{"id":16138,"date":"2011-07-29T19:38:27","date_gmt":"2011-07-29T17:38:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/?p=16138"},"modified":"2021-09-12T21:58:54","modified_gmt":"2021-09-12T19:58:54","slug":"dieses-rattenloch-ist-kein-zuhause","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/dieses-rattenloch-ist-kein-zuhause\/","title":{"rendered":"&#8222;Dieses Rattenloch ist kein Zuhause&#8220;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_16114\" aria-describedby=\"caption-attachment-16114\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/25082012.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-16114\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/25082012-1024x686.jpg\" alt=\"St. Monika\" width=\"580\" height=\"389\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/25082012-1024x686.jpg 1024w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/25082012-300x201.jpg 300w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/25082012-768x514.jpg 768w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/25082012-1536x1029.jpg 1536w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/25082012-1200x804.jpg 1200w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/25082012.jpg 1572w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16114\" class=\"wp-caption-text\">Das Marx-Zentrum (schwarze H\u00e4user Mitte und rechts) und St. Monika (25.08.2012). Foto: Lesereinsendung<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es gibt Filme, die sieht man sich nur an, weil sie direkt vor der eigenen Haust\u00fcre gedreht wurden. Im Marx-Zentrum. &#8222;Das beste Jahr meines Lebens&#8220; ist so ein Film, der vor kurzem im SWR wiederholt wurde und auch auf <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Das-beste-Jahr-meines-Lebens\/dp\/B000I0RJ9M\/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=1J9C32TIO5UD6&amp;dchild=1&amp;keywords=das+beste+jahr+meines+lebens&amp;qid=1591729359&amp;sprefix=das+beste+jahr%2Caps%2C168&amp;sr=8-1\">DVD<\/a> erh\u00e4ltlich ist. Ausgerechnet auf der Geburtstagsfeier von Laura (gespielt von Christine Neubauer) wird ihr Mann Niklas (Huub Stapel) verhaftet. Der Vorwurf: Kreditbetrug. Es gebe eine anonyme Anzeige, hei\u00dft es. Am Anfang glaubt Laura nur an ein gro\u00dfes Missverst\u00e4ndnis, doch mit jeder Filmminute spitzt sich die Lage zu. Zun\u00e4chst muss Laura ihren Luxus aufgeben. Die M\u00f6belfirma ihres Mannes ist pleite. Auch das luxuri\u00f6se Haus ist futsch. Laura zieht mit ihren beiden Kindern ins Marx-Zentrum, das offenbar eine Entsorgungsst\u00e4tte f\u00fcr gescheiterte Reiche ist (siehe TV-Serie Arme Million\u00e4re). Sohn und Tochter sind von dem heruntergekommenen Hochhausblock gar nicht begeistert. Das Filmteam half ein wenig nach, um von vornherein eine m\u00f6gliche Neuperlach-Liebe zu verhindern \u2013 beim Einzug werden sie von einem \u00fcbel hustenden Penner begr\u00fc\u00dft. Die Tochter bezeichnet das Marx-Zentrum als &#8222;Rattenloch&#8220;.<\/p>\n<h3>\u2026 Rattenloch?<br \/>\nIn &#8222;Das beste Jahr meines Lebens&#8220; bezieht sich das &#8222;beste&#8220; nicht aufs Marx-Zentrum \u2013 im Gegenteil<\/h3>\n<p>Die Kinder rebellieren zun\u00e4chst, f\u00fcgen sich aber letztendlich. Laura freundet sich mit ihrer allein lebenden Nachbarin Ziggy (Sandra Borgmann) an. Die unkonventionelle Frau, die ihr Geld mit Taxifahren und Telefonsex verdient, bringt Laura auf neue Gedanken und findet auch einen Bezug zu den Kindern. Nachdem Laura es auch mit dem Taxifahren versucht hatte, was mit einem kleinen alkoholbedingten Unfall ein j\u00e4hes Ende fand, tritt Laura einen Job als Bedienung in dem verlotterten italienischen Lokal &#8222;La Grotta&#8220; an, das irgendwo in der Innenstadt liegt. Dort wird sie vom Koch angegrabscht. Der ihr zur Hilfe eilende Arbeitskollege Robert (Nicki von Tempelhoff), mit dem sie sp\u00e4ter eine Aff\u00e4re haben wird, bef\u00f6rdert ihn mit einem m\u00e4chtigen Faustschlag ins Spital. Der Koch f\u00e4llt erst einmal f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit aus. Das ist die Chance f\u00fcr Laura und sp\u00e4testens jetzt wird es arg kitschig. Laura steigt zur K\u00fcchenchefin auf und bringt mit Talent und Vollweib-Einsatz das Lokal wieder auf Vordermann. W\u00e4hrenddessen findet Laura heraus, dass ihr Mann nicht nur die Banken betrogen hatte, sondern auch sie. Er hatte ein Verh\u00e4ltnis mit seiner Sekret\u00e4rin. Aber auch das wirft sie nur kurz aus der Bahn.<\/p>\n<figure id=\"attachment_16142\" aria-describedby=\"caption-attachment-16142\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Christine_Neubauer_Berlin_Film_Festival_2011.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-16142\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Christine_Neubauer_Berlin_Film_Festival_2011-200x300.jpg\" alt=\"Christine Neubauer\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Christine_Neubauer_Berlin_Film_Festival_2011-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Christine_Neubauer_Berlin_Film_Festival_2011-682x1024.jpg 682w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Christine_Neubauer_Berlin_Film_Festival_2011-768x1154.jpg 768w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Christine_Neubauer_Berlin_Film_Festival_2011-1022x1536.jpg 1022w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Christine_Neubauer_Berlin_Film_Festival_2011.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16142\" class=\"wp-caption-text\">Christine Neubauer lobt im Film die herrliche Aussicht, die man von den oberen Stockwerken im Marx-Zentrum hat. Foto: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Christine_Neubauer_(Berlin_Film_Festival_2011).jpg\" target=\"_blank\">Siebbi<\/a> \/ Lizenz: <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/3.0\/deed.en\" target=\"_blank\">CC BY 3.0<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Film ist gr\u00f6\u00dftenteils vorhersehbar, und wo er das nicht ist, ist er nicht immer ganz logisch und glaubw\u00fcrdig. Als Laura die Geliebte zur Rede stellt, gibt diese innerhalb von Sekunden nicht nur die Aff\u00e4re zu, sondern auch ohne Not und ohne zu z\u00f6gern, hinter der anonymen Anzeige zu stecken, als Rache, weil Niklas sich nicht ganz f\u00fcr sie entscheiden wollte und eine Trennung von Laura ablehnte.<\/p>\n<p>Letztlich ist der Film nur eine auf Zelluloid gebannte Trivialliteratur-Schnulze mit schw\u00fclstigem Happy-End. Die Charaktere folgen einer strikten Gut-B\u00f6se-Einteilung. Witzige Elemente, die den Film noch in eine Kom\u00f6die retten k\u00f6nnten, findet man so gut wie keine, es sei denn, man interpretiert abgedroschene Szenen, etwa die, in der Lauras spie\u00dfige, reiche Freundin Helene (Andrea L\u2018Arronge) zuf\u00e4llig zum Taxifahrgast wird, als irgendwie komisch. Oder die Einstellung, in der Laura an ihrem ehemaligen Wohnhaus vorbeif\u00e4hrt und wehm\u00fctig das Schild &#8222;Zu verkaufen&#8220; entdeckt.<\/p>\n<p>Ich habe selbst im Marx-Zentrum gewohnt. Ich zog 1974 dorthin, da war das Marx-Zentrum noch eine halbe Baustelle; als 8-J\u00e4hriger sah ich damals mit Freude den Bauarbeitern zu, die die letzten Arbeiten erledigten. So waren die Fu\u00dfg\u00e4nger- und Lieferbereiche noch nicht gepflastert und es war noch kein Laden fertig gestellt. Auf dem nahe gelegenen Sportplatz gab es aber Baracken mit Einkaufsm\u00f6glichkeiten. Heute lebe ich in einem Wohnblock, der fast derselben Architektur unterliegt, also auch &#8222;h\u00fcbsch&#8220; mit schwarzen Platten verkleidet ist. Er schlie\u00dft sich nahtlos, ohne dass auch nur ein Zentimeter dazwischen w\u00e4re, an das Marx-Zentrum an. Man k\u00f6nnte den Bau als eine Art Erweiterung des Marx-Zentrum sehen, der Sch\u00f6nheitsfehler liegt jedoch darin, dass er bereits ein paar Jahre vor dem Marx-Zentrum entstand, so gesehen ist das Marx-Zentrum eher eine Erweiterung meines Wohnblocks. Formal sind beide Wohnanlagen getrennt. Weitere Bauten mit der gleichen Architektur gibt es in Neuperlach keine. Damit will ich sagen, die Bezeichnung &#8222;Rattenloch&#8220; trifft mich ebenso. Immerhin werden die Bezeichnungen &#8222;Marx-Zentrum&#8220; und irgendwelche Stra\u00dfennamen im Film weder erw\u00e4hnt, noch sind entsprechende Schilder zu sehen. Das verringert die Chance, dass man sich am Tag nach solchen Filmausstrahlungen bei Arbeitskollegen und Bekannten f\u00fcr sein Zuhause rechtfertigen muss. Allerdings f\u00e4llt der Name Neuperlach mehrere Male. Ich habe Verst\u00e4ndnis, dass Bewohner sich \u00fcber solche Negativdarstellungen \u00e4rgern. Meinen \u00c4rger unterdr\u00fccke ich damit, dass ich der k\u00fcnstlerischen Freiheit einen sehr hohen Rangwert einr\u00e4ume, auch wenn ich nichts K\u00fcnstlerisches an diesem Film erkennen kann.<\/p>\n<figure id=\"attachment_16141\" aria-describedby=\"caption-attachment-16141\" style=\"width: 240px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/818px-Muenchen_Kleines_Stadtwappen.svg_.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-16141\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/818px-Muenchen_Kleines_Stadtwappen.svg_-240x300.png\" alt=\"Kleines Stadtwappen M\u00fcnchen\" width=\"240\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/818px-Muenchen_Kleines_Stadtwappen.svg_-240x300.png 240w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/818px-Muenchen_Kleines_Stadtwappen.svg_-768x960.png 768w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/818px-Muenchen_Kleines_Stadtwappen.svg_.png 818w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16141\" class=\"wp-caption-text\">Kleines Stadtwappen M\u00fcnchen. Lizenz: Public Domain<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Wahrheit ist, trotz sicher einiger vorhandener Missst\u00e4nde lebt es sich im Marx-Zentrum und drumherum gut. Die Wohnungen haben einen Komfort, wie er von heutigen Neubauten oft nicht mehr erreicht wird. Die schwarzen Geb\u00e4ude (<a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/?p=16088\">seit 2020 wird auf Anthrazit umgestellt<\/a>) mit den vielen gelben Sichtbetonelementen mag man als bedrohlich, un\u00e4sthetisch ansehen. Mit etwas Phantasie findet man in der Gestaltung aber die M\u00fcnchner Identifikationsfarben der Stadtflagge: schwarz-gelb (siehe Abbildung). Aber dass diese das Motiv des Architekten waren, bleibt ein Ger\u00fccht.<\/p>\n<h3>Infos kompakt<\/h3>\n<p><strong>Produktionsjahr:<\/strong> 2005<br \/>\n<strong>Regie:<\/strong> Olaf Kreinsen<br \/>\n<strong>Drehbuch:<\/strong> Georg Heinzen<br \/>\n<strong>Darsteller:<\/strong> Chistine Neubauer, Huub Stapel. Stefan Merki, Andrea L\u00b4Arronge, Sandra Borgmann, Nicki von Tempelhoff<br \/>\n<strong>Spieldauer:<\/strong> 90 Minuten<br \/>\n<strong>FSK 12<br \/>\n<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Filme, die sieht man sich nur an, weil sie direkt vor der eigenen Haust\u00fcre gedreht wurden. Im Marx-Zentrum. &#8222;Das beste Jahr meines Lebens&#8220; ist so ein Film, der vor kurzem im SWR wiederholt wurde und auch auf DVD erh\u00e4ltlich ist. 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