Schöner Drogen – alkologisch!

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In meiner näheren Umgebung befindet sich eine allgemeinärztliche Praxis, die auch als Substitutionspraxis fungiert und immer mal wieder in den Schlagzeilen ist. Oft geht es darum, dass die Anwohner zwar nichts gegen eine Substitutionspraxis haben, aber diese solle sich bitteschön nicht gerade vor der eigenen Haustüre befinden. In dieser besagten Praxis werden heroinabhängige Menschen mit dem Heroin-Ersatzstoff Methadon versorgt. Die Substitution ist eine wirksame, aber auch nicht unumstrittene Möglichkeit für Menschen, wieder zurück ins Leben, in einen geregelten Alltag zu finden und auch einer Arbeit nachgehen – mit viel Disziplin, etwa Alkoholverbot, und ständiger ärztlicher Kontrolle. Die körperliche Abhängigkeit aber bleibt. Heroin ist ein Teufelszeug, ebenso Kokain, Crack und die vielen weiteren harten Drogen.

Der neueste Hit ist die aus Russland stammende Droge Desomorphin, auch Krok oder Krokodil genannt. Die Lebenserwartung soll nach Beginn der regelmäßigen Einnahme nur etwa ein Jahr betragen. An den Injektionsstellen zeigen sich grünliche Verfärbungen, daher auch der Name. Dabei verfault der Körper schlicht von innen. Die Entzugserscheinungen sind noch viel fürchterlicher als bei Heroin.

„Die Linke“ will langfristig alle (weiche und harte) Drogen legalisieren und sorgt für mediale Empörung

Krokodil soll bereits in Deutschland angekommen sein. Wie die Faust aufs Auge passen da die Berichte, was die Linkspartei, offiziell „Die Linke“ genannt, eben auf ihrem Parteitag in Erfurt mehrheitlich beschlossen hat. Die Partei will alle Drogen „langfristig legalisieren“, und zwar ausdrücklich nicht nur weiche Drogen wie Haschisch, wie es der Parteivorstand zunächst forderte, sondern auch harte Drogen wie eben Heroin und Kokain.

Die Linke
Oskar Lafontaines Herz schlägt seit 2005 noch „linker“, da verließ er nämlich die SPD. Foto: hailippe / Lizenz siehe: flickr

Das Signal nach außen ist ein verheerendes, Kritik kommt von allen Seiten. Die Medien tendieren aber dazu, alles verkürzt wiederzugeben, was zu Verfälschungen führt, und sich auf Sensationen zu stürzen. Was wurde nun denn genau per Änderungsantrag beschlossen? Schauen wir uns das einmal an:

Wir wollen eine liberale und aufgeklärte Drogenpolitik in Deutschland. Drogen sind eine Alltagserscheinung. Der Alkoholmissbrauch ist ein gesellschaftliches Problem. Die Unterscheidung in legale und illegalisierte Substanzen ist willkürlich. Der Missbrauch von Drogen kann zu schweren gesundheitlichen, sozialen und materiellen Problemen führen, die durch Kriminalisierung noch weiter verschärft werden. Wir treten daher für eine rationale und humane Drogenpolitik ein, was eine Entkriminalisierung des Drogenkonsums und langfristig eine Legalisierung aller Drogen beinhaltet. Im Grundsatz wollen wir eine Gesellschaft, die nicht auf Strafe und Repression gegen Drogenkonsumentinnen und -konsumenten setzt, sondern die mit Prävention und Aufklärung dem Drogenmissbrauch vorbeugt.

Das klingt nun nicht mehr ganz so katastrophal. „Prävention und Aufklärung“ wird jeder unterschreiben, und auch dass man nicht den Drogenkonsumenten kriminalisieren sollte, was im Umkehrschluss bedeutet, dass man sich auf die Dealer und deren Vertriebswege konzentriert, dürfte Zustimmung bei vielen erfahren. Warum man dazu aber die gefährlichsten Substanzen legalisieren muss, was immer das bedeuten mag, bleibt wohl das Geheimnis der Linkspartei. Was heißt aber hier legal? Offenbar soll der Besitz der Substanzen legal werden, ggf. auch die Beschaffung, der reine Konsum (die Einnahme) ist übrigens bereits heute nicht illegal (was aber jetzt an Haarspalterei grenzt, da die Einnahme erst einmal Beschaffung und Besitz voraussetzt). Ob irgendwelche lizenzierten Stellen gewisse weiche und harte Drogen herstellen dürfen, bleibt offen. Sinn könnte dies ergeben, um zumindest zu verhindern, dass Süchtige verunreinigte und damit noch gefährlichere Stoffe konsumieren. Höchst umstritten würde dies aber auf jeden Fall bleiben, da schlimme Drogen auf diese Weise noch mehr Verbreitung finden könnten. Dem gegenüber würde aber ein Rückgang der Beschaffungskriminalität stehen.

Ob weiche Drogen ähnlich wie in den Niederlanden frei zugänglich für jedermann werden sollen, bleibt ebenso nebulös. Da die Linkspartei aber die Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Substanzen kritisiert, womit nur die Tatsache gemeint sein kann, dass Alkohol legal ist, aber dennoch auch als Droge verstanden werden muss, die bei übermäßiger Anwendung viel Leid anrichten kann, Haschisch dagegen als illegale (weiche) Droge zählt, ist es relativ wahrscheinlich, dass das niederländische Modell zumindest diskutiert werden wird.

Wäre der Antrag im Vorfeld entschärft oder einfach abgelehnt worden, hätte es keine oder zumindest keine so große Empörung über die zukünftige Drogenpolitik der Linkspartei gegeben. Nachdem auffallend viele Mitglieder der Linkspartei erst kürzlich den Mauerbau verteidigt hatten, zum Teil mit unerträglichen Begründungen, ist nun ein neuer Tiefpunkt erreicht. Man könnte es so zusammenfassen: Die Linkspartei schafft gerade nicht das Drogenproblem ab, sondern sich selbst.

Ergänzung

Parteichef Klaus Ernst schlug übrigens zum Ende des Parteitags vor, den Punkt „Legalisierung aller Drogen“ noch mit dem Halbsatz „das bedeutet die Entkriminalisierung der Abhängigen und die Organisierung von Hilfe und einer legalen, kontrollierten Abgabe von Drogen an diese.“ zu ergänzen, was angenommen wurde. Aber auch dieses überhastete, chaotische Zurückrudern (das aber im Wesen des Beschlusses kaum etwas ändert) brachte ihm wieder Kritik ein.

Twitter-Splitter: Meinungen zum Thema

Medien_Buero: Man sollte auf jeden Fall die Drogen verbieten, die auf dem Parteitag der Linken in Erfurt genommen werden.

CDUWeirich: Linkspartei will alle Drogen legalisieren. Beruhigend ist: Das Ende des Sozialismus in seinem Rausch, halten weder Koks noch Haschisch auf!

Anon_vanita5: Die Linke will ALLE Drogen legalisieren? Wie soll ich mir das vorstellen? Heroin bei Aldi im Angebot??

ki_naudiz: Ich denke, die Strafen bei harten Drogen sind eine effektive Abschreckung und sollten beibehalten werden.

Halina_Waw: fassungslos. linke beugt sich mediendruck und ändert beschluss zu drogen, soll mir noch mal jemand stöckchenspringer sagen. absurd #linkebpt