Süddeutsche Zeitung: „Gefangen im Marx-Zentrum“

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Marx-Zentrum
Ringförmig angelegtes Marx-Zentrum (Archivbild) © Thomas Irlbeck

In der Süddeutschen Zeitung vom Samstag, den 15. September 2012, ist auf Seite R7 (Stadtausgabe Süd) ein Artikel über das Marx-Zentrum erschienen (Titel: Gefangen im Marx-Zentrum). Aufhänger ist, dass die Penny-Einkaufswagen seit März dieses Jahres mit einer Wegfahrsperre ausgestattet sind (siehe Bild weiter unten), wodurch man sie nur noch innerhalb des Ladens benutzen kann. Die Süddeutsche Zeitung vergleicht diese Einrichtung mit einer „elektronischen Fußfessel“, die ja bekanntlich manche Straftäter tragen müssen. Einkaufswagen, die nicht mehr zurückgebracht und wieder mühsam vom Personal eingesammelt werden müssen oder gar für immer verschwinden, gehören somit der Vergangenheit an. Für ehrliche Kunden mag das ärgerlich sein. Für diejenigen, die viel schleppen müssen und das nur noch mit Mühe können, wenn überhaupt, ist das auch nicht angenehm.

Marx-Zentrum
Schiefe Laterne im Marx-Zentrum (Archivbild) © Thomas Irlbeck

So weit, so gut. Mit dem Marx-Zentrum hat das nur peripher was zu tun, zumal das in diversen anderen Filialen – auch anderer Ladenketten – auch schon längst praktiziert wird (siehe z.B. Aldi: Einkaufswagen mit Wegfahrsperre, einem Artikel von 2003).

Aber in dem Artikel werden alle Klischees bedient (Häuserfassaden mit Asbestplatten bekleidet, Substitutionspraxis, der Vinzenzmurr schloss, da er, so wörtlich, sein Fleisch schon länger dort (gemeint ist das Marx-Zentrum, der Verfasser) nicht mehr verkaufen wolle, Nagelstudio, Goldankauf, fast ungenutzte Laderampen). Mit den Einkaufswägen hat dies aber kaum etwas zu tun. Im Übrigen wurde das Marx-Zentrum so konstruiert, dass die Läden mit lastenintensiver Anlieferung ringförmig liegen und daher mit Laderampen ausgestattet sind, die übrigens sehr wohl auch heute noch rege genutzt werden. In der Mittelinsel (wo es keine Laderampen gibt) wurden dagegen bevorzugt Läden und Einrichtungen angesiedelt, die keine intensive Warenanlieferung haben. Hier haben die Planer mitgedacht.

Einkaufswagen mit Wegfahrsperre
Einkaufswagen mit Wegfahrsperre. Das rechte Vorderrad wird bei Verlassen des Ladens blockiert (18.09.2012) © Thomas Irlbeck

Doch inzwischen wurden die Läden der Mittelinsel zum Teil zweckentfremdet. Der frühere Frisör, der eher kleinere Mengen an Shampoo und Haarspray benötigte, ist gewichen. Der Lebensmittelmarkt, der dann dort eingezogen ist, hat ein hohes Lieferaufkommen. Die Lieferung erfolgt per Lkw durch die Fußgängerzone. Auch weitere Läden auf der Mittelinsel werden durch Lkw beliefert. Durch die zu schweren Lkw kommt es immer wieder zu Schäden, da die Fußgängerzone nicht dafür ausgelegt ist. Viele der Schäden wurden nie repariert, so gibt es nicht nur gebrochene Bodenplatten, sondern es wurden auch inzwischen fast alle Laternen und weiteren Masten mehrfach vom Lieferverkehr angefahren, wodurch sie immer krummer und verbeulter werden. Die Schäden haben sich über Jahrzehnte angesammelt und wurden meist nur notdürftig beseitigt, wenn überhaupt. Man darf hier fragen, warum sich die Hausverwaltung nicht darum kümmert. Auch die Tiefgarage, die sich direkt unterhalb der Fußgängerzone befindet, wird durch den Lieferverkehr über Gebühr belastet, auch hier sind Schäden und vorzeitige Abnutzungen vorprogrammiert.

Einkaufswagen mit Wegfahrsperre, Hinweis
Vergrößerung Hinweisschild im Wagen (18.09.2012) © Thomas Irlbeck

Trotz diverser Mängel halte ich das Marx-Zentrum weiterhin für sehr lebenswert. Was ich an dem Artikel kritisiere, ist die assoziierte Negativdarstellung. Bei Aussagen wie, dass der Vinzenzmurr dort kein Fleisch mehr verkaufen wolle, entsteht beim Lesen der Eindruck, das Marx-Zentrum müsse ja der schlimmste soziale Brennpunkt sein. Und das stimmt definitiv nicht.

Der Artikel aus der Süddeutschen Zeitung ist nicht online erhältlich, zumindest nicht in einer kostenlosen Variante, deswegen gibt es hier keinen Link.

SEK-Einsatz in Arztpraxis im Marx-Zentrum (4. Update)

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In einer Arztpraxis im Neuperlacher Marx-Zentrum gab es am Samstag einen SEK-Einsatz. Ein 51-Jähriger betrat die allgemeinärztliche Praxis im 4. Stockwerk des Ärztehauses im Marx-Zentrum. Diese Praxis führt auch Drogensubstitution durch. Mit einer Pistole bedrohte er die anwesenden Assistentinnen und Patienten. Der Arzt war zu diesem Zeitpunkt mit einer Patientin im Sprechzimmer. Der Täter trommelte an die Türe. Diese Situation nutzten zwei Assistentinnen und drei Patienten zur Flucht. Arzt und Patientin verbarrikadierten sich im Sprechzimmer und setzten einen Notruf ab. Die Polizei ging von einer Geiselnahme aus und schickte ein Sondereinsatzkommando zum Tatort. Zunächst konnte der Arzt mit der am Haus fest angebrachten Feuerleiter aufs Dach flüchten. Die Patientin wollte ihm wegen Höhenangst nicht folgen. Statt dessen unternahm sie den Versuch, mit dem Täter ins Gespräch zu kommen. Der Täter schilderte die in seinen Augen ausweglose Situation. Er drohte mehrfach mit Selbstmord und legte es offenbar darauf an, vom SEK erschossen zu werden. Die Patientin konnte den Täter durch das Gespräch beruhigen.

Daraufhin wirkte der Psychologische Dienst der Polizei auf den Täter ein. Nach einem längeren Gespräch wurde der Täter gegen 14:30 vom SEK überwältigt. Er blieb unverletzt. Die Patientin war kurz zuvor per Drehleiter gerettet worden. Die Rettung des Arztes vom Dach erfolgte ebenfalls per Drehleiter.

Bei der Waffe handelte es sich um eine Schreckschusspistole. Zu dem Motiv des Täters heißt es, er brauchte dringend eine Methadondosis und wollte diese vom Arzt erpressen bzw. Rache wegen einer verweigerten Methadondosis üben. Der Täter wurde in die Psychiatrie in Haar eingewiesen.

Quelle:

tz: SEK-Einsatz in Münchner Arztpraxis

Fotos vom Einsatz gibt es bei der Quelle, in einem Bericht der Abendzeitung und auf der Facebook-Seite Marx-Zentum. Die Abendzeitung zeigt dabei auch die Rettung des auf das Dach geflüchteten Arztes.

(Bild entfernt)

SEK-Einsatz im Marx-Zentrum (19.11.2011)

Hintergrundinfo

Die Substitutionspraxis im Marx-Zentrum sorgt immer wieder für Missmut bei Anwohnern, Kunden im Ladenzentrum und Gewerbetreibenden. Zwar gibt der absolut überwiegende Teil der betreuten Drogenabhängigen keinen Anlass für Beschwerden. Diverse, auch größere Vorkommnisse waren jedoch der Auslöser dafür, dass bereits mehrfach ein Umzug der Praxis gefordert wurde. Erst im Juni dieses Jahres gab es einen Raubüberfall auf die Substitutionspraxis, bei dem zwei Täter den Vorratsschrank, in dem Betäubungsmittel gelagert werden, leerten. Eine Arzthelferin wurde bedroht und gefesselt. Laut damaligem Zeitungsbericht war mindestens einer der Täter ein Patient der Praxis.

Der SEK-Einsatz am Samstag wird wieder für neue Diskussionen sorgen. Die meisten Politiker sind aber der Meinung, dass ein Umzug das Problem nicht beseitigen, sondern nur verlagern würde. Es wurde auch schon einmal die Idee aufgebracht, die Methadonausgabe ins Klinikum Neuperlach zu verlagern. Dieser Vorschlag wurde aber ebenfalls abgelehnt.

4. Update (Montag 1:00)

Der Tatverlauf wird inzwischen etwas anders dargestellt, entsprechend wurde der Artikel überarbeitet.

Marx-Zentrum: Zwangsversteigerung, Ladensterben, Substitutionspraxis

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Schreibwarengeschäft in der Max-Kolmsperger-Straße 11. Es ist eines der ältesten Geschäfte in Neuperlach überhaupt (13.02.2010) © Thomas Irlbeck

Das Neuperlacher Marx-Zentrum hat leider nicht den besten Ruf. Vieles ist in der Presse sicher negativer dargestellt, als es tatsächlich ist, aber gewisse Probleme lassen sich nicht leugnen.

Schon als kleiner Bub habe ich ab 1974 (!) im Marx-Zentrum-Schreibwarengeschäft eingekauft. Dieses eröffnete kurz nachdem ich ins Marx-Zentrum einzog. Hier hat sich halb Neuperlach eingedeckt, vor allem die Schüler des Werner-von-Siemens-Gymnasiums, schon einmal deshalb, weil es nur wenig Alternativen gab. Das pep kam z.B. erst 1980 hinzu. Wer was Spezielleres brauchte, das nicht im Marx-Zentrum-Schreibwarengeschäft zu finden war, dem blieb nur eine Fahrt mit der Tram in die Innenstadt.

Nun wird das Ladengeschäft zwangsversteigert, der Eigentümer ist verschuldet. Die Zwangsversteigerung fand bereits statt, da aber niemand das geforderte Mindestgebot abgab, wird die Versteigerung nun mit reduziertem Mindestgebot wiederholt.

Der Laden hat im Erdgeschoss eine Nutzfläche von 82,22 m². Im Keller gibt es noch mal Lagerräume mit einer Nutzfläche von 66,75 m² dazu (13.02.2010) © Thomas Irlbeck

Im Exposé, das für das Amtsgericht München erstellt wurde, wird das Objekt in der Max-Kolmsperger-Straße 11 näher beschrieben. Hier wird das Objekt natürlich nicht werbewirksam abgebildet, sondern neutral dargestellt. So kommt man auch an den negativen Punkten nicht vorbei. Dabei heißt es:

Lagenachteile: durch soziale Randgruppen (Methadonpraxis in nächster Nähe; „flexible Jugendhilfe“)

Gemeint ist mit der „Methadonpraxis“ eine Allgemeinarztpraxis im Ärztehaus (Peschelanger 11), die übrigens seit einiger Zeit nicht mehr Methadon, sondern das verwandte Eptadon ausgibt, das laut einem an der Praxis ausgehängten Infoblatt eine Reihe von Vorteilen aufweist.

Der Zustand ist laut Exposé „gut bis mittel“, die Ausstattung eine „mittlere und zweckmäßige“.

Aber damit sind wir hier noch nicht am Ende mit den schlechten Nachrichten: Der NKD, der schon einmal eine Schließung ankündigte, dann aber wieder zurücknahm, schließt nun wohl tatsächlich. Am 19.03.2010 soll Schluss sein. Vorher findet noch eine „große Versteigerung“ statt.

NKD: Diese Filiale wird laut Aushang geschlossen (13.02.2010) © Thomas Irlbeck
Vorher kann man noch was ersteigern (13.02.2010) © Thomas Irlbeck

Einen bereits existierenden Leerstand gibt es im Peschelanger 8. Früher war hier mal über Jahrzehnte hinweg eine Reinigung zu finden, der Nachfolgeladen konnte sich nicht halten.

Leerstand im Peschelanger 8 (13.02.2010) © Thomas Irlbeck