Interview mit dem Tod

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Jürgen Domian – Interview mit dem Tod
Jürgen Domian – Interview mit dem Tod

„Hier ist Peter, und Peter ist 23 Jahre alt“. Nach diesem Schema hat der Nighttalker Jürgen Domian schon um die 20.000 Anrufer begrüßt. Nun aber ist Domian nicht nur Nighttalker, sondern schreibt unter anderem auch Bücher.

In seinem neuen Buch „Interview mit dem Tod“ hat sich Domian nun mit dem Thema Tod beschäftigt. Er hätte hier ein Sachbuch schreiben können, das aufgebaut ist wie die meisten Bücher. Thesen und Antithesen hätten vorgestellt und beleuchtet werden, Abwägungen vorgenommen und Rückschlüsse gezogen werden können. Es hätte ein populärwissenschaftliches Buch werden können. Auch ein autobiographisches Buch wäre denkbar gewesen. Oder ein Roman.

Doch Domian hat sich für einen ganz anderen Weg entschieden. Wenn Domian schon in seiner Sendung mit Leuten spricht, dann scheint es nahe liegend zu sein, ein fiktives Gespräch mit einem Anrufer zu führen, der es bislang noch nicht in die Sendung geschafft hat, weil er entweder nicht wollte oder schlicht bei den überlasteten Leitungen noch nicht durchkam, dem „Tod“. Das Naheliegende ist ja oft in weiter Ferne, weil man überall Ausschau hält, vor allem in der Ferne, und das, was vor den Füßen liegt, nicht erkennt. So gesehen ist die Idee vielleicht geradezu genial.

Es gibt hier aber einen gewaltigen Haken. In einem (populär)wissenschaftlichen Buch kann man das Für und Wider vortragen, aber man wird finale Antworten auf die fundamentalsten Fragen schuldig bleiben, weil es vielleicht (noch) keine Antworten geben kann. Bei einem Interview werden aber klare Fragen gestellt, hier unter anderem, ob es ein Leben nach dem Tod, Wiedergeburt und außerirdisches Leben gibt. Es sind Fragen, die man oft nur mit Ja und Nein beantworten kann. Das Buch würde aber keinen Sinn ergeben, würde sich der fiktive Gesprächspartner hier vor Antworten drücken. Würden die Antworten unscharf bleiben, müsste der Journalist Domian so lange nachhaken, bis die Antworten zufriedenstellend wären. Domian setzt sich also hier selbst unter Zugzwang, diese Fragen mit hoher Ernsthaftigkeit zu beantworten.

Auch wenn der Titel etwas anderes suggeriert, ist das eigentliche Interview der deutlich kleinere Teil des Buches. Damit ist das Buch vielleicht doch nicht ganz so anders, wie es erst den Anschein hat. Das Interview wird immer wieder unterbrochen und Domian beschreibt auf sehr persönliche Weise seine Auseinandersetzung mit den Themen Tod und Sterben, aber auch seine Suche nach dem Sinn des Lebens und die gewaltigen Ungerechtigkeiten, wenn Menschen schwere Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Er legt dar, wie er vom überzeugten Christen zum Atheisten wurde. Wie er sich mit philosophischen und religionskritischen Betrachtungen (Kant, Nietzsche, Schopenhauer, Feuerbach), aber auch mit dem Buddhismus intensiv auseinander gesetzt hat, schon in jungen Jahren, ohne aber irgendwo Antworten gefunden zu haben, die ihn allumfassend zufriedengestellt hätten.

Er hält ein Plädoyer für die Palliativmedizin, die Hospizbewegung und das Recht des Menschen auf einen würdevollen Tod, der seiner Meinung nach auch die Möglichkeit der in Deutschland verbotenen aktiven Sterbehilfe nicht ausschließen dürfe. An sehr intimen Beispielen zeigt Domian auf, dass die Trauerbewältigung in der Regel zu kurz kommt, dass der Tod in der modernen Gesellschaft verdrängt und als Störfall gesehen wird. Unter anderem aus diesem Grund fasziniert ihn das Tibetische Totenbuch, weil die dort beschriebenen Praktiken eine intensive Auseinandersetzung der Angehörigen mit dem Verstorbenen vorschreiben, was vermutlich die Trauerbewältigung verbessert.

Bei allen Betrachtungen in diesem Buch uns in anderen Büchern – letztlich geht es stets weniger um das Thema Tod, sondern mehr um das Sinnstiftende. Was soll ich mit meinem Leben anfangen? Warum gibt es mich, warum bin ich hier? Habe ich eine Mission? Oder ist der Sinn des Lebens nur der, dem man ihm selbst gibt? Was ist Liebe und wie groß ist ihre Kraft? Habe ich einen freien Willen? Gibt es Gott? Warum hat Gott den Holocaust zugelassen?

Es ist müßig, hier kann nur jeder selbst für sich eine Antwort finden. Sicher erscheint nur, dass es nichts gibt, was real ist, außer dem Augenblick, dem unendlich kurzen Moment außerhalb der Zeit. Alles andere ist nur konstruiert, ist reine Illusion, es existiert nur in unserer Vorstellung. Nur der Augenblick ist erfahrbar, und der Augenblick ist Leben. Der gerade vergangene Augenblick ist tot und der nächste Augenblick ist es ebenso. Dieser nächste Augenblick wird aber zum Leben. So gesehen gibt es ein Leben nach dem Tode.

Grüne Zähne im grellblauen Studio

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Neue Farben: Darf es ein kräftiges Rot sein? Gesehen an der Kurt-Eisner-Straße (Archivbild) © Thomas Irlbeck

Vieles unterzieht sich einem Wandel. In Neuperlach etwa werden die Häuser nach Sanierungen bunter. Grautöne und eher sehr blasse Farben werden nun oft ganz schön knallig. Eigentlich bin ich ein Freund des Bunten. Inzwischen habe ich aber auch eine andere Seite gesehen, nämlich dass die Architekten Hochhäuser ursprünglich als Hochgebirgsfelsen begriffen und ihnen daher Farben verpassten, die dort, ganz weit oben, zu finden sind, also weiß, beige, braun, grau, vielleicht auch ein gepflegtes Blaugrau.

Knallige Farben sind nicht jedermanns Fall. Ich verurteile sie nicht, habe aber in letzter Zeit gemerkt, dass ein knalliger Anstrich störend sein kann, wenn man sich in einem Raum aufhält, in dem man eine solche farbliche Herausforderung beim Haus gegenüber aus dem Fenster erblicken darf. Selbst wenn man nicht gezielt aus dem Fenster schaut, wirkt das Knallige im eigenen Raum. Der ganze Raum scheint was von der Farbe abzubekommen, das ganze Licht davon infiziert zu sein. Vermutlich kann man sich daran gewöhnen. In einem Wartezimmer einer Arztpraxis in Ramersdorf war ich aber dennoch froh, als ich wieder draußen war, zu störend empfand ich das strahlende Gebäude auf der anderen Straßenseite.

Ein Zahnarzt hat sich mal beschwert, dass er nun bei der Herstellung seines Zahnersatzes Probleme mit dem Weißabgleich habe. Das grelle Dach der Trambahnwendeschleife an der Münchenr Freiheit sei schuld. Wenn Sie also jemand mit grünen Zähnen sehen, dann wissen Sie nun, zu welchem Zahnarzt er geht.

Neonblau Domian
Etwas gewöhnungsbedürftig. Der Kullttaker vor grellblauer Kulisse. Der Hirsch hebt ab bei solch berauschenden Farben. Sendung vom 17.04.2012

Auch Neonfarben sind derzeit schwer „in“. Der Nighttalker Domian ist gestern in ein neues Studio gezogen. Man hat sich an das alte Studio gewöhnt. Über viele Jahre sendete er tagtäglich oder besser „nachttäglich“ oder noch besser „nachtnächtlich“ daraus. Mir war von vornherein klar, dass es eine gewisse Zeit dauern dürfte, bis ich mich an ein neues Studio gewöhnen würde. Doch mit einer so grellen Kulisse hatte ich nicht gerechnet. Kann man sich mit dem Neonblau wirklich arrangieren? Bei den vielen Facebook- und Twitter-Reaktionen der Zuschauer fand ich keine einzige positive Meinung. Es wurde sogar der Tipp verbreitet, das TV-Bild auf Schwarzweiß zu schalten. Zumindest den WDR sollte man in WDR NEO(N) umbenennen.

Update 19.04.2012

Die Wand ist nun nicht mehr so grell, Domian hatte ein Einsehen.

Bayern ohne Domian – Kabel Deutschland entfernt WDR

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Wirklich das Beste? Spätestens jetzt kommen Zweifel an dem Spruch auf dem uralten Logo aus Bundespost-Zeiten. Foto: stefan1024 / Lizenz siehe: flickr

Irgendwann im Zeitraum zwischen dem 2. August und 13. November wird der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (8,9 Millionen Kabelanschluss-Kunden) das „WDR Fernsehen“, also das 3. TV-Programm des Westdeutschen Rundfunks, aus dem analogen Kabelnetz in Bayern, Sachsen, Schleswig-Holstein, Thüringen und Brandenburg nehmen (Quelle: Telepolis). Der Grund dafür ist, dass das Kabelnetz strahlen kann, vor allem, wenn die Koaxialkabel Beschädigungen aufweisen. Mögliche Folge sind Störungen des Funkverkehrs. Der Flugverkehr sendet im Bereich von 117,975 bis 137 MHz und überschneidet sich damit mit den Kabel-TV-Kanälen S04 (125-132 MHz) und S05 (132-139 MHz), die daher nicht mehr belegt werden dürfen. Das Problem ist nicht neu, aber jetzt wird darauf reagiert. Die sogenannte Sicherheitsfunk-Schutzverordnung (SchuTSEV) der Bundesnetzagentur schreibt eine Umsetzung bis zum 31. Dezember 2010 vor, der die Kabelnetzbetreiber Folge leisten müssen.

Nun fliegt aber nicht der Sender aus dem Netz, der zufällig auf dem betroffenen Kanal liegt, sondern es gibt Pflichtsender, die eingespeist werden müssen, sodass entsprechende Kanalverschiebungen durchgeführt werden. Kabel Deutschland kann die einzuspeisenden Sender nicht frei wählen, sondern erhält Vorgaben von den Landesmedienanstalten und hat nur ein eingeschränktes Mitspracherecht. Der umstrittene Sender 9-Live, den niemand ernsthaft für wichtig hält und schon gar nicht auch nur in die Nähe einer kulturellen Bedeutung rücken würde, wird aber bleiben. Dabei steht dieser gar nicht auf der Liste der 16 Pflichtprogramme.

Dass es den WDR trifft, ist sicher ein Verlust, daher darf man hier Kritik üben, gibt es doch hier ein außerordentlich vielfältiges und zum Teil auch innovatives Programm. Auf WDR läuft z.B. die Telefon-Talksendung Domian, in der ohne Tabus über alle Themen gesprochen werden darf, aber auch z.B. die Wiederholungen älterer Folgen der Krimiserie Tatort haben viele Fans.

Früher wäre die Aufregung groß gewesen. Man hätte das Zensurargument bemühen können, da man unterstellen kann, dass vielen CSU-Politikern im konservativen Bayern die Sendung Domian ein Dorn im Auge ist, da dort unter anderem sexuelle Praktiken, die keine Platz in der katholische Moralvorstellung haben, ausgebreitet werden. Aber auch vor Themen wie Sterbehilfe und sexueller Missbrauch wird nicht Halt gemacht.

Doch inzwischen gibt es Satelliten-TV, das digitale TV-Angebot im Kabelnetz (das davon nicht betroffen ist) und auch die Möglichkeit, Domian als Live-Stream im Internet zu hören. Allerdings hat längst nicht jeder das notwendige Equipment (Set-Top-Box oder TV-Gerät mit Digitaltuner, Satellitenschüssel oder Computer mit Internetanschluss). Daher wird bei einigen Bayern der WDR auf der Strecke bleiben. Schade.

Wer übrigens bei einem anderen Kabelnetzanbieter ist, ist möglicherweise nicht betroffen. Speziell bei privaten Kabelnetzen, bei denen die Programme über eine zentrale, auf dem Dach befindliche Satellitenschüssel eingespeist wird, entscheiden meist die Wohnungseigentümer, was genau eingespeist wird. Die Kanäle S04 und S05 dürfen zwar dort auch nicht mehr belegt werden, aber man hat dann immerhin freie Hand, was man an TV-Sendern verschiebt. Dann heißt es auch weiter jede werktägliche Nacht um 1:00 früh „Guten Morgen, meine Lieben“.

Tote lieben es modern

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Neuperlach ist zwar für düstere Gebäude und dunkle Ecken nicht unbekannt, aber das Flair des wirklich Alten fehlt. Feuchte Verliese mit dicken Mauern und geheimen Gängen sind leider Mangelware. Plattenbauten sind profan, primitiv geometrisch geschnitten, die Mauern eher dünn und die Türen aus einem pappeähnlichen Material statt schmiede-eisern.

Tote, die aus Langeweile in Gemäuern herumspuken, um moderne, aufgeklärte Zeitgenossen zu erschrecken, wird man daher im schönsten Stadtteil eher selten zu Gesicht bekommen. Auch ein modernes Sendestudio dürfte nicht der primäre Aufenthaltsort von Geistern sein. Oder vielleicht doch? Da gibt es die Call-in-Sendung Domian. Sie ist eine Institution. Schnell die richtige Nummer gewählt, kann man mit Jürgen Domian über praktisch alle Themen sprechen. Tabus gibt es keine, und wenn doch, dann sind es spätestens nach der Sendung keine mehr. Man muss sich bei der selbst initiierten Enttabuisierung nur bewusst sein, dass man live im TV, Radio und Internet zu hören ist.

Der zweite heutige Anrufer ist Michael. Er ist 49 und ist ein Medium. Nach einem Unfall wurde der ehemalige Beamte frühpensioniert. Klar, dass man dann eine neue Beschäftigung braucht. Wenn man die richtige Gabe mitbringt, wird alles viel einfacher. Michael kann Tote sehen und mit ihnen kommunizieren. Die einen backen Pizza, die anderen arbeiten halt als Medium. Das eine ist nicht besser oder schlechter als das andere.

Manche Geister sind durchaus fotogen. Foto: Bad curtain from hell / Lizenz siehe: flickr

Eine vortreffliche Gelegenheit, die bis heute ungeklärte Frage, ob Tote als Geistwesen „weiterleben“ und mit uns Lebenden ab und zu einen Plausch halten, wenn ihr Mitteilungsbedürfnis einen gewissen Level überschreitet, ein für allemal zu beantworten. Anders ausgedrückt, wäre eines der wichtigsten Rätsel der Menschheit endlich geknackt.

Zunächst fragt Domian einige allgemeine Dinge, die Michael aus seiner Geisterkommunikation mit dem Jenseits in Erfahrung gebracht hat. Wir erfahren, dass es im Jenseits Blumenwiesen gibt, die von selbst leuchten. Logisch, denn im Jenseits gibt es keine Sonne. Ein Beweis für das Jenseits ist das eher aber noch nicht. Also muss ein Live-Test her. Ob sich Tote in ein modernes Sendestudio verirren? Einen Versuch ist es wert. Michael bekommt 20 Minuten Zeit, um sich einzustimmen. Eine Kerze muss schon noch angezündet werden, um den Toten den Weg zu weisen. Die Redaktion wird Michael gleich zurückrufen. Endlich ist es so weit. Michaels Aufgabe besteht nun darin, mit Domians verstorbenen Verwandten und Bekannten in Kontakt zu treten. Wenn Michael nun intime Fakten nennen kann, die sich nicht im Internet recherchieren ließen, dann wäre dies eine Art Beweis.

Die Spannung ist zum Zerreißen gespannt. Und siehe da. Michael sieht eine etwa 30-jährige tote Frau mit langen braunen, welligen Haaren, die ein noch toteres 2 bis 2,5 Jahre altes Kind mit einer Rassel auf dem Arm trägt. Die Spielzeugindustrie macht also auch im Jenseits ihre Geschäft. Die Frau verrät nur den ersten Buchstaben ihres Namens: „M“. Sie will ein inniges Verhältnis mit Domian gehabt haben. Hinter ihr taucht ein älterer Herr auf, so um die 70 oder 75 Jahre. Er ist auskunftsfreudiger und stellt sich als „George“ oder „Georg“ vor. Er wollte eigentlich nicht kommen, aber die Gelegenheit, live aus dem Jenseits auf Sendung zu gehen, war dann doch zu gut. Georg geht am Stock, braun ist er der Stock, der Gummi unten schwarz. Georg ist ein lustiger Typ, denn im Jenseits hält man es auch nur mit einer gehörigen Portion Humor aus. Ein Verwandter von Domian sei er, aber nicht der Vater. Domian müsste am besten wissen, wer er sei. Wir erfahren von Michael, dass das Jenseits die bessere Welt sei, denn Tote lügen grundsätzlich nie. Bei solchen Erkenntnissen stockt uns der Atem, denn nun müssen einiges an Fachliteratur zu dem Thema um- oder sogar neu geschrieben werden. Das ist echte Grundlagenforschung.

Night-Talker Jürgen Domian (im November 2008). Foto: Michael von Aichberger / Lizenz siehe Wikipedia

Als Nächstes meldet sich ein großmütterliches Wesen, die gerne im Garten gearbeitet habe. Als sie noch lebendig war, versteht sich. Sie habe „immer etwas in ihrer Schürze gehabt“. Sie gibt sich nur als „V“ zu erkennen, nennen wir sie mal Vroni. Die Gartl-Vroni hat Domian immer was aus der Schürze gegeben, vielleicht Bonbons. Vieles spricht dafür, dass es Domians verblichene Oma ist. Vielleicht aber auch die liebe Nachbarin von nebenan.

Doch die Bilanz ist eher nüchtern. An keine der toten Personen kann sich Domian erinnern. Die Beziehung zu „M“ gab es nie, der lustige Georg bleibt hypothetisch und die liebe Vroni, die Domian in den Kindheitstagen so oft besucht haben soll, scheint, da Lügen im Jenseits ausgeschlossen sind, zumindest eine Hochstaplerin zu sein. Es hätte so schön sein können, nun muss die Lösung der großen Menschheitsfragen, ob noch etwas ist nach dem Tod, auf eine der nächsten Domian-Sendungen warten. Nur dass es ein Leben vor dem Tod gibt, scheint nun sicher zu sein, aber das haben wir auch vor Michaels Anruf schon geahnt.

Was Wilfriedes künstlicher Papagei mit Momo und dem Pflegesystem zu tun hat

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Dieser Papagei ist echt. Das Spielzeug wird aber immer realistischer © sproti2000/Pascal Schmitt / Pixelio

Wilfriede ist 75 und hatte einen Autounfall. Seitdem läuft sie am Stock. Wenn man dann alleine ist – klar, dann muss ein Haustier her. Am besten ein sprechendes, man will ja schließlich unterhalten werden. Also muss es ein Papagei sein. Dumm nur, dass der ziemliche Arbeit macht. Es gibt aber eine einfachere Möglichkeit. Man setzt sich mal schnell in die nächste Tram, fährt zum Spielzeugladen seines Vertrauens und kauft sich für 60 EUR einen unechten Papagei. Dieses moderne Spielzeug ist mehr ein Roboter denn ein triviales Spielzeug. Er spricht nicht nur, sondern er wiederholt sogar die Worte seines Frauchens oder Herrchens. Ferner bewegt er sich und reagiert auf Körperkontakt. Vielleicht ist es ja dieser Papagei, den sich Wilfriede zugelegt hat:

Hasbro 77182100 – sprechender Spielzeugpapagei

Der Preis kommt jedenfalls hin. Die Geschichte von Wilfriede ist übrigens echt, im Unterschied zu ihrem Papagei. Wilfriede war in der Nacht von Freitag auf Samstag (20. auf 21.11.2009) in der Call-in-Sendung „Domian“ (Montag bis Freitag auf 1LIVE und im WDR-Fernsehen) zu hören.

Hier – in Neuperlach – werden Menschen gepflegt. Aber noch ohne Pflegeroboter (Archivbild) © Thomas Irlbeck

Eine Art Prototyp des sprechenden Spielzeugs kommt in der berühmten und genialen Parabel „Momo“ von Michael Ende vor, dem man durchaus seherische Fähigkeiten unterstellen kann. Denn bei Ende schenken die Grauen Herren der kleinen Momo sprechende Puppen. Diese Puppen soll Momo vergessen lassen, dass sie in Zukunft alleine sein muss, damit sich die Leute mit wichtigeren Dingen – dem vorgeschobenen Zeitsparen – beschäftigen können als mit einem kleinen streunenden Mädchen. Auch wenn die Puppen bei Ende eher ein kurzes Beiwerk sind, stellen sie dort eine Art Teufelswerkzeug dar. Freilich sind Endes Puppen primitiv – sie spielen eine im Inneren versteckte kleine Schallplatte ab.

Technik mal menschlich oder doch eine grauenhafte Vision? © mad max / Pixelio

Man kann sich aber gut vorstellen, welche Wirkung immer raffinierteres künstliches Spielzeug haben kann. Dabei muss es nicht beim Spielzeug bleiben. Diejenigen, die heute jung sind, werden im Alter wahrscheinlich mal von einem Pflegeroboter betreut. Erste Prototypen gibt es schon seit Jahren. Man kann sich kaum ausdenken, welche Entwicklung solche Roboter noch vor sich haben. Die Entwicklung hört sicher nicht mal dann auf, wenn sie eine echte Pflegekraft vollständig ersetzen können. Schließlich kann man diese Dinger ja dann noch weiterentwickeln, um sie noch effizienter und preiswerter zu bauen. Vielleicht werden Roboter mal zu einer Art Ersatzmenschen. Ob die Wortwahl des „Menschlichen“ gerechtfertigt ist, darf aber bezweifelt werden. Wie sagte einst Theodor Heuss: „Eines Tages werden Maschinen vielleicht denken können, aber sie werden niemals Phantasie haben“.