Von (Kreis)-Bögen, Ringen, Angern, Straßen und Wegen (Unsere Straßen und Plätze, Folge 3)

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Putzbrunn, Philipp-Kreis-Bogen
Wir sind hier in Putzbrunn (10.04.2017) © Thomas Irlbeck
Goslar, Carl-Spitzweg-Weg
Goslar, Carl-Spitzweg-Weg. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

In vielen Orten ist man von der alten Systematik weggekommen, kleinere Straßen als „Weg“ und größere als „Straße“ zu bezeichnen, Straßen mit Bäumen am Rand vielleicht noch als „Allee“. Stattdessen wird die optische Verlaufsform der Straße in den Namen integriert und zwischen „Ring“, „Bogen“ und „Anger“ (Sackgasse) unterschieden. Das haben wir in Neuperlach, siehe Karl-Marx-Ring, Friedrich-Engels-Bogen und Peschelanger.

Das erspart den Carl-Spitzweg-Weg (den es tatsächlich in Goslar gibt) oder gar den Spitzwegweg (der wohl Phantasie bleibt).

Aber es schafft neue Skurrilitäten.

Wer „Kreis“ mit Nachnamen heißt und nach seinem Ableben wegen seiner Verdienste ausgerechnet mit einer bogenförmige Straße geehrt wird, wird zum „Kreis-Bogen“. So geschehen in Putzbrunn.

Philipp Kreis (* 1909; † 1994) und Truma

Erste Wohnwagen-Heizung Truma-matic von der Firma Truma aus dem Jahre 1961
Erste Wohnwagenheizung Truma-matic von der Firma Truma (1961). Foto: Truma Gerätetechnik / Lizenz: CC BY-SA 3.0

Hierbei handelt es sich um den Gründer von Truma, einem Hersteller von Produkten für Wohnwagen und Reisemobile. Zu den Produkten gehören unter anderem Heiz- und Klimasysteme, Warmwasserboiler, Rangiersysteme sowie Systeme zur Strom- und Gasversorgung.

Der Truma-Firmensitz ist praktischerweise auch in Putzbrunn, wenngleich nicht am Philipp-Kreis-Bogen, sondern ein Stück entfernt an der Wernher-von-Braun-Straße. Hier ist sie wieder, die gute alte „Straße“.

Der Markenname Truma leitet sich vom ehemaligen US-Präsidenten Harry S. Truman ab. Kreis verehrte ihn, da Truman den Wiederaufbau Deutschlands zum Industriestaat ermöglichte.

Putzbrunn, Philipp-Kreis-Bogen
Das Schild in der Totalen: Glonner Straße, Ecke Philipp-Kreis-Bogen (10.04.2017) © Thomas Irlbeck

Zu den übrigen Folgen „Unsere Straßen und Plätze“

Wann ist eine Straße eine Straße?

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Schlecker
Das hat der alte Max Peschel nicht verdient

Der Schlecker ist schon eine halbe Ewigkeit im Marx-Zentrum. Eine bauliche Erweiterung hat er mitgemacht, einen Umzug von der Ladenzeile Max-Kolmsperger-Straße auf die Mittelinsel und eine Umfirmierung zu Schlecker XL nebst Ladenvergrößerung.

Als seltener Kunde fielen mir gestern auf dem Bon gleich zwei Fehler auf: Dem Max Peschel hat man ein „r“ spendiert und aus dem Anger, der ja schon für Straße steht, eine Angerstraße gemacht.

Ähnliches kommt immer mal wieder vor. Als ich als kleiner Bub im Neuperlacher Spielhaus (Maulwurfshausen, am Ostpark) meinen Werkzeugausweis ausgestellt bekam, mit dem man dann schön Hämmer, Sägen und was weiß ich alles ausleihen konnte, um Hütten zu bauen, bestand der Betreuer darauf, dass er eine Straße eintragen müsse, und eine Straße würde auf „Straße“ enden, basta. Mein Einwand, dass auf dem Straßenschild nur „Peschelanger“ aufgedruckt sei und nicht mehr, wurde einfach ignoriert. So hatte ich eine peinlich anmutende Anschrift von „Peschelangerstraße irgendwas“ im Ausweis.

„Anger“ steht aber nun mal für eine kleine Straße, eine Sackgasse. Zumindest unter anderem. In Neuperlach hat man die Straßen nicht einfach auf „Straße“, „Weg“ und ggf. noch auf „Allee“ enden lassen, sondern gemäß ihrer Form, Funktion und Länge beschrieben: Friedrich-Engels-Bogen, Peschelanger, Karl-Marx-Ring. Allerdings gibt es auch eine Reihe von Ausnahmen, etwa die Plettstraße.

Im ursprünglichen Sinne ist ein Anger ein grasbewachsener Fleck oder ein Dorfplatz, der gemeinschaftlich benutzt wird. Bei Anger handelt es sich um ein sehr altes deutsches Wort, das eigentlich Biegung, Bucht, Tal bedeutet. Und es ist mit der Angel verwandt, die ja schließlich auch gebogen ist. Wenn das der Spielhausbetreuer wüsste!