München kaum mehr als nur eine Handvoll Radioprogramme empfangen. Das waren im Wesentlichen Bayern 1, 2, 3 und 4 sowie der Österreichische Rundfunk. Mit dem Privatrundfunk hat sich das ab Mitte der 1980er-Jahre geändert. Die Kommerzialisierung brachte nicht nur eine quantitative Zunahme an empfangbaren Sendern mit sich, sondern auch die eine andere erfrischende Bereicherung. Aber bereits nach wenigen Jahren war die Radiolandschaft qualitativ wieder erheblich ärmer geworden. Bemerkenswerte Sendungen wie der „Kopfhörer“ auf Radio Gong 2000 (1985 bis 1992, präsentiert von „Zwitscher“), in der gewöhnungsbedürftige, zum Teil hervorragende Musik meist wenig bekannter Künstler gespielt wurde und in der die herrliche Rubrik „Das strapaziöseste Stück der Woche“ installiert war, wurden sang- und klanglos (im wahrsten Wortsinn) eingestellt. Ebenso schaltete das Schweizer öffentlich-rechtliche Radio DRS-3 (das man in München zusammen mit den neuen Privatsendern auch per Kabelnetz1 empfangen konnte und das daher irgendwie auch zu der neuen Radiolandschaft zählte), auf dem fast ausschließlich wenig bekannte, dafür aber umso anspruchsvollere Titel liefen, auf ein sogenanntes durchhörbares Programm um. Da der Schweizer öffentliche-rechtliche Rundfunk werbefrei ist, ein Schritt, der nicht unbedingt nachvollziehbar ist, aber vermutlich versteifte man sich auf die Steigerung der Hörerzahlen durch Mainstream-Musik – mag es aus Imagegründen gewesen sein oder um die Existenzberechtigung zu bekräftigen.

Formatradio – Der Niedergang des Radios in den späten 1980er-Jahren

Doch Mainstream alleine reicht nicht für die Reichweitenmaximierung. Die alles entscheidende Frage ist, bei welchen Inhalten möglichst viele Hörer einschalten und möglichst wenige abschalten. Achtete man anfangs noch manuell unter Einbeziehung einer Musikuhr auf die genehme Stilrichtung, übernahm dann ab den frühen 1990er-Jahren der Computer fast ganz alleine die Musikauswahl und sorgt dafür, dass nur getestete, massenkompatible Titel in der richtigen Kombination gespielt werden. Einzelne Stilrichtungen sollten sich dabei nicht wiederholen, da dies zum Um- und Abschalten verleitet. Solche Hörerkiller sind z.B. zwei ruhigere Titel, die unmittelbar hintereinander gespielt werden. Wäre dies nicht schlimm genug, hat sich die Unart durchgesetzt, Gewinnspiele zu veranstalten, die über Stunden oder gar Tage warmgehalten werden und die Hörer dazu verleiten, dranzubleiben und ggf. auch am nächsten Tag wieder einzuschalten, da man ja die Auflösung endlich wissen will. Ich kann mich erinnern, dass eines der letzten Male, als ich eines der fürchterlichen Münchner Stadtradios hörte, gerade ein neues Spiel gestartet wurde. Es galt, einen kurz angespielten Musiktitel zu erraten. Dabei beschränkte man sich auf ein paar Hundertstelsekunden des Stücks, es war entsprechend nur ein kurzes Zischen zu hören. Klar, dass dies keiner erraten kann, aber der Moderator kündigte an, den Ausschnitt im Laufe der nächsten Stunden sukzessive zu verlängern. Ich fühlte mich so veräppelt, dass ich das tat, was eigentlich genau durch das Erfolgskonzept verhindert werden sollte: Ich schaltete wutentbrannt das Radio aus.

Vom Mainstream-Formatradio mit Musikuhr zum Special-Interest-Kuriosum

Mit dem Aufkommen der Internetradios änderte sich die Radiolandschaft wieder. Ohne großes finanzielles Risiko und ohne die Mühen der Beschaffung einer Senderlizenz konnte jedermann Radio machen und so hatten auch Sender mit sehr speziellen Inhalten (special interesest radio) und ohne Mainstream-Ausrichtung wieder eine Chance. Auch fanden kommerzielle Veranstalter durch die weltweite Verfügbarkeit einen ausreichend großen Markt für sehr spezielle Musik vor. Der Senderverbund di.fm und sky.fm etwa bietet über 80 Musiksender an, unter denen sich sehr spezielle Angebote finden wie der Kanal Chiptunes (nicht nur für Freunde der alten Heimcomputersounds à la C64-SID), spezielle Techno-Richtungen, aber auch Jazz, Salsa, Lounge und klassische Musik. Das Programm ist weitgehend unmoderiert, Live-Sendungen mit Moderation finden aber gelegentlich statt – es ist also nicht alles „Playlist shuffle“.

Eine Hommage an die „Famous Four“

Einer der groteskesten Sender ist dabei „A Beatles Tribute“. Hier wird alles gespielt, was irgendwie mit den Beatles zu tun hat. Konkret muss einer der Pilzköpfe den Titel mindestens komponiert oder interpretiert haben, er muss nicht zwangsläufig von den Beatles sein. John Lennon solo oder die „Wings“ sind also als Vorlage auch zugelassen. Meist laufen dort Coverversionen der Beatles, die sich mehr oder weniger am Original orientieren oder aber eigenwillige Interpretationen darstellen, die z.B. von großen Orchestern oder mit ungewöhnlichen Instrumenten gespielt werden. Auch wer sich an den Melodien der Beatles totgehört hat, wird feststellen, dass die Songs so viel Potenzial haben, dass sie diese in anderer Interpretation eine neue, verblüffende Wirkung entfalten können. Kurioserweise findet auf dem Beatles-Kanal gerade eines offenbar nicht statt: die original Beatles. Wen man sich vergegenwärtigt, dass zum Repertoire des Kanals Tausende an Beatles-Coverversionen gehören, erscheint dies nicht verwunderlich, dass die Originale zahlenmäßig eher untergehen. Alleine von „Yesterday“ sind über veröffentlichte 3.000 Coverversionen bekannt. Man könnte auch annehmen, da dem Kanalnamen „A Beatles Tribute“ nach den Pilzköpfen Tribut gezollt wird, die Originale bewusst nicht gespielt werden, sondern dass andere Künstler in Gestalt einer Hommage an die Beatles auftreten. Doch wer lange genug zuhört, wird ab und zu, ganz selten, auf dem Beatles-Kanal dann doch was Erstaunliches hören: die echten Beatles.

Es gibt sicherlich in den Tiefen des Internet noch verrücktere Kanäle. Der „EP Express“ steht schlicht für Elvis Presley. „Er“ kommt dort rund die Uhr. Der King lebt! Wer auf solchen Kanälen länger hängen bleibt, wird aber schnell zu einer neuen Monotonie finden.

Von Top 40 zu Top 2

The Beatles
Ein eigener Radiosender, der ausschließlich die Beatles ehrt. Doch gerade die Beatles finden dort offenbar nicht statt. Oder doch? Aber wie auch immer: Es geht sicher noch spezieller. Foto: Gonzalo Barrientos / Lizenz siehe: flickr

Wie schlimm die Eintönigkeit auf dem normalen terrestrischen Mainstream-Dudelfunk-Radio geworden ist, sollte ein Protestaktion eines Moderators eines Hamburger Privatradios zeigen, die bereits 1999 stattfand, also in der schlimmsten Radiozeit, als die Kommerzialisierung bereits einen vorläufigen Höhepunkt erreicht und das Internetradio sich noch nicht durchgesetzt hatte. Beobachtern mag aufgefallen sein, dass wenn ein Radiosender Abba spielt, es meist der Titel „Dancing Queen“ ist. Die Erkenntnis hinter diesen genialen Auswahl ist schlicht und ergreifend, dass dieser Titel zu denjenigen mit den geringsten Ab- und Umschaltraten gehört. Der rebellische Moderator entwickelte das Top 40-Prinzip, das besagt, dass sich ein Radiosender über Wochen hinweg auf die gleichen 40 Titel beschränkt, weiter zum Erfolgsformat „Top 2“. Konkret verbarrikadierte er sich im Studio und spielte Abbas „Dancing Queen“ und „No Milk Today“ von Herman’s Hermits in einer Endlosschleife. Der Geschäftsführer des Senders, der das gewaltige Potenzial von Top 2 nicht erkannte, konnte diese ungeheuerliche Provokation erst nach Stunden beenden. Nur unter Aufbietung aller Möglichkeiten gelangte er mit einem aufopfernden Trick dann doch ins Studio, um die Sendung an sich zu reißen – er benutzte den Lastenaufzug.

Playlist mit ersten Titeln der Sendung „Kopfhörer“ online (Update 04.02.2018)

In der öffentlichen Spotify-Playlist „Kopfhörer-Zwitscher“ finden sich nun dank Leserinnenmitarbeit eine Reihe von Musikstücken aus der legendären Sendung. Jeder kann sich gerne beteiligen und selbst noch Titel beisteuern. Einen Link zu dieser Playlist gibt es auch: spotify:user:21q6xuwkscodepx6wqhtstyzy:playlist:50e1TEa9ohIUUycNuLIAYw

1 Um ein wenig den Bezug zu Neuperlach herzustellen: Neuperlach lag im Kabelpilotprojekt München. Damit konnte ich ein paar Monate die ersten, zum Teil extrem kuriosen Anfänge des offiziellen Privatrundfunks in Deutschland mitverfolgen, bevor auch der Rest der Republik mit dem Kommerz beglückt wurde.

Kabel und Liebe

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Kabel Erneuerung
Der Termin ist sehr wichtig, es geht um die Zukunft meines Kabelanschlusses! Quelle: Infozettel Kabel & Medien Service

Als ich in den frühen 1990er-Jahren meine schöne Wohnanlage in Neuperlach Nordost bezog, war ich in puncto TV und Radio arg enttäuscht. Eine marode Dachantenne musste als Ersatz für den früher gewohnten und geschätzten Kabelanschluss fungieren. Selbst ARD und ZDF waren je nach Wetterlage so stark gestört, dass das Bild zeitweise immer wieder völlig zusammenbrach. Die Radioprogramme der Privatsender waren grundsätzlich nur mit starkem Rauschen zu empfangen. Teilweise erreichte ich einen besseren Empfang, wenn ich das Antennenkabel mit dem Heizkörper verband. Auch eine Zimmerantenne brachte keine zufrieden stellenden Ergebnisse. So bewegte ich mich ins nächste Sat-TV-Geschäft. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung, ob ich überhaupt als Laie eine Satellitenschüssel anbringen könnte. Der freundliche Verkäufer beruhigte mich, das ginge sogar ohne Kompass, meinte er. Ich müsste nur ungefähr wissen, wo der Satellit Astra steht und mich dann dem Bereich mit der höchsten Pegelanzeige annähern. Sobald dieser gefunden worden wäre, sollte ich die Schrauben anziehen. Tatsächlich war die Installation recht einfach. Ich brauchte nur den Computermonitor (der als Fernseher diente) etwas drehen, sodass ich von der Loggia aus das Receiver-Menü mit der Pegelanzeige sehen konnte.

Ärger mit der Hausverwaltung war nicht zu befürchten, da ich die Schüssel bodennah installierte und sie vor dem Haus nicht sichtbar war. Später kaufte ich mir eine hochwertigere Schüssel und noch später stellte ich auf Digital-TV um.

Inzwischen wurde endlich die altertümliche Dachantenne abgebaut und die Wohnanlage an das Kabel-TV-Netz angeschlossen. Doch es war zu spät, ich blieb beim Satellitenempfang. Das Programmangebot dort war immer viel größer, speziell im Radiobereich, wenngleich ich zumindest zeitweise auf einige Lokalsender verzichten musste. Inzwischen gibt es aber auch z.B. münchen.tv auf Satellit, sodass das Lokalprogramm-Argument kaum mehr Bedeutung hat.

Was den Kabelanschluss angeht, blieben die alten Anschlussdosen und Kabelstränge. Doch unmittelbar, nachdem ich den Artikel Sprung in der Schüssel veröffentlicht und damit das Thema Sat-TV versus Kabelanschluss gestreift hatte (das war etwa vor einer Woche), flatterte mir dieser Infozettel ins Haus:

Passt folglich zeitlich mal wieder. Das Kabelnetz wird also modernisiert. Es gibt neue Steckdosen, neue Leitungen und einen größeren Frequenzbereich, ebenso einen Rückkanal. Hochgeschwindigkeits-Internet sowie Telefonieren per Kabelanschluss werden möglich.

So ganz unerwartet kam das Ganze aber nicht. Im November wurde die Umrüstung auf der Eigentümerversammlung beschlossen. Ich hatte dafür gestimmt, obwohl ich den Kabelanschluss nicht nutze (oder fast nicht, ein UKW-Radio ist daran angeschlossen, aber selten in Betrieb), denn es ist nie schlecht, ein Backup und eine Ausweichmöglichkeit zu haben. Eine moderne Kabelanlage ist besser als eine technisch veraltete, auch wenn man sie momentan nicht wirklich in Gebrauch hat. Sollte ich also mal mit meinem Telefon- und Internetanbieter unzufrieden sein, habe ich eine zusätzliche Option. Ebenso, sollte ich eines Tages mit dem Satellitenangebot nicht mehr zufrieden sein. Denkbar ist auch, dass die Loggien irgendwann einmal verglast werden und im schlimmsten Fall das Ganze der optischen Einheit wegen per Eigentümerversammlung für alle zur Pflicht erklärt wird. Einen Vorschlag gab dazu schon einmal, als Argument wurde unter anderem genannt, dass ja Kinder von der Loggia fallen könnten. Die Lösung mit der Schüssel wäre dann nicht mehr praktikabel, allenfalls bei ständig geöffnetem Fenster wäre der Empfang noch möglich, ästhetisch wäre die Lösung dann aber nicht mehr. (Durch Glas werden die Signale vom Satelliten sehr stark gedämpft, sodass die Signalstärke nicht mehr ausreicht.) Wie auch immer, auch dann würde es sich auszahlen, dass das Netz umgerüstet wurde. Vielleicht gewinne ich das Kabel ja dann wieder lieb.