Living in the Kästchen

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Box/Kästchen
Dolphin-Browser auf meinem Android-Tablet (02.03.2014) © Thomas Irlbeck

Den Dateiaustauschdienst Box (https://www.box.com) kennt ja vielleicht der eine oder andere. Im Dolphin Browser, einem Webbrowser für mobile Endgeräte, hat es die Übersetzungsabteilung zu gut gemeint. Auch wenn Programmnamen niemals übersetzt werden dürfen, wurde hier diese Sünde begangen. Der Screenshot zeigt, was daraus geworden ist.

Dann ein sehr netter Zufall: Als ich kurz vor der Fertigstellung dieses kleinen Beitrags war, lief auf einmal „Living in the Box“ von „Living in the Box“ im Radio. Da hatte ich dann auch einen ebenso schönen Titel für den Beitrag.

„Trocknen Sie Ihren Kindle nicht mit […] einer Mikrowelle oder einem Fön“ – Mein Kindle ist da

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Kindle Paperwhite
Kindle Paperwhite (15.11.2013) © Thomas Irlbeck

Als Mann der ersten Computerstunde habe ich mich ursprünglich dem mobilen Computing verweigert, lange Zeit besaß ich nicht mal ein Handy. Nun aber ist es doch schon ein paar Jahre her, dass ich mich dazu entschieden habe, mitmachen, weil es doch einfach praktisch ist. Die letzten Anschaffungen waren ein Smartphone Samsung Galaxy S3 Mini und ein Minitablet Samsung Galaxy Tab 3 (8 Zoll). Sicherlich zwei tolle Geräte.

Seit gestern gesellt sich noch ein Kindle Paperwhite dazu. Warum das? Zum Lesen von E-Books ist ein Kindle sicherlich besser geeignet. Die lange Akkulaufzeit von bis zu 28 Stunden (Herstellerangabe für Beleuchtungsstufe 10 (mittlere Stufe) und bei abgeschaltetem WLAN) schlägt die eines Tablets, bei der schon mal nach zwei Stunden Schluss sein kann, um ein Vielfaches. Auch bei Sonnenlicht ist das Display einfach besser ablesbar. Zum Lesen von Büchern etc. braucht man auch keine Farbdarstellung, da die meisten Bücher ohnehin entweder nicht mit Bildern bestückt sind oder nur mit solchen in Schwarzweiß.

Die Geste der Berührung – Touchbedienung

Der Kindle liegt gut in der Hand, mit ca. 200 Gramm ist er leichter als so manches Taschenbuch. Schnell ist das Gerät zum Laufen gebracht, die Anmeldung am WLAN klappte problemlos. Die Darstellung kommt der von Papier erstaunlich nahe.

Die Bedienung ist durchaus intuitiv. Es gibt nur eine Taste (Ein-/Auschalter), womit faktisch alles per Gestik erledigt wird. Hierbei kommt man mit wenigen Gesten, die nach dem ersten Einschalten kurz präsentiert werden, gut durchs „kindl(e)iche“ Leben. Links tippen: eine Seite zurück. Mitte oder rechts tippen: eine Seite nach vorne. Oben tippen: Menüleiste aufrufen. Kneifen (Pinch), auf Bairisch besser Zwicken: Zoomen, also verkleinern oder vergrößern. Wischen zum Bewegen des Bildschirminhalts. Tippen und Festhalten (Hold and Press), um Teile eines Textes auszuwählen. Die Aktion Tippen, Festhalten und Loslassen eines Wortes zeigt den dazugehörigen Lexikoneintrag in einem Popup an (Duden und Wikipedia) – praktisch, wenn man einmal ein Fremdwort nicht kennt. Für erforderliche Eingaben dient eine Tablet-typische Bildschirmtastatur.

Die Anleitung zum Kindle ist, wie man erwarten kann, auf dem Gerät vorinstalliert (daneben auch noch eine ganze Reihe von Wörterbüchern, z.B. der „Duden – Deutsches Universalwörterbuch“). In der Kindle-Anleitung stieß ich zufällig auf den folgenden besonders hilfreichen Tipp :D:

Trocknen Sie Ihren Kindle nicht mit einer externen Wärmequelle wie z.B. einer Mikrowelle oder einem Fön.

… den man jetzt sicher nicht weiter kommentieren muss.

Bis zu diesem Zeitpunkt macht der Kindle einen hervorragenden Eindruck. Über die eingebaute Amazon-Schnittstelle kommt man auch schnell zu neuen E-Books.

Bestehende Inhalte auf den Kindle übertragen

Wie verhält es sich aber, wenn man vorhandene, nicht bei Amazon erworbene E-Books, vor allem PDFs, auf das Gerät bringen will? Über das mitgelieferte USB-Kabel ist das kein Problem. Der Kindle wird per Plug and Play sofort erkannt und steht als Laufwerk unter Windows bereit. Dieses Kabel dient aber auch zum Aufladen des Akkus (alternativ kann man ein externes Netzgerät dazubestellen). Möchte man mit dem Kindle arbeiten, während er per USB-Kabel aufgeladen wird, muss man die Laufwerksverbindung trennen, das Gerät quasi auswerfen. Am einfachsten ist es wohl, mit der rechten Maustaste auf das Symbol „Hardware sicher entfernen …“ rechts unten im Infobereich zu klicken und dann den Eintrag „Amazaon Kindle auswerfen“ aufzurufen. Oder man klickt im Windows-Explorer mit der rechten Maustaste auf das Kindle-Laufwerk und entscheidet sich dann für den Eintrag „Auswerfen“.

Das andauernde Einstöpseln von Kabeln ist aber wenig komfortabel, auch sind der entsprechende Computer und das USB-Kabel nicht immer griffbereit. Ein E-Book könnte auch z.B. auf dem Smartphone gespeichert sein. Daher stellt sich die Frage, wie vorhandene Inhalte drahtlos (WLAN bzw. bei der G3-Version auch per Mobilfunk) aufs Gerät gelangen.

Die Lösung dafür ist simpel. Man sendet einfach eine E-Mail mit dem gewünschten Inhalt im Dateianhang an das Gerät. Die E-Mail-Adresse (nach dem Schema „name@kindle.com“) erfährt man direkt über den Kindle:

Einstellungen/Geräteoptionen/E-Mail-Adresse Ihres Kindle

Um die jeweiligen Einstellungen zu konfigurieren, bemüht man seinen Computer und ruft folgende Internetadresse auf:

http://www.amazon.de/myk/

Dort kann man zunächst auf Wunsch die E-Mail-Zieladresse des Kindle ändern. In der Praxis wichtiger dürfte aber Folgendes sein: Um Spam abzublocken, wird vorerst nur die bei Amazon hinterlegte standardmäßige E-Mail-Adresse als Absender akzeptiert. Das ist die Adresse, die man auch zum Einloggen in Amazon verwendet. Schnell landen dann aber Inhalte im Nirwana, wenn man einmal unter einer anderen Absenderadresse schreibt. Es lassen sich aber weitere Absenderadressen hinzufügen. Ferner kann festgelegt werden, ob die als E-Mail an den Kindle gesendeten Dateien nur aufs Gerät wandern oder auch zusätzlich in die Amazon-Cloud (5 GB Speicherplatz).

Wenn man sich aber mit der Funktion PDFs zusendet, wird man vermutlich erst einmal enttäuscht sein. Es fehlt ein Reflow, was bedeutet, dass Seiten zwar vergrößert oder verkleinert werden können, die Zeilen dabei aber nicht neu umgebrochen werden. Hier steht man dann oft vor der Frage, ob man sich mit einer Mikroschrift zufriedengibt oder die Darstellung vergrößert, dann aber beim Lesen immer waagrecht hin- und herscrollen muss, was den Lesegenuss stark trübt. Auch stehen beim Zoomen von PDFs weniger Funktionen zur Verfügung als bei E-Books, die im Amazon-eigenen Format AZW vorliegen.

Tipp für mehr Lesevergnügen

Doch auch hier gibt es eine Lösung, die so einfach ist, dass man es kaum glauben mag. Man setzt einfach in den Betreff der E-Mail, die man an seinen Kindle sendet, den unscheinbaren Text

convert

Die Folge ist, dass PDFs dann automatisch ins AZW-Format konvertiert werden und sich dann erheblich komfortabler lesen lassen.

Macht keinen Spaß: Surfen im Web

Bis zu dieser Stelle habe ich kaum was am Kindle auszusetzen. Wer aber jetzt der Meinung ist, mit dem eingebauten Browser auch noch im Web surfen zu können, dürfte bitte enttäuscht werden. Beim ersten Aufruf werden vorinstallierte Lesezeichen präsentiert. Ich klickte erwartungsvoll auf „Spiegel Online“. Das Laden und Aufbauen der Seite dauerte ewig und der Kindle ging in die Knie. Als die Seite endlich geladen war, wurde selbst ein Zoomen zur absoluten Geduldsprobe. Vermutlich liegt das an der absolut überladenen Seite mit mehreren Artikeln, Werbebannern etc. Man kann zwar zwischen Desktopansicht und einer mobilen Version mit reduziertem Inhalt umschalten, aber auch hier hat man lange Wartezeiten. Auch lässt sich das Menü meist nicht oder nur mit riesiger Verzögerung aufrufen, während das Laden der Seite noch läuft. Nun gibt es ja auch bei vielen Webseiten die Methode, mittels eines vorangestellten m statt www eine mobile Version zu erzwingen (also etwa „m.spiegel.de“). Doch nach vielen Versuchen ist es mir nicht gelungen, außer dem Spiegel überhaupt eine Webseite erfolgreich aufzurufen. Die Einstellungsmöglichkeiten des Webbrowsers sind äußerst bescheiden, man kann auch keine Startseite vorgeben. Nach einem erneuten Aufruf lädt der Webbrowser die zuletzt besuchte Seite und wenn das eine potenzielle „Absturz-„-Seite ist, dann kommt man nur mit Schwierigkeiten aus dem Dilemma, da eben das Menü, wo auch die Lesezeichen zur Verfügung stehen, nur nach langer Wartezeit, wenn überhaupt, erscheint.

Das ist sicherlich ein Wermutstropfen, vielleicht verbessert sich das Verhalten des Webbrowsers noch mit kommenden Updates. Wenn man den Webbrowser als Zugabe, aber nicht als ernstzunehmendes Leistungsmerkmal akzeptiert, kann man sicherlich damit leben.

Fazit

Für E-Books klasse, zum Surfen im Web derzeit wenig brauchbar.

Daten und Preis

Displaygröße: 15 Zentimeter (6 Zoll) in der Diagonale, Geräteabmessungen: 169 mm × 117 mm × 9,1 mm. Gewicht: 206 Gramm (WLAN-Version), 215 Gramm (G3-Version); Display mit exklusiver Carta ePaper-Technologie, integrierter Beleuchtung der nächsten Generation, 212 ppi, optimierten Schriftarten, 16 Graustufen

Speicher: 2 GB interner Speicherplatz (ca. 1,25 GB stehen für Nutzerinhalte zur Verfügung). Speichert bis zu 1.100 Bücher (Herstellerangabe)

Format: Kindle Format 8 (AZW3), Kindle (AZW), TXT, PDF, ungeschützte MOBI, PRC nativ; HTML, DOC, DOCX, JPEG, GIF, PNG, BMP nach Konvertierung

WLAN: öffentliche und private WLAN-Netzwerke und Hotspots nach den Standards 802.11b, 802.11g und 802.11n. Sicherheitstechnologien WEP, WPA und WPA2 mit Kennwortauthentifizierung oder Wi-Fi Protected Setup (WPS)

Preis: 129,00 EUR (WLAN-Version), 189,00 EUR (G3-Version)

Netzteil (nicht unbedingt erforderlich, lädt aber schneller und auch ohne PC): 14,99 EUR

Die Tücken der (mobilen) Technik

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Zugegeben habe ich das mobile Computing lange Zeit vernachlässigt. Fast war ich ein Totalverweigerer. Die Immer-und-überall-Erreichbarkeit, die mit einem Handy einhergeht und die ich kritisch sah, war das eine, das andere aber waren die hohen Telefonkosten. Richtig interessant für mich wurden erst die Smartphones, zumal es seit geraumer Zeit recht günstige Datenflatrates für unter 15 EUR pro Monat gibt, sodass man unterwegs tatsächlich Anwendungen wie Maps, Browser und E-Mail ohne Kostendruck nutzen kann. So habe ich mir auch vor ziemlich genau einem Jahr ein Android-Smartphone zugelegt.

Entsprechend bin ich richtig auf den Geschmack gekommen. Das Surfen im Internet ist im Unterschied zu den Systemen, die noch zu Zeiten verbreitet waren, als es keine iPhones und Android-Handys gab, durchaus sinnvoll möglich und hat den reinen Spielzeugcharakter verlassen. Navigationsgerät, ÖPNV-Abfahrtszeiten, Diktiergerätefunktion, Foto- und Videokamerafunktion, Kalender, Wecker, Notizbuch, Adressbuch – all das will ich nicht mehr missen.

Zu Hause habe ich nur Desktop-PCs, entsprechend konnte ich nur am Schreibtisch surfen. Aber man will vielleicht mal auf der Couch oder im Bett surfen oder E-Books lesen. Das Smartphone leistet das, aber das kleine Display (3,5 Zoll Diagonale) macht das Lesen mühsam. Bei allen Aktivitäten dominieren nicht die Inhalte, sondern das Scrollen.

Tablet Odys Neo X 7 mit passendem Taschenbuch als Größenvergleich
Tablet Odys Neo X 7 mit Taschenbuch (mit passendem Titel!) im Größenvergleich (08.07.2012) © Thomas Irlbeck

Also musste etwas Größeres her. Ein Tablet oder E-Book-Reader. Ein Amazon Kindle wäre sicherlich interessant, aber ich habe geschworen, mir nie wieder ein Gerät mit Schwarzweiß-Display zuzulegen, auch wenn der Kindle ein sehr augenfreundliches Display („elektronische Tinte“) bietet, das ermüdungsfreies Lesen garantiert. Auch hält der Akku sensationell lange.

Ich habe ewig recherchiert und schwankte zwischen einem Billig-Tablet für ca. 100 EUR und einem Highend-Gerät für ca. 400 EUR. Die Frage ist neben dem Preis auch, was die ideale Größe ist. Je größer das Tablet, desto weniger muss man scrollen, aber desto schwerer und unhandlicher wird auch das Teil. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich für ein Gerät mit 7 Zoll Bildschirmdiagonale entschieden (Taschenbuchgröße, siehe Foto), was einen guten Kompromiss darstellen dürfte.

Letztlich fiel die Entscheidung auch gegen ein Highend-Gerät. Denn ich will damit keine (schnellen) Spiele nutzen, auch nicht damit fotografieren (somit brauche ich kein Gerät mit zwei Kameras), ebenso will ich höchstens mal ein paar YouTube-Videos anschauen, aber keine längeren Filme, benötige also auch keine ultrahohe Auflösung.

Odys Neo X 7

Ghost Commander azf Odys Neo X 7
Ghost Commander im Einsatz auf dem Odys Neo X 7

Angesprochen hat mich letztlich das Odys Neo X 7, auch wenn es nur knapp über 100 EUR kostet. Aber die Benutzerkritiken sind sehr gut und das Gerät leistet eigentlich genau das, was ich brauche. Das Tablet ist zudem noch ziemlich neu (sein Name hat jetzt eher wenig damit zu tun), also kein Auslaufmodell.

Schlussendlich bin ich begeistert davon. Man kann damit wirklich gut und schnell surfen, da ruckelt wenig, auch Videos werden annehmbar abgespielt. Zwar ist Surfen nur im WLAN möglich, 3G ist per Dongle nachrüstbar. Da ich das Gerät aber primär zu Hause einsetze, ist das akzeptabel. Android kannte ich vom Smartphone bereits, entsprechend kam ich mit dem Gerät sehr schnell klar, auch wenn das Odys Android 4.0.3 hat, das Smartphone noch die alte Version Android 2.3.6.

Obwohl ich mit dem Gerät primär surfe und daher der Dateiaustausch mit dem PC nicht ganz so wichtig ist (beim Smartphone möchte ich ja die geschossenen Fotos auf den PC übertragen), brauche ich ihn, schon einmal, um bereits vorhandene Dateien wie PDFs dorthin zu übertragen. Hier habe ich auf dem Smartphone den Ghost Commander (siehe Screenshot), der sehr stabil läuft und Freeware ist. Die Dateien können per WLAN ohne lästiges USB-Kabel-Stöpseln transferiert werden. Mir gefällt an ihm, dass sich die Menüs selbst zusammenstellen lassen. Auch kann er Dateien über Dateimasken (z.B. „51*.jpg“) auswählen, was nicht viele Dateimanager unter Android leisten. Wer noch den Norton Commander aus alten PC-Zeiten (Betriebssystem MS-DOS!) kennt: Ja, er hat sogar eine ihm nachempfundene zweispaltige Liste. Am Ghost Commander habe ich ewig rumkonfiguriert, weil ich immer neue Dinge fand, die sich noch verbessern ließen. Auch auf dem Tablet läuft der Ghost Commander einwandfrei und ich musste meine aufwändige Konfiguration nicht mal wiederholen, da der Ghost Commander die Konfiguration von einem anderen Gerät importieren kann. Ich war also sofort „daheim“.

Kritik

Dennoch habe ich einige Kritikpunkte, die vielleicht für den einen oder anderen hilfreich sind, der sich dieses oder ein vergleichbares Gerät anschaffen will:

Display/Ablesewinkel

Der ideale Ablesewinkel ist etwas klein. Hat man das Tablet auf der Couch sitzend auf dem Schoß, ist die Darstellung optimal, nicht aber, wenn man es waagrecht liegen hat und z.B. im Bett liegt. Die Darstellung ist dann zu dunkel, was sich auch durch Nachregeln der Helligkeit nicht wirklich beseitigen lässt. Um Abhilfe zu schaffen, sollte das Display auf einer Unterlage liegen, sodass es etwas gekippt ist. Natürlich kann man es auch in der Hand halten ohne Verwendung einer Unterlage, aber dafür ist das Gerät auf Dauer doch etwas zu schwer.
Akku

Akkulaufzeit

Der Akku hält im Einsatz (surfen) vielleicht drei oder vier Stunden, dann muss das Gerät für einige Stunden an das Ladegerät. Das könnte besser sein, aber man kann damit leben. Mit vielen Tricks lässt sich die Akkulaufzeit verlängern (etwa WLAN und Synchronisierung zeitweise abschalten, es gibt auch Apps dafür, die behilflich sind, aber vermutlich selbst auch am Akku saugen ;)), aber das ist alles umständlich und dürfte nur wenig bringen.

Wo ist denn oben?

Browser auf dem Odys Neo X 7
Surfen auf dem Odys Neo X 7

Das Gerät hat kein oben/unten/links/rechts, ein Schriftzug oder Home-Button, die einem den Weg weisen könnten, fehlen auf der Vorderseite. Zwar dreht sich das Display mit, aber wenn man es versehentlich um 180 Grad „falsch herum hält“, wird man Probleme haben, den Ein-/Ausschalter und die Lautstärketasten zu finden, die sich an der Seite befinden und von vorne nur schlecht sichtbar sind. Man wird dann intuitiv auf die Stelle drücken und dann (beim Arbeiten im Querformat feststellen), dass die Knöpfe z.B. auf einmal links unten statt rechts oben sind. Nur die Kameralinse bietet einen Orientierungspunkt, aber auch sie ist im dämmrigen Licht nicht gut sichtbar.

Hoch-/Querformat

Jeder hat seine Vorlieben und so wollte ich mich für eine bevorzugte Ausrichtung bei der Frage Hoch- oder Querformat entscheiden. Die Wahl fiel auf Hochkant. Ein Taschenbuch hält man ja schließlich auch hochkant. Ferner habe ich festgestellt, dass neben dem Lesen von E-Books auch das Surfen im Hochformat angenehmer ist (siehe Screenshot). Allerdings gibt es ein Aber: Einige Anwendungen, z.B. Google Mail, sind im Hochformat praktisch nicht bedienbar, da Teile des Bildschirminhalts schlicht abgeschnitten werden. Ebenso gibt es diverse Websites, bei denen man im Hochformat verzweifelt. Man muss damit leben, das Display immer wieder zu drehen.

Virtuelle Tastatur/Rechtschreibprüfung

Die virtuelle Tastatur lässt sich flüssig bedienen. Die Rechtschreibprüfung unterstreicht allerdings bei mir alle – ich betone: alle – Wörter rot, so viele Rechtschreibfehler kann ein Mensch alleine gar nicht machen. Natürlich habe ich überall „Deutsch“ eingestellt. Andere Benutzer haben das gleiche Problem, sodass von einem Bug auszugehen ist. Die neueste Firmware ist drauf. Immerhin kann man die Rechtschreibprüfung abschalten, denn die Unterstreichungen irritieren ungemein.

Webbrowser

Der Browser (auf WebKit-Basis) sollte eigentlich eine Webseite so umbrechen, dass Textspalten exakt vom linken bis zum rechten Displayrand reichen, wodurch das Display optimal ausgenutzt wird. Vor allem soll damit verhindert werden, dass man laufend quer scrollen muss oder dass Platz durch Anzeige danebenliegender Elemente wie Navigationsleisten oder Bilder verschenkt wird. Dazu gibt es die Einstellung „Autom. Anpassung“, was auch auf dem Smartphone funktioniert. Doch der Text wird auf dem Odys Neo X 7 viel zu schmal umbrochen, so als hätte das Gerät ein viel kleineres Display. Vielleicht ist hier ja tatsächlich bei der herstellerspezifischen Anpassung des Browsers ein Fehler unterlaufen und eine zu geringe Displaygröße angegeben worden – von einem 3,5-Zoll-Gerät. Zum Glück gibt es eine Vielzahl alternativer Browser, mit denen sich das Problem umgehen lässt. Hier habe ich mir Firefox für Android angeschaut und testweise installiert. Doch dieser ist noch nicht ausgereift. Flash läuft auf der Tablet-Version bislang gar nicht (nur auf der Smartphone-Version), womit er nahezu unbrauchbar ist. Dagegen funktioniert Flash auf dem Standardbrowser prima. Hier heißt es also noch warten. Erst einmal verwende ich den Standard-Browser.

Speicher

Das Gerät hat 8 GB internen Speicher, was etwas knapp bemessen ist. Also habe ich mir noch eine SD-Karte mit 32 GB dazubestellt. Das Gerät erkennt die Karte zwar, die Dateien (z.B. Downloads) werden aber ausschließlich auf dem internen Speicher abgelegt. Nun könnte man sich ja damit behelfen, die Dateien ab und zu auf die externe Karte auszulagern, um im internen Speicher wieder Platz zu schaffen. Mit dem Ghost Commander kann ich jedoch nur lesend auf die SD-Karte zugreifen, was ziemlich witzlos ist. Der mitgelieferte ES Datei Explorer kann dagegen Dateien auf die externe SD-Karte schreiben, aber keine Dateien löschen oder ändern. Er hat gewissermaßen die Rechte „Hinzufügen und Lesen“. Für mich ist das ein großer Bug, andere Benutzer berichten auch von den gleichen Schwierigkeiten. Ein Mounten der Karte als interner Speicher, um die Karte als Hauptspeicher elegant zu nutzen und nicht als Verschiebebahnhof, ist auch nicht so einfach möglich, allenfalls, wenn man das Gerät rootet (das bedeutet in etwa, dass man Administratorrechte auf dem Gerät erhält, also mehr Kontrolle ausüben kann). Hierzu gibt es saukomplizierte Anleitungen, in denen Freaks ziemlich wörtlich schreiben, sie hätten x Versionen des Android-Toolkits runtergeladen und viele Megabyte durchsucht, bis sie die richtige Datei gefunden hätten, um erst einmal die Basis für das Rooten zu schaffen. Danach muss man noch viele, viele Befehle eingeben, bis das Gerät gerootet ist. Mit jedem Firmware Update besteht zudem die Gefahr, dass das Gerät danach nicht mehr „root“ ist und sich auf die gleiche Weise auch nicht mehr rooten lässt, sondern nur noch durch neue Tricks, die erst einmal gefunden werden müssen. Wer doch auf einen Defekt der SD-Karte tippt: Verbinde ich das Gerät mit dem PC per USB-Kabel, kann die Karte vom PC problemlos beschrieben werden.

Kamera

Die Kamera (nur Frontkamera vorhanden) liefert lausige Bilder (640×480 Pixel), aber wie gesagt, fotografieren will ich nicht mit dem Tablet. Der Kamera-Auslöse-Sound lässt sich nicht abschalten. Hier müsste man die entsprechenden Sounddateien durch leere ersetzen oder sie einfach löschen. Aber in dem Verzeichnis fehlen Schreibrechte, was sich wohl nur durch ein Rooten des Geräts lösen ließe.

Vorinstallierte Apps

Es sind relativ wenige Apps offiziell installiert. Einige sind zwar installiert, es fehlen aber Symbole zum Starten. Die Anwendungen erscheinen dann nur in einem besonderen Kontext. Irritierenderweise sind auch spezielle Telefon-Apps dabei, obwohl das Tablet keine Telefon-Funktion hat. Google Street View z.B. ist laut Einstellungsmenü in der Liste installierter Apps vorhanden, es benötigt aber Google Maps, das wiederum nicht installiert ist. Möglicherweise wurde auf eine standardmäßige Installation von Google Maps verzichtet, da das Gerät nur WLAN kann und mobil nur eingeschränkt nutzbar ist, was aber die Installation von StreetView nicht erklärt. Aber Google Maps beherrscht inzwischen auch das Speichern von Maps zur späteren Offlinenutzung. Daher kann man Google Maps durchaus sinnvoll einsetzen, zu Hause im WLAN ohnehin, unterwegs nur eingeschränkt offline. Daher habe ich Google Maps (natürlich) nachträglich installiert.

Fazit

Aber wie auch immer, für 126,60 EUR (inkl. externer Speicherkarte) habe ich ein Gerät erhalten, das ich wirklich nutze und das mir Freude macht, das Geld war also gut angelegt.

Edward Tenner behauptet dagegen in seinem Buch „Die Tücken der Technik“, dass Hightech nicht glücklich mache. Mich schon. Zumindest bis zur nächsten Fehlfunktion.