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Etymologie

Hier ist die Herkunft von Ortsnamen das Thema. Es sollen bald auch weitere Arten von Namen dazukommen, etwa Straßennamen. Nur den Karl-Marx-Ring muss man wohl nicht erklären! Auch allgemein Sprachliches findet hier Platz.

Perlach – Nomen est omen

Sitz zu Perlach
„Sitz zu Perlach“. Kupferstich von Michael Wening (1701). Lizenz: Public Domain

Perlach ist die Perle Münchens, zumindest fast. Doch mit der Perle hat Perlach etymologisch nichts zu tun. Woher kommt aber dann der Name? Der Anfang klingt ein wenig wie Bär, und das ist sogar ein Teil der Lösung. Per oder Pera ist ein altgermanisches Wort, das für Bär oder aber Eber (also Wildschein, Saubär) steht. Ob jetzt Braunbären gemeint waren oder Eber, da gehen die Meinungen auseinander. Beide Theorien finden sich in etwa gleichwertig und beide Tierarten waren seinerzeit in der Umgebung verbreitet.

Braunbären im Wald
Der bärigste Stadtteil!? Braunbären im Wald. Ein wahrscheinlicher Ursprung des Namens „Perlach“, der schlicht „Bärenwald“ bedeuten könnte. Lizenz: Public Domain

Eine Leserin hat ein starkes Argument für die Eber-These. Sie weist darauf hin, dass es sich bei dem Gehölz um einen lichter Auwald gehandelt habe, der vornehmlich aus Eichen bestanden habe. Die dunklen Nadelgehölze seien erst im 18. Jahrhundert aus kommerziellen Gründen gepflanzt worden. Und unter Eichen hätten Eber gelebt, Eicheln seien ein Nahrungsbestandteil. Bären seien eher im alpinen Raum verbreitet gewesen. Im Flachland hätten sie keine Höhlen gefunden, um ihre Jungen aufzuziehen oder Winterschlaf zu halten. Es darf aber erwähnt werden, dass Bären einen großen Aktionsradius haben.

Der zweite Wortbestandteil lach ist schwieriger aufzulösen. Dazu muss man wissen, dass Perlach früher mal Peralooh hieß (erstmalige Erwähnung 780, der Ort existierte aber vermutlich schon um 600 herum; verbreitet sind auch die Schreibweisen Peralohc, Peraloh (heute noch als Straßenname in Perlach existent), Peroloch, Perloch, Perloh, Perlôhen, Perloch). Das Looh führt uns zu dem alten deutschen Wort Lohe, also dem Auwald.

Perlach bedeutet also schlicht Bärenwald oder Eberwald. Wälder gibt es immer noch, auch mit dem Namen Perlach, eben den berühmten Perlacher Forst. Bären sind aber äußerst rar geworden und allenfalls darauf beschränkt, dass ein Verwandter des Problembären Bruno Perlach als neue Heimat entdecken könnte.

Perlachturm  in Augsburg

Nicht zu verwechseln ist das Münchner Perlach mit dem Perlachturm in Augsburg Interessanterweise kommt hier etymologisch auch die Bären-Erklärung zum Zuge, zumindest nach einer von drei gängigen Thesen. Nach dieser besonders populären These gab es im Mittelalter auf dem Platz vor dem damaligen Wachturm regelmäßige Vorführungen mit wilden Bären; das lach soll Fest oder Vorführung bedeuten. Eine weitere These stützt sich auf ein Schild im Turm, auf dem steht, der Name stammt vom Lateinischen „perlego“ (durchlesen). Der Hintergrund: Auf dem Platz vor dem Turm sollen offizielle Verlautbarungen verlesen worden sein. Eine dritte These besagt, an dieser Stelle habe einst eine römische Legion eine Schlacht verloren. „perdita legio“ bedeutet „untergegangene Legion“. Keine der Thesen ist jedoch historisch belegt, sodass die Namensherkunft wohl nie eindeutig geklärt werden kann.

München Südost von A-Z

Nicht nur Perlach ist ein besondere Name in München, auch die Umgebung ist reich an weiteren besonderen Namen: Entsprechend geht es hier weiter mit Nachbarstadtteilen und Nachbarorten.

Berg am Laim

Der Münchner Stadtbezirk wurde am 23. April 812 als „ad Perke“ erstmals urkundlich erwähnt, der Zusatz „am Laim“ in Gestalt von „auf dem Laimb“ erstmalig 1430. Der Begriff Laim bedeutet schlicht „Lehm“. Der Name nimmt auf die Lage Anspielung. Denn der Stadtbezirk befindet sich auf einer Erhöhung (Berg), die auf der etwa ein Kilometer breiten Löß-Lehm-Zunge der Münchner Schotterebene zwischen Ismaning und Berg am Laim liegt.

Grasbrunn

St. Ulrich, Grasbrunn
St. Ulrich, Grasbrunn. Foto: Rufus46 / Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Die Gemeinde wurde 1140 erstmals als Gramasprunnen erwähnt. Der Name leitet sich vom adeligen Grundbesitzers Graman ab, der gesamte Name bedeutet Brunnen des Graman.

Großkarolinenfeld

Siehe unter Kleinkarolinenfeld.

Haar

Der Name der Gemeinde Haar hat seinen Ursprung nicht von der Haarpracht der Bevölkerung oder der Dichte an Frisören. Es leitet sich vielmehr von dem Begriff Hardt (harde/hart) ab, welches ein leicht bewachsenes Waldland beschreibt. Daran erinnert auch das Beil im Haarer Wappen, das für die Rodung des Waldes steht.

Hachinger Bach

Hachinger Bach
Der Hachinger Bach in Perlach Süd

Der Name Hachinger Bach leitet sich von Hacho ab, einem Bajuwaren, der zwischen dem 5. und dem 8. Jahrhundert Siedlungen entlang des Bachlaufs errichtete.

Kleinkarolinenfeld

Die Siedlung, die zu Aying gehört, entstand ab 1802 als planmäßige Neugründung durch die Ansiedlung protestantischer Siedler aus der Pfalz und aus Baden. Wie auch Großkarolinenfeld wurde sie nach der zweiten Gemahlin Max IV. Joseph, der Prinzessin Karoline von Baden, benannt.

Michaeliburg

Michaeliburg
Die Michaeliburg. Foto: Thomas Irlbeck, als Public Domain freigegeben

Der Name der Siedlung (die teilweise auf Perlacher Gebiet liegt) kommt entweder vom Gastwirt Michael Neumeyer (manche Quellen sagen auch Obermayer oder Obermeyer), der 1898 auf dem Gebiet ein burgähnliches Gebäude errichtet hat (die Michaeliburg; 2009 abgerissen), oder von der 1900 gebauten Michaelikapelle, die St. Michael geweiht ist. Näheres im Artikel: Auf der Suche nach der Michaeliburg

Neubiberg, Unterbiberg

Der Name Biberg leitet sich von althochdeutsch pipurc (Umwallung, Ringburg) ab. Eine Umwallung in Gestalt einer Keltenchanze wurde in der Gegend durch Luftbildarchäologie nachgewiesen. Der Ort findet erstmals als Villa piburc zwischen 1034 und 1041 als Schenkung an das Kloster Tegernsee Erwähnung. Das heutige Neubiberg besteht aus zwei Teilen. Das westlich gelegene Unterbiberg ist der historische Teil des Ortes, gehört aber formal zur Gemeinde Neubiberg, dem – der Ausdruck neu deutet es an – später entstandenen Ort östlich vom historischen Kern.

NPL83

Künstlervereinigung, die von Hakan K., Grosses K, ENZ und CAZ132 gegründet wurde. Schwerpunkte sind Musik und bildende Kunst. NPL steht dabei natürlich für Neuperlach. Die 83 ist nicht das Gründungsjahr, sondern der alte Postleitzahlzusatz für Neuperlach (8000 München 83). Gegründet wurde NPL83 auch „erst“ 1986.

Ottobrunn

Die Gemeinde Ottobrunn hat ihren Namen von Prinz Otto von Wittelsbach. Der damals 17-Jährige war 1832 auf der Reise in sein künftiges Königreich Griechenland. Vor den Toren Münchens, 13 km vom Münchner Marienplatz entfernt, verabschiedete er sich von seinem Vater. Zwei Jahre später wurde an diesem Schauplatz eine dorische Säule errichtet, die an dieses Geschehen erinnert. Die knapp 10 Meter hohe Ottosäule ist heute das Wahrzeichen der Gemeinde und auch im Gemeindewappen abgebildet. Ottobrunn ist also noch verhältnismäßig jung, als politische Gemeinde existiert der Ort gar erst seit 1955.

Putzbrunn

E.T.-Hochhaus in Putzbrunn
E.T.-Hochhaus in Putzbrunn

Die erste Gemeinde hinter der Stadtgrenze in Waldperlach hat ihren ersten Namensbestandteil einem gewissen Puzzi zu verdanken, dessen Sippe sich dort im achten Jahrhundert niederließ. Der gesamte Name bedeutet Brunnen des Puzzi. In der ersten urkundlichen Erwähnung heißt der Ort noch Puzeprunnin. Südöstlich von München, auf der Münchner Schotterebene, musste das Trinkwasser aus mehreren Metern Tiefe geholt werden. Um die errichteten Brunnen bildeten sich Ansiedlungen, daran erinnert in vielen Ortsnamen der hinterer Namensbestandteil brunn.

Ramersdorf

Wohnhaus Rosenheimer Straße/Wilramstraße
Fast wie ein Schloss: Wohnhaus in Ramersdorf (Rosenheimer Straße/Wilramstraße)

Der Stadtteil bildet heute zusammen mit Perlach, Neuperlach und Waldperlach den Stadtbezirk Nummer 16 Ramersdorf-Perlach. Namensgeber war die Familie Rumoltes. Entsprechend lautete der Name ursprünglich Rumoltesdorf. Der Name wurde erstmals 1006 bis 1022 in einer Freisinger Urkundenabschrift erwähnt. Die Endung „-dorf“ deutet aber darauf hin, dass es bereits in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts eine Siedlung gegeben haben könnte, zumal einzelne Mitglieder der Familie seit dem 8. Jahrhundert urkundlich bezeugt sind.

Riem

Diesen Stadtteil kann man wörtlich nehmen und muss sich bei der Herleitung nicht am Riemen reißen. Oder genau doch, denn eben der Begriff Riemen ist Namensgeber, im Mittelhochdeutschen rieme. Der Ortsname bedeutet also schlicht Streifen, spezifischer (schmaler) Ackerstreifen, Gürtel, Kanal, Traufe. Die letzten beiden Deutungen sind die wohl entscheidenden. Denn in Riem tritt der Grundwasserstrom an die Oberfläche. Es gibt aber auch die Theorie, die Höfe des ursprünglichen Ortes seien wie ein Gürtel um die Kirche herumgebaut gewesen. Die erste urkundliche Nennung war 957 bzw. 972 als Riema. Doch bereits um 700 soll ein fränkischer Ritter den Ort gegründet haben.

Im Münchner Südosten und im Umland gibt es sicherlich noch weitere interessante Geschichten hinter Ortsnamen. Dazu vielleicht irgendwann mal in einem weiteren Teil.

Solalinden und Oedenstockach

Hinsichtlich dieser Ortsteile von Putzbrunn, die abgesetzte Dörfer darstellen, habe ich nichts in puncto Namensherkunft gefunden. Bei Solalinden drängt sich etwas mit solar (Sonne) auf, aber das ist nur ein vager Verdacht.

Oedenstockach
Oedenstockach mit dem Wasserturm und der Holzkapelle St. Anna

Taufkirchen

Der Name der Gemeine im Landkreis München leitet sich vom bayerischen Adelsgeschlecht der Taufkircher ab. Die erste Vertreterin des Geschlechts könnte Juditha de Tovkirchen um die Mitte des 12. Jahrhunderts sein (der Ort entsprechend anfangs Tovkirchen). Es gibt aber auch die These, dass die Linie aus der Gefolgschaft des Klosters Tegernsee abstammt. Ob sich der Name des Adelsgeschlechts an den heiligen Johannes der Täufer anlehnt, dafür konnte ich keinen direkten Beleg finden. Es ist aber anzunehmen, da bereits 1052 die Taufkirche St. Johannes der Täufer urkundlich erwähnt wird, die in Taufkirchen liegt.

Trudering

Der Stadtteilname ist auf einen Bauern namens Truchtaro zurückzuführen, der sich dort um 500 mit seiner Sippe niederließ. Im Auftrag seines Grundherrn, wahrscheinlich handelt es sich um den adeligen Fagana, kultivierte er Fluren und errichtete Stallungen. Mit einiger Wahrscheinlichkeit war die erste Siedlungsstätte der Zehentbauernhof in Kirchtrudering oder der Mayrhof in Straßtrudering. Die erste bekannte schriftliche Erwähnung ist 772 als Truhtheringa. Als Schreibweise ist noch Truchteringa bekannt. An den alten Namen erinnert heute noch der Straßenname Truchthari-Anger in Kirchtrudering, an dem im Rahmen eines Bauprojekts Reste einer Kelten-Siedlung aus vorchristlicher Zeit gefunden wurden. Trudering ist also so gesehen viel älter.

Valley

Zu der Gemeinde, die südlich von Aying liegt, gehören u.a. das Dorf Valley und das Dorf Kreuzstraße (Endpunkt der S7). Der Gemeindename hat nichts mit den englischen Wort valley, das Tal bedeutet, gemein. Vielmehr stammt der Name vermutlich von der keltischen Göttin Fallada. Entsprechend wird der Name auch nicht wie das englische valley (Lautschrift: vălē) gesprochen, sondern so, wie man es bei einem deutschen Wort üblich wäre (Lautschrift: faˈlaɪ]).

Vaterstetten

Die Nachbargemeinde von Haar ist mit knapp 25.000 Einwohnern die nach Unterhaching bevölkerungsreichste Gemeinde Bayerns, die weder die Bezeichnung Stadt noch Markt führt. Die erste Vaterstettener Siedlung entstand bereits in der Zeit zwischen 750 und 600 v. Chr. im Ortsteil Purfing. Der Name Vaterstetten leitet sich vom altbajuwarischen Geschlecht der Fater ab, die den Ort gegründet haben.

Wabula

Hochhaus Haar
Hochhaus in Haar in der Münchener Straße als Verlängerung der Wabula (22.08.2010) © Thomas Irlbeck

Selbst viele Münchner stutzen bei diesem Namen, obwohl er in der Lokalpresse oft erwähnt wird. Der Name ist schlicht die Abkürzung für „Wasserburger Landstraße“, die als mehrspurige Hauptstraße Richtung Wasserburg am Inn führt. Am Rand liegen unzählige Läden und Gewerbebauten, diverse Autohäuser prägen das Bild. Sie beginnt in Trudering ab der Kreuzung mit der Bajuwarenstraße als Fortsetzung der Kreillerstraße und läuft in östlicher Richtung. Ab der Stadtgrenze in Haar ändert sich der Namen in Münchner Straße, später – noch in Haar – gibt es eine weitere Namensänderung. Nun heißt sie Wasserburger Straße. Am östlichen Ende von Haar – dass Gebiet gehört zu Grasbrunn – erhält sie ihren alten Namen „Wasserburger Landstraße“ zurück. Am Ortsende in Vaterstetten geht sie in die B 304 über. Auch in Zorneding existiert eine „Wasserburger Landstraße“ (die Wabula gibt es also gleich mehrfach) als Teil der ehemaligen Hauptverbindung München – Wasserburg am Inn. Durch Ortsumgehungen in Zorneding und Ebersberg wurde der Durchgangsverkehr zu großen Teilen ausgesperrt, wodurch die ursprünglich Hauptstraße den Charakter der Verbindung München – Wasserburg am Inn eingebüßt hat.

Quellen

  • Trudering – Waldtrudering – Riem: Münchens ferner Osten / hrsg. von Willibald Karl. Mit Beitr. von Karl Bachmair … – München: Buchendorfer Verl., 2000
  • Pfarrverband Taufkirchen bei München
  • Wikipedia-Seiten der Ortsnamen

Betteln und Hausieren verboten

Betteln und Hausieren verboten
Bitte beachten, es ist verboten!

Der Begriff Hausieren/Hausierer ist im Aussterben begriffen. Man sagt höchstens noch „er ging mit der Idee hausieren“, was aber mit dem klassischen Hausierer nichts gemein hat. An meinem Haus (Baujahr 1971) steht aber noch „Betteln und Hausieren verboten“.

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Wasserburg: Empfang ohne großen Bahnhof – Die „unterbrochene“ Altstadtstrecke und ein Experiment

Schienenbus zwischen Edling und Brandstätt
Schienenbus zwischen Edling und Brandstätt bei einer Sonderfahrt der Freunde Historischer Eisenbahn Mühldorf e. V. (14.09.2008). Foto: GeorgR (de) / Lizenz siehe: Wikipedia

Es ist die Bahnstrecke, an die ich aus meiner Kindheit die stärkste Erinnerung habe – der sogenannte Filzenexpress. Der Name leitet sich aus den früheren Hochmooren (bairisch: Filz) im Ebrachtal ab (nahe Ebersberg), durch das die Strecke führt. Meine Eltern hatten eine Ferienwohnung in Oberbierwang. „Ober… wie bitte“? Es wird Ihnen jetzt wahrscheinlich nicht helfen, wenn ich sage, dass es sich um einen Nachbarort des tiefer gelegenen Ortes Unterbierwang handelt. Erleuchtender ist da schon die Tatsache, dass der Ort in der Nähe von Wasserburg am Inn liegt. Dass im Ortsnamen „Bier“ enthalten ist, fand ich immer lustig. Bei der Fahrt mit dem Automobil zur Ferienwohnung wurde meistens am Burenwirt in Reitmehring gegessen, einem Ortsteil von Wasserburg. Neben dem guten Essen genoss ich es immer, dass der Biergarten unmittelbar an den Gleisen liegt, unweit des Bahnhofs Wasserburg Bahnhof (Reitmehring). Hier kreuzen sich zwei Nebenbahnlinien, eben der Filzenexpress (Grafing – Wasserburg Bahnhof (Reitmehring) – Wasserburg Stadt) und die Bahnstrecke Rosenheim – Mühldorf. Für eine Nebenbahnstrecke war da viel Verkehr, die Stelle ein regelrechter Knotenpunkt, die Schranken gingen laufend runter. Ich schaute immer den Schienenbussen zu.

Damals, in den frühen 1970er-Jahren, war das Bahnfahren nicht mehr schick. Ganz Deutschland war automobil geworden, der autogerechte Stadtteil Neuperlach (der ganz nebenbei auch fußgänger- und fahrradgerecht war, was oft übersehen wird) aus dem Boden gestampft worden. Die Bahn litt an chronischem Fahrgastmangel. Die Schienenbusse sollten die Bahn eigentlich retten, längere Züge mit höherer Kapazität konnte man vielerorts nicht mehr vertreten. Eine andere Bezeichnung für Schienenbus ist daher passenderweise Nebenbahnretter.

Wasserburg am Inn
Foto: Allie_Caulfield / Lizenz siehe: flickr

Die Bahnstrecke Grafing – Wasserburg war zudem eine richtige Bummelbahn. Die vielen unbeschrankten Bahnübergänge und unübersichtlichen Stellen ließen oft nur Mopedgeschwindigkeit und weniger zu. Es war kein Geheimnis, dass die Bundesbahn damals die Strecke am liebsten stilllegen wollte. Dabei war speziell der 1902 eröffnete Abschnitt Reitmehring – Wasserburg spektakulär. Die Bahn fuhr in einem Bogen runter ins Inntal, in die Wasserburger Altstadt. Auf der 4,4 km langen Strecke werden 55 Höhenmeter überwunden. Dabei lief der letzte Streckenabschnitt vor der Altstadt direkt neben dem Inn, kurz vor dem Bahnhof ging es durch einen kurzen Tunnel. Der Blick, die Landschaft, all dies war und ist phantastisch.

Umgebungskarte Wasserburg am Inn
Umgebungskarte Wasserburg am Inn. Die Bahnstrecke zur Altstadt ist hier als gestrichelte Linie eingezeichnet (markiert durch den roten Pfeil). Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

1987 kam der Bundesbahn die Natur zur Hilfe. Nach einem Erdrutsch etwa 1 Kilometer vor dem Stadtbahnhof war die Bahnlinie nicht mehr befahrbar, die Schienen hingen in der Luft. Anstatt die Stelle zu reparieren, tat man: nichts. Man wollte den gesamten Filzenexpress loswerden. Doch es kam anders, auch aufgrund von Bürgerprotesten. Noch heute fährt der Filzenexpress, jetzt mit modernen Zügen der Baureihe 628. Viele Bahnübergänge wurden modernisiert oder aufgelassen. Nun soll sogar ein Stundentakt kommen, hierzu soll der Haltepunkt Steinhöring zu einem Kreuzungsbahnhof umgebaut werden. Allerdings gibt es immer noch unbeschrankte Bahnübergänge und gefährliche Stellen, was entsprechende Langsamfahrstellen bedeutet. Die größte Einschränkung ist, dass die Strecke runter zur Altstadt immer noch unterbrochen ist. Offiziell stillgelegt wurde die Strecke nie, sie gilt tatsächlich nur als „unterbrochen“.

Seit Jahrzehnten wird diskutiert, ob man die Altstadtstrecke wiederherstellen soll. Im Falle einer endgültigen Stilllegung denkt man darüber nach, die Strecke in einen Radweg umzubauen.

Pro und Contra Wiederaufbau Altstadtstrecke

Pro

  • Es ergibt wenig Sinn, eine Bahnstrecke wenige Kilometer vor dem eigentlichen Ziel enden zu lassen. Wer in die Altstadt will, muss den Bus benutzen, was wenig komfortabel ist, auch durch den Zeitverlust durch das Umsteigen, die Zwischenhalte, Umwege und Schleifenfahrten.
  • Die Altstadtstrecke macht Wasserburg für Touristen attraktiver. Es fiele ein Umsteigevorgang weg, die Fahrzeit würde sich verkürzen. Es geht aber nicht nur um eine Fahrzeitverkürzung, sondern auch um die herrliche Landschaft. Der Wert liegt also auch in einem Fahrerlebnis. Es darf nicht immer nur ums liebe Geld gehen. Ich möchte das große Wort Weltkulturerbe nicht überstrapazieren, für mich ist die Bahnstrecke aber so was Ähnliches wie ein Weltkulturerbe, das man erhalten bzw. wiederherstellen sollte. Durch die Bahnstrecke wird Wasserburg einfach in jedweder Beziehung aufgewertet.

Contra

  • Der Altstadtbahnhof hat nur einen geringen Erschließungscharakter. Die Altstadt wird zwar erreicht, aber die hauptsächlichen Wohnquartiere liegen abseits, ebenso das beliebte Spaßbad BADRIA, das Gymnasium und die Spitäler. Für all das braucht man also weiterhin den Bus. Viele der angefahrenen Ziele sind sogar von Wasserburg Bahnhof, also Reitmehring, besser zu erreichen als vom Altstadtbahnhof aus, selbst wenn man Letzteren zu einem optimalen Umsteigebahnhof macht. Zwischen Wasserburg Stadt und Reitmehring führt die Bahnlinie zudem nicht durch erschlossenes Gebiet. Es gibt kaum Wohnhäuser und andere Einrichtungen. Entsprechend würde auch kein Zwischenhalt großartigen Erschließungscharakter aufweisen, dennoch wurde auch eine Variante mit Zwischenhalt in der Antoniussiedlung untersucht (1 km vom Reitmehringer Bahnhof entfernt).
  • Die Bahnstrecke führt durch das Betriebsgelände von Meggle einem milch- und molkeverarbeitenden Konzern in Reitmehring. Meggle hat sich gegen eine Wiederinbetriebnahme ausgesprochen, auch weil man Erweiterungspläne habe, die Bahn wäre dann hinderlich. Die Bahnstrecke im Betriebsgelände ist aber Bahneigentum, Meggle muss faktisch kooperieren. Es wurde aber auch schon geprüft, ob das Betriebsgelände umfahren werden kann.
  • Die Strecke wird als nicht wirtschaftlich angesehen. Bei einer standardisierten Bewertung ergab sich nur ein enttäuschender NKF (Nutzen-Kosten-Faktor) von 0,13 bis 0,2, je nach Szenario. Der Schwellenwert für die Wirtschaftlichkeit liegt bei 1,0. Ein NKF von 1,1 bedeutet z.B., dass der Nutzen 1,1 Mal höher ist als die Kosten. Ein Faktor von >1,0 ist auch Voraussetzung für die Gewährung von staatlichen Fördermitteln.

Der aktuelle Stand

Bahnstrecke Grafing – Wasserburg
Bahnstrecke Grafing – Wasserburg. Bild: Vuxi / Lizenz siehe: Wikipedia

Noch diesen Herbst könnte es eine Entscheidung geben, ob die Strecke reaktiviert wird. Die Reaktivierung würde laut Gutachten „Untersuchung der Reaktivierungsmöglichkeiten der Bahnstrecke Wasserburg Stadt – Wasserburg Reitmehring mit vereinfachtem Projektdossierverfahren zur Standardisierten Bewertung von Verkehrswegeinvestitionen des öffentlichen Nahverkehrs“ (Dokument nicht mehr verfügbar) vom Dezember 2010 etwa 11 Millionen EUR kosten. 2011 beschloss der Wasserburger Stadtrat in Anbetracht der geringen Wirtschaftlichkeit einer Reaktivierung, ein Stilllegungsverfahren einzuleiten. Eine Stilllegung ist aber rechtlich nur möglich, wenn sich kein Unternehmen für den Betrieb der Strecke findet. Inzwischen haben aber zwei Unternehmen Interesse für einen Betrieb bekundet. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass die Stadt Wasserburg nun die Strecke auf eigene Kosten instandsetzen muss. Einer der Interessenten ist die Bayernbahn, die bereits ein grobes Konzept hat: einen Wochenendbetrieb mit den alten Schienenbussen, vor allem für Touristen. Später wäre dann eventuell auch ein täglicher Betrieb möglich.

Das Experiment

Vor zwei Wochen habe ich mir mal die Strecke bzw. das, was von ihr noch übrig ist, im Rahmen einer Radtour angeschaut. Ich wurde gewarnt, die Strecke sei kaum zugänglich, schon gar nicht mit dem Rad abfahrbar. Immerhin sei sie ja 1987 wieder der Natur überlassen worden. Aber Herausforderungen sind ja nicht schlecht. Schaffe ich es vom alten Stadtbahnhof bis zum Firmentor von Meggle?

Bei der Gelegenheit habe ich natürlich auch auf die bestehende Strecke Ebersberg – Wasserburg Bahnhof einen Blick geworfen. Also geht es mit dem Rad erst einmal nach Ebersberg und von dort weiter an der Bahnstrecke entlang.

Bahnstrecke Ebersberg – Wasserburg Bahnhof (Reitmehring)

Die Reihenfolge der Bilder entspricht dem Streckenverlauf in Richtung Wasserburg Bahnhof.

Bahnübergang nahe Steinhöring
Ein Bahnübergang zwischen Ebersberg und Steinhöring (nahe Steinhöring). Hier hat der Feldweg, der beim Einmünden auf die Fahrbahn die Schienen schon fast berührt, eine eigene Warnblinkanlage. Sicher nicht einzigartig, aber auch nicht gerade oft zu sehen (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Stillgelegter Bahnübergang zwischen Tulling und Steinhöring.
Ein offenbar stillgelegter Bahnübergang zwischen Tulling und Steinhöring. Die Stelle ist sehr unübersichtlich (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Unbeschrankten Bahnübergang in Tulling
Neben beschrankten Bahnübergängen gibt es immer noch solche Konstruktionen, nur das Andreaskreuz weist auf die Gefahr hin, eine Warnblinkanlage fehlt. Wir befinden uns direkt im Ortsgebiet von Tulling (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
628 zwischen Tulling und Forsting
Auf der Strecke verkehren Triebwagen der Reihe 628. Zischen Tulling und Forsting kommt uns einer entgegen (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Wasserburg Stadttor
In Wasserburg angekommen, über die Inn-Brücke gefahren und Richtung Altstadt geblickt. Wird diese herrliche Stadt bald wieder einen Schienenanschluss haben? (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Wasserburg Stadttor
Näher dran: das Stadttor, genauer das „Brucktor“(17.08.2012) © Thomas Irlbeck

Bahnstrecke Wasserburg Stadt – Wasserburg Bahnhof (Reitmehring)

Jetzt schauen wir uns nun die alte Strecke beginnend vom Stadtbahnhof an.

Stadtbahnhof Wasserburg
Wir starten am alten Bahnhof. Von der Bahnstrecke ist hier fast gar nichts mehr zu erkennen (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Stadtbahnhof Wasserburg
Ein Blick zurück zum alten Bahnhof. Hier irgendwo lief die Strecke. Man kann den Verlauf nur noch erahnen (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Tunnel Wasserburg
Hier kommen wir der Sache schon näher, denn durch den Tunnel musste das Bähnle ja durch. Aber wo sind die Schienen? (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Tunnel Wasserburg
Der Tunnel wir nun als Rad- und Fußweg genutzt, noch immer sind keine Schienen zu sehen (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Tunnel mit Gleisstück, Wasserburg
Endlich erscheint das erste Stück Schiene. Im Tunnel ragt doch tatsächlich ein Gleisstück aus dem Boden (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Tunnel Wasserburg
Im Tunnel mit Blick Richtung Inn-Ufer, also stadtauswärts. Auch hier kann man die Strecke kaum mehr erahnen (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Tunnel Wasserburg
Der herrliche Tunnel noch einmal mit einem Blick zurück (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Inn-Ufer, Wasserkraftwerk Wasserburg
Hier im Bild rechts lief die Strecke. Man sieht aber fast nichts mehr von ihr. Dafür ist das „Wasserwerk Wasserburg“ unübersehbar (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Inn-Ufer, Wasserwerk Wasserburg
Links das Wasserwerk, rechts sollte irgendwo die alte Strecke sein. An dieser Stelle bin ich mir nicht sicher, ob sie nicht vielleicht wenige Meter weiter rechts ist, da das Gestrüpp praktisch undurchdringlich ist. Laut den alten Karten lief/läuft die Strecke sehr nahe am Inn-Ufer (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Inn-Ufer
Hier wäre es aber nun tatsächlich zu eng für die Bahn. Tatsächlich führt die Strecke unmittelbar neben dem Randstein im Bild rechts. Die Natur hat sich alles zurückerobert. Die Stelle, die man hier sieht, soll eine Art Verladerampe auf freier Strecke gewesen sein, um Großteile, etwa Turbinen oder Transformatoren, zum Inn-Kraftwerk zu bekommen oder von dort wegzutransportieren. Die Kranbahn des Wasserwerks reicht weit genug nach außen, um mit dem Kraftwerkskran Dinge an diese Stelle heben zu können (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Inn-Ufer, Wasserkraftwerk Wasserburg
Inn-Ufer, Wasserkraftwerk Wasserburg (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Gleise Wasserburg
Zwängen wir uns doch mal rein in das Dickicht. Tatsächlich liegen hier Gleise! (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Wasserburg Erdrutsch, schwebende Gleise,
Man könnte dies für die Stelle mit dem Erdrutsch halten. Doch es handelt sich nicht um die Hauptstelle, wie wir noch sehen werden. Die Stelle hier hat es aber ziemlich gleichzeitig erwischt. Neben dieser Stelle soll es noch zwei weitere kleinere Stellen geben, wo sich das Gleisbett verflüchtigt hat (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Wasserburg Erdrutsch, schwebende Gleise
Auf den Gleisen. Zumindest mich tragen sie, ohne dass etwas sichtbar/fühlbar ins Schwingen gerät (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Schild Wasserburg Inn Bank
Regelmäßige Neuperlach.org-Leser kennen dieses Foto bereits aus einem anderen Beitrag). Die Bahnstrecke verlief nur wenige Meter weiter hinten. Das Schild hat mit der Bahnstrecke nichts zu tun, es gehört zur Inn-Schifffahrt und warnt vermutlich vor dem nahen Wasserkraftwerk. Das Schild ist so groß, damit es die Kapitäne auch aus größerer Entfernung sehen können (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Gleise, Wasserburg
Die Gleise in der Nähe der Bank, die wir gerade sahen. Doch sie enden hier. Hier war der eigentliche Erdrutsch. Man hat die Gleise auf einem Teilabschnitt abgetrennt und entfernt (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Gleise, Wasserburg
Hier ist die Abtrennstelle sehr gut zu sehen (17.08.2012) © Thomas Irlbeck
Schlucht, Wasserburg
Jetzt das eigentliche Problem. Vor uns liegt eine recht tiefe Schlucht. Die Stelle ist unüberwindbar, es geht fast senkrecht runter, unten plätschert ein Bach. Auch zu Fuß käme ich hier nicht weiter, es sei denn, ich hätte eine  Bergsteigerausrüstung (17.08.2012) © Thomas Irlbeck

Der Erdrutsch

Wer das vorige Bild ganz genau betrachtet, sieht auf der anderen Seite der Schlucht die Schienen weitergehen (Bildmitte). Da möchte ich eigentlich hin. Aber, das war’s! Das Vorhaben, die ganze Strecke abzufahren, ist erst einmal gescheitert.

Erdrutsch Wasserburg
Die Stelle mit dem Erdrutsch. Da oben geht es weiter nach Reitmehring (10.03.2008) © Michi Greger

Dass man nicht viel sieht, liegt logischerweise daran, dass im Sommer das Grünzeug besonders stark wuchert. Michi Greger aus dem Eisenbahnforum war dagegen 2008 zu einer günstigeren Jahreszeit an dieser Stelle. Vielen Dank an ihn für die Erlaubnis, seine Bilder hier zu zeigen. Auch stammen viele wertvolle Informationen für diesen Artikel von ihm.

Erdrutsch Wasserburg
Die gleiche Stelle oben von der Reitmehringer Seite aus gesehen (10.03.2008) © Michi Greger

Die Gleise sollen nach dem Erdrutsch noch eine Weile in der Luft gehängt sein, dann aber schnell abgetrennt und von der Reitmehringer Seite hochgezogen worden sein. Aufgestapelte, verbogene Gleise sollen oberhalb der Abbruchstelle davon zeugen. Das rechte Bild zeigt übrigens das abgerissene Fernsprechstreckenkabel, es hängt von der rechten Schiene nach unten.

Die Stelle mit dem Erdrutsch demonstriert auch, wieso es überhaupt zu der Zerstörung der Bahnstrecke gekommen ist. Hier fließt ein Bach, nicht mal 50 cm breit und tief, der aber bei Schneeschmelze und heftigem Regen stark anschwellen kann. Nach damals üblicher billiger Lokalbahnmanier hat man auf ein Brückenbauwerk verzichtet und nur einen Damm aufgeschüttet, der unten mit einem kleinen Wasserdurchlauf versehen war. Es ist klar, dass der Durchlauf durch Äste, Blätter, angeschwemmte Erde etc. verstopfen kann. Aus dem Damm wurde dann am Unglückstag ein Staudamm, der den Wassermassen irgendwann nachgab. Mit einem vernünftigen Brückenbauwerk wäre es wohl kaum zu der Zerstörung des Streckenteils gekommen. Bei einem Wiederaufbau sollte daher ein adäquates Brückenbauwerk realisiert werden. Das Gutachten geht auch von einem Brückenbauwerk aus und sieht einen Damm mit Durchlass nur als mögliche Option, die noch zu überprüfen wäre.

Wie auch immer, für mich war an der Stelle mit dem Erdrutsch Endstation, hoffentlich kein schlechtes Omen für die Bahn.

Update 15.10.2016

Gestern bin ich das erste Mal in meinem Leben mit dem Filzenexpress gefahren. Auch wenn ich was darüber geschrieben habe (wie man an diesem Artikel sieht), waren es immer Beobachtungen von außen, aber drin war ich nie.

Ich muss sagen, dass er sehr schnell geworden ist. Man ist gefühlt sehr schnell in Wasserburg. An einigen Stellen fährt er sogar jetzt 80 km/h! Leider gibt es immer noch einige ungesicherte Übergänge an Feldwegen.

Beschleunigt und Stundentakt

Der Einbau eines Ausweichgleises Bahnhof Steinhöring der Strecke ermöglicht jetzt den Stundentakt. (Ab Dezember dieses Jahres wird dieser auch am Wochenende eingeführt.)

Die Fahrt ist landschaftlich sensationell, auch die endlosen lang gezogenen Kurven ermöglichen einen guten Blick nach vorne von den Seitenfenstern aus.

Im MVV!

Das Filzenexpress seit einem Jahr im MVV ist, brauchte ich mir nur eine MVV-Tageskarte für den Außenraum für 6,40 Euro zu kaufen. (Für den Innenraum habe ich eine IsarCard im Abo.)

Das große Problem ist die nach wie vor unterbrochene Altstadtstrecke. Also in Wasserburg Bahnhof auf den Stadtbus warten, da geht viel Zeit verloren. Auch kurvt der Bus überall herum, nur nicht auf direktem Weg in die Altstadt.

Stadtbus Wasserburg Bahnhof-Wasserburg Stadtbahnhof

Der Bus kostet pro Fahrt 1,50 Euro, egal wie weit man fährt. Obwohl die Bahnstrecke zum Stadtbahnhof theoretisch im MVV ist, muss man blechen. Ein Fahrgast versuchte sich, mit einem MVV-Ticket am Buslenker vorbeizuschummeln. Der war aber aufmerksam und rief ihn mit den Worten „Das ist MVV-Ticket. Das habe ich ganz genau gesehen!“ zurück.

Kurios wirkt im Zeitalter der Rationalisierung, dass der Buslenker selbst kassiert. Das gibt es in München seit Urzeiten nicht mehr. Automaten für Busfahrkarten gibt es wohl keine, ich habe zumindest keine gesehen.

Kaum noch Hoffnung für die Altstadtstrecke

Leider gibt es für einen Wiederaufbau der spektakulären Strecke zum Stadtbahnhof seit dem Stilllegungsbescheid des Bayerischen Verkehrsministeriums Anfang 2016 kaum mehr Hoffnung.  Es war eine der schönsten Bahnstrecken Bayerns.

Auch wenn ich weiter oben geschrieben habe, dass der Altstadtbahnhof etwas abseits liegt, muss ich das relativieren. Man ist zu Fuß in wenigen Minuten im Zentrum und erreicht zumindest in der Altstadt alles ausreichend. Das Badria am anderen Inn-Ufer ist natürlich ausgenommen, da bräuchte man den Bus.

Einzige bekannte Zug-Abfahrt aus Wasserburg Stadt (Szene aus TV-Film)