{"id":7176,"date":"2012-03-30T17:23:36","date_gmt":"2012-03-30T15:23:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/?p=7176"},"modified":"2025-12-25T11:18:48","modified_gmt":"2025-12-25T10:18:48","slug":"requiem-in-erinnerung-an-das-plett-zentrum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/requiem-in-erinnerung-an-das-plett-zentrum\/","title":{"rendered":"Requiem \u2013 in Erinnerung an das Plett-Zentrum"},"content":{"rendered":"<p style=\"padding: 20px 26px 24px; color: #555555; border: 6px solid #000000;\"><strong>Viele sahen und sehen im Plett-Zentrum eine Betonbaus\u00fcnde aus den 1960er-Jahren, der man keine Tr\u00e4ne nachweinen sollte. Doch dies wird dem Bau nicht gerecht. Denn der Geb\u00e4udekomplex war etwas Besonderes, er war durchdacht, er hatte seine ber\u00fchmten Vorbilder und nahm Anleihen bei Stararchitekten. Vieles ist jedoch dem Normalsterblichen nicht bekannt und kann auch nicht mehr erkundet werden, da der Bau schlicht nicht mehr existiert \u2013 zum Zeitpunkt dieses Artikels liefen bereits die Abrissaktivit\u00e4ten des verbliebenen Westteils. Speziell f\u00fcr Interessierte, die den urspr\u00fcnglichen Bau nie oder nur fl\u00fcchtig gesehen haben, ist es schwer, mehr zu erfahren. Auch hat nicht jeder das erforderliche architektonische Hintergrundwissen, ebenso sind manche Details nur mit aufw\u00e4ndiger Recherche in Erfahrung zu bringen, wenn sie \u00fcberhaupt \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich sind. So weist der Bau einige bemerkenswerte Raffinessen auf. Au\u00dferdem war das Plett-Zentrum in st\u00e4rkerer Weise als Zentrum Neuperlachs konzipiert, als es gemeinhin bekannt ist. Bruno Tamborino entf\u00fchrt uns in die Entstehungsgeschichte des Baus und bringt uns in diesem hochinteressanten Artikel dessen Charakteristika und Eigenheiten nahe. Mit dieser Beschreibung liefert der Autor ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr den Erhalt vergleichbarer Geb\u00e4ude, im Besonderen in Neuperlach.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_8200\" aria-describedby=\"caption-attachment-8200\" style=\"width: 720px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/1900733_619857018067723_70553272_o.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8200\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/1900733_619857018067723_70553272_o.jpg\" alt=\"Neuperlach 1967 bis 1970\" width=\"720\" height=\"479\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/1900733_619857018067723_70553272_o.jpg 720w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/1900733_619857018067723_70553272_o-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/1900733_619857018067723_70553272_o-150x99.jpg 150w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/1900733_619857018067723_70553272_o-400x266.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-8200\" class=\"wp-caption-text\">Bild 1: Das Plett-Zentrum (ca. 1970). Foto: Christoph Wimber<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Thomas Irlbeck<\/em><\/p>\n<p style=\"padding: 2px 6px 4px; color: #555555; background-color: #eeeeee; border: 2px solid #dddddd;\"><strong>\u00dcber den Autor<\/strong> Bruno Tamborino (* 1969) lebte von 1974 bis 1987 in Neuperlach und hat mit starkem Interesse s\u00e4mtliche Bau- und Umgestaltungsma\u00dfnahmen in Neuperlach Mitte und Nord erlebt, heute lebt er in Italien. Er hat ein kleines Privatarchiv, bestehend aus Fotos, Postkarten, Zeichnungen und Baupl\u00e4nen, mit pers\u00f6nlichen Aufzeichnungen und war immer daran interessiert, was aus Perlach Nord am besten werden k\u00f6nnte. Er ist ab der 5. Klasse im Werner-von-Siemens-Gymnasium zur Schule gegangen und war deshalb t\u00e4glich in Perlach Nord unterwegs. 1983 schlug er der Neuen Heimat einen Neuanstrich f\u00fcr ein Haus vor, dieser Vorschlag wurde dann in der lokalen Wochenzeitung &#8222;Hallo&#8220; ver\u00f6ffentlicht, aber nicht ausgef\u00fchrt. Er hat auch ein Modell von einem Haus in Neuperlach gebaut und in Neuperlach 1985 ausgestellt und Daten f\u00fcr weitere Modellgeb\u00e4ude gesammelt.<\/p>\n<p>Der Zweck dieses Beitrages ist, vom Plett-Zentrum eine Erinnerung zu erhalten und die Gr\u00fcnde seines Verschwindens zu verstehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7026\" aria-describedby=\"caption-attachment-7026\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/6943693265_96bc78670d_b1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7026\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/6943693265_96bc78670d_b1.jpg\" alt=\"Neue Heimat\/Plett-Zentrum 2007\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/6943693265_96bc78670d_b1.jpg 1024w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/6943693265_96bc78670d_b1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/6943693265_96bc78670d_b1-150x112.jpg 150w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/6943693265_96bc78670d_b1-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7026\" class=\"wp-caption-text\">Bild 2: Das Plett-Zentrum (2007). Foto: Bruno Tamborino<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Plett-Zentrum ist nach zirka 40 Jahren Existenz nur noch Erinnerung und das ist sehr schade. Die Hoffnung dieses Beitrages ist, dass, nachdem dieser Bau lieblos behandelt und recht flott abgebrochen wurde, dies nicht auch anderen Geb\u00e4uden in Neuperlach droht. Trotz einer sehr traurigen Indifferenz der Leute, die doch mit und in diesen Bauten aufgewachsen sind, stellen diese f\u00fcr viele ein St\u00fcck Heimat dar, das jetzt verschwindet, obschon man es sch\u00fctzen sollte.<\/p>\n<h3>Geschichte<\/h3>\n<figure id=\"attachment_7227\" aria-describedby=\"caption-attachment-7227\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Plettzentrum1_korrigiert.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-7227\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Plettzentrum1_korrigiert-1024x679.jpg\" alt=\"Plett-Zentrum Zeichnung\" width=\"660\" height=\"438\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Plettzentrum1_korrigiert-1024x679.jpg 1024w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Plettzentrum1_korrigiert-300x198.jpg 300w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Plettzentrum1_korrigiert-150x99.jpg 150w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Plettzentrum1_korrigiert-400x265.jpg 400w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Plettzentrum1_korrigiert.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7227\" class=\"wp-caption-text\">Bild 3: Von oben links zeilenweise nach unten sieht man die Ostfassade, daneben die Westfassade mit Laderampe, die S\u00fcdfassade mit den Kellerfenstern und die Nordfassade mit den Treppen und den Einfahrten. Alles ist im Ursprungszustand noch ohne Br\u00fccke an der S\u00fcdseite, aber mit der Space Churn. Auch die dunklen Br\u00fcstungsabdeckungen gab es anfangs noch nicht. In Rot unterstrichen ganz unten ist der zuletzt noch stehende Bauteil markiert. Zeichnung: Bruno Tamborino<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Plett-Zentrum war 1967 schon ganz geplant (siehe das Titelbild und Hauptillustration vom Buch &#8222;Entlastungsstadt Perlach in M\u00fcnchen&#8220;, herausgegeben 1967 von der Neuen Heimat), es wurde aber erst ein oder zwei Jahre nach den Wohnh\u00e4usern in seiner Umgebung zusammen mit dem noch bestehenden gegen\u00fcberliegenden B\u00fcrohaus eingeweiht. 1971 bezog also die Neue Heimat Bayern ihr neues Verwaltungshaus, es kamen aber auch Gesch\u00e4fte, ein Restaurant und eine Filiale der Stadtbibliothek M\u00fcnchen in das Zentrum. Es waren der Ayinger Hof, ein Rewe-Supermarkt, die Papeterie Perlach, ein Solarium mit Kosmetikstudio und andere Gesch\u00e4fte, die recht bald wieder verschwunden sind oder ihre Identit\u00e4t ge\u00e4ndert haben, wie z.B. ein Tapetengesch\u00e4ft. Der mittlere Teil des Plett-Zentrum bestand aus einem gro\u00dfen, offenen Platz, auf den auf einer Seite der Eingang der Verwaltung der Neuen Heimat schaute, auf der anderen Seite waren Gesch\u00e4fte. Die Eing\u00e4nge und Vitrinen aller Gesch\u00e4fte (auch des Restaurants und der Bibliothek) bildeten drei Fronten, zwei schauten auf eine offene Passage, die andere auf diesen Platz. Der Platz war wie das ganze Hochparterre des Plett-Zentrum zirka 2,60 Meter \u00fcber dem Stra\u00dfenniveau. An seinen zwei gegen\u00fcberliegenden Seiten grenzten ihn nur zwei schmale Dachstreifen optisch ein und hier stand ab 1972 die Space Churn (Raumspindel, auch als <em>Neuperlach Mobile<\/em> bekannt), das Wahrzeichen Neuperlachs.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7181\" aria-describedby=\"caption-attachment-7181\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Plettzentrum-2-Bearbeitet.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7181\" title=\"Plett-Zentrum Grundriss Zeichnung\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Plettzentrum-2-Bearbeitet-300x134.jpg\" alt=\"Plett-Zentrum Grundriss Zeichnung\" width=\"300\" height=\"134\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Plettzentrum-2-Bearbeitet-300x134.jpg 300w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Plettzentrum-2-Bearbeitet-1024x459.jpg 1024w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Plettzentrum-2-Bearbeitet-150x67.jpg 150w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Plettzentrum-2-Bearbeitet-400x179.jpg 400w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Plettzentrum-2-Bearbeitet.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7181\" class=\"wp-caption-text\">Bild 4: Hochparterre-Grundriss des Plett-Zentrum. Man erkennt in Schwarz die S\u00e4ulen in versetztem Doppelraster, alle parallelen S\u00e4ulen stehen in 10,50 Meter Abstand. In Orange die R\u00e4ume im Hochparterre, in Rot und Violett die Obergeschosse der B\u00fcros, rechts die Gesch\u00e4fte. In Hellblau die Bedachung der Freifl\u00e4chen im Hochparterre. Die gestrichelten Linien deuten schematisch die Tragebalken der Decke an, alle habe ich nicht rekonstruieren und einzeichnen k\u00f6nnen. Zeichnung: Bruno Tamborino<\/figcaption><\/figure>\n<p>Anfang der 1980er-Jahre wurde die Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke \u00fcber die St\u00e4ndlerstra\u00dfe gebaut, als auch das Konzerngeb\u00e4ude der Vereinte Versicherung (damals noch Vereinigte Versicherung) und das pep fertig waren. Als Durchgang zur Br\u00fccke wurden die Br\u00fcstung und der Blumentrog hier unterbrochen, welche vorher durchgehend waren, obwohl diese Br\u00fccke schon von Anfang an geplant war. In der ersten H\u00e4lfte der 1980er-Jahre wurde der Bau auch einer Pflege unterzogen, bei der die vertikalen Br\u00fcstungsplatten per Hochdruckwasserstrahl ges\u00e4ubert wurden und vor allen Dingen die Oberkanten dieser Platten mit optisch angepassten, dunklen Aluminiumprofilen gesch\u00fctzt wurden. 1986 wurde die Neue Heimat aufgel\u00f6st und die WSB Bayern zog ein, entsprechend wurde auch das gro\u00dfe &#8222;NH&#8220;-Logo am Obergeschoss des Verwaltungsbaus durch ein &#8222;WSB&#8220;-Logo ersetzt.<\/p>\n<p>1999 wollte die WSB schon neue R\u00e4ume, bis sie einige Jahre sp\u00e4ter den Bau verlie\u00df und die B\u00fcros dann nicht mehr benutzt wurden. 2001 zog die Stadtbibliothek in das nahe Quidde-Zentrum um, auch dies war ein klares Zeichen, dass das Plett-Zentrum seine besten Zeiten leider schon hinter sich hatte. Sp\u00e4testens 2005 standen die Verwaltungsr\u00e4ume und die meisten Gesch\u00e4fte leer. Der gro\u00dffl\u00e4chige Bau wurde unter zwei Besitzern geteilt, der Gesch\u00e4ftsteil kam in eine Hand, der doppelt so gro\u00dfe Teil mit B\u00fcror\u00e4umen und Platz in die Hand von Aldi, um dort die B\u00fcros und den Platz mit einem Markt zu ersetzen. 2006 schenkte die WSB die Space Churn auch der Stadt M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2008 wurde der gr\u00f6\u00dfere Teil des Baus abgerissen, zu diesem Zweck wurde die Space Churn umgesiedelt und der \u00fcbrige Teil des Baus an der Trennstelle funktionell wieder instand gesetzt. Nach dem Abriss wurde dann nicht der Aldi-Markt, sondern das Life-Einkaufszentrum erbaut, das an den noch stehenden Teil anschloss. Die offene, ehemalige Ladenpassage wurde abgez\u00e4unt und ihre Ladenvitrinen mit Holzplatten verschalt, um weiterhin als Durchgang zur Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke zu dienen, w\u00e4hrend der Restbau leer und mehr oder weniger in der Hand der Vandalen war, aber aus einigen Blickpunkten sah er noch recht gut aus. Im M\u00e4rz 2012 begann auch hier der Abbruch, um ein mehrst\u00f6ckiges Geb\u00e4ude an seiner Stelle zu erbauen. Damit enden die 41 Jahre Existenz des Plett-Zentrum.<\/p>\n<h3>Beschreibung<\/h3>\n<p>Das Plett-Zentrum war ein gro\u00dfz\u00fcgiger, flacher Bau, der mit gro\u00dfen Spannweiten zwischen den wenigen, relativ d\u00fcnnen S\u00e4ulen und einer Totalverglasung der B\u00fcro- und Ladenr\u00e4ume imponieren sollte. Die R\u00e4ume sollten ein Maximum an Licht und Flexibilit\u00e4t bieten, auch innen waren nur wenige S\u00e4ulen und Mauern zu finden. Alle Fenster der B\u00fcros schauten auf das Gr\u00fcn der balkonartigen Br\u00fcstungen oder auf zwei gr\u00fcne Innenh\u00f6fe, deren gr\u00f6\u00dferer quadratisch war und sich in drei stockwerkshohen, begr\u00fcnten Stufen nach unten verkleinerte. Alle Br\u00fcstungen, auf die Fenster oder Fu\u00dfg\u00e4ngerbereiche schauten, waren mit Str\u00e4uchern und Blumen bepflanzt. Alles am Bau war streng geometrisch und entsprechend fixer Regeln gestaltet.<\/p>\n<p>Das Plett-Zentrum war vollunterkellert, dieser Keller schaute \u00fcber einen Meter aus dem Boden. Er diente als B\u00fcro- oder Archivraum, Tiefgarage und Nebenr\u00e4umlichkeiten der Gesch\u00e4fte. Das Hochparterre bedeckte den gr\u00f6\u00dften Teil der Oberfl\u00e4che, abgesehen vom zentralen Platz, der Ladenpassage, den zwei Passagen von dieser zum Platz und beiden Innenh\u00f6fen der Verwaltung. Neben dem Platz befand sich der dreist\u00f6ckige, quadratische Hauptbau der Verwaltung, dessen oberstes Geschoss nach au\u00dfen keine Fenster hatte und deshalb nur wie eine sehr hohe Abschlussbr\u00fcstung aussah. Das Plett-Zentrum wies an der Nordseite drei breite Treppen zum Hochparterre auf, eine als Nebeneingang zur Verwaltung, zwei zu den offenen Fl\u00e4chen und zwei Tiefgarageneinfahrten. An der S\u00fcdseite hatte nur der Keller unter dem dreist\u00f6ckigen Bauteil gro\u00dfe Fenster entsprechend den Stockwerken dar\u00fcber. An der Westseite befand sich eine Laderampe f\u00fcr die Lagerr\u00e4ume der Gesch\u00e4fte, auch hier war der Bau streng und komplett gestaltet. Au\u00dfer an der Laderampe und an den S\u00fcdfenstern war der Keller v\u00f6llig fensterlos.<\/p>\n<p>Es gab an dem Bau keine kleinteiligen Ausnahmen, alles folgte einem geometrisch-minimalistischem Stil, der aber sehr gro\u00dfz\u00fcgig umgesetzt wurde. Die Decken waren alle in Innen- und Au\u00dfenbereichen mit Rigipsplatten durchgehend flach und wei\u00df verkleidet, mit eingebauten Neonleuchten. Horizontale, durchgehende Elemente waren dominant. Alle Br\u00fcstungen setzten sich aus vorgeblendeten, massiven Betonplatten zusammen, die ges\u00e4gt, geschliffen und poliert waren, also fast wie nat\u00fcrliches Konglomerat aussahen. Alle Fenster- und T\u00fcrrahmen und die sieben kubusf\u00f6rmigen Dachaufbauten waren aus brauneloxiertem Aluminium, die S\u00e4ulen aus nicht bemaltem Beton und alle Kellermauern, au\u00dfer den wenigen unter den Kellerfenstern, weinrot bemalt. Die Freifl\u00e4chen bestanden aus gro\u00dfen, quadratischen, perfekt horizontalen Waschbetonplatten mit relativ breiten Fugen dazwischen, in die das Regenwasser abfloss und dann unter den Platten abgeleitet wurde. Auch die Treppen waren aus Waschbeton. In den meisten R\u00e4umen befand sich ein neutral gef\u00e4rbter Teppich, in der Eingangshalle der B\u00fcros waren die Haupttreppe zu den Obergeschossen und die Empfangstheke imponierend und phantasievoll gestaltet. Die dominante Farbe au\u00dfen war Betongrau, mit viel Verglasung.<\/p>\n<p>Das Plett-Zentrum repr\u00e4sentierte einen Bau mit gemischter Funktion, es war gleichzeitig Verwaltungsbau, Ladenzentrum und \u00f6ffentlicher Bau mit der Stadtbibliothek, dem gro\u00dfen Platz und der Passagenfunktion zur Br\u00fccke. Die Verwaltung besetzte den gr\u00f6\u00dften Teil. Die Position der Space Churn auf dem Platz war nicht zuf\u00e4llig, denn der Platz war als erster Neuperlacher Mittelpunkt vorgesehen, die gro\u00dfe Treppe, die Space Churn und seine ganze w\u00fcrdevolle Gestaltung best\u00e4tigen dies (siehe auch Illustration in &#8222;Entlastungsstadt Perlach&#8220;), er sollte in moderner Form eine s\u00e4ulengerahmte, griechische Agora interpretieren. Die breiten, nicht steilen Treppen waren alle einladend, wenn auch nicht barrierefrei.<\/p>\n<p>Als Verwaltungsbau der (damals Neuperlach erbauenden) Neuen Heimat Bayern war er das eigentliche Zentrum Neuperlachs, mehr als der heute noch v\u00f6llig undefinierte Hanns-Seidel-Platz. Der Bau sollte das Paradepferd von Neuperlach Nord sein und war es auch. Das Plett-Zentrum war aber auch ein klares Machtsymbol der Neuen Heimat, mit seiner sehr gro\u00dfen Ausdehnung und seinen besonderen bautechnischen L\u00f6sungen. Koh\u00e4rent mit ihrer Wirkungs- und Bauphilosophie hat sie aber auf teure und exklusive Baumaterialien, etwa Marmor, oder auf aufw\u00e4ndige Verkleidungen verzichtet.<\/p>\n<h3>Ma\u00dfe und Bautechnik<\/h3>\n<p>Ich werde jetzt technische Charakteristika und Ma\u00dfe angeben, die alle aus meiner Beobachtung stammen. Ich bin mir der Ma\u00dfe ziemlich sicher, aber mit maximal 10 % Toleranz kann ich deren ganz sicher sein.<\/p>\n<p>Das Plett-Zentrum war ein ungeteilter Stahlbeton-Skelettbau mit vorgefertigten Deckenplatten, Bodenbelagsplatten und vertikalen Fassadenbr\u00fcstungen und -platten. Vor Ort wurden also der Keller, die S\u00e4ulen, die Deckentr\u00e4ger und die Br\u00fcstungshalterungen gegossen; wie schon angedeutet, war die Struktur v\u00f6llig ohne Dehnfugen. Das Muster der S\u00e4ulenverteilung war ungew\u00f6hnlich, um von au\u00dfen weniger S\u00e4ulen erscheinen zu lassen, als effektiv vorhanden waren. Auf den S\u00e4ulen befanden sich massive, vor Ort gegossene Betontr\u00e4ger, die dann die Deckenplatten trugen. Die begehbaren Au\u00dfenbereiche hatten unter dem sichtbaren Bodenbelag eine geneigte, vor Wasser sch\u00fctzende Dachoberfl\u00e4che, auf der die Platten waagrecht aufgest\u00fctzt waren.<\/p>\n<p>Alles am Bau basierte auf einer besonderen Baukonzeption: wenige, d\u00fcnne S\u00e4ulen, von denen man von au\u00dfen den Eindruck haben sollte, es seien nur halb so viele, auf denen komplexe, verschieden strukturierte Dachkonstruktionen ruhten. Die gro\u00dfen Spannweiten und die vielen Anforderungen f\u00fchrten also zu sehr hohen Dachkonstruktionen. Das was von au\u00dfen wie Balkonbr\u00fcstungen aussah, war ja in Wirklichkeit fast nur der vertikale Abschluss dieser Deckenkonstruktion. Die Betonbalken, die doppelte Struktur der Freifl\u00e4chen und die Blumentr\u00f6ge verursachten das Surplus an H\u00f6he, w\u00e4hrend die schlichte, wei\u00df bemalte Verkleidung der Decken den Eindruck erweckte, man sehe von unten die eigentliche Decke.<\/p>\n<p>Der ganze Bau ma\u00df beachtliche 172 mal 56 Meter und war gr\u00f6\u00dftenteils 6,50 Meter hoch, der Verwaltungsbau hatte auf 14,30 Meter seine Dachh\u00f6he. Es war ein sehr ausgedehnter und flacher Bau. An den Fassaden sah man alle 10,50 Meter eine 30 Zentimeter dicke S\u00e4ule, die Br\u00fcstungen waren 1,75 Meter hoch, die Fensterb\u00e4nder 2,60 Meter. Im Inneren waren die S\u00e4ulen auf einem doppelten, diagonal versetzten Quadratraster angeordnet, um den 10,50 Meter-Abstand zu halbieren. Die Kellerbasis ohne Treppen, Einfahrten, Rampen und der 1,75 Meter-Auskragung der Br\u00fcstungen bedeckte stolze 8.886 Quadratmeter. Die Deckenkonstruktion hatte als Hauptelement 60 Zentimeter hohe und 30 Zentimeter breite Tragebalken, auf der die Fertigteil-Deckenplatten lagen. Die Deckenverkleidung war 20 Zentimeter unter den Balken abgeh\u00e4ngt. Dar\u00fcber befanden sich die oben genannten Bodenbel\u00e4ge der Au\u00dfenbereiche, die Erde der Blumentr\u00f6ge oder die entsprechende F\u00fcllschicht der Innenbereiche. Vom Fu\u00dfboden bis zur Deckenunterseite waren es reichlich mehr als ein Meter H\u00f6he, oben schauten die Br\u00fcstungen nur 40 Zentimeter heraus, dieselbe H\u00f6he der an den Innenseiten der Blumentr\u00f6ge angeordneten Betonsitzb\u00e4nke um die Au\u00dfenbereiche.<\/p>\n<h3>Architektur<\/h3>\n<p>Das gewollte Aussehen des Baus war das einer filigranen, vertikalen Struktur, mit viel Glas und minimalistischen, modernen Fensterrahmen, auf der gro\u00dfe und m\u00e4chtige, horizontal betonte Decken lagen, alles schlicht und geometrisch gestaltet. Glas, lange, durchgehende Br\u00fcstungen und der massive obere Abschluss charakterisieren den Bau. Die Fensterrahmen aus brauneloxiertem Aluminium mit quadratischen Profilen und sehr gro\u00dfz\u00fcgiger Isolierverglasung waren sehr modern, wie auch die niedrigen Heizk\u00f6rper dahinter und die Vollklimatisierung.<\/p>\n<p>Die Architektur ist typisch f\u00fcr die 1950er- oder 1960er-Jahre und entspricht internationalen und amerikanischen Vorbildern. Man erkennt den Pavillon der Expo in Barcelona (<a href=\"#a4\">Bild 5<\/a>), die Neue Nationalgalerie in Berlin (<a href=\"#a5\">Bild 6<\/a>), die Lake Shore Drive Apartments in Chicago (<a href=\"#a6\">Bild 7<\/a>) als Vorbilder, alles Meisterwerke des Architekten Ludwig Mies van der Rohe. Auch die Villa Fallingwater des Architekten Frank Lloyd Wright (<a href=\"#a7\">Bild 8<\/a>) und das Lever House (<a href=\"#a8\">Bild 9<\/a>) in New York k\u00f6nnten als Vorbild gedient haben. Es sind alles Meilensteine des Modernismus.<\/p>\n<h4 id=\"a4\">Pavillon der Expo in Barcelona<\/h4>\n<figure id=\"attachment_7172\" aria-describedby=\"caption-attachment-7172\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Barcelona_mies_v_d_rohe_pavillon_weltausstellung1999_041.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7172 size-full\" title=\"Pavillon der Expo in Barcelona\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Barcelona_mies_v_d_rohe_pavillon_weltausstellung1999_041.jpg\" alt=\"Pavillon der Expo in Barcelona\" width=\"1024\" height=\"665\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Barcelona_mies_v_d_rohe_pavillon_weltausstellung1999_041.jpg 1024w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Barcelona_mies_v_d_rohe_pavillon_weltausstellung1999_041-300x194.jpg 300w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Barcelona_mies_v_d_rohe_pavillon_weltausstellung1999_041-150x97.jpg 150w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Barcelona_mies_v_d_rohe_pavillon_weltausstellung1999_041-400x259.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7172\" class=\"wp-caption-text\">Bild 5: Pavillon der Expo in Barcelona (van der Rohe, 1929). Foto: Hans Peter Schaefer \/ Lizenz siehe: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:Barcelona_mies_v_d_rohe_pavillon_weltausstellung1999_04.jpg&amp;filetimestamp=20050203194923\" target=\"_blank\">Wikipedia<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Als Vorbild f\u00fcr das Plett-Zentrum diente hier das Verh\u00e4ltnis zwischen W\u00e4nden und der Decke, die wie Platten aneinandersto\u00dfen, auch die Sitzbank (Mitte) und die Fensterkonstruktion.<\/p>\n<h4 id=\"a5\">Neue Nationalgalerie in Berlin<\/h4>\n<figure id=\"attachment_7170\" aria-describedby=\"caption-attachment-7170\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/1024px-Neue_Nationalgalerie_Berlin1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7170 size-full\" title=\"Neue Nationalgalerie in Berlin\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/1024px-Neue_Nationalgalerie_Berlin1.jpg\" alt=\"Neue Nationalgalerie in Berlin\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/1024px-Neue_Nationalgalerie_Berlin1.jpg 1024w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/1024px-Neue_Nationalgalerie_Berlin1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/1024px-Neue_Nationalgalerie_Berlin1-150x112.jpg 150w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/1024px-Neue_Nationalgalerie_Berlin1-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7170\" class=\"wp-caption-text\">Bild 6: Neue Nationalgalerie in Berlin (van der Rohe, 1962). Foto: Manfred Br\u00fcckels \/ Lizenz siehe: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:Neue_Nationalgalerie_Berlin.jpg&amp;filetimestamp=20100404132429\" target=\"_blank\">Wikipedia<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Das gro\u00dfe, markant horizontale, massive Dach auf d\u00fcnnen S\u00e4ulen diente als Vorbild, auch die dunkle Farbe der Metallkonstruktion und auf dem Bild nicht sichtbare gro\u00dfe Untergeschossfenster.<\/p>\n<h4 id=\"a6\">Lake Shore Drive Apartments in Chicago<\/h4>\n<figure id=\"attachment_7174\" aria-describedby=\"caption-attachment-7174\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/60562579_adc0dd93a0_b1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7174 size-full\" title=\"Lake Shore Drive Apartments in Chicago\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/60562579_adc0dd93a0_b1.jpg\" alt=\"Lake Shore Drive Apartments in Chicago\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/60562579_adc0dd93a0_b1.jpg 1024w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/60562579_adc0dd93a0_b1-300x168.jpg 300w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/60562579_adc0dd93a0_b1-150x84.jpg 150w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/60562579_adc0dd93a0_b1-400x225.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7174\" class=\"wp-caption-text\">Bild 7: Lake Shore Drive Apartments in Chicago (van der Rohe, 1962). Foto: End User \/ Lizenz siehe: <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/iainb\/60562579\/\" target=\"_blank\">flickr<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Gestaltung der offenen Erdgeschossbereiche war hier das Vorbild, mit der peniblen und streng geregelten Detailgestaltung. Auch die schmalen Bedachungen sah man um den Platz des Plett-Zentrum.<\/p>\n<h4 id=\"a7\">Villa Fallingwater in Pennsylvania<\/h4>\n<figure id=\"attachment_7171\" aria-describedby=\"caption-attachment-7171\" style=\"width: 219px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Fallingwater_570316cv1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7171\" title=\"Villa Fallingwater in Pennsylvania\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Fallingwater_570316cv1-219x300.jpg\" alt=\"Villa Fallingwater in Pennsylvania\" width=\"219\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Fallingwater_570316cv1-219x300.jpg 219w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Fallingwater_570316cv1-109x150.jpg 109w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Fallingwater_570316cv1-400x547.jpg 400w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Fallingwater_570316cv1.jpg 660w\" sizes=\"auto, (max-width: 219px) 100vw, 219px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7171\" class=\"wp-caption-text\">Bild 8: Villa Fallingwater in Pennsylvania (Wright, 1939). Foto: Jack Boucher, HABS \/ Lizenz siehe: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:Fallingwater_570316cv.jpg&amp;filetimestamp=20100831054330\" target=\"_blank\">Wikipedia<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Damals modernste Bautechniken erlaubten es, die massive Balkone wie schwebend erscheinen zu lassen, die S\u00e4ulen waren relativ d\u00fcnn und in den Schatten zur\u00fcckversetzt. Einen \u00e4hnliche Eindruck ergab das Plett-Zentrum, erzielt mit einer \u00e4hnlichen Technik.<\/p>\n<h4 id=\"a8\">Lever House in New York<\/h4>\n<figure id=\"attachment_7173\" aria-describedby=\"caption-attachment-7173\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/768px-Lever_House_by_David_Shankbone1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7173\" title=\"Lever House in New York\" src=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/768px-Lever_House_by_David_Shankbone1-225x300.jpg\" alt=\"Lever House in New York\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/768px-Lever_House_by_David_Shankbone1-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/768px-Lever_House_by_David_Shankbone1-112x150.jpg 112w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/768px-Lever_House_by_David_Shankbone1-400x533.jpg 400w, https:\/\/www.neuperlach.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/768px-Lever_House_by_David_Shankbone1.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7173\" class=\"wp-caption-text\">Bild 9: Lever House in New York (Studio S.O.M., 1957). Foto: David Shankbone \/ Lizenz siehe: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:Lever_House_by_David_Shankbone.jpg&amp;filetimestamp=20070508225444\" target=\"_blank\">Wikipedia<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Das fensterlose oberste Geschoss des Hauses war ein technisches Stockwerk und bildete einen optisch gelungenen Abschluss-Akzent, diese L\u00f6sung wurde bei Hochh\u00e4usern auch von van der Rohe verwendet. Der Flachbau auf Stelzen, den man im Vordergrund sieht, hat einen begr\u00fcnten Innenhof. Beide Motive sah man am Plett-Zentrum.<\/p>\n<h3>Erkl\u00e4rungsversuche zum Abbruch<\/h3>\n<p>Das Plett-Zentrum hatte einige M\u00e4ngel, die den Abbruch auf keinen Fall rechtfertigen, ihn aber vielleicht erkl\u00e4ren. Bei 8.886 Quadratmetern Oberfl\u00e4che (das Grundst\u00fcck ist nat\u00fcrlich noch gr\u00f6\u00dfer) bot es nur 7.828 Quadratmeter B\u00fcro- und Ladenfl\u00e4chen. Das ist wenig.<\/p>\n<p>Der w\u00fcrdevolle Platz in der Mitte wollte eine Agora, also ein Treffpunkt sein, was er aber nie geworden ist. Ein Marktplatz (was das pep irgendwie ist) h\u00e4tte besser funktioniert, der Platz ist leider immer leer geblieben.<\/p>\n<p>Der flache, weitverglaste Bau war bestimmt unwirtschaftlich in der Beheizung, er war entsprechend der damaligen Technik wenig isoliert und hatte nach oben und nach unten potenziell gro\u00dfe W\u00e4rmeverluste.<\/p>\n<p>Dass man zu den Gesch\u00e4ften, der Verwaltung und dem Platz 2,60 Meter H\u00f6he durch Treppen \u00fcberwinden musste, machte den Bau bestimmt auch nicht beliebt, denn es gab keine barrierefreie Alternativen dazu.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich wurde das Plett-Zentrum als striktes ideologisches Eigentum und Symbol der Neuen Heimat angesehen, es war also den Nachfolgebesitzern unsympathisch, es wurde wohl als etwas Fremdes empfunden.<\/p>\n<p>Komischerweise war der Bau 1967 als Erster schon fertig geplant, wurde aber erst vier Jahre sp\u00e4ter eingeweiht, trotz seiner schnell realisierbaren Bauweise. Wahrscheinlich musste man damals auf der Riesenbaustelle Neuperlach den Wohnh\u00e4usern Vorrang geben. Der Bau war also 1971 schon veraltet, die Planung geschah ja vor 1968 und der Energiekrise 1973, danach war eben viel schon wieder anders.<\/p>\n<p>Es hat wohl auch Wassereinfallprobleme am Dach gegeben, die besondere, asymmetrisch ausgelastete Struktur des Baus ohne Dehnfugen mit Fertigteildachelementen hat vermutlich zu Spannungen im Dach gef\u00fchrt, die als Folge die dichtende Teerpappe darauf immer wieder aufgerissen haben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich litt der Bau wie alle Subzentren in Neuperlach schon seit den 1980er-Jahren unter der Konkurrenz des pep.<\/p>\n<h3>Eine Illusion \u2026<\/h3>\n<p>Trotz allem h\u00e4tte man den Bau retten m\u00fcssen und k\u00f6nnen, ihn renovieren, reparieren und rentabel machen k\u00f6nnen. Mehrere, mit Spiegelglas verkleidete Stockwerke in Leichtbauweise auf den Gesch\u00e4fts- und B\u00fcroteilen, ein Verglasen oder Zubauen des quadratischen Innenhofes und eine Umfunktionierung und Bedeckung der Agora h\u00e4tten den Bau rentabel gemacht und ihn erhalten und modern gemacht. Aufz\u00fcge oder neu gestaltete, flachere Rampen (die alten Treppen hatten nur eine integrierte, mit einer hohen Stufe beginnende Kinderwagenrampe) h\u00e4tten den Zugang erleichtert. So w\u00e4re der urspr\u00fcngliche Mittelpunkt Neuperlachs noch erhalten und die Identit\u00e4t dieses Stadtteils bewahrt, auch die Bibliothek k\u00f6nnte heute noch viele positive Jugenderinnerungen wachhalten. Das Plett-Zentrum war insgesamt ein einladender Bau mit \u00d6ffentlichkeits- und nicht Privatcharakter, der leider an einer Privatmentalit\u00e4t zu Grunde gegangen ist, obwohl er noch stehen sollte.<\/p>\n<p>Bruno Tamborino<br \/>\n<a href=\"mailto:bruno.tam15@gmail.com\">bruno.tam15@gmail.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele sahen und sehen im Plett-Zentrum eine Betonbaus\u00fcnde aus den 1960er-Jahren, der man keine Tr\u00e4ne nachweinen sollte. Doch dies wird dem Bau nicht gerecht. Denn der Geb\u00e4udekomplex war etwas Besonderes, er war durchdacht, er hatte seine ber\u00fchmten Vorbilder und nahm Anleihen bei Stararchitekten. 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