{"id":6966,"date":"2012-01-25T17:01:06","date_gmt":"2012-01-25T16:01:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/?p=6966"},"modified":"2025-12-25T11:22:29","modified_gmt":"2025-12-25T10:22:29","slug":"architektur-und-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/architektur-und-geschichte\/","title":{"rendered":"Architektur und Geschichte in Neuperlach"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_6953\" aria-describedby=\"caption-attachment-6953\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6754992439_cfa3e9eda4_b1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-6953\" title=\"Bild 1\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6754992439_cfa3e9eda4_b1-300x205.jpg\" alt=\"Bild 1\" width=\"300\" height=\"205\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6754992439_cfa3e9eda4_b1-300x205.jpg 300w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6754992439_cfa3e9eda4_b1-150x102.jpg 150w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6754992439_cfa3e9eda4_b1-400x274.jpg 400w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6754992439_cfa3e9eda4_b1.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6953\" class=\"wp-caption-text\">An der Plettstra\u00dfe (ca. 1989). Foto: Bruno Tamborino<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bruno Tamborino hat dankenswerterweise einen hervorragenden Gastbeitrag zur Geschichte und Architektur Neuperlachs geschrieben, speziell zu Neuperlach Nord. Er nimmt uns mit in die Planungen, beschreibt die Philosophie des Stadtteils und die besonderen Umst\u00e4nde wie Zeit- und Kostendruck. Neben allgemeinen Vorgaben und Entscheidungen, was etwa Bauh\u00f6he, Baumaterialien und Baustil betrifft, gibt es die besonderen Entscheidungen und Einrichtungen, die zeigen, dass Neuperlach keine anonyme Betonw\u00fcste ist, sondern lebenswert und praktisch. Der Autor l\u00e4sst uns an der Entstehung der ersten Bauabschnitte teilhaben, stellt die verschiedenen Haustypen vor und l\u00e4sst uns verstehen, warum Neuperlach so aussieht, wie es anfangs aussah und wie es heute aussieht. Etwa warum man die Geb\u00e4ude urspr\u00fcnglich nicht bonbonbunt angestrichen hat und mit welchen Tricks man Restriktionen umging und es dabei dennoch schaffte, diese Ma\u00dfnahmen so zu gestalten, dass f\u00fcr die Bewohner sogar oft ein Mehrwert herauskam. Tamborino beleuchtet auch kritisch neue Entwicklungen, speziell im Hinblick auf Sanierungen der in die Jahre gekommenen Bauten. Entstanden ist ein Artikel, der mehr in die Tiefe geht und keine reine Bildkollektion mit ein paar Anmerkungen aus Bewohner- oder Laiensicht ist, sondern auf vielf\u00e4ltige Aspekte, speziell der Wohnh\u00e4user, eingeht.<\/p>\n<p><em>Thomas Irlbeck<\/em><\/p>\n<p style=\"padding: 2px 6px 4px; color: #555555; background-color: #eeeeee; border: 2px solid #dddddd;\"><strong>\u00dcber den Autor<\/strong> Bruno Tamborino (* 1969) lebte von 1974 bis 1987 in Neuperlach und hat mit starkem Interesse s\u00e4mtliche Bau- und Umgestaltungsma\u00dfnahmen in Neuperlach Mitte und Nord erlebt, heute lebt er in Italien. Er hat ein kleines Privatarchiv, bestehend aus Fotos, Postkarten, Zeichnungen und Baupl\u00e4nen, mit pers\u00f6nlichen Aufzeichnungen und war immer daran interessiert, was aus Perlach Nord am besten werden k\u00f6nnte. Er ist ab der 5. Klasse im Werner-von-Siemens-Gymnasium zur Schule gegangen und war deshalb t\u00e4glich in Perlach Nord unterwegs. 1983 schlug er der Neuen Heimat einen Neuanstrich f\u00fcr ein Haus vor, dieser Vorschlag wurde dann in der lokalen Wochenzeitung HALLO ver\u00f6ffentlicht, aber nicht ausgef\u00fchrt. Er hat auch ein Modell von einem Haus in Neuperlach gebaut und in Neuperlach 1985 ausgestellt und Daten f\u00fcr weitere Modellgeb\u00e4ude gesammelt.<\/p>\n<p>Die folgenden Ausf\u00fchrungen sind auf Neuperlach Nord und Nordost und auf die Planungs- und Baujahre von zirka 1967 bis 1973 beschr\u00e4nkt. Neuperlach Nordost ist nur in seinen Teilen n\u00f6rdlich und westlich des Marx-Zentrum betroffen. Genauer genommen werde ich bestimmte Wohnhausgruppen behandeln, die ja wohl den Charakter Neuperlachs sehr stark pr\u00e4gen und die eine erkennbare architektonische Gruppe innerhalb Perlachs bilden. Es sind H\u00e4user, die an den folgenden Stra\u00dfen stehen: Adolf-Baeyer-Damm, Strehleranger, Nawiaskystra\u00dfe, Quiddestra\u00dfe, Plettstra\u00dfe, Staudingerstra\u00dfe, Albert-Schweitzer-Stra\u00dfe, Heinrich-Wieland-Stra\u00dfe, Siegfried-Mollier-Stra\u00dfe, Karl-Marx-Ring (bis zur ersten Kurve im Norden), Kurt-Eisner-Stra\u00dfe (der n\u00f6rdliche Teil).<\/p>\n<p>Diese Ausf\u00fchrungen haben aber zum Teil auch in neueren Teilen Neuperlachs (Ost, West und zum Teil auch Therese-Giehse-Allee) ihre G\u00fcltigkeit. Ich werde von hier ab einfach \u00fcber &#8222;Perlach&#8220; schreiben, wo ich die oben genannten Geb\u00e4ude, Stra\u00dfen und Ortsteile identifizieren will, damit es besser lesbar ist.<\/p>\n<p>Zeitlich werde ich mich auf den Erbauungszustand und die Zeit bis Ende der 1970er-Jahre beschr\u00e4nken, da es bei den vielen, einschneidenden Ver\u00e4nderungen der folgenden Jahre unm\u00f6glich w\u00e4re, die Logik des Ganzen zu rekonstruieren.<\/p>\n<p>Ganz Neuperlach ist gr\u00f6\u00dftenteils ein Produkt des &#8222;Ma\u00dfnahmentr\u00e4gers Neue Heimat Bayern, gemeinn\u00fctzige Gesellschaft mit beschr\u00e4nkter Haftung&#8220; (1986 nach Skandalen aufgel\u00f6st), die ich einfach NH nennen werde. Die NH hat den Stadtplan vorgegeben, die Position der H\u00e4userbl\u00f6cke und viele Wohnh\u00e4user geplant, und auch andere Strukturen, z.B. die Einkaufs-Subzentren, entstammen ihrer Planung. Bei markanteren Komplexen, zum Beispiel beim Marx-Zentrum, kamen auch andere Architekten zu Wort, deren Projekte dann aber nicht immer wie vorgesehen ausgef\u00fchrt wurden, weshalb sie sich manchmal von ihren Werken distanzierten (siehe Architekt Bernt Lauter und den Wohnring).<\/p>\n<h3>Charta von Athen<\/h3>\n<p>Perlach wurde entsprechend den Prinzipien der &#8222;Charta von Athen&#8220; aus den 1930er-Jahren geplant, die eine Reaktion auf die kapitalistischen &#8222;Mietskasernen&#8220; des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war. Diese Mietskasernen wurden in gro\u00dfer Zahl in allen St\u00e4dten von privaten Unternehmern gebaut, sie hatten eine reiche Stuckfassade zur Stra\u00dfe, aber hinter der sch\u00f6nen Fassade wurde das Grundst\u00fcck und das Haus dann mit Wohnungen, R\u00e4umen, Betrieben und entsprechend mit Leuten bis zum Geht-nicht-mehr gef\u00fcllt. Es fehlte deshalb ganz entschieden an Licht, Luft, Sonne und Hygiene.<\/p>\n<p>Um diese Situation zu beheben, entwickelten einige ber\u00fchmte Architekten ab den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts bis in die 1930er-Jahre eine v\u00f6llig neue Konzeption des Wohnungsbaus, bei dem schlichte, vielst\u00f6ckige, funktionelle Geb\u00e4ude auf die &#8222;gr\u00fcne Wiese&#8220; gebaut wurden, mit gesunden Wohnungen, die licht-, luft- und sonnendurchflutet sein sollten, mit modernen, hygienischen Einrichtungen f\u00fcr jede einzelne Wohnung und Stahlbeton als Baumaterial, der einige Jahrzehnte fr\u00fcher noch unbekannt war und ganz neue Baum\u00f6glichkeiten gab. Die H\u00e4user sollten die Wohnzimmer nach S\u00fcden und Westen (f\u00fcr die Abendsonne) ausgerichtet haben, die Schlafzimmer nach Osten (Morgensonne) oder eventuell Norden (auch Badfenster, Treppenh\u00e4user u.\u00e4.). Also nicht mehr &#8222;die sch\u00f6nste Fassade zur Stra\u00dfe hin&#8220;, sondern alles nach den Himmelsrichtungen gebaut.<\/p>\n<p>Diese Baukonzeption hatte in den 1960er-Jahren schon einige M\u00e4ngel und Erneuerungstendenzen gezeigt, war aber zur Zeit der Planung Perlachs noch aktuell (bis sie Mitte der 1970er-Jahre \u00fcberholt war zugunsten kleinerer, urbanerer, weniger anonymer Baugestaltungen). Diese Bauauffassungen wurden also bei der Planung Perlachs angewendet, verbunden mit den Bauauflagen der Stadt M\u00fcnchen, die damals als Mindestabstand zwischen zwei H\u00e4usern die Summe deren Fassadenh\u00f6he vorschrieb (bei 25 Metern H\u00f6he x 2 = 50 Meter Abstand). Den Stadtplanern Perlachs war von Anfang an klar, dass diese Bauauflage das Stadtbild zwangsl\u00e4ufig monoton machen w\u00fcrde, sie konnten aber nichts daran \u00e4ndern.<\/p>\n<h3>Besonderheit: Balkonbr\u00fccken<\/h3>\n<figure id=\"attachment_6954\" aria-describedby=\"caption-attachment-6954\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6756762981_e79887cba5_b1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-6954\" title=\"Balkonbr\u00fccken\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6756762981_e79887cba5_b1-300x87.jpg\" alt=\"Balkonbr\u00fccken\" width=\"300\" height=\"87\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6756762981_e79887cba5_b1-300x87.jpg 300w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6756762981_e79887cba5_b1-150x43.jpg 150w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6756762981_e79887cba5_b1-400x116.jpg 400w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6756762981_e79887cba5_b1.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6954\" class=\"wp-caption-text\">Balkonbr\u00fccken. Links: Plettstra\u00dfe, rechts: Albert-Schweitzer-Stra\u00dfe, N\u00e4he L\u00e4tarekirche. Zeichnung in der Mitte: Durch die fehlenden Balkonbr\u00fccken im Erdgeschoss werden Durchg\u00e4nge geschaffen. Fotos und Zeichnung: Bruno Tamborino<\/figcaption><\/figure>\n<p>Anscheinend haben sie als Einziges den Trick erarbeitet, H\u00e4userbl\u00f6cke \u00f6fters durch &#8222;Balkonbr\u00fccken&#8220; zu verbinden. In diesem Fall stehen die H\u00e4user normalerweise sechs Meter distanziert und sind durch eine Mauer ohne dahinterliegende Wohnr\u00e4ume verbunden. Vor dieser Beton-Verbindungsmauer laufen die Balkone.<\/p>\n<p>Entsprechend befindet sich nur an der Stirnseite des Balkons eine Balkont\u00fcr zur Wohnung. Der Zweck dieser seltsamen Balkone war offensichtlich, zwei H\u00e4userbl\u00f6cke offiziell zu einem zu machen, man brauchte so keine Abst\u00e4nde mehr einzuhalten. Auch ergeben sich zus\u00e4tzliche oder gr\u00f6\u00dfere Balkone, eventuell erzielte man noch einen Sicht- und Windschutz. Die Balkone k\u00f6nnen nat\u00fcrlich von den jeweiligen Wohnungseigent\u00fcmern und -mietern genutzt werden, eine gehbare verbindende Funktion von Haus zu Haus haben sie aber nicht, da sie keinen Laubengang oder dergleichen darstellen.<\/p>\n<p>Auch ergeben sich (bis auf eine Ausnahme) auf diese Weise Stellen, wo man die H\u00e4userzeilen im Erdgeschoss zu Fu\u00df durchqueren kann, da die Verbindungsmauer im Erdgeschoss fehlt und sich so ein Durchgang ergibt.<\/p>\n<p>Im Vergleich zu den frei stehenden H\u00e4usern \u00e4lterer Wohnsiedlungen aus den 1950er- und 1960er-Jahren wurden hier die Geb\u00e4ude zu l\u00e4ngeren Zeilen zusammengestellt, um damit den Eindruck von st\u00e4dtischen Stra\u00dfenz\u00fcgen entlang der Fu\u00dfg\u00e4ngerwege zu erzielen, dies hat aber aus verschiedenen Gr\u00fcnden (Dimensionen, Erdgeschossnutzung, Vegetation, Abstandsbestimmungen) nie die gew\u00fcnschte urbane Atmosph\u00e4re erzielt.<\/p>\n<h3>Anflugschneise Riem dr\u00fcckte die zul\u00e4ssige Bauh\u00f6he<\/h3>\n<p>Die hier behandelten Teile Perlachs befinden sich auch unter der Anflugschneise (Anfluglinie der Jets) des ehemaligen Flughafens &#8222;M\u00fcnchen Riem&#8220;, deshalb durften die Geb\u00e4ude die H\u00f6he von 25 Metern nicht \u00fcberschreiten, und bei dem h\u00f6chstgelegenen Wohnraum, dessen Fu\u00dfboden mehr als 22 Meter \u00fcber dem Grund liegt, h\u00e4tte man zus\u00e4tzliche Bauauflagen, etwa abgeschirmte Fluchttreppenh\u00e4user beachten m\u00fcssen, die zu Mehrkosten gef\u00fchrt h\u00e4tten. Deshalb haben alle betroffenen Geb\u00e4ude maximal acht Obergeschosse, ein bewohntes Erdgeschoss sowie ein Kellergeschoss (mit Ausnahme von vier zehnst\u00f6ckigen Punkth\u00e4usern am Ostpark; das hier nicht n\u00e4her behandelte Marx-Zentrum und Teile s\u00fcdlich und \u00f6stlich davon liegen bereits au\u00dferhalb der Einflugschneise, dort wurden 35 Meter Bauh\u00f6he und punktuell auch mehr erlaubt, sodass bis zu 17 Stockwerke gebaut wurden).<\/p>\n<h3>Fu\u00dfwegsystem<\/h3>\n<p>Die Planer Perlachs wollten ein Fu\u00dfwegsystem verwirklichen, das v\u00f6llig von den Stra\u00dfen getrennt sein sollte, und dies wurde mit Wegen, Br\u00fccken und Unterf\u00fchrungen auch konsequent gebaut. Sie waren sehr stolz auf diese neue Konzeption, und bestimmt sind die H\u00e4user Perlachs vorrangig f\u00fcr ein Erleben von diesen Fu\u00dfg\u00e4ngerwegen geplant und wesentlich weniger von den Stra\u00dfen, weshalb man Perlach zu Fu\u00df besser zu sch\u00e4tzen lernt.<\/p>\n<h3>Olympia tat M\u00fcnchen gut, nicht Neuperlach<\/h3>\n<p>Die Stadt M\u00fcnchen baute gleichzeitig mit Perlach ab Mitte der 1960er-Jahre auch die ersten U-Bahn- und S-Bahn-Linien f\u00fcr und mit dem Olympiapark, all dies musste 1972 fertig sein (mit den Problemen, die w\u00e4hrend des Baues unweigerlich entstanden) und hatte seine negativen Konsequenzen auf Perlach. Am bekanntesten wurden die Probleme mit dem transparenten Olympiapark-Zeltdach, das die vorher gesch\u00e4tzten Kosten um das 20-fache (!) \u00fcberschritt. Anscheinend war es Geld, das in Neuperlach h\u00e4tte investiert werden sollen und dann hier weggespart wurde. Man k\u00f6nnte wohl sagen, dass sich die Stadt damals mit diesen beiden Gro\u00dfprojekten \u00fcbernommen hatte.<\/p>\n<h3>Aber was ist ein Haus in Perlach?<\/h3>\n<p>Ein Haus kann man als den Bau bezeichnen, bei dem zwei oder drei (bei &#8222;H\u00e4userzeilen&#8220;) oder vier bis sechs Wohnungen (bei &#8222;Punkth\u00e4usern&#8220;) um ein Treppenhaus gruppiert sind, und dieser so entstandenen Grundriss ist dann drei bis neunmal in die H\u00f6he wiederholt. Ausnahmsweise ist das Erdgeschoss oder das oberste Geschoss etwas anders gestaltet, z.B. hat es einen Durchgang (wie bei den Wohnbl\u00f6cken des Quidde-Zentrum), eine Durchfahrt (an der Nawiaskystra\u00dfe), technische R\u00e4ume oder oben gro\u00dfz\u00fcgigere Terrassenwohnungen.<\/p>\n<p>Aus den oben zuerst erw\u00e4hnten H\u00e4usern kann man H\u00e4userzeilen gruppieren, sie haben nur an der Vorder- und R\u00fcckseite Fenster, deshalb stehen die jeweiligen H\u00e4user meist geradlinig Wand an Wand und sind nur durch eine d\u00fcnne bautechnische Dehnfuge (eine vertikale sichtbare Linie an der Wand) getrennt. Sie haben immer eine Eingangs-\/Treppenhausseite, diese normalerweise ohne Balkone (nach Osten oder Norden gerichtet) und gegen\u00fcber eine Balkon-\/Wohnzimmerseite ohne Eingang (nach S\u00fcden oder Westen gerichtet). Die k\u00fcrzesten H\u00e4userzeilen sind zwei H\u00e4user lang, die l\u00e4ngste ist zw\u00f6lf lang (die Wohnh\u00e4user des Quidde-Zentrum). Einige H\u00e4userzeilen sind durch die erw\u00e4hnten &#8222;Balkonbr\u00fccken&#8220; an andere H\u00e4userzeilen gekoppelt, nur bei diesen Balkonbr\u00fccken oder aber bei Winkelungen einer H\u00e4userzeile kann sich der Grundrisstyp in einer Zeile \u00e4ndern. Manche H\u00e4userzeilen haben Endh\u00e4user, die eine Variante des Standardhaustyps sind. Dabei k\u00f6nnen Fenster oder Balkone anstatt an der \u00fcblichen Seite des Hauses an der Stirnwand liegen, damit das Ganze besser aussehen soll (was in der Tat auch der Fall ist) oder um aus den Wohnungen eine bessere Aussicht zu haben. Der Wohnungsgrundriss ist in diesen F\u00e4llen aber selten anders als im Standardhaus und im Fall der F\u00e4lle nur marginal, es k\u00f6nnen dann auch Badfenster vorhanden sein. H\u00e4user dieses Typs (Zeilenh\u00e4user) gibt es in Perlach als Ziegelmauerwerk-Geb\u00e4ude (alle von der NH geplante H\u00e4user sind so gebaut) und als Geb\u00e4ude, die aus in Werken vorgefertigten Betonplatten vor Ort montiert wurden (Plattenbauweise). Plattenbau war damals hochmodern und rationell, die Ziegelbautechnik der NH war da eher traditionell.<\/p>\n<p>Punkth\u00e4user dagegen sind H\u00e4user, die mindestens vier Wohnungen um ein Treppenhaus haben und die nicht Wand an Wand gebaut werden k\u00f6nnen, da sie auf allen Seiten Fenster haben und somit keine Au\u00dfenwand fensterlos sein kann. Man kann sie h\u00f6chstens durch relativ schmale Streifen der Au\u00dfenmauer an andere H\u00e4user ankoppeln, aber fast alle in Perlach stehen frei. Viele Punkth\u00e4user sind Geb\u00e4ude, die in Plattenbauweise gebaut wurden, abgesehen von diesen gibt es in Perlach nur zwei andere Haustypen aus Ziegelmauerwerk. Beide Typen kann man \u00f6stlich der Heinrich-Wieland-Stra\u00dfe sehen (n\u00f6rdlich des Karl-Marx-Rings eines, s\u00fcdlich davon den anderen Typ), zwei weitere H\u00e4user stehen an der Kurt-Eisner-Stra\u00dfe. Auch die Punkth\u00e4user haben eine Eingangs-\/Treppenhausseite und eine gegen\u00fcberliegende Seite, die die meisten und gr\u00f6\u00dften Balkone und Wohnzimmerfenster hat. Das Treppenhaus schaut immer nach Norden, w\u00e4hrend die Wohnungen und dementsprechend die Wohnzimmerfenster und Balkone auf alle anderen Himmelsrichtungen, prinzipiell S\u00fcd, gef\u00e4chert sind.<\/p>\n<p>Alle H\u00e4user sind in der ganzen Fl\u00e4che unterkellert (Betonbauweise). Die Keller wurden nach kollektiven (Waschkeller, Fahrradraum) und individuellen (Abstellr\u00e4ume) Bestimmungen aufgeteilt. Die Hauseing\u00e4nge wurden entsprechend den damaligen Angewohnheiten sehr schlicht und \u00f6de gestaltet, es wurde nie Wohnraum f\u00fcr die Eing\u00e4nge geopfert und auch die Materialien waren sehr schlicht. Das war damals auch au\u00dferhalb Perlachs g\u00e4ngige Praxis, auch wenn es heute sehr st\u00f6rt und verbessert werden sollte. Alle H\u00e4user haben Hochparterre, damit die Kellerfenster direkt Licht bekamen und man so die Wohnungen im Erdgeschoss vor indiskreten Blicken sch\u00fctzte.<\/p>\n<p>Die W\u00e4rmed\u00e4mmung (heutzutage als die Au\u00dfenarchitektur sehr beeinflussende &#8222;Sanierung&#8220; nachtr\u00e4glich ausgef\u00fchrt) gab es schon von Anfang an, wenn auch weniger ausget\u00fcftelt, die effizient profilierten Fensterrahmen waren aus lackiertem Holz (innen immer wei\u00df, au\u00dfen wei\u00df, anthrazit oder farbig), sie hatten Doppelgl\u00e4ser, die in zwei aneinandergekoppelte Fensterrahmen eingebaut waren und Alu-Fensterb\u00e4nke. Die Ziegelmauern wurden als Nordau\u00dfenmauern dicker gebaut, 36 cm dick, anstatt den \u00fcblichen 30 cm. Tragende Innen- und Au\u00dfenmauern, bei denen keine Isolierung notwendig war, sind 24 cm dick, abgesehen von den 10 cm dicken Innentrennw\u00e4nden. Die H\u00e4user in Plattenbauweise waren wohl weniger ged\u00e4mmt, aber ich bin fast sicher, dass da eine Styropord\u00e4mmschicht in den Betonfertigplatten eingelassen war.<\/p>\n<h3>Aber welche waren die Entstehungsphasen in Perlach?<\/h3>\n<p>Anfang der 1960er-Jahre beschloss die Stadt M\u00fcnchen, die Wohnungsnot, die der Bev\u00f6lkerungswachstum w\u00e4hrend des Wirtschaftswunders erzeugt hatte \u2013 abgesehen von den im Krieg zerst\u00f6rten oder einfach \u00fcberalterten Wohnungen \u2013 mit dem Bau von mehreren \u00f6ffentlich gef\u00f6rderten &#8222;Entlastungsst\u00e4dten&#8220; zu l\u00f6sen, deren gr\u00f6\u00dfte eben Neuperlach wurde, das innerhalb der Jahre von zirka 1968 bis 1990 auf eine riesige freie Ackerfl\u00e4che gebaut wurde. Es wurde zum gr\u00f6\u00dften Bauprojekt Deutschlands, vielleicht Europas, und sollte schon deshalb eine andere historische Bewertung bekommen, als es derzeit hat.<\/p>\n<p>Wie alle so schnell gewachsenen St\u00e4dte konnte Neuperlach nat\u00fcrlich nicht problemlos sein, weder beim Bauen noch beim Planen, noch beim Wohnen und auch nicht beim Zusammenleben.<\/p>\n<p>Die erste, lange Phase war der Grundst\u00fccksumschlag, bei dem die Acker gekauft und die Fl\u00e4chen v\u00f6llig anders zusammengelegt wurden und dann verschiedenen neuen Nutzungsbestimmungen zugewiesen wurden, etwa Wohnen, Arbeit, Freizeit, Gewerbe, Verkehr u.a. Danach wurden die Infrastrukturen &#8222;auf die gr\u00fcne Wiese&#8220; gebaut, das hei\u00dft Stra\u00dfen, Wasser und Abwassersystem (dieses hat die Entstehungsphasen des neuen Stadtteils bestimmt), Strom, Fernw\u00e4rme usw., dann kamen die Tram (1970) und sp\u00e4ter die U-Bahn (1980) dazu.<\/p>\n<p>Die ersten Wohnh\u00e4user entstanden 1967, das allererste bewohnte Wohnhaus war meines Wissens ein Punkthaus an der Kreuzung Quiddestra\u00dfe\/Plettstra\u00dfe N\u00e4he L\u00e4tarekirche.<\/p>\n<p>Aber wenn man sich die wenigen historischen Fotos anschaut, kann man unschwer erkennen, dass ganze Nachbarschaften gleichzeitig fertig waren, das hei\u00dft, der Baurhythmus war sehr hoch, er lag im Bereich von zirka 1.000 Wohnungen pro Jahr!<\/p>\n<h3>Und wie wurden die Wohnh\u00e4user Perlachs geplant?<\/h3>\n<p>Der Prozess ist nicht ganz einfach zu rekonstruieren, ich m\u00f6chte mich auf die H\u00e4user der NH beschr\u00e4nken, alles fand innerhalb einer Gesellschaft statt, die &#8222;Neue Heimat Bayern&#8220;, Tochtergesellschaft der Neuen Heimat mit Sitz in Hamburg, die auf dem Kapital der f\u00fchrenden deutschen Gewerkschaften basierte und das gr\u00f6\u00dfte Bauunternehmen Europas war. Wegen der extremen Gr\u00f6\u00dfe des Unternehmens gab es bestimmt \u00dcberschneidungen in den Kompetenzen, die Namen der Planer sind leider unbekannt geblieben, es hei\u00dft da einfach &#8222;Planungsabteilung Neue Heimat Bayern&#8220;.<\/p>\n<h3>Einfl\u00fcsse<\/h3>\n<p>Man erkennt auf alle F\u00e4lle in der NH-Wohnarchitektur Einfl\u00fcsse des &#8222;Brutalismus&#8220; der 1960er-Jahre (siehe Werke vom Architekt James Stirling) in der Balkongestaltung und anderen Details, eine Geometrie nach den Ideen des Bauhauses in der Gesamtgestaltung und besonders in der Position der Fenster\u00f6ffnungen innerhalb des Mauerwerks (nicht als L\u00f6cher in der Mitte einer Mauer, sondern als Aussparungen in den Ecken der Fl\u00e4chen), aber alles ist eher sch\u00fcchtern und vorsichtig in die Praxis umgesetzt. Alle Bauten sind theoretisch endlos in Serie baubar, es gibt keine Bauten, die einmalig f\u00fcr eine Position geplant wurden, h\u00f6chstens Standardplanungen, die einem Ort ein wenig angepasst werden mussten.<\/p>\n<h3>Planung<\/h3>\n<p>Es wurden also in der Planungsabteilung zuerst einmal Wohnbed\u00fcrfnisse festgelegt und auf deren Basis ein kompletter und detaillierter Grundriss geplant, aus dem man H\u00e4user in die H\u00f6he und bei den meisten davon dann auch H\u00e4userzeilen in die L\u00e4nge zusammenstellen konnte. Diese Grundrisse richteten sich nach strengen Regeln, es musste mit dem minimalen Aufwand das Maximum an Wohnkomfort und nutzbarer Fl\u00e4che geschaffen werden. Praktisch ausnahmslos durfte ein Raum nur ein Fenster oder alternativ eine Fenstert\u00fcr haben, die Klosetts wurden als getrennter Raum im Eingangsbereich eingebaut, denn es gab getrennte Badezimmer ohne WC, damit verschiedene Familienmitglieder gleichzeitig beide sanit\u00e4ren Einrichtungen benutzen konnten. Beide Sanit\u00e4rr\u00e4ume waren ohne Fenster, nur die Badezimmer, die sich an den Stirnw\u00e4nden der H\u00e4userzeilen befinden, bekamen (aber nicht bei allen Grundrissen) ein kleines Fenster.<\/p>\n<h3>Die besonderen Aufz\u00fcge<\/h3>\n<p>Was weiter auff\u00e4llt, ist die Position der Aufz\u00fcge. Diese sind fast immer am Ende der (in zwei Rampen geteilten) Treppen gegen\u00fcber den Wohnungst\u00fcren eingeplant, damit man mit der H\u00e4lfte der Aufzugst\u00fcren an den Stockwerken auskam, das hei\u00dft, nur alle zwei Stockwerksh\u00f6hen gibt es eine Aufzugst\u00fcr, man muss dann eine Rampe, das hei\u00dft ein halbes Stockwerk, hinauf- oder heruntergehen. Das Konzept war aber nicht nur auf Kosteneinsparung ausgelegt, sondern auch in sich stimmig und hoch effizient, ohne dass es f\u00fcr die Bewohner Nachteile brachte. Da die Aufz\u00fcge im Erdgeschoss starten und nicht im Hochparterre, bedeutet es f\u00fcr die Leute, dass sie im Erdgeschoss die halbe Treppe sparen. Somit muss man keine einzige Treppenstufe mehr steigen wie in anderen H\u00e4usern, wo der Aufzug zwar in jedem Stock h\u00e4lt, man aber erst ins Hochparterre raufsteigen muss. Auch ersparte man sich Fahrstuhlsch\u00e4chte, die deutlich h\u00f6her als das Haus selbst waren, wodurch man eventuell nur so unter der erlaubten 25-Meter-Grenze blieb. Augenscheinlich konnte man nur auf diese Weise in Neuperlach Nordost innerhalb der Einflugschneise \u00fcberhaupt 9 Geschosse realisieren! Die hier erw\u00e4hnte L\u00f6sung mit einem Aufzugsmaschinenraum, der ein halbes Stockwerk \u00fcber die normale Haush\u00f6he herausragt, und mit auf halber Stockwerksh\u00f6he haltenden Aufz\u00fcgen ist aber nur eines von mehreren Konzepten. In Perlach wurden auch andere Varianten realisiert, mit einem Aufzugsmaschinenraum, der oben mit dem Hausdach b\u00fcndig abschlie\u00dft (hier h\u00e4lt der Aufzug das letzte Mal zwischen den Stockwerken 6 und 7, sodass man vom Aufzug aus noch 1,5 Stockwerke raufsteigen muss, um ins oberste Stockwerk zu gelangen; vor allem eine Reihe von Wohnblocks in Neuperlach Nordost weisen dieses Merkmal auf), oder mehr als ein ganzes Stockwerk h\u00f6her ist als die allgemeine Dachfl\u00e4che. Es gibt seltener auch Aufz\u00fcge, die in jedem Stockwerk (und nicht auf halber H\u00f6he) halten.<\/p>\n<h3>Stockwerksh\u00f6he, Wohnfl\u00e4che<\/h3>\n<p>Die Stockwerksh\u00f6he der NH-H\u00e4user ist inklusive Decke 262,5 cm, auch die Grundrisse sind auf den halben cm genau geplant und die Raumh\u00f6he ist deshalb zirka 2,40 Meter. Fenster, Innent\u00fcren, Wohnungst\u00fcren, Treppen, Kellert\u00fcren und -fenster wurden standardisiert (pro Haustyp und zum Teil f\u00fcr alle Haustypen durchgehend) und wurden schlicht und zweckm\u00e4\u00dfig geplant, mit einfachen, gro\u00dffl\u00e4chigen, fast belanglosen Fenster- und T\u00fcrgestaltungen. Im Allgemeinen waren aber die Eigentumswohnungen etwas gro\u00dfz\u00fcgiger ausgestattet.<\/p>\n<p>Was auch noch auff\u00e4llt, ist die Wohnfl\u00e4che, zumindest bei den NH-Wohnungen. Sie ist f\u00fcr 2-Zimmer-Wohnungen ganz knapp unter 60 Quadratmeter, f\u00fcr 3-Zimmer-Wohnungen knapp unter 75 Quadratmeter, f\u00fcr 4-Zimmer-Wohnungen knapp unter 90 Quadratmeter. Das kann ich mir nur damit erkl\u00e4ren, dass innerhalb dieser Grenzen die Wohnungen ein Anrecht auf \u00f6ffentliche F\u00f6rdermittel hatten. Deshalb sind vor allem Badezimmer, K\u00fcchen und alle Schlafzimmer sehr \u00e4hnlich in ihrer Fl\u00e4che, man konnte da wenig variiert planen. Dies ist wohl der Grund, weshalb man auch bestimmte Elemente in der Au\u00dfenarchitektur (wie bestimmte Fenster-Bauvolumen-Kombinationen) wiederholt sieht. Die Wohnfl\u00e4che wurde berechnet, indem man die Mauern und sogar 3 % Putz von der Bruttofl\u00e4che einer Wohnung abzog und die Balkone zu 50 % berechnet wurden. Bei den wenigen freifinanzierten Eigentumswohnungen mussten diese Grenzen nicht eingehalten werden, aber die Grundrisse waren dennoch oft einfach Ableitungen der Grundrisse \u00f6ffentlich gef\u00f6rderter Wohnungen. Man kann an den H\u00e4userzeilen ganz klar f\u00fcnf Grundrisstypen der NH herauslesen, die auch au\u00dfen gut zu identifizieren sind, vier von f\u00fcnf dieser Typen haben zwei Wohnungen (3- oder 4-Zimmer-Wohnungen) pro Treppenhaus, sie werden auch &#8222;Zweisp\u00e4nner&#8220; genannt, der f\u00fcnfte hat drei Wohnungen (zwei 3-Zimmer-Wohnungen und eine 2-Zimmer-Wohnung) und wird als ein &#8222;Dreisp\u00e4nner&#8220; bezeichnen. Dieser Dreisp\u00e4nner wurde bis viele Jahre sp\u00e4ter in mehreren Varianten gebaut (siehe z.B. Wohnring, Therese-Giehse-Allee, N\u00e4he Graf-Zentrum (<a href=\"#p1\">Postkarte 1, Bild C<\/a>), aber auch beim Olympiazentrum M\u00fcnchen, in Haar und in Martinsried). Die NH-Punkth\u00e4user sind Mauerwerks-Geb\u00e4ude, die sich auf einen Typus und zwei H\u00e4user beschr\u00e4nken und sie haben vier Wohnungen pro Stockwerk.<\/p>\n<p>Zu jedem dieser Grundrisse wurden Fensterrahmen-Aufteilungen vorgeschlagen und auch Balkongestaltungen. Die Balkongestaltung betraf die Form der Balkone, die Balkonbr\u00fcstungen und die Sonderelemente Blumentr\u00f6ge, Sichtschutzw\u00e4nde und Sichtschutzgitter. Die Br\u00fcstungen haben bei allen NH-H\u00e4usern einen gro\u00dfen Schlitz zwischen Balkonboden und Br\u00fcstung, fast ein Markenzeichen der Planer. Es wurden auch die Anwesenheit, Dimension und Position des rechteckigen Beton-Blumentrogs, eventueller h\u00f6herer Betonw\u00e4nde oder Betongitter als Sicht- und Windschutz entschieden, und auch das typische Balkongel\u00e4nder aus eloxiertem Aluminium, in Rechtecke mit zwei waagrechten Streifen aufgeteilt, war immer vorgesehen. Die mehrfach waagrechte Aufteilung der Br\u00fcstungen sorgte daf\u00fcr, dass die Balkone offener und niedriger und deshalb die Stockwerke weniger gedrungen aussahen. Diese sind die Elemente, die die H\u00e4user am st\u00e4rksten charakterisieren, abgesehen von den ausgepr\u00e4gten, rhythmischen Vor- und R\u00fcckspr\u00fcngen der Fassaden, die eine willkommenen Konsequenz der streng rationellen Grundrissplanungen war.<\/p>\n<p>Nachdem die Planungsabteilung diese gut geplanten und gut funktionierenden Grundrisse ausgearbeitet hatte (die aber nicht nur f\u00fcr den Bau Perlachs dienen sollten), wurden die H\u00e4userbl\u00f6cke zusammengestellt, wobei anscheinend bis zum Ende Detaill\u00f6sungen, wie die definitive Gestaltung der Balkonbr\u00fcstungen oder die Fensterrahmen-Aufteilung, ge\u00e4ndert wurden. Bestimmt wurden die Elemente, die den &#8222;Standard&#8220; darstellten, mit viel M\u00fche und Engagement geplant, um trotz der vielen Beschr\u00e4nkungen das Beste daraus zu machen, w\u00e4hrend man bei Sondersituationen eher oberfl\u00e4chlich war.<\/p>\n<h3>Ausf\u00fchrung<\/h3>\n<p>Die letzte und vielleicht problematischste Phase war die Ausf\u00fchrung. Es kam da nochmals zu Detail\u00e4nderungen gegen\u00fcber der Planung, aber vor allen Dingen zu L\u00f6sungen von Problemen, die bei der Planung einfach nicht behandelt worden waren. Es sind dabei Details (wie die Badezimmerfenster an den Stirnseiten der H\u00e4user) betroffen, Kontaktstellen zwischen zwei H\u00e4userzeilen, aber auch die Balkonbr\u00fccken.<\/p>\n<p>Da waren meiner Ansicht nach nicht immer Profis an Werk, es waren sehr wahrscheinlich nicht die Planer, denn hier wurde vieles schlampig oder nach anderen Architekturprinzipien gel\u00f6st, und der Eindruck von lieblos gebauten H\u00e4usern kam auf. Mir fiel z.B. ein Balkongel\u00e4nder an der Balkonbr\u00fccke der H\u00e4userzeile an der Siegfried-Mollier-Stra\u00dfe auf, das umgedreht eingebaut ist. Es kann aber auch die Konsequenz von hartem Zeitdruck, Personalmangel bei den Bauleitern und\/oder von extrem rigorosen Kosteneinschr\u00e4nkungen gewesen sein.<\/p>\n<h3>Farbgestaltung<\/h3>\n<p>Nochmals getrennt wurde die Farbgestaltung von einem Bauk\u00fcnstler behandelt, der als Basis folgendes vorsah: hellgrau f\u00fcr den Putz (die Regel, mit wenigen Ausnahmen), wei\u00df f\u00fcr alle glatten Betonelemente, wei\u00df f\u00fcr die meisten Fensterrahmen, anthrazit f\u00fcr die Kellerw\u00e4nde, durchgehende vertikale anthrazitfarbige Streifen f\u00fcr Treppenhausfenster und deren Zwischendecken. Die Treppenh\u00e4user selbst konnten sowohl wei\u00df als auch hellgrau sein. Es gab dann farbige Fl\u00e4chen in den R\u00fcckspr\u00fcngen der Eingangsfassaden oder an den Hausw\u00e4nden innerhalb der Balkone. Oft hatten in diesem Fall Fensterrahmen und die umgebende Wand dieselbe Farbe oder es wurden waagrechte oder auch senkrechte Streifen gemalt, um Fenstergruppen zu verbinden, typisch hierf\u00fcr waren anthrazitfarbene Fl\u00e4chen, die die wei\u00dfen Wohnzimmerfenster zu vertikalen Streifen verbanden. Es gab au\u00dferdem z.B. anthrazitfarbene Fensterrahmen mit ockerfarbenen Br\u00fcstungen, blaugraue Fensterrahmen innerhalb einer Wand derselben Farbe, graugr\u00fcne Fensterrahmen mit grau-lila Verbindungsstreifen u.a.<\/p>\n<p>Viele Treppenfenster wurden schon gegen Mitte der 1970er-Jahre wei\u00df umgestrichen, das war wohl praktischer instandzuhalten, und recht bald begann man auch, die verputzten Aufzugsr\u00e4ume auf den D\u00e4chern zus\u00e4tzlich zu verschalen. Sandfarbe oder Ockergelb als Basisfarbe gab es bei nur wenigen H\u00e4usern.<\/p>\n<h3>Bautypen<\/h3>\n<p>Eine genauere Betrachtung der NH-Bautypen zeigt, dass sie, abgesehen von einem Punkthaustyp, alle Zeilenhaustypen sind. Es gibt aber nicht nur die NH-Wohnh\u00e4user, sondern auch eine Vielfalt von H\u00e4usern, die von anderen Bauunternehmern geplant und gebaut wurden, die ich aber nicht so ausf\u00fchrlich behandeln kann wie die NH-H\u00e4user. Ich kann da nur die Baugesellschaft &#8222;Terrafinanz&#8220; und kirchliche Bautr\u00e4ger erw\u00e4hnen, abgesehen von anderen mir unbekannten Privatgesellschaften.<\/p>\n<p>Ein Typ Plattenbau-Punkthaus ist in zwei verschiedenen H\u00f6hen wiederholt vorzufinden (drei H\u00e4user n\u00f6rdlich der Quiddestra\u00dfe beim Seniorenheim Georg-Brauchle-Haus und weitere drei H\u00e4user s\u00fcdlich der Quiddestra\u00dfe, N\u00e4he L\u00e4tarekirche); ein Zeilenhaus mit drei Wohnungen pro Treppenhaus in Plattenbauweise, das dem oben genannten NH-Dreisp\u00e4nner sehr \u00e4hnelt, ist auch wiederholt vorhanden (N\u00e4he St\u00e4ndlerstra\u00dfe als neunteilige, am Adolf-Baeyer-Damm als zweiteilige, an der Kurt-Eisner-Stra\u00dfe als vierteilige und auch als zweimal zweiteilige H\u00e4userzeilen). Wegen seiner vielen Detaill\u00f6sungen, die den NH-L\u00f6sungen gleichen, k\u00f6nnte man auch ihn als einen NH- Bautyp ansehen. Zw\u00f6lf Mal (in zwei fast gleichen Varianten) ist ein Platten-Punkthaus gebaut worden, immer n\u00f6rdlich der Quiddestra\u00dfe und des Karl-Marx-Rings. Auch bei diesem Typ kann ich eine NH-Planung nicht ausschlie\u00dfen, da er schon lange vor dem Baubeginn Perlachs auf NH-Zeichnungen genau dargestellt wurde. Am Adolf-Baeyer-Damm steht ein gro\u00dfer H\u00e4userzeilenkomplex mit Waschbetonfassaden, bei dem praktisch nur ein einziger Fenstertyp eingebaut wurde, seine monotonen Fassaden sind durchgehend horizontal gestreift.<\/p>\n<h3>Fassadengestaltung<\/h3>\n<p>Ich m\u00f6chte noch auf eine sehr oft verbreitete Fassadengestaltung hinweisen, die man als einzige Alternative zu den oben genannten zw\u00f6lf Platten-Punkth\u00e4usern n\u00f6rdlich der Quiddestra\u00dfe und des Karl-Marx-Rings sieht (<a href=\"#p1\">Postkarte 1, Bild E<\/a>), sie ist in verschiedenen H\u00f6hen, dementsprechend mit oder ohne Aufzug, vorzufinden. Sie hat geradel\u00e4ufige oder wenig gegliederte Fassaden (das hei\u00dft ohne die f\u00fcr NH-typischen starken vertikalen Vorspr\u00fcnge), die durchgehend waagrecht gestreift sind, mit Streifen auf der H\u00f6he der Fenster in grauem Spritzputz, die H\u00f6he der Br\u00fcstungen in wei\u00dfem, platten Putz. Auch die wei\u00dfen Betonbalkone sind schlicht und b\u00fcndig zu dem Gesamtvolumen der H\u00e4user, als Ausnahme sieht man nur die Treppenh\u00e4user als vertikale Elemente, ihre Stirnseiten sind fensterlos und ungegliedert.<\/p>\n<p>Bei diesen H\u00e4userzeilen ist es schwieriger, das einzelne Haus aus der Zeile herauszulesen, es sieht wie ein einziges langes Haus aus. Vier zehnst\u00f6ckige Punkth\u00e4user sind unmittelbar am Ostpark vorzufinden (Staudingerstra\u00dfe), sie haben rundum wei\u00dfe Balkone und graublaue Fassaden und teilen sich in zwei fast gleich aussehende Typen auf, einer von diesen hat \u00fcberall dunkle Holzfensterrahmen mit Erkerfenstern an der S\u00fcdseite, der andere hat gro\u00dfe Wohnzimmer-Fenstert\u00fcren aus silbernen Alu. Solche H\u00e4user stehen praktisch gleich \u2013 sie sind nur wenige Jahre \u00e4lter (1963-69) \u2013 im Cosimapark, direkt vor dem Hallenbad, in einer eleganten Wohnanlage (Architekt: Ernst Barth).<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend sei gesagt, dass mehrere Plattenbauh\u00e4user, die nicht von der NH geplant wurden, als Farbbasis nicht Grau, sondern Sandfarbe hatten, aber sie sind architektonisch extrem schlicht und schmucklos, im Vergleich dazu sind die NH-H\u00e4user wesentlich charakteristischer und besser gestaltet. Da die NH vor allen Dingen \u00f6ffentlich gef\u00f6rderte Wohnungen gebaut hat (mit problematischeren Einwohnerschichten), die Privaten hingegen auf dem freien Markt zu vermietende Wohnungen (mit weniger sozialen Problemen bei den Einwohnern), war der Ruf der Wohngebiete in Proportion zu deren architektonischer Qualit\u00e4t aber komischerweise genau umgekehrt.<\/p>\n<h3>Formen in Perlach<\/h3>\n<p>In Perlach sind fast alle H\u00e4user rechteckig, im Grundriss und in den Fassaden. Da gibt es \u00fcberhaupt keine Dreiecksformen oder Bogenformen, und das hat mit dem \u00fcberwiegend grauen Putz bestimmt viel zur Kritik an dieser Architektur beigetragen. Die einzigen Ausnahmen hierin sind der Grundriss des Quidde-Zentrum und der Block mit freifinanzierten Eigentumswohnungen zwischen Plett-Zentrum und L\u00e4tarekirche, der sowohl abgewinkelte Grundrisselemente als auch geneigte Treppenhausd\u00e4cher hat. Auch das NH-Punkthaus hat nur zwei leicht geneigte Wohnzimmermauern hinter rechteckigen Balkonen.<\/p>\n<h3>Typ N. 5<\/h3>\n<p>Der am weitesten verbreitete Grundrisstyp in Perlach ist der Dreisp\u00e4nner (zwei 3-Zimmer-Wohnungen und eine 2-Zimmer-Wohnung pro Treppenhaus), den ich Typ N. 5 nenne. Dieser insgesamt symmetrische Bautyp ist in der sehr langen H\u00e4userzeile des Quidde-Zentrum neun Mal vorhanden, bei der L\u00e4tarekirche mit Terrassenwohnungen und zus\u00e4tzlichen Balkonen an der Eingangsseite vier Mal, ganz in der N\u00e4he an der Albert-Schweitzer-Stra\u00dfe in drei niedrigeren H\u00e4userzeilen insgesamt sechs Mal, an der Siegfried-Mollier-Stra\u00dfe in zwei gekoppelten, \u00e4hnlichen H\u00e4userzeilen, drei plus f\u00fcnf Mal (beide mit Terrassenwohnungen, aber in einer Zeile mit einer asymmetrischen Variante der mittleren Wohnung), zwischen Heinrich-Wieland-Stra\u00dfe und Kurt-Eisner-Stra\u00dfe vier Mal mit Atelierwohnungen.<\/p>\n<p>Die Varianten sind folgend beschrieben und kommen untereinander in immer wieder verschiedenen Kombinationen vor: das Treppenhaus kann \u00fcber das Haus herausragen oder mit dem Dach b\u00fcndig sein, in zwei F\u00e4llen liegt der Aufzug vorne am Treppenhaus, normalerweise ist er rechts davon eingebaut. Auch die Gestaltung der Teilbedachung der Wohnungsterrassen ist in zwei Varianten vorzufinden und nur bei den oben genannten asymmetrischen Mittelwohnungen sind die Seitenw\u00e4nde ihrer Balkone nicht als Eckschutz gestaltet, wie sonst immer bei diesem Typ.<\/p>\n<p>Man erkennt diesen Dreisp\u00e4nner generell am besten an seinen Balkonbr\u00fcstungen, alle mit Blumentr\u00f6gen und mit charakteristischen, m\u00e4chtigen Ecksichtschutzplatten, die bis eine Handspanne unter der dar\u00fcber liegenden Decke reichen. Die Wohnzimmerseite ist frontal voll mit Balkonen &#8222;bedeckt&#8220; wobei die mittlere Wohnung deutlich aus dem Hausprofil herausragt.<\/p>\n<p>Dieser Grundriss kann alternativ einen Raum als Diele oder als Kinderzimmer in den Seitenwohnungen haben, man erkennt die Variante aber von au\u00dfen (durch die Fenster der Eingangsseite) nicht. In vier jeweils gepaarten Wohnungen (zwischen Kurt-Eisner-Stra\u00dfe und Heinrich-Wieland-Stra\u00dfe) wurden die Elternschlafzimmer des Obergeschosses mit gro\u00dfen Fenstern und davorliegendem Balkon als Ateliers besonders gestaltet. Alle Terrassenwohnungen im obersten (achten) Geschoss entstanden aus dem Wegfall der mittleren, kleineren Wohnung, deren Fl\u00e4che in gleich gro\u00dfe Terrassen f\u00fcr die Seitenwohnungen aufgeteilt wurde. Endh\u00e4user bekamen das Schlafzimmerfenster an ihre Stirnseite anstatt an der Eingangsseite, sofern es aber dann nicht nach Norden schaut.<br \/>\nWo die Obergeschosse Sonderl\u00f6sungen haben, wie Terrassenwohnungen oder Atelierwohnungen oder wo Balkone an der Eingangsseite vorhanden sind, ist dieser Typ mit zu den sch\u00f6nsten H\u00e4usern Perlachs geworden.<\/p>\n<h3>Typ N. 1<\/h3>\n<p>Ein weiterer Typ ist der Zweisp\u00e4nner N. 1 mit zwei 4-Zimmer-Wohnungen. Dieser Typ ist in einer H\u00e4userzeile im Bereich zwischen Plettstra\u00dfe und Quiddestra\u00dfe drei Mal und zwischen Plettstra\u00dfe und Plett-Zentrum nochmals drei Mal vorhanden. Er zeichnet sich als einziger Typ durch die gro\u00dfen Balkone und Fenster an der Eingangsseite aus, w\u00e4hrend die Balkone an der Wohnzimmerseite relativ klein sind. Es gibt bei diesen wenigen H\u00e4usern keine Varianten im Grundriss im Erd- oder Obergeschoss, au\u00dfer einer Balkonbr\u00fccke (<a href=\"#p1\">Postkarte 1, Bild A<\/a> und <a href=\"#p2\">Postkarte 2, Bild B<\/a>). Die hier erstgenannte H\u00e4userzeile war eines der ersten Geb\u00e4ude Perlachs, das gegen 1980 mit Braun als Basisfarbe neubemalt wurde.<\/p>\n<h3>Typ N. 2<\/h3>\n<p>Der Zweisp\u00e4nner N. 2 hat wiederum zwei 4-Zimmer-Wohnungen, die aber sehr kleine Kinderzimmer haben (was auf die Dauer zu beengend geworden ist). Dieser Bautyp hat eine sehr stark profilierte Eingangsseite, mit vertikalen &#8222;Schluchten&#8220;, in denen sich die gro\u00dfen Dielenfenster befinden. Die K\u00fcchenfenster schauen hier nicht zur Vorderseite, sondern seitlich weg, eine solche L\u00f6sung gibt es nur bei diesem Typ. Die Balkonseite hat fast die ganze Breite bedeckende, aber in der Mitte zur\u00fcckgesetzte Balkone, bei denen die Balkonbr\u00fcstungen als belebendes Element seitlich jeweils zirka 30 cm frei aus den Balkonen herausstehen. Wo sich die Balkonfl\u00e4chen der beiden Wohnungen ber\u00fchren, wurde ein zentrales Betongitter als frontales, zus\u00e4tzliches Trennelement auf die Br\u00fcstung gesetzt. Die Balkone sind als einzige der NH-Haustypen auf vertikale Betonelemente gebaut, die vor Ort gegossen wurden. Alle anderen Balkone sind ausschlie\u00dflich aus Fertigteilen gebaut.<\/p>\n<p>Dieser Typ ist im Quidde-Zentrum in der sehr langen H\u00e4userzeile drei Mal zu sehen, ganz nahe bei der Quiddestra\u00dfe zwei Mal, zwischen Quiddestra\u00dfe und Plettstra\u00dfe in zwei niedrigeren H\u00e4userzeilen insgesamt sechs Mal, an der Kurt-Eisner-Stra\u00dfe in einer H\u00e4userzeile zwischen den oben genannten Dreisp\u00e4nnern zwei Mal, und hier wiederum in drei weiteren H\u00e4userzeilen, kombiniert mit dem Plattenbau-Dreisp\u00e4nner, drei Mal, zwei Mal und noch zwei Mal.<\/p>\n<p>Bei den niedrigeren H\u00e4usern zwischen Quiddestra\u00dfe und Plettstra\u00dfe und an der Kurt-Eisner-Stra\u00dfe wurde der Aufzug seitlich versetzt an die Hauswand gestellt, anstatt vor das Treppenhaus, was den Gesamteindruck zur Asymmetrie ver\u00e4ndert, vielleicht wollte man hiermit das Tiefenma\u00df der Geb\u00e4ude reduzieren. Auch bei diesem Haustyp gibt es bemerkenswerterweise sowohl das h\u00f6here Treppenhaus als auch das mit dem Hausdach b\u00fcndig abschlie\u00dfende Treppenhaus. Es sieht fast aus, wie wenn man damit experimentieren wollte, oder es k\u00f6nnte mit leichten H\u00f6henunterschieden im Baugrund zu tun haben, bei denen das h\u00f6here Treppenhaus \u00fcber die erlaubte H\u00f6he gegangen w\u00e4re. Obwohl sich die Badezimmer an den Stirnw\u00e4nden befinden, gibt es hier nie Badfenster, vielleicht wegen der Rohrsch\u00e4chte, die an der Stirnwand liegen. Einige dieser H\u00e4user haben aber ein zus\u00e4tzliches quadratisches Wohnzimmerfenster, um die Stirnseiten zu beleben.<\/p>\n<h3>Typ N. 3<\/h3>\n<p>Der Zweisp\u00e4nner N. 3 hat zwei 3-Zimmer-Wohnungen und ist der kleinste Grundrisstyp. Er \u00e4hnelt an der Vorderseite dem oben genannten Dreisp\u00e4nner, ist aber kompakter und weist an der R\u00fcckseite gro\u00dfe \u00c4hnlichkeiten mit dem Zweisp\u00e4nner N. 1 auf, von dem er mit M\u00fche nur durch die kleinere Dimension und die Fensterrahmenaufteilung der Wohnzimmer zu unterscheiden ist. All dies erkennt man sehr gut entlang der (ehemaligen) &#8222;Spielstra\u00dfe&#8220; zwischen Plettstra\u00dfe und Quiddestra\u00dfe, wo diese Zweisp\u00e4nner N. 1 und N. 3 nebeneinander in zwei H\u00e4userzeilen stehen. An der Vorderseite hat der Zweisp\u00e4nner N. 3 aber nie Balkone, da sieht man nur die gepaarten, quadratischen Kinderzimmerfenster und die Schlafzimmerfenster, abgesehen von den gro\u00dfen, frontalen Treppenhausfenstern. Er hat au\u00dfer einer einzigen (vor Ort gegossenen; an der Quiddestra\u00dfe) Balkonbr\u00fccke nie Varianten, aber an den Stirnseiten weist dieser Bautyp immer Badfenster auf.<\/p>\n<p>Er steht in einer H\u00e4userzeile zwischen Plettstra\u00dfe und Quiddestra\u00dfe f\u00fcnf Mal, an der Quiddestra\u00dfe als niedrigere Zeile drei Mal, an der Plettstra\u00dfe dominant neben dem Plett-Zentrum sieben Mal in einer achtst\u00f6ckigen H\u00e4userzeile.<\/p>\n<p>Dieser Typ ist wohl nur als Mietwohnung gebaut worden.<\/p>\n<h3>Typ N. 4<\/h3>\n<p>Der Zweisp\u00e4nner N. 4 ist in nur zwei gekoppelten H\u00e4userzeilen, eine dreiteilige und anschlie\u00dfend eine f\u00fcnfteilige, zwischen Quiddestra\u00dfe (bei der L\u00e4tarekirche), Plett-Zentrum und Albert-Schweitzer-Stra\u00dfe vorzufinden. Er ist schon hierin, aber auch wegen seiner Gestaltung und Strukturierung eine Ausnahme in ganz Neuperlach und vielleicht sogar in M\u00fcnchen, wo meines Wissens keine \u00e4hnlichen Bauten vorzufinden sind.<\/p>\n<p>Von au\u00dfen ist der Haustyp in den Standardstockwerken streng symmetrisch, w\u00e4hrend die Wohnungen eine 3-Zimmer-Wohnung und eine 4-Zimmer-Wohnung sind, deren viertes Zimmer befindet sich in der Mitte des Grundrisses hinter dem Treppenhaus und wurde einfach mit einer Innent\u00fcr dieser Wohnung zugeteilt. Dieser Zweisp\u00e4nner vom Typ N. 4 hat eine Reihe von Merkmalen: Sowohl die Eingangs- als auch die Wohnzimmerseite haben mit Ausnahme der Breite des mittleren Zimmers und des Treppenhauses durchgehende Balkone, diese sind in zirka 45\u00b0-Winkel bei der Mitte des Hauses abgeschlossen und die Br\u00fcstungen ber\u00fchren hier die Hausw\u00e4nde. Auch die Wohnzimmerw\u00e4nde sind im 45\u00b0-Winkel gebaut, und die Treppenhausd\u00e4cher sind geneigt. An der Eingangsseite sieht man Betongitter an den Balkonen, und das Treppenhaus ist nur bei diesem Zeilenhaustyp ganz in den Hausgrundriss eingelassen. Im obersten Stockwerk befinden sich au\u00dfergew\u00f6hnliche, gro\u00dfe Terrassenwohnungen, die sich \u00fcber zwei Wohnungen von zwei nebeneinanderliegenden H\u00e4usern erstrecken. Nur die Endh\u00e4user k\u00f6nnen wegen dieser Struktur keine Terrassenwohnungen haben, hier wurden bis ins Obergeschoss Standardwohnungen gebaut. Alles ergibt eine recht komplexe Struktur, die aber theoretisch endlos wiederholt werden kann und immer zu einer ungeraden Hausanzahl f\u00fchrt. Die Terrassenwohnungen sind gro\u00dfz\u00fcgig und haben teilbedeckte gro\u00dfe asymmetrisch eingebaute Terrassen, was aber auf der Wohnzimmerseite wegen einem durchgehenden Blende-Abschlussbalken kaum zu sehen ist. Da sie die Fl\u00e4che von zwei Wohnungen belegen, geht nur jedes zweite Treppenhaus bis ganz oben, um jeweils zwei gespiegelte Terrassenwohnungen zu erschlie\u00dfen, die anderen Treppenh\u00e4user brauchen das oberste Stockwerk nicht zu erreichen. Das sieht man von au\u00dfen an einer unverwechselbaren Hoch-Tief-Alternanz der Treppenh\u00e4user.<\/p>\n<p>Es f\u00e4llt auf, dass die H\u00e4user auf den ersten Blick an den Zeilenenden halbiert aussehen, da jeweils zwei gespiegelte Wohnungen in aneinanderstehenden Nachbarh\u00e4usern ein komplett aussehendes Balkonmotiv bilden. Dieser Typ zeichnet sich auch durch besonders gro\u00dfz\u00fcgige Verglasungen auf der Wohnzimmerseite aus, mit den gro\u00dfen Balkonen ergibt sich deshalb eine sehr &#8222;offene&#8220; Architektur. Es bildet sich au\u00dferdem an der Wohnzimmerseite aus dem Zusammenspiel von schr\u00e4ger Wohnzimmerwand und ebenfalls schr\u00e4gen Balkonbr\u00fcstungen ein wiederholtes, sch\u00f6nes &#8222;Wellenmotiv&#8220;, oder &#8222;Zylindermotiv&#8220;, auf doppelten Ebenen (Mauern und Balkone), das an den Stirnseiten aber abrupt endet und an den Endh\u00e4usern auch nach oben schlecht gestaltet ist. Insgesamt ist es aber ein gut gestalteter Typ, der in den Baudetails dem Standard Perlachs entspricht, aber aus einer ganz anderen, vielleicht \u00e4lteren Konzeption stammt.<\/p>\n<p>Die Stirnseiten haben immer Badfenster, die in eine vertikale, leichte Mauernische eingelassen sind. Ein einziges der vier Endh\u00e4user ist eine leichte Variante des Standardtyps mit \u00c4nderungen am Kinderzimmerfenster und -Grundriss und mit einer Balkonbr\u00fccke, da an dieses Haus gleich zwei H\u00e4userzeilen anschlie\u00dfen. Die f\u00fcnfteilige H\u00e4userzeile hat ein Geschoss weniger als die dreiteilige, sie steht h\u00f6her und w\u00e4re vielleicht mit dem bei diesem Typ \u00fcber-stockwerkshohen Aufzugsmaschinenraum \u00fcber die H\u00f6henbeschr\u00e4nkung hinausgegangen.<\/p>\n<p>Diese H\u00e4userzeilen wurden ausschlie\u00dflich als freifinanzierte Eigentumswohnungen gebaut und 1970 mit dem &#8222;Ehrenpreis f\u00fcr guten Wohnungsbau&#8220; ausgezeichnet, sie erhielten 1982 als erste H\u00e4user Perlachs einen damals schockierenden Neuanstrich. Aus dem Grau wurde ein Rosa mit Balkonen in Wei\u00df mit Rosastich, der heute noch gleich ist.<\/p>\n<h3>Bildteil<\/h3>\n<p><a ><\/a><\/p>\n<h4 id=\"p1\">Postkarte 1<\/h4>\n<figure id=\"attachment_6944\" aria-describedby=\"caption-attachment-6944\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694846195_24356779fe_b1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6944 size-full\" title=\"Postkarte 1\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694846195_24356779fe_b1.jpg\" alt=\"Postkarte 1\" width=\"1024\" height=\"733\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694846195_24356779fe_b1.jpg 1024w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694846195_24356779fe_b1-300x214.jpg 300w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694846195_24356779fe_b1-150x107.jpg 150w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694846195_24356779fe_b1-400x286.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6944\" class=\"wp-caption-text\">Postkarte 1 (ca. 1981); 8000 M\u00dcNCHEN NEUPERLACH \u2013 Modernes Wohnzentrum im Osten M\u00fcnchens. Vertrieb: Schreibwarengesch\u00e4fte im Marx-Zentrum \u2013 Graf-Zentrum \u2013 Plett-Zentrum. Links unten ist \u00fcbrigens die Eisdiele (Container) an der Plettstra\u00dfe zu sehen, die 2016 abgerissen wurde<\/figcaption><\/figure>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6946 alignleft\" title=\"t1\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/t1.jpg\" alt=\"t1\" width=\"199\" height=\"138\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/t1.jpg 199w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/t1-150x104.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><small>Bild A: Eingangsseite von Typ N. 1 und Stirn-\/Eingangsseite von Typ N. 5 beim Plett-Zentrum<br \/>\nBild B: Oskar-Maria-Graf-Ring von der Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke gesehen in Richtung Nord<br \/>\nBild C: Dieselbe Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke und neuere Variante des Typs N. 5, Richtung West<br \/>\nBild D: Wohnzimmerseite von Typ N. 1 an der &#8222;Spielstra\u00dfe&#8220; mit Caf\u00e9 und Sandgrube<br \/>\nBild E: Platten-Punkthaus und gestreifte Wohnzimmerseiten n\u00f6rdlich des Karl-Marx-Rings<br \/>\nBild F: Marx-Zentrum von S\u00fcd<\/small><\/p>\n<h4 id=\"p2\">Postkarte 2<\/h4>\n<figure id=\"attachment_6945\" aria-describedby=\"caption-attachment-6945\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694845441_ea30168748_b1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6945 size-full\" title=\"Postkarte 2\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694845441_ea30168748_b1.jpg\" alt=\"Postkarte 2\" width=\"1024\" height=\"693\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694845441_ea30168748_b1.jpg 1024w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694845441_ea30168748_b1-300x203.jpg 300w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694845441_ea30168748_b1-150x101.jpg 150w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694845441_ea30168748_b1-400x270.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6945\" class=\"wp-caption-text\">Postkarte 2 (ca. 1981); 8000 M\u00dcNCHEN NEUPERLACH \u2013 Modernes Wohnzentrum im Osten M\u00fcnchens. Vertrieb: Schreibwarengesch\u00e4fte im Marx-Zentrum \u2013 Graf-Zentrum \u2013 Plett-Zentrum<\/figcaption><\/figure>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6947 alignleft\" title=\"t2\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/t2.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"138\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/t2.jpg 200w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/t2-150x103.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/p>\n<p><small>Bild A: Kreuzung zwischen Karl-Marx-Ring und Kurt-Eisner-Stra\u00dfe\/Hugo-Lang-Bogen<br \/>\nBild B: Eingangsseite Typ N. 1, rechts Typ N. 5, Hintergrund links Typ N. 3, vor Plett-Zentrum. Ganz rechts am Parkplatz angeschnitten: B\u00fcrohaus Albert-Schweitzer-Stra\u00dfe<br \/>\nBild C: Graf-Zentrum von Ost<br \/>\nBild D: Graf-Zentrum von Nord, im Hintergrund Eingangsseiten von Varianten des Typs N. 5<br \/>\nBild E: Zwischen Sudermann-Zentrum und Oskar-Maria-Graf-Ring, rechts Wohnzimmerseite der Variante von Typ N. 5, die auf Bild D rechts sichtbar ist.<\/small><\/p>\n<h4 id=\"b1\">Bild 1<\/h4>\n<figure id=\"attachment_6953\" aria-describedby=\"caption-attachment-6953\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6754992439_cfa3e9eda4_b1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6953 size-full\" title=\"Bild 1\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6754992439_cfa3e9eda4_b1.jpg\" alt=\"Bild 1\" width=\"1024\" height=\"703\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6754992439_cfa3e9eda4_b1.jpg 1024w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6754992439_cfa3e9eda4_b1-300x205.jpg 300w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6754992439_cfa3e9eda4_b1-150x102.jpg 150w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6754992439_cfa3e9eda4_b1-400x274.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6953\" class=\"wp-caption-text\">An der Plettstra\u00dfe (ca. 1989). Das Titelbild vom Artikelanfang. Foto: Bruno Tamborino<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Wohnzimmerseite des Typs N. 5 mit den am sch\u00f6nsten gestalteten Terrassenwohnungen, rechts Stirn- und Wohnzimmerseite Typ N. 1. Die helle Fl\u00e4che zwischen den H\u00e4usern ist die R\u00fcckseite einer Balkonbr\u00fccke, die urspr\u00fcnglich waagrechte Schlitze hatte (<a href=\"#p1\">Postkarte 1, Bild A<\/a>). Beide H\u00e4user sind in der zweiten Bemalung von 1980-82, die gelungen war und der Originalbemalung stark \u00e4hnelte. Die Basisfarbe war also nicht mehr Grau, sondern Braun und Graubraun, die Balkone waren zweifarbig (hellgrau\/wei\u00df).<\/em><\/p>\n<h4 id=\"b2\">Bild 2<\/h4>\n<figure id=\"attachment_6942\" aria-describedby=\"caption-attachment-6942\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694843609_7e1120d1a4_b1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6942 size-full\" title=\"Bild 2\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694843609_7e1120d1a4_b1.jpg\" alt=\"Bild 2\" width=\"1024\" height=\"642\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694843609_7e1120d1a4_b1.jpg 1024w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694843609_7e1120d1a4_b1-300x188.jpg 300w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694843609_7e1120d1a4_b1-150x94.jpg 150w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694843609_7e1120d1a4_b1-400x250.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6942\" class=\"wp-caption-text\">An der Albert-Schweitzer-Stra\u00dfe (ca. 1989). Foto: Bruno Tamborino<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Wohnzimmerseite des Typs N. 4 mit den 45\u00b0-Winkeln der Balkone und Wohnzimmerw\u00e4nde, die \u2013 wiederholt \u2013 einen sch\u00f6nen Rhythmus bilden. Die Trennung zwischen zwei H\u00e4usern befindet sich jeweils in der Mitte der Balkone.<\/em><\/p>\n<h4 id=\"b3\">Bild 3<\/h4>\n<figure id=\"attachment_6943\" aria-describedby=\"caption-attachment-6943\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694843855_19bf82d9e0_b1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6943 size-full\" title=\"Bild 3\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694843855_19bf82d9e0_b1.jpg\" alt=\"Bild 3\" width=\"1024\" height=\"691\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694843855_19bf82d9e0_b1.jpg 1024w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694843855_19bf82d9e0_b1-300x202.jpg 300w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694843855_19bf82d9e0_b1-150x101.jpg 150w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/6694843855_19bf82d9e0_b1-400x269.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6943\" class=\"wp-caption-text\">Albert-Schweitzer-Stra\u00dfe, N\u00e4he L\u00e4tarekirche (ca. 2001). Foto: Bruno Tamborino<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Wohnzimmerseite des Typs N. 4 mit Terrassenwohnungen, zwei hohen und einem niedrigen Treppenhaus. Beim niedrigen Treppenhaus bemerkt man, dass oben ein Zimmerfenster wegen der Terrassenwohnungen fehlt.<\/em><\/p>\n<h3>Elemente aller NH-Haustypen<\/h3>\n<p>Folgend werde ich die Elemente, die aber alle NH-Haustypen Perlachs vereinigen, identifizieren:<\/p>\n<p>Die Balkone sind alle aus erkennbaren, getrennten Fertigteilen in glattem Schalbetonguss und haben 103 cm hohe Br\u00fcstungen. Die 103 cm sind immer in 30 cm Balkonbasis, 10 cm Schlitz und 63 cm Balkonbr\u00fcstung aufgeteilt. Innen sieht man an den Br\u00fcstungen vertikale und horizontale Versteifungsbalken aus Beton, die auch die 63 cm hohe Br\u00fcstung mit dem 30 cm hohen Balkonboden verbinden, das hei\u00dft, sie bilden zwei\/drei 10 cm hohe &#8222;F\u00fc\u00dfe&#8220; pro Br\u00fcstungselement. Dar\u00fcber kommt immer das 25 cm hohe Alu-Gel\u00e4nder, das entsprechend der Betonelemente vertikal in Rechtecke geteilt ist und zwei horizontale 2 x 2 cm gro\u00dfe Quadratprofile hat, mit St\u00fctzen, die den Betonf\u00fc\u00dfen darunter entsprechen (<a href=\"#b1\">Bild 1<\/a> und <a href=\"#b2\">Bild 2<\/a>). Au\u00dfen als Teil der Balkonbr\u00fcstung befindet sich oft ein 30 x 30 cm hoher und tiefer Betonblumentrog f\u00fcr die ganze Breite des betroffenen Br\u00fcstungsteils (<a href=\"#b1\">Bild 1<\/a>). Die Balkone sind bei den Zweisp\u00e4nnern N. 1, N. 2 und N. 3 seitlich mit h\u00f6heren, 10 cm dicken Sichtschutzplatten aus Beton abgeschlossen, die einen 20 cm hohen Schlitz unter dem dar\u00fcber liegenden Balkon freilassen (au\u00dfer im obersten Geschoss von vielen H\u00e4usern). Auch die Bodenplatten sind Betonfertigteile und in rechteckige Elemente geteilt. Es gibt beim Dreisp\u00e4nner Eck-Sichtschutzplatten, die 10 cm dick sind, der Tiefe der Balkone entsprechend und frontal 90 oder 100 cm breit (<a href=\"#b1\">Bild 1<\/a>). Beim Typ N. 2 und N. 4 gibt es Sichtschutzgitter aus Beton, die auf die Br\u00fcstungen aufgesetzt sind und aus vertikalen, untereinander verbundenen, 14 cm breiten Streifen bestehen, und schlie\u00dflich einige nicht rechtwinkelige Balkonbodenelemente, die nur dem Zweisp\u00e4nner N. 4 angeh\u00f6ren (<a href=\"#b2\">Bild 2<\/a>). Oft sind die Balkone schmal und lang, also schlecht benutzbar, sie sollten in diesen F\u00e4llen offensichtlich die Fassaden auch lebendiger gestalten (<a href=\"#b1\">Bild 1<\/a> und <a href=\"#b2\">Bild 2<\/a>).<\/p>\n<p>Eine weitere Charakteristik der NH-H\u00e4user ist der raue, schlichte Spritzputz und die unverputzten Beton-Kellerw\u00e4nde.<\/p>\n<p>Der obere Abschluss aller H\u00e4user (mit Ausnahme der h\u00f6heren Treppenhaus-Volumen) ist immer mit einer ca. 80 cm hohen wei\u00dfen Betonumfassung definiert, die oben und unten Aluschienen als Witterungsschutz und als Tropfleiste hat. Diese Betonumfassung entspricht im Au\u00dfenma\u00df genau der darunterliegenden Wand oder den darunterliegenden Balkonau\u00dfenma\u00dfen und ist bemerkenswerterweise so eingebaut, dass die Fenster des obersten Geschosses davon f\u00fcr zirka 30 cm verblendet werden, das hei\u00dft die Fenster des obersten Geschosses sind zirka 30 cm niedriger als die der anderen Geschosse (<a href=\"#p1\">Postkarte 1, Bild D<\/a>). Dieses Motiv wurde gleich bis Anfang der achtziger Jahre in Neuperlach angewendet (<a href=\"#p1\">Postkarte 1, Bild C<\/a>). Die Keller der NH wurden alle so gestaltet, dass sie ca. 80 cm aus dem neu gestalteten Gartenniveau herausschauten. Auch die Fenster der Erdgeschosse sind niedriger als die der Normalgeschosse, da hier wiederum die zirka 30 cm hohen Rollladenk\u00e4sten oberhalb der Fenster wie Mauer verputzt sind. Rolll\u00e4den gibt es ganz rigoros nur im Erdgeschoss als Diebstahlschutz. Die Eing\u00e4nge sind immer klein, habe eloxierte bleichgoldenen T\u00fcrrahmen und Strukturglas, Holzbalkengriffe und gro\u00dfe Betonvord\u00e4cher mit Aluverblendung darum. Bei Balkonbr\u00fccken kann es zu Fenstern nur im Erd- und Obergeschoss von W\u00e4nden abseits der Balkonbr\u00fccken kommen, damit diese Fenster nicht von der Balkonbr\u00fccke beeintr\u00e4chtigt werden.<\/p>\n<h3>Und wie sieht es heute in Perlach aus?<\/h3>\n<p>Ich sehe ehrlich gesagt die spr\u00f6de, aber nicht fehlende architektonische W\u00fcrde der Geb\u00e4ude immer ernsthafter in Frage gestellt, bestenfalls durch vielleicht zu bunte Bemalungen, die die Architektur der Bauten schlicht ignorieren, schlimmstenfalls durch brutal alles \u00fcberw\u00e4lzende W\u00e4rmed\u00e4mm- oder Wetterschutzummantelungen, bis zu Teil- oder sogar Totalabbr\u00fcchen und Umbauten, alles im Namen des &#8222;Fortschrittes&#8220;. Ob man dann so stark &#8222;fortschreitet&#8220;, wie man sich verspricht, bleibt offen, manchmal w\u00e4re weniger sicher mehr!<\/p>\n<p>Solche gro\u00dfen, verputzten Bauk\u00f6rper (25 Meter hoch, bis 300 Meter lang) sind in den heutigen, hellen Regenbogenfarben unnat\u00fcrlich und sahen in den neutraleren, aber durch starke Hell-dunkel-Kontraste gut charakterisierenden Farben der Ursprungszeit besser aus, die Architektur wurde so wesentlich wirkungsvoller zur Geltung gebracht. Gegen das ehemalige \u00f6de Grau k\u00f6nnte man mit Farben aus der Natur gut Abhilfe schaffen, diese Baumassen \u00e4hneln in ihren Volumen Gebirgen oder gro\u00dfen Felsen und sollten von diesen eine koh\u00e4rente (architekturgebundene) Farbinspiration beziehen (Vorschlag von B. Krehan aus Perlach), z.B. die Farben Braun, Ocker, Dunkel- und Hellgrau, Dunkel- und Hellgr\u00fcn sowie Schneewei\u00df.<\/p>\n<p>Auch die mittlerweile \u00fcppige Vegetation kann die H\u00e4user stark verstecken und beschatten, sie kann im Fu\u00dfg\u00e4ngerbereich ein fehlendes Sichtfeld und ein fehlendes Sicherheitsempfinden verursachen, auch der getrennt gehaltene Autoverkehr trug schon immer dazu bei. Dass die Erdgeschosse als reine Wohngeschosse gestaltet sind, tut nochmals das Seine, man hat da noch weniger urbanes Sicherheitsempfinden, sowohl an den eingangs- und durchgangslosen Wohnzimmerseiten als auch auf der Seite der immer noch sehr n\u00fcchternen Eing\u00e4nge. Hieran k\u00f6nnten einige \u00c4nderungen erw\u00e4gt werden, auch die Norm-Obergeschosse k\u00f6nnten manchmal als Geb\u00e4udeabschl\u00fcsse behutsam umgestaltet werden.<\/p>\n<p>Wenn jetzt die Subzentren Perlachs immer mehr verkommen, sollte man sich als Bewohner Neuperlachs auch mal fragen, wie sehr das pep eigentlich (in seinem heutigen Ausma\u00df) Neuperlach wohltut. Jedes Subquartier sollte deshalb vielleicht sein unmittelbares Umfeld st\u00e4rker beh\u00fcten und in Schutz nehmen.<\/p>\n<p>Insgesamt w\u00e4re vielleicht eine alle Besitzer und Bewohner vertretende und vereinigende Interessengemeinschaft Perlach\/Neuperlach n\u00fctzlich, die die Neue Heimat heute als Koordinator ersetzten k\u00f6nnte und die W\u00fcrde Neuperlachs baulich und gesellschaftlich f\u00fchren sollte, zuallererst mit einem Gesamtplan in Richtung einer bestandserhaltenden moderierten Modernisierung und indem man z.B. bestimmte &#8222;Filmproduktionen&#8220; in Perlach unterbindet, die man sehr gut anderswo drehen kann.<\/p>\n<p>Ein gesunder Stolz auf seinerzeit vorbildliche und ausgezeichnete Wohnensembles darf da seitens der heutigen Besitzer und Bewohner nicht fehlen und k\u00f6nnte der Beginn einer berechtigten, starken Aufwertung Neuperlachs sein.<\/p>\n<p>Im Jahr 2011<\/p>\n<p>Bruno Tamborino<br \/>\n<a href=\"mailto:bruno.tam15@gmail.com\">bruno.tam15@gmail.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bruno Tamborino hat dankenswerterweise einen hervorragenden Gastbeitrag zur Geschichte und Architektur Neuperlachs geschrieben, speziell zu Neuperlach Nord. 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