Neues von der Zaunposse

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Illegales Tor KMR 52-62
Bild 1: Tor nach erneutem Umbau (29.06.2019) © Thomas Irlbeck

Neuperlach – das ist der Stadtteil der offenen Wege. „Es ist die Art des Städtebaus aus den 60er und 70er Jahren, dass die Hochhäuser fließend in der Landschaft liegen“, erklärte 2009 Michael Hardi vom städtischen Planungsreferat. Man soll sich also frei im Stadtteil bewegen können – auf vielen untereinander vernetzten Wegen. Dies ist sogar in den Bebauungsplänen rechtlich verbindlich festgeschrieben. Bewohnern unserer Wohnanlage Karl-Marx-Ring 52–62 war aber vor allem der nächtliche Lärm von Kneipenbesuchern zu viel. Schließlich errichtete man 2007 einen Zaun mit abschließbarem Tor. Der Nordweg wurde zur Sackgasse, die Bewohner mit Schlafzimmer gen Norden hatten fortan mehr Ruhe. Das hatte aber auch zur Folge, dass die Wege für Bewohner aus anderen Wohnanlagen länger wurden. Die rechtswidrige Einfriedung landete schließlich vor Gericht. Die Stadt befürchtete einen Präzedenzfall, weitere Wohnanlagen könnten folgen und es gäbe keinen Stadtteil der offenen Wege mehr.

Vor Gericht fand man schließlich einen Kompromiss: Der Zaun darf bleiben, aber das Tor muss von 8 bis 18 Uhr geöffnet sein. Das ist natürlich sehr wenig, zumal die Läden im Marx-Zentrum teilweise bis 20 Uhr öffnen.

Damit das Tor nicht zufallen konnte (was bedeutete, dass man einen Schlüssel brauchte, um es zu öffnen), baute es der Hausmeister um. Nun sollte um 8 Uhr früh der Schließkolben per Schlüssel raus- und erst um 18 Uhr wieder reingeschoben werden. Im herausgeschobenen Zustand konnte die Tür nicht im Schloss einrasten. Bis letzte Woche klappte das nie hundertprozentig. Gerade neu eingezogene Bewohner kennen die Regelung nicht oder es wird nachlässig gehandelt. Immer wieder liefen Bewohner aus anderen Wohnanlagen untertags in die Sackgasse (ob das Tor auf ist, kann man vom Eingang aus nicht sehen) und fluchten, da sie den Weg umsonst gemacht hatten.

Update 2019: Erneuter Torumbau

Letzte Woche wurde das Schloss abermals umgebaut. Jetzt gibt es Türgriffe statt Türknäufen auf beiden Seiten (Bild 3 zeigt die ursprüngliche Variante), sodass man ein zugefallenes Tor wieder ohne Schlüssel öffnen kann. Vielleicht wird es nun besser. Der Haken ist aber: Wenn einer unserer Bewohner das Tor tagsüber nicht zufallen lässt, sondern bewusst abschließt, braucht man dennoch wieder einen Schlüssel, um es zu öffnen. Das Tor ist also weiterhin nur mit gewisser Unschärfe auf.

Illegales Tor KMR 52-62
Bild 2: Tor nach erneutem Umbau, andere Seite (29.06.2019) © Thomas Irlbeck
Bild 3: Tor noch mit Türknäufen (Archivbild von 2010) © Thomas Irlbeck

Quelle: Neuperlach: Umstrittener Zaun darf doch bleiben (Artikel aus dem Münchner Merkur von 2009)

Tor-Heiten

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Tor Kurt-Eisner-Straße
Das neue Tor an der Kurt-Eisner-Straße (21.04.2011) © Thomas Irlbeck

Neuperlach ist mit einem großzügigen Fußwegsystem ausgestattet. Diese Fußwege sind breit wie Nebenstraßen. Radfahren ist offiziell nicht erlaubt, wird aber im Allgemeinen geduldet. Seit vielen Jahren gibt es jedoch die Unart, diese Fußwege fast unpassierbar zu machen. Das Problem sind vor allem die Bewohner, die mit ihrem fahrbaren Untersatz direkt zu den Hauseingängen fahren, um dort Sachen aus- oder einzuladen. Nicht immer ist es nur ein Kasten Bier oder der Großeinkauf im pep, der ausgeladen wird. Handwerker parken auch gerne nahe am Eingang und hier ist es oft eher eine Notwendigkeit als eine reine Bequemlichkeit. Doch diese Wege sind auch Feuerwehrzufahrten. Im Ernstfall kann ein geparktes Automobil die Rettungsarbeiten verzögern.

Dies ist die offizielle Variante, ganz nebenbei möchte man auch sicherlich die Radler ausbremsen und Fremde fernhalten. Bislang befanden sich an der Kurt-Eisner-Straße, wo der Fußweg Richtung Pflegeheim Neuperlach (am Friedrich-Engels-Bogen) beginnt, nur ein paar Stempen. Solche Pfosten erweisen sich allerdings als labil, mitunter fallen diese fast von alleine raus. Für Handwerker sind sie ohnehin kein Hindernis, da entsprechendes Werkzeug zum Entfernen mitgeführt wird. Also muss ein abschließbares Tor her, das nur der Rettungsdienst und Hausmeister öffnen kann.

Wie auf dem Bild zu sehen ist, geht das neue Tor unnötigerweise über die volle Breite des Fußwegs. Wer nicht genau hinseht, meint, dass der Weg gesperrt sei. Das Abschrecken von Fremden funktioniert also schon einmal. Rechts sind ein paar Pflastersteine gesetzt, sodass man sich vorbeimogeln kann, bleibt aber als Radfahrer schnell an einem weiteren, neu gesetzten Stempen hängen, der wohl verhindern soll, dass noch ein Klein-Pkw da irgendwie durchkommt. Links kommt man vorbei, wenn man großzügig ein Stück des Rasens mitbenutzt, was der Hausmeister aber nicht gerne sieht. Wohlgemerkt reden wir auch von Fußgängern und nicht nur von bösen Radfahrern, die einen öffentlichen Weg, der für die Allgemeinheit zum Durchgang bestimmt und freizuhalten ist, benutzen möchten. So ein Tor muss daher nicht sein, zumindest nicht mit solchen Ausmaßen. Aber das Argument lautet, dass bei einer Entfernung dem Missbrauch wieder Tür und Tor geöffnet werden würde.

Macht auf das Tor!

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Fast schon in Vergessenheit geraten ist das umstrittene Tor, das Nicht-Bewohnern der Wohnanlage Karl-Marx-Ring 52-62 den Weg zwischen Marx-Zentrum und Karl-Marx-Ring versperrt und diesen einen Umweg abverlangt. Seit dem 1. Januar dieses Jahres muss das Tor in einer Probephase täglich zwischen 8 und 18 Uhr für jedermann geöffnet sein. Am 30. Juni ist diese Probephase abgelaufen. Seitdem hat man nichts Offizielles gehört. Beobachtungen zur Folge ist das Tor aber immer noch in der genannten Zeit geöffnet. Psst, aber nicht weitersagen! Wichtig: Per Schild dürfen Sie als Nicht-Bewohner hier nicht durchgehen, per Gerichtsurteil aber schon. Und immer das Tor schön nach dem Durchgehen gemäß Hinweisschild wieder anlehnen, damit nicht noch mehr „Durchgänger“ angezogen werden!

Eine gute Gelegenheit, heute mal die Videofunktion der Kamera auszuprobieren und den ordnungsgemäßen Durchgang des Tores zu zeigen:

(Link: YouTube)

Hinweis: Das Video ist auch als HD mit 720 Zeilen verfügbar. Dazu stehen die Bedienelemente unterhalb des Videos zur Verfügung. Am besten erst per Dreieck-Schaltfläche (ziemlich weit rechts) auf 720p gehen und dann ganz rechts auf die Schaltfläche mit den vier Pfeilen klicken, um den Vollbildmodus einzuschalten. (Oder auf den Link „YouTube“ klicken, dann steht die gewohnte Navigation zur Verfügung.) Viel Spaß!

Privatveranstaltung – bitte nicht stören

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Hier ist alles privat, auch die Möbellieferung (12.01.2010, 11:45) © Thomas Irlbeck

Das tagsüber offen zu haltende Tor widersetzt sich bislang zumindest rein optisch der Öffnung und gibt sich verschlossen. Sieht es denn offen aus? Mitnichten, auch wenn es im Moment angelehnt sein mag. Zum Durchgehen lädt es aber nicht ein – erst recht nicht von der anderen Seite. Wenn das Tor nicht weithin sichtbar offen ist, dann läuft hier niemand durch, zumal man dabei Gefahr läuft, dass man nicht durchkommt und in der Sackgasse landet. Außerdem verbieten die Schilder den Durchgang für Nicht-Bewohner, sodass das Tor so betrachtet für den allgemeinen Publikumsverkehr weiterhin geschlossen ist.

Siehe hierzu: Hinter Schloss und Riegel – aber nur noch von 18-8 Uhr

Hinter Schloss und Riegel – aber nur noch von 18-8 Uhr

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Alles begann damit, dass sich die Eigentümer der Neuperlacher Wohnanlage Karl-Marx-Ring 52-62 über rücksichtslose Ruhestörer und Spritzenwerfer beklagten, die den Weg an der Nordseite der Wohnanlage benutzten und ihnen nachts den Schlaf raubten. Laut Bebauungsplan ist dieser Weg für die Allgemeinheit als Durchgang freizuhalten. Außerdem definiert der Bebauungsplan Neuperlach als Stadtteil der offenen Wege, sodass man sich ungehindert von A nach B bewegen kann. Zäune kommen dort nur bei bestimmten Gemeinbedarfsflächen vor, z.B. bei Schulen. Andernorts sind Zäune nicht zulässig.

Dennoch errichtete die Eigentümergemeinschaft Mitte Mai 2007 einen Zaun mit abschließbarem Tor an der Westseite des Weges. Dieser wurde nachträglich von der Lokalbaukommission genehmigt, obwohl an dieser Stelle kein Zaun zulässig ist. Seitdem haben nur noch die Anwohner der Wohnanlage Karl-Marx-Ring 52-62 mit ihrem Schlüssel freien Durchgang. Für die anderen, die z.B. vom Marx-Zentrum zur Bushaltestelle Friedrich-Engels-Bogen möchten, bedeutet die Maßnahme einen Umweg.

Nach vielfachen Protesten wurde die Genehmigung widerrufen und der Rückbau des Zaunes angeordnet. Die Eigentümergemeinschaft wollte sich nicht damit abfinden und legte Rechtsmittel ein. Nun fand man einen Kompromiss. Der Zaun darf bleiben, das Tor soll aber für zunächst ein halbes Jahr von 8:00 bis 18:00 für die Allgemeinheit offen bleiben.

Dieser Kompromiss ist meines Erachtens halb gar. Als wenn kein relevanter Fußgängerverkehr mehr nach 18:00 stattfinden würde. Die Geschäfte im Marx-Zentrum schließen z.B. weitgehend um 20:00. Und auch nach 20:00 hört das gesellschaftliche Leben nicht auf.

Außerdem ist zu befürchten, dass ein Präzedenzfall geschaffen wird. In Zukunft könnte das Beispiel Schule machen und alle Eigentümer, die sich gestört fühlen, irgendwelche Zäune errichten und sich dabei berufen, dass an der Wohnanlage Karl-Marx-Ring 52-62 ja eine Genehmigung erteilt worden sei, und gleiches Recht für alle einfordern. Das Motto wäre: sich mit Zäunen abschotten und die Augen schließen. Wenn die Probleme nicht mehr vor der eigenen Haustüre stattfinden, sind sie aus der Welt.

Die Drogenabhängigen und Partygänger benutzen halt jetzt den zweiten Weg, den Südweg, was vor allem die Bewohner in der besagten Wohnanlage freut, die ihre Schlafzimmer Richtung Süden haben. Das sind nämlich auch eine ganze Menge. Problem verschoben und gelöst. Oder etwa doch nicht?

Das Tor (12.01.2010) © Thomas Irlbeck

Quelle:

Zeitungsartikel aus dem Münchner Merkur vom 03.12.2009 zum Kompromiss mit der Lösung 8:00-18:00 Uhr