Fußball Rasen Ball Betreten Mannschaftsspiel Verboten

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Verbotsschilder
Bild 1 (05.09.2014) © Thomas Irlbeck
Verbotsschilder
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Verbotsschilder
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Bild 5 (05.09.2014) © Thomas Irlbeck
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Bild 6 (05.09.2014) © Thomas Irlbeck

In dieser Wohnanlage in Neuperlach West hat man es gut gemeint und alles voller Verbotsschilder gepflastert, damit in der Fußballnation Deutschland nicht Fußball gespielt wird. Auch hat man die Rasen penibel mit Zäunen eingefriedet, um in der Fahrradnation Deutschland die Trampelpfade von Mountainbikefahrern freizuhalten. Sicherlich können spielende Kinder kriminell laut sein, aber das kann dennoch nicht der richtige Weg sein.

Kopfhörer: Hier spielt die Musik – wie lange noch?

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Vor ein paar Tagen, am 2. Januar, ereignete sich vor dem pep ein schwerer Unfall. Gegen 18:50 überquerten zwei Buben, 14 und 15 Jahre alt, die Thomas-Dehler-Straße, um zum gegenüberliegenden Hanns-Seidel-Platz zu gelangen. Das Rotlicht der Fußgängerampel missachteten sie. Ein Automobillenker konnte den Buben nicht mehr ausweichen und erfasste beide frontal mit seinem BMW. Die Buben wurden dabei schwer verletzt, der 14-Jährige verstarb tragischerweise kurze Zeit später im Spital.

Beide Buben sollen durch Musikberieselung über Kopfhörer abgelenkt worden sein. Speziell dieser Unfall wurde nun in einer Nachrichtensendung eines großen Kölner Privatfernsehsenders neben anderen Unfällen dieser Art als Beleg verwendet, wie gefährlich Ablenkung durch Kopfhörer im Straßenverkehr sein kann.

Kopfhörerverbot für Fußgänger?

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der Fahrradfahrern gerne einen Helm aufsetzen will (Neuperlach.org berichtete), möchte im Gegenzug am liebsten Fußgängern im Straßenverkehr die Kopfhörer und Ohrstöpsel abnehmen. Momentan hält er sich noch mit einem Verbot zurück und belässt es bei Appellen. Tatsächlich haben die tödlichen Fußgängerunfälle stark zugenommen, um erschreckende 25 % innerhalb eines Jahres. Oft waren die Verunfallten durch Musik aus dem MP3-Player oder Handy abgelenkt. Besonders stark sind die Unfallzahlen bei den 15- bis 17-Jährigen gestiegen. Daraus wird ein Zusammenhang konstruiert, da genau dieser Gruppe jugendlicher Leichtsinn gepaart mit dem Konsum zu lauter Musik, die auch unterwegs gehört wird, nachgesagt wird.

Ein Verbot wäre ein weiterer Schritt hin zum Nanny-Staat. Regeln schützen dann den Bürger vor seinem eigenen, gefährlichen Handeln. Dazu muss der Bürger die Regeln aber erst einmal einhalten. Zwar spricht die mangelnde Akzeptanz und Kontrollierbarkeit nicht generell gegen ein mögliches Gesetz. Doch man darf sich hier fragen, wie der Nachweis gelingen soll, dass jemand zu laut Musik gehört hat. Das generelle Tragen von Kopfhörern oder Ohrstöpseln wird man ja kaum verbieten können. Ergo müssen zwei Dinge zusammenkommen: Die Kopfhörer oder Ohrstöpsel wurden erstens im Straßenverkehr bzw. an gefährlichen/belebten Orten getragen, und zweitens war die Musik zu laut eingestellt. Der Nachweis wäre zumindest prinzipiell erbracht, wenn ein Kopfhörer tragender Fußgänger auf Zuruf eines Polizisten nicht reagiert, weil er diesen eben nicht hören kann.

Kopfhörer
Im Wald wäre ein Kopfhörerverbot mehr als nur leicht übertrieben. Foto: Mista.Boos / Lizenz siehe: flickr

All das geht aber zu weit. Mit jedem neuen Verbot geht ein Stück Eigenverantwortung verloren, der Staat breitet seine schützende Hand aus und kann den Bürger dann bei Missachtung des Verbots doch nicht schützen. Ein Kopfhörerverbot für Fußgänger hätte aber immerhin den Vorteil, dass man leichter eine Helmpflicht für Fußgänger einführen könnte. Denn das Aufsetzen eines Integralhelms mit Kopfhörer wird doch eher schwierig. Allerdings gibt es einen kleinen Haken: Mit einem Helm auf dem Kopf hört man viel schlechter, und das gute Hören sollte ja eigentlich verbessert werden. So was aber auch!

Augen auf, Ohren auf, Helmi ist da!

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Wer diesen Spruch kennt, kann oder konnte vermutlich den ORF, das österreichische Fernsehen, empfangen. Dort bringt eine Helm bestückte Puppenfigur den Kinderlein das richtige Verhalten im Straßenverkehr und anderen Lebensbereichen nahe. Eine ganz andere Figur ist Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer (von der CSU ist er), der dafür bekannt ist, dass er fast jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf treibt. Nun also denkt er über eine Helmpflicht für Radler nach. Denn die Rate der freiwilligen Helmträger liege nur bei 9 Prozent. Wenn diese nicht bald deutlich über 50 Prozent steige, dann wolle er die Helmpflicht einführen.

Sicher kann ein Fahrradhelm in vielen Fällen schwere Kopfverletzungen verhindern oder abmildern. Allerdings sollte das große Ganze betrachtet werden. Zunächst einmal wird die Anzahl der Velofahrer nach einer Helmpflicht wahrscheinlich stark zurückgehen. In Australien, wo 1991 eine Helmpflicht für Radler angeordnet wurde, sollen es 30 Prozent minus sein. Es wird dann mehr Auto gefahren, auch die kurze Strecke zum Bäcker. Für die Umweltbilanz ist das verheerend. Call-a-bike-Modelle, bei denen man bekanntlich ein Rad ad hoc ausleihen kann, funktionieren mit Helmpflicht kaum mehr, es sei denn, jeder schleppt den Helm auf Verdacht mit.

Auch gibt es Anzeichen dafür, dass Radfahrer mit Helm riskanter fahren, weil sie sich sicherer fühlen. Damit könnte der Vorteil des Helms teilweise oder ganz wieder verspielt werden. Ferner existieren Hinweise, dass auch Automobilfahrer weniger Sorgfalt im Umgang mit Helm tragenden Radlern walten lassen, da ihnen das Unterbewusstsein suggeriert, der Verkehrsteilnehmer sei ja durch den Helm geschützt.

Fahhradhelm
Nicht jede Frisur übersteht das Tragen eines Fahrradhelms. Foto: benchilada / Lizenz siehe: flickr

So sollen in Australien die Anzahl der Kopfverletzungen bei Radunfällen zwar zurückgegangen sein. Allerdings muss der Rückgang des Radverkehrs gegengerechnet werden. Im Endeffekt soll sich das relative Risiko für den Einzelnen nicht reduziert haben, sondern sogar gestiegen sein.

Ich habe nichts gegen Fahrradhelme. Es soll aber jeder selbst entscheiden, ob er einen trägt. Verbote sind immer kritisch zu betrachten und müssen gut begründet werden, da sie die Freiheit des Einzelnen einschränken.

Die Politik sollte vielmehr die Sicherheit des Radverkehrs generell angehen, auf verschiedenen Baustellen. Ob dies durch eine bessere Trennung von Rad- und Autoverkehr passiert oder durch das Gegenteil, indem man die Radler auf die Straße holt, ggf. in Radspuren am Fahrbahnrand rollen lässt, muss genau untersucht werden. Auffällige Markierungen und Blinklichter an Kreuzungen können helfen, die berüchtigten Unfälle, bei denen motorisierte Verkehrsteilnehmer den geradeaus fahrenden Radler beim Rechtsabbiegen übersehen, zu reduzieren. So etwas gibt es erfreulicherweise, aber es sollte noch ausgebaut und perfektioniert werden. Auch Assistenzsysteme im Auto, die bei gefährlichen Situationen warnen, könnten die Sicherheit steigern, wobei man sich dann aber wieder schnell auf die Technik verlässt, worunter die eigene, manuelle Sorgfalt leidet.

München hat sicherlich nicht die beste Radpolitik, wenngleich es auch nicht die schlechteste ist, aber das ist kein Ruhmesblatt. Von einer Radlhauptstadt ist man meines Erachtens weit entfernt. Ich habe den Eindruck, dass das Radfahren in München nicht sicherer geworden ist, ganz im Gegenteil. Die abenteuerlichen Fahrradstreifen auf Gehwegen mit Benutzungspflicht, die eine Slalomkursgarantie haben, scheinen weiter zuzunehmen. Bei den Ampeln bricht immer mehr das Chaos aus. Bei vielen Stellen weiß ich nicht mehr, welche Ampel für mich als Radfahrer gilt und ob ich ggf. auf dem (oft viel zu schmalen) Mittelstreifen stehenbleiben muss (und falls ja, welche Ampel hierfür maßgebend ist). Ich habe mal ein paar Bilder unklarer Situationen in ein Forum gestellt. Auch unter den Forenteilnehmern, die einen gewissen juristischen Hintergrund haben, gab es keine eindeutige Interpretation. Ampeln sollten sich doch von alleine erklären!

Ramsauer macht es sich zu einfach, wenn er sich auf die Helmpflicht konzentriert. Es ist eine populistische Forderung, bei der er in einem gewissen Klientel Stimmen fischen kann. Wenn es schon in Richtung eines Kopfschutzes geht, sollte Ramsauer vielmehr eine Maulkorbpflicht für Pofalla fordern.

Twitter-Splitter: Meinungen zum Thema

Rollygirl1988: Helmpflicht für Radfahrer! Das wäre endlich ein Vernünftiges Gesetz! Machts auch für Quadfahrer bitte!

times200: bevor die helmpflicht eingeführt werden soll, bin ich für die einführung der hirnpflicht.

ralphmakolla: Helmpflicht für Radfahrer? Dann fahre ich wieder Auto. Freue mich, dass der ADFC und der niedersächsische Verkehrsminister sich gegen eine Helmpflicht ausgesprochen haben.

Wilhelmadt: Endlich Vorstoß für Helmpflicht von Verkehrsminister Ramsauer! – Statement der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie

CelleHeute: Landtags-SPD will Anreizimpulse und mehr Verkehrssicherheit statt Helmpflicht für Radfahrer

Die Dänen kriegen ihr Fett weg

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In Dänemark wird als erstem Land der Welt eine Fettsteuer eingeführt. Die Regelung gilt ab heute. Fettreiche Produkte werden damit deutlich teurer. Bei einem Pfund Butter macht dies etwa 30 Cent aus.

Ist so ein Modell auch etwas für Deutschland? Oder ist das Ganze ein großes Volkserziehungsprogramm, ein Bestandteil einer Politik, die mehr oder weniger erfolgreich einen neuen Puritanismus einläutet, ein Leben in Askese mit weniger Genüssen, ohne Rauchen, Alkohol, ungesundem Essen…?

Zwischen beiden Extremen und ohne Polemik gefragt – kann rein über die finanzielle Komponente das Problem einer tendenziell übergewichtigen, ungesunden Bevölkerung eingedämmt werden? Oder wird nur die Staatskasse aufpoliert? Die letzte Frage hat sicher einen stark rhetorischen Charakter. Wahrscheinlich macht so eine Steuer den Braten auch nicht fett.

Fastfood
Voll fett! Lecker Fastfood. Foto: Christian Cable / Lizenz siehe: flickr
Superdick
Voll schlank! Foto: Tobyotter / Lizenz siehe: flickr

Twitter-Splitter: Meinungen zum Thema

haraldlink: 1. April am 1. Oktober. Jedenfalls in Dänemark.

terrorzicke: Hihi, in Dänemark gilt ab morgen die „Fettsteuer“. Wetten, die Leute kaufen ab sofort weniger… …Obst und Gemüse?.

andreamariacp: Die Lösung der Finanzkrisen? LOL „@DieterBornemann Erstes Land der Welt: Dänen müssen ab sofort Fettsteuer…“

hlangeveld: denmark should not tax fat but sugar #soverywrong #fattax

Cat___Father: #FatTax This was my idea while losing weight as a teenager

Saufen, bis die Blase platzt

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Pipi-Party
Pipi-Party. Hier eine harmlose Darstellung. Denn Neuperlach.org ist ja jugendfrei. Foto: schoschie / Lizenz siehe: flickr

Die Erfinder von kommerziellen Partys beweisen oft Kreativität. Eine nicht mehr ganz neue, aber vielleicht noch nicht jedem bekannte Form ist die so genannte Pipi-Party. Bei dieser Abwandlung der Flatrate-Party darf so lange kostenlos getrunken werden, bis der erste Partygast – nun ja, drücken wir es vornehm aus – Öl wechseln muss. Unumstritten sind Flatrate-Partys im Allgemeinen sicher nicht, da sie zu hemmungslosem Trinken einladen, schließlich hat man pauschal bezahlt (oder kommt bei einer Pipi-Party die erste Zeit kostenlos davon) und will dann möglichst viel herausholen, vielleicht mehr, als es der Körper verträgt.

Wenig begeistert von den Pipi-Partys im Speziellen und den Flatrate-Partys im Allgemeinen ist Michael Bromberger (Gemeinsame Wählervereinigung), Bürgermeister in der 4.400-Seelen-Gemeinde Eurasburg im Landkreis Bad Tölz/Wolfratshausen. Bromberger macht in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung keinen Hehl daraus, dass ihm die Veranstaltungen missfallen. Doch die Partys finden gar nicht in seiner Gemeinde statt, sondern in der Umgebung. Stein des Anstoßes war aber die laszive Darstellung einiger Plakate. Halbnackte Frauen und Wodkaflaschen, das gehe nicht an der Staatsstraße, an der Kinder unterwegs sind. Kurzerhand verweigerte er die Genehmigung für Plakate, die ihm nicht genehm waren. Diese Plakate dürfen nicht auf dem Gemeindegrund geklebt werden.

Man kann sicher darüber diskutieren, ob Flatrate-Partys ein adäquater Umgang mit Alkohol in der Gesellschaft sind. Anstößige Plakatdarstellungen sind ein ganz anderes Thema (es ist sehr umstritten, ob sie überhaupt Schaden bei Kindern anrichten können) und deren Verbot ist kein Ansatz, das Alkoholproblem anzugehen. Hier sind vielmehr Diskussionen notwendig, die auch kritische Fragen stellen, z.B., warum nicht nur an Stammtischen Trinkfestigkeit und sogar Trunkenheit am Steuer oft heldenhaft bewertet werden, trockene Alkoholiker und auch generell Nichttrinker sich dagegen für ihre Abstinenz rechtfertigen und Alkoholiker sich verstecken müssen. Ein offenerer Umgang mit dem Thema Alkohol ist dringend erforderlich. Bromberger hat allenfalls die Debatte angeregt, wirklich verändern wird sich an der Tendenz der Politik, mit Verboten zu antworten, aber wohl nichts. So werden wir weiter hilflose Vorschläge hören, den Alkoholverkauf an Tankstellen außerhalb der gesetzlichen Ladenöffnungszeiten zu verbieten, Trinkverbote auf öffentlichen Plätzen zu verhängen und die Sperrzeiten zu verlängern, also die frühere Polizeistunde wieder einzuführen. Tatütata!

Vorboten eines Verbotsstaates

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In meinem  Lieblingsforum, dem Eisenbahnforum, kam die Forderung auf, nicht nur Zigarettenwerbung, sondern auch Alkoholwerbung einzuschränken bzw. zu verbieten.

Das ist eher Zigaretten-Antiwerbung, also erlaubt. Foto: tylerdurden1 / Lizenz siehe: flickr

Bei Zigarettenwerbung gibt es wenig zurückzuschrauben, sie ist faktisch fast nicht mehr existent. Übrig geblieben sind Plakatwerbung und mit Einschränkungen Kinowerbung. Und das auch nur, weil es die anderen EU-Staaten nicht tangiert, wenn ein paar Ersatzschnuller-Werbeplakate in der Bahnhofgasse von Tattenhausen hängen oder im örtlichen Lichtspielhaus ein paar Sargnägelspots über die Leinwand flimmern. Bei Zeitschriftenwerbung gestaltet sich das anders, da die gedruckten Blättchen ins Ausland wandern, damit der Malle-Rentner nicht auf seine konservativen Post von Wagner-Boulevard-Kommentare verzichten muss. Auch Fernsehen ist dank der Sputnik-Nachfolger zum grenzüberscheitenden Verblödungsritual geworden. Plakate und Kino sind Relikte einer einstmals lokalen Epoche und daher eine nationale Angelegenheit. Da ist kurzzeitig noch etwas erlaubt, was wo anders bereits längst illegal ist.

O.k., dann verbieten wir Alkoholwerbung, danach wird die McDonald’s-Werbung zur Satansbotschaft degradiert, später wird dann jegliche Form von Süßigkeiten oder von Salzwaren als Reklame-Tabu deklariert. Man muss den Bürger vor allem, was ungesund oder gefährlich ist, schützen (z.B. vor Burgern). Erst sagt man ihm nicht mehr, dass es das Zeug überhaupt gibt, danach darf es offen nicht mehr verkauft werden, sondern nur unter der Ladentheke nach Vorlage von Ausweis und Führungszeugnis, und danach landet nur noch Omas Biokost auf dem Teller. Für Risikosportartarten gibt’s eine spezielle Zusatzpolice, was aber nur ein Trick ist, um die Sportart später ganz mit einem Verbot zu versehen.

Das mag jetzt alles stark übertrieben sein, aber ich bin überzeugt davon, dass wir mit kleinen Schritten, aber stetig Richtung Verbotsstaat stiefeln – die EU arbeitet daran, die Bundesregierung ebenso, aber auch die Landesregierungen – speziell die Conservative Soziale Union.

Natürlich müssen gewisse Verbote sein, speziell da, wo der eigene (ungesunde, gefährliche) Konsum auch andere negativ tangiert. Daher unterstütze ich ein striktes Rauchverbot in der Gastronomie ohne Ausnahmen, lehne aber die meisten der anderen geplanten Verbote verschiedener Arten ab, z.B. das nächtliche Alkoholverkaufsverbot.

Verbote, Tricksereien und Spielchen – Wie die Politik das Alkoholproblem bei Jugendlichen (nicht) angeht

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Eine nächtliche Schnapsverkaufseinrichtung, in der man nebenbei auch das Automobil betanken kann. Fließt hier bald gar nichts mehr? Foto: thomas mies / Lizenz siehe: flickr

Es ist kein Geheimnis, dass es speziell unter Jugendlichen ein großes Alkoholproblem gibt. Folge des exzessiven Trinkens sind oft Straftaten. Die Anzahl solcher alkoholbedingten Straftaten steigt seit Jahren an wie der Promillegehalt im Blut nach dem Griff zur Schnapsflasche. Da sich die Jugendlichen typischerweise nachts an Tankstellen den Stoff besorgen, um „vorzuglühen“, möchte die CSU am liebsten nach dem Vorbild Baden-Württembergs ein nächtliches Verkaufsverbot für hochprozentige Alkoholika (dort gibt es allerdings auch niederprozentige Alkoholika nachts nicht mehr zu kaufen, aber ein Bierverkaufsverbot in Bayern ist natürlich nicht denkbar, zu bedeutend ist der Gerstensaft im Land der Wiesn). Die CSU muss aber auf den liberalen Koalitionspartner Rücksicht nehmen, der das Vorhaben ablehnt. Die SPD meint, die Gunst der Stunde nutzen zu müssen, und bringt einen Gesetzentwurf für ein nächtliches Alkoholverkaufsverbot im Bayerischen Landtag ein. Die CSU stimmt dagegen und der Gesetzentwurf wird abgelehnt.

Quelle: SPD scheitert bei Alkoholverkaufsverbot (inFranken.de) (Seite nicht mehr verfügbar)

15 % Rabatt verleiten zum Kauf der Zweit-Alkoholflasche (26.02.2010) © Thomas Irbeck (Handyfoto)

Im Endeffekt gibt es eine riesige Mehrheit im Parlament und dennoch wird das Gesetz abgelehnt. Das ist Politik, wie sie zu Verdruss führt. Meines Erachtens wollte die SPD die CSU nur vorführen nach dem Motto, ihr könntet kriegen, was ihr wollt, ihr dürft aber nicht. Nichtsdestotrotz bin ich entschieden gegen ein nächtliches Alkoholverkaufsverbot, und zwar aus mehreren Gründen:

  • Es gefährdet Tankstellen, die vom Benzin- und Dieselverkauf alleine nicht leben können.
  • Die harten Alkoholika dürfen ohnehin nicht an Kinder und Jugendliche verkauft werden. Man sollte zunächst die Einhaltung des bestehenden Gesetzes überwachen, bevor man Erwachsenen verbietet, ein legales Produkt zu bestimmten Uhrzeiten zu kaufen.
  • Ein nächtliches Verkaufsverbot verleitet nur dazu, einen entsprechenden Vorrat anzulegen. Unter Umständen wird dann noch mehr getrunken als früher, weil immer ein paar Flaschen Schnaps auf Lager sind, während man früher vielleicht „nur“ eine Flasche nachts an der Tankstelle geholt und geleert hat.

So gesehen gefällt mir das Ergebnis, aber nicht, wie es zustande gekommen ist. Bei den ganzen Machtspielchen bleibt das eigentliche Thema auf der Strecke: Wie dämmt eine Gesellschaft das Alkoholproblem ein: durch Verbote, durch Aufklärung oder durch progressive Ideen? Das Alkoholverkaufsverbot, das auch Erwachsene trifft, ist nicht fortschrittlich, sondern ein rückständiges Mittel einer konservativen Verbotspolitik.