Vermisstenfall Maria und Tatiana Gertsuski – Presse spekuliert über mögliches Motiv (Update 21.08.2019)

Werbung

Maria Gertsuski
Vermisst: Maria Gertsuski (41) …

Am 13.07.2019 verschwanden die 41-jährige Maria Gertsuski und ihre 16 Jahre alte Tochter Tatiana. Beide sind russische Staatsbürgerinnen. Mutter und Tochter sollen ihre Wohnung in der Ottobrunner Straße in Ramersdorf gegen 14 Uhr verlassen habe, um das Neuperlacher Einkaufszentrum pep aufzusuchen. Im pep kamen sie aber offenbar nie an. Seither gelten sie als vermisst.

Die Kriminalpolizei geht davon aus, dass der „neue“ Ehemann Roman H. (44) von Maria Gertsuski (die beiden sind seit einem Jahr verheiratet) seine Frau im Affekt getötet hat. Um die Tat zu vertuschen und die einzige Zeugin zu beseitigen, soll der Tatverdächtige seine Stieftochter ermordet haben.

Polizei such Zeugen! Sie im Bericht weiter unten

Roman H., ein Deutsch-Russe aus St. Petersburg, hat die beiden als vermisst gemeldet und sich dann bei der Befragung in Widersprüche verwickelt. Seitdem verweigert er die Aussage und sitzt nach seiner Festnahme am 21.07.2019 in Untersuchungshaft.

Tatiana Gertsuski
… und ihre Tochter Tatiana (16)

Die Ermittler glauben, dass der Tatverdächtige die Leichen im Truderinger Wald versteckt hat. Der Wald befindet sich rund zehn Autominuten von der Wohnung entfernt. Laut Zeitungsberichten (von der Polizei nicht bestätigt) sollen ein oder mehrere Zeugen dort eines der beiden Autos der Familie oder/und den Täter gesehen haben, was möglicherweise einer der Gründe dafür ist, warum die Ermittler sich auf dieses Gebiet konzentriert haben und immer noch konzentrieren. Auch soll die Familie einen Zweitwohnsitz in der Nähe des Truderinger Waldes besitzen.

Der Wald wurde bereits mehrfach von einem Großaufgebot an Einsatzkräften der Polizei durchkämmt, die Großteile des Gebietes Schulter an Schulter unter Einsatz von Stangen und Schaufeln  durchkämmt haben. Auch Leichensuchhunde sowie Hubschrauber mit Wärmebildkameras kamen zum Einsatz. Doch die Leichen wurden bis jetzt nicht gefunden.

Roman H.
Tatverdächtiger Roman H. (44)

Inzwischen hat die Polizei im Truderinger Wald eine Schmutzfangmatte und einen Teppich gefunden, die aus der Wohnung der Familie stammen, wie auf einer Pressekonferenz der Polizei am 13.08.2019 mitgeteilt wurde. Auf diesen Gegenständen wurden Blutspuren gefundenen. Ein DNA-Test ergab, es ist Blut von den beiden Vermissten. Damit gibt es praktisch keine Hoffnung mehr, dass die beiden Frauen noch leben.

Die Schmutzfangmatte wurde von der Polizei gezeigt, der Teppich wird aus ermittlungstaktischen Gründen unter Verschluss gehalten.

Die Polizei sucht weiter nach Zeugen. Speziell Spaziergänger sind gefragt, die Verdächtiges im Truderinger Wald beobachtet haben.

Schmutzfangmatte mit Blutspuren
Schmutzfangmatte mit Blutspuren. Auch wenn sie hier auf einem Weg gezeigt wird, wurde sie im Dickicht in der Nähe des Weges gefunden
Biotop/Rothsee
Truderinger Wald. Hier der Baggersee mit Biotop (Rothsee). Die Polizei nimmt an, dass die beiden Leichen hier im Wald liegen (09.08.2019) © Thomas Irlbeck

Zeugenaufruf der Polizei

Die Bevölkerung wird weiterhin gebeten, sich mit Hinweisen in dem Fall an die Polizei zu wenden. Sollten Sie in dem genannten Suchgebiet verdächtige Wahrnehmungen machen, verständigen Sie bitte umgehend eine Polizeidienststelle.

Zeugenaufruf:
Wir bitten Personen, die ab Freitag, 12.07. Beobachtungen, insbesondere im Bereich der Ottobrunner Straße 31 und im sogenannten Truderinger Forst nördlich der Putzbrunner Straße, gemacht haben, sich umgehend mit dem Polizeipräsidium München, Kommissariat 11, Tel. 089/2910-0, oder auch mit jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.

Quelle: Polizeipräsidium München

Pkw der Vermissten
Pkw der Vermissten, ein Hyundai i30
Pkw des Tatverdächtigen
Pkw des Tatverdächtigen, ein VW Tiguan
Pkw des Tatverdächtigen
Pkw des Tatverdächtigen, weitere Ansicht

Mögliches Motiv des Ehemanns (Update 20.08.2019)

Wie die tz berichtet, die sich auf einen Bericht in der „Bild“ beruft, gibt es ein mögliches Motiv des Ehemanns. So sei Maria Gertsuski finanziell gut gestellt gewesen, daher könnte das Motiv hier Habgier lauten. Ferner wird berichtet, dass auch in der Wohnung Blutspuren entdeckt worden seien. Die Leichen wurden immer noch nicht gefunden.

Suche nach Leichen soll in Kürze fortgesetzt werden (Update 21.08.2019)

Der Focus spekuliert unter Berufung auf eine enge Freundin der Familie, es soll eine Trennung des Ehepaars im Raum gestanden haben, was ein mögliches Motiv des Tatverdächtigen gewesen sein könnte. Ferner berichtet das Blatt, dass die Suche nach den Leichen in Kürze fortgesetzt werden soll. Weitere Angaben dazu gibt es nicht.

Motto-Unfall

Werbung

Heute im Briefkasten. So, so, ich hatte also einen tödlichen Motto-Unfall. Es ist wohl Motorradunfall gemeint. Gibt es wirklich Leute, die darauf hereinfallen? Inzwischen gibt es hervorragende automatisierte Übersetzer, und dann liefern diese so einen Müll ab. Es sind ja noch ganz andere Fehler drin.

Motto-Show
„Motto-Unfall“

Einbruch im Marx-Zentrum

Werbung

Einbruch im Schreibwarenladen Marx-Zentrum
Bild 1 (10.03.2018) © Thomas Irlbeck

In unseren Schreibwarenladen im Marx-Zentrum wurde eingebrochen. Der Laden ist daher heute geschlossen.

Einbruch im Schreibwarenladen Marx-Zentrum
Bild 2 (10.03.2018) © Thomas Irlbeck
Einbruch im Schreibwarenladen Marx-Zentrum
Bild 3 (10.03.2018) © Thomas Irlbeck

Seniorenbeirat und Sicherheit

Werbung

Herbert Topfstädt
Herbert Topfstädt

Über zwei Themen wird Herbert Topfstädt am Freitag, den 25. November, 2016 um 14 Uhr im Neuperlacher Sportwirt, Bert-Brecht-Allee 17, im Rahmen des „AWO-Seniorenclub“ berichten: Informelles aus dem Seniorenbeirat; Neues zum Thema Sicherheit für Senioren. Eintritt frei; jedermann(frau) ist herzlich willkommen.

Die Mauer von Neuperlach – offener Brief an den Oberbürgermeister

Werbung

Die Neuperlacherin G. S. hat zum Thema „Mauer in Neuperlach“ an den Oberbürgermeister einen offenen Brief geschrieben. Neuperlach.org veröffentlicht diesen gerne.

Da eine Mauer erstens ein hässliches Signal gegen Flüchtlinge und Integration ist und zweitens auch noch der Satzung von Neuperlach widerspricht, die Neuperlach als Stadtteil der offenen Wege ausruft, positioniert sich Neuperlach.org gegen die Mauer. Der offene Brief gibt aber nicht zwangsläufig in allen Punkten die Meinung des Betreibers von Neuperlach.org wieder.

Herrn
Oberbürgermeister Dieter Reiter

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich kann mir als geborene Münchnerin, die seit 1970 in Neuperlach wohnt und auch gerne hier wohnt, diese Zeilen leider nicht verkneifen.

Es geht, wie könnte es anders sein, um unsere Mauer!

Wie kann es sein, dass München, das ja im letzten Jahr die Willkommensstadt schlechthin war und für die Flüchtlinge, für Integration und für ein friedliches Miteinander stand, jetzt so auf den Widerstand von 7 (!) Anwohnern reagiert? Dass München wegen dieser nicht mal 2 Händen voll Anwohner, deren Häuser übrigens weit genug von dem Gelände entfernt stehen, so einknickt? Warum kann man da nicht genauso viel Rückgrat und Tatkraft beweisen wie vor einem Jahr?

Gerade in Neuperlach funktioniert übrigens das Multikulti-Miteinander sehr gut. Ich selbst bin mit 8 Jahren hier mit meinen Eltern von Trudering nach Neuperlach gezogen und bin seit dieser Zeit mit ausländischen Bürgern, die hier leben, aufgewachsen, zur Schule gegangen, arbeite mit ihnen Seite an Seite. Auch meine Kinder sind hier so aufgewachsen. In einem Miteinander mit ausländischen Kindern und mit einer Selbstverständlichkeit, die es sonst glaube ich nirgends in München so gibt. Und dann so etwas! Das ist weder mein München noch mein Neuperlach!

Sicherlich hat Neuperlach zeitweise auch einen schlechten Ruf gehabt, auch wegen „Mehmet“ in den 1990-ern. Doch das sind Ausnahmen. Da hat Neuperlach ganz andere Probleme und Konflikte, z.B. die Methadon-Praxis und damit die Drogensüchtigen im Marx-Zentrum sowie an der Quiddestraße. Und das seit vielen Jahren. Davor haben auch viele Bürger Angst. Aber da wird nichts getan, darüber regt sich keiner auf.

Es ist auf jeden Fall ein absolutes Armutszeugnis für die Stadt München, dass sie dem Wunsch – der Klage von sieben Bürgern, denen mehr als 100.000 Einwohner von Neuperlach gegenüberstehen – nachgibt. Diese Bürger haben offensichtlich keine Kinder und kein Herz für andere und sind offensichtlich auch schon erwachsen zur Welt gekommen, sonst würden sie nicht so reagieren. Und die Befürchtung von zu viel Lärm halte ich nur für eine Ausrede, da es ja auch noch gar keinen Lärm gibt, den die Mauer abhalten könnte. Es ist offensichtlich nur ein Mittel zum Zweck, um ans Ziel zu kommen. Nämlich gar keine Flüchtlinge hier zu haben.

Mir bleibt hier nichts anderes übrig, als mich fremdzuschämen – für München, diese Anwohner und diese Menschen, die auf Facebook rassistische und fremdenfeindliche Kommentare veröffentlichen.

Lieber Herr Oberbürgermeister, mich würde interessieren, was Sie persönlich dazu sagen, denn nach dem, das Sie letztes Jahr bei der Flüchtlingszuwanderung getan und gesagt haben, kann das kaum in Ihrem Interesse sein.

Mir bleibt hier nur noch zu sagen: „Die Mauer muss weg!“

G. S.

Neuperlach: Die dämlichste Mauer der Welt

Werbung

Sie wird höher als die Berliner Mauer. Derzeit entsteht in Neuperlach Süd eine Lärmschutzwand, welche die Anwohner vor den Geräuschemissionen der Flüchtlinge schützen soll. Oder etwas weiter gefasst: Es wird eine Wand gebaut, die die Anwohner vor den Flüchtlingen bewahren soll. Die Lärmquelle ist die Flüchtlingsunterkunft an der Nailastraße, in der 160 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einziehen sollen. Ironisch gedacht werden die Flüchtlinge vor den Anwohnern geschützt.

Was wird aus unserem Stadtteil, der laut Satzung der „Stadtteil der offenen Wege“ ist, in dem Mauern und Zäune nur in besonderen Ausnahmefällen, etwa bei einem einem Kindergarten, genehmigt werden dürfen?

Und, noch schlimmer, was ist aus der Willkommenskultur geworden, fragt sich Jens Krumpholz:

(Link: YouTube)

Mehr zum Thema:

Spiegel: Mauer soll vor Flüchtlingslärm schützen

Jetzt Petition gegen die Mauer unterschreiben!

Süddeutsche Zeitung: Satire-Aktion an der Mauer in Perlach erzürnt Anwohner

Abendzeitung: Die Mauer kostet wohl 200.000 Euro

Abendzeitung: Vandalen haben in der Nacht auf Donnerstag Parolen an Häuserfassaden in unmittelbarer Nähe zur umstrittenen Mauer in Neuperlach geschmiert. Polizeischutz, Fotoverbot und emotionale Statements – der Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach diskutiert den Hype um die Schallschutzmauer

Focus: Gastbeitrag von Jens Krumpholz: Ein Bollwerk der Unmenschlichkeit

AWO-Seniorenclub: Sicherheit im Stadtteil Neuperlach

Werbung

Herbert Topfstädt spricht über Sicherheit im Stadtteil Neuperlach am Freitag, den 23. September 2016, um 14 Uhr im Neuperlacher Sportwirt, Bert-Brecht-Allee 17 (AWO-Seniorenclub). Eintritt frei; jedermann(frau) ist herzlich willkommen.

Betrüger sind mit allen Wassern gewaschen

Werbung

Sicherheitsberater Jakob berichtet über Betrügermethoden, auf die immer wieder auch „aufgeklärte“ Senioren hereinfallen. Die AWO-Seniorengruppe Neuperlach lädt herzlich ein zu diesem Vortrag am Freitag, den 27. November 2015, um 14 Uhr beim Neuperlacher Sportwirt, Bert-Brecht-Allee 17. Eintritt frei – jedermann/-frau ist herzlich willkommen!

Todsünde #2 – Geiz und Habgier (Update 19.01.2015)

Werbung

Charlie Hebdo
Charlie Hebdo. Immerhin ist der Versand bei den 499 EUR inklusive.  9 verfügbar, 1 verkauft

Die neue Ausgabe von Charlie Hebdo ist sicherlich das derzeit weltweit bekannteste Heft. Nach dem schrecklichen Attentat in Paris hat der Verlag statt 60.000 gleich 3 Millionen Exemplare gedruckt. Doch nach wenigen Minuten war das Heft an vielen Verkaufsstellen bereits ausverkauft.

Nach Deutschland kam das Heft am Samstag, den 17.01.2015. Statt wie sonst üblich 90 (sic!) Exemplaren sollte eine fünfstellige Anzahl ausgeliefert werden – in Deutsch.

Update

Es ist nun doch keine deutschsprachige Ausgabe geplant. Statt 16 Sprachen sind nur noch fünf vorgesehen, darunter Englisch. In Deutschland wird die französischsprachige Ausgabe verkauft. Das konnte den Ansturm aber nicht bremsen, auch in Deutschland war das Heft nach wenigen Minuten ausverkauft.

Die Gier

Kein Attentat ist aber so schlimm, dass es nicht die Gier ausblendet. Wie sonst ist es zu erklären, dass Händler Bestände aufkaufen und dann die Hefte für bis zu 499 EUR (oder vielleicht sogar mehr, wer weiß) das Stück zum Sofortkauf auf eBay anbieten? Statt 3 EUR. Ein Gewinn von rund 17.000 Prozent. Auch wenn keiner gezwungen ist, solche Wucherpreise zu zahlen, ist es für mich Geld, an dem Blut klebt. Denn ohne das Attentat hätte dieser Gewinn nicht gemacht werden können, damit profitieren die Geschäftemacher von dem unfassbaren Leid. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Händler das Geld für die Angehörigen der Opfer spenden.

Wer das Heft haben will, sollte warten. Der Verlag will noch mal 2 Millionen drucken. Und er will so lange nachdrucken, bis jeder sein Heft hat. Auch ohne unseriöse Händler.

Tipp/Update: E-Paper kennt keine vergriffenen Auflagen

Die aktuelle Ausgabe von Charlie Hebdo gibt es auch als App für iPhone, Android und Windows Phone in den offiziellen Stores. Als Sprachen stehen Französisch, Englisch und Spanisch zur Verfügung. Der Preis liegt bei 2,99 EUR bzw. 3,00 EUR. Erfolgreich herunterladen statt erfolglos anstehen – das kann die Lösung sein. Wenn man mit der französischsprachigen Ausgabe nichts anfangen kann, bekommt dann auf diese Weise auch garantiert eine englischsprachige Ausgabe: „All is forgiven – I am Charlie“ steht auf dem Cover.

Die neuesten Maschen der Trickbetrüger

Werbung

Herbert Topfstädt
Herbert Topfstädt

Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass man von dreisten Betrügereien liest. Meist sind Seniorinnen und Senioren die Opfer. Herbert Topfstädt wird Tipps geben, wie man sich schützen kann.

Wann und wo: Freitag, 23. Mai 2014, um 14:00 Uhr beim Treffen der AWO-Seniorengruppe in der Gaststätte Neuperlacher Sportwirt (Bert-Brecht-Allee 17). Eintritt frei; jedermann(frau) ist herzlich willkommen.

Ärger bei der Verbreitung von Fremdfotos trotz CC-Lizenz

Werbung

CC-Lizenz
CC-Lizenz bei flickr. Teil des Screenshots, den ich zu Beweiszwecken angefertigt hatte. CC-Bilder dürfen verbreitet werden, wenn gewisse Spielregeln eingehalten werden

Das Urheberrecht ist ja bekanntlich sehr kompliziert. Inzwischen ist zumindest zu den meisten Leuten durchgedrungen, dass man fremde Bilder nicht so ohne Weiteres verbreiten darf. Auch die Veröffentlichung auf einer privaten, nicht kommerziellen Website ist eine Verbreitung, selbst wenn es nur eine Handvoll Besucher im Monat gibt.

Bilder, die ausdrücklich zur Veröffentlichung freigegeben sind, dürfen dagegen veröffentlicht werden. Hier gibt es die so genannte Creative Commons (CC)-Lizenz, die in unterschiedlichen Abstufungen existiert. Häufig ist zwar eine Veröffentlichung, aber keine Veränderung des Bildes erlaubt.

Aber auch bei Creative Commons-Bildern lauern Fallen. So sind bereits Nutzer erfolgreich und kostenpflichtig abgemahnt worden, die den Namen des Fotografen nicht angegeben hatten. Es gibt also gewisse Regeln, die zu beachten sind. Aber auch bei Einhaltung aller Regeln ist Ärger nicht ausgeschlossen, wie ich gestern selbst erfahren musste.

Zunächst einmal der Hinweis, dass niemand an den Pranger gestellt werden soll. Daher habe ich im Folgenden alle Angaben weggelassen, die einen Rückschluss auf die betroffene Fotografin ermöglichen.

Was war passiert? Ich verwendete in einem meiner Blogs ein CC-Bild. Ich gab den Namen der Fotografin an, ich setzte zudem noch einen Link auf die Fotoseite bei flickr, auf der man auch Informationen zur Lizenz abrufen kann.

Also alles richtig gemacht, dachte ich. Dennoch bekam ich zu meinem großen Erstaunen gestern folgende E-Mail:

Sehr geehrter Herr Irlbeck,

Mein Name ist xxx, Diplom Designer und Fotografin, lebe in […] und sah gestern, dass sie ohne meine ausdrückliche Genehmigung eines meiner Bilder auf ihrer Seite verwenden.

Damit verstoßen sie dem Urheberrecht. Ist ja nett, dass sie wenigstens meinen Namen unter das Bild setzen…

Leider wurde ich nie von ihnen über diese Veröffentlichung gefragt. Das wird normaler Weise so gehandhabt!

Zudem muss ich auch sagen, dass sich wohl niemand meine Arbeit und den Artikel genau angeschaut hat.

[…]

Ich bitte sie, so schnell wie möglich dieses Bild zu entfernen.

Über eine kurze Stellungnahme von ihrer Seite würde ich mich freuen. […]

Ich vergewisserte mich noch einmal, dass das Bild wirklich unter die CC-Lizenz fällt. Für alle Fälle machte ich noch einen Screenshot von der flickr-Fotoseite, auf der auch die Lizenz angegeben ist. Dann schrieb ich zurück:

Sehr geehrte Frau […],

vielen Dank für Ihre Nachricht.

Ich achte immer sehr genau auf das Urheberrecht.

Das Bild haben Sie unter der Lizenz Creative Commons (CC BY-ND 2.0) freigegeben, sodass es genehmigungsfrei genutzt werden darf. Auf der flickr-Seite steht:

You are free:

• to Share — to copy, distribute and transmit the work
• to make commercial use of the work

Daher verwundert mich jetzt ehrlich gesagt Ihr Hinweis ein wenig. Was soll ich denn mehr machen, als darauf zu achten, dass ein Bild als CC freigegeben ist? Wie kommen Sie zu der Auffassung, ich würde gegen das Urheberrecht verstoßen?

[…]

Selbstverständlich entferne ich das Bild, wenn Sie darauf bestehen. Aber ich finde, Sie sollten den Hinweis, ich hätte das Urheberrecht verletzt, nicht aufrechterhalten.

Nach rund einer halben Stunde ging ich noch mal auf die Fotoseite. Nun war das Bild auf einmal als © gekennzeichnet. Die Fotografin hatte es also sehr zeitnah geändert. In einem solchen Fall erwarte ich eine Entschuldigung. Immerhin hat sie behauptet, ich hätte eine Straftat begangen. Es kam aber bis jetzt keine Antwort.

Möglicherweise war es wirklich ein Versehen ihrerseits. Oder sie hatte sich mit den Lizenzen nicht näher beschäftigt.

Zwar ist es Spekulation, aber es bei solchen Dingen ist grundsätzlich auch ein illegales, dreistes Geschäftsmodell denkbar. Man stelle sich vor, Betrüger stellen hervorragende Bilder ins Netz und geben sie als CC frei. Später ändern sie die Lizenz auf © und lassen die Nutzer abmahnen, die ihre Bilder verbreitet haben. Es dürfte nicht immer einfach sein, zu beweisen, dass das Bild ursprünglich als CC freigegeben war. Kaum einer dürfte Screenshots zu Beweiszwecken anfertigen. Unter Umständen können Webarchive helfen (etwa die Wayback Machine, die aber auch nicht alles archiviert und schon gar nicht in Zeitabständen, die in allen Fällen ausreichen würden) oder das Webprotokoll des Providers, falls dieser das in einem Rechtsstreit rausgibt. Screenshots sind sicher hilfreich, können aber auch gefälscht werden.

Es ist davon auszugehen, dass ein Teil der Abgemahnten zähneknirschend zahlt. Manche könnten auch meinen, dass sie sich mit der Lizenz vertan hätten und zahlen dann, obwohl sie schwören könnten, dass das Bild vor kurzem noch als CC ausgewiesen war.

Schön wäre es, wenn flickr und andere Fotowebseiten nicht nur die Lizenz anzeigen würden, sondern auch eine Historie, falls die Lizenz nachträglich geändert wurde. Dann würden solche „Geschäftsmodelle“, sollte es sie überhaupt geben, kaum funktionieren.

Mit heißer Nadel gestrickt? Automat am pep erlaubt das Ziehen steriler Spritzen

Werbung

Präventionsautomat
Präventionsautomat in der Nähe des pep (21.04.2013) Foto: J. W.

Bei vielen ist AIDS schon fast in Vergessenheit geraten, bedeutet die Krankheit doch inzwischen nicht mehr zwangsläufig das Todesurteil. AIDS ist aber keinesfalls heilbar, sondern allenfalls zur chronischen Krankheit mutiert, die man recht gut in den Griff kriegen kann. Zu den Übertragungswegen gehören weiterhin ungeschützter Geschlechtsverkehr sowie gebrauchte und damit nicht sterile Nadeln beim Spritzen von Heroin und in Verbindung mit anderen Drogen, die intravenös zugeführt werden. Neben AIDS gibt es weitere schlimme Krankheiten, die auf diese Weise übertragen werden können, vor allem das sehr gefährliche Hepatitis C.

Es spricht also einiges dafür, wenn man schon den Heroin- und Drogenkonsum nicht verhindern kann, den Leuten zumindest den Zugang zu sterilen Nadeln zu ermöglichen.

Präventionsautomat
Näher dran (21.04.2013) Foto: J. W.

In der Nähe des Einkaufszentrums pep steht seit einiger Zeit ein Präventionsautomat der Münchner AIDS-Hilfe, an dem man sterile Spritzen (sogenanntes Fixerbesteck) und Kondome ziehen kann. Gebrauchte Nadeln können hier ebenso entsorgt werden. Kritiker befürchten, dass solche Automaten zu einem Treffpunkt von Drogenabhängigen werden, den Drogenkonsum eher fördern und Begleitkriminalität mit sich bringen. Vereine, die sich für die Aufstellung einsetzen, weisen diese Kritik zurück. Abhängige würden sich hier lediglich Nadeln ziehen und dann schnell wieder den Platz verlassen.

Die ideale Auswahl des Standorts ist fast die Quadratur des Kreises. Der Automat muss leicht erreichbar sein, darf aber nicht zu auffällig postiert sein, da sonst keine Diskretion gegeben ist. Denn die wenigsten lassen sich hier gerne beobachten. Dennoch ist eine gute Beleuchtung erforderlich, da eine dunkle Ecke auch keine Einladung zur Benutzung ist.

Ein Kondomset mit zwei Kondomen und Gleitcreme kostet 0,50 EUR. Für ein Fixerbesteck, das unter anderem eine Spritze, einen Löffel, einen Tupfer sowie Ascorbinsäure zum Auflösen der Droge enthält, sind ebenfalls 0,50 EUR zu berappen.

Was haltet ihr von solchen Präventionsautomaten?

Danke an J. W., der den Automaten entdeckt und festgehalten hat.

Unglaublich unwürdig unglaubwürdig

Werbung

Eine angebliche Anwaltskanzlei aus London teilt mir gestern per Fax mit, ein mutmaßlicher Verwandter von mir, ein Herr Alex Irlbeck, wäre 2008 an einem schweren Herzinfarkt gestorben. Er hinterlässt ein Vermögen von 32,6 Millionen EUR. Bislang konnten keine Verwandten ausfindig gemacht werden, nun aber sei man auf mich gekommen. Ich könnte also bald reich sein, wenn ich auf den Deal eingehe. Rund eine Stunde später kommt das nächste Fax. Spätestens jetzt wird es unglaubwürdig. Solche Schreiben wie diese sind zwar nichts Neues. Es scheinen aber immer wieder Leute darauf reinzufallen und überweisen erst mal Geld für die Abwicklung, um dann später nie wieder was von der Sache zu hören. Bemerkenswert ist aber, wie sich die Connection durch grobes Ungeschick das potenzielle Geschäft selbst kaputt macht.

London Erbe 1
London Erbe, Teil I (Ein Klick macht groß)
London Erbe 2
London Erbe, Teil II (Ein Klick macht groß)

Substitutionspraxis im Marx-Zentrum: Wachmann feuert mit Gaspistole auf Patient (Update 11.01.2013)

Werbung

Peschelanger/Zum Ärztehaus
Hier geht es zum Ärztehaus, die Tafeln im Bild links deuten unzweifelhaft darauf hin. In einer der Praxen kommt es leider immer wieder zu unschönen Vorfällen (Archivbild) © Thomas Irlbeck

In einer Arztpraxis im Neuperlacher Marx-Zentrum, in der auch Drogensubstitution durchgeführt wird, kam es am Samstag, den 30. Juni 2012 erneut zu einem Zwischenfall mit Verletzten. Das berichten der Münchner Merkur und die Abendzeitung München. Um kurz vor 10 Uhr warteten im Treppenhaus des Ärztehauses etwa 15 Patienten auf ihre Versorgung. Einer von ihnen, ein 40-Jähriger, ist alkoholkrank und wollte die Praxis wegen eines Alkoholtests aufsuchen. Zu diesem Zeitpunkt war er laut Bericht völlig nüchtern (Update: ein später erschienener Bericht spricht dagegen von 1,6 Promille). Aus ungeklärten Umständen geriet der Mann in Streit mit einem 26-jährigen Wachmann. Letzterer fühlte sich in der außer Kontrolle geratenen Lage so bedroht, dass er mit seiner Gaspistole auf den 40-Jährigen feuerte. Letzterer wurde wegen des Reizgases noch aggressiver, woraufhin es zu einer körperlichen Auseinandersetzung kam. Der 40-Jährige hat neben Augenreizungen eine Platzwunde und Abschürfungen zu beklagen, der Wachmann diverse Kratzer. Weitere Patienten wurden durch das Reizgas ebenso an den Augen verletzt. Als Polizei und Feuerwehr eintrafen, hatte sich die Lage entspannt, die Verletzten wurden zu diesem Zeitpunkt bereits in der Praxis versorgt. Die Polizei ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung.

Vorfälle dieser Art kommen in Verbindung mit der Substitutionspraxis immer wieder vor. Letztes Jahr gab es dort sogar einen SEK-Einsatz, bei dem man anfangs sogar von Geiselnahme ausging. Ein vorher abgewiesener Patient hatte sich mit einer Pistole bewaffnet Zutritt zur Praxis verschafft und forderte seine Methadondosis ein. Der Arzt flüchtete über eine Festleiter aufs Dach, eine ebenfalls im Sprechzimmer befindliche Patientin konnte ihm wegen Höhenangst nicht folgen. Verletzt wurde damals niemand, der Täter kam in die Psychiatrie nach Haar. Der Arzt wurde über eine Drehleiter vom Dach gerettet. Die Pistole entpuppte sich später als Schreckschusswaffe.

Update

Der Prozess hat nun vor dem Münchner Amtsgericht begonnen. Der Wachmann steht wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Er beruft sich auf Notwehr, er sei von dem Patienten angegriffen worden. Bericht der Münchner Abendzeitung

Bemerkung: Im Bericht der Münchner Abendzeitung heißt es, der Vorfall wäre am Samstag, den 20. Juni 2012 gewesen. Der 20. Juni war aber kein Samstag. Daher sollte der 30. Juni richtig sein.

Süddeutsche Zeitung: „Gefangen im Marx-Zentrum“

Werbung

Marx-Zentrum
Ringförmig angelegtes Marx-Zentrum (Archivbild) © Thomas Irlbeck

In der Süddeutschen Zeitung vom Samstag, den 15. September 2012, ist auf Seite R7 (Stadtausgabe Süd) ein Artikel über das Marx-Zentrum erschienen (Titel: Gefangen im Marx-Zentrum). Aufhänger ist, dass die Penny-Einkaufswagen seit März dieses Jahres mit einer Wegfahrsperre ausgestattet sind (siehe Bild weiter unten), wodurch man sie nur noch innerhalb des Ladens benutzen kann. Die Süddeutsche Zeitung vergleicht diese Einrichtung mit einer „elektronischen Fußfessel“, die ja bekanntlich manche Straftäter tragen müssen. Einkaufswagen, die nicht mehr zurückgebracht und wieder mühsam vom Personal eingesammelt werden müssen oder gar für immer verschwinden, gehören somit der Vergangenheit an. Für ehrliche Kunden mag das ärgerlich sein. Für diejenigen, die viel schleppen müssen und das nur noch mit Mühe können, wenn überhaupt, ist das auch nicht angenehm.

Marx-Zentrum
Schiefe Laterne im Marx-Zentrum (Archivbild) © Thomas Irlbeck

So weit, so gut. Mit dem Marx-Zentrum hat das nur peripher was zu tun, zumal das in diversen anderen Filialen – auch anderer Ladenketten – auch schon längst praktiziert wird (siehe z.B. Aldi: Einkaufswagen mit Wegfahrsperre, einem Artikel von 2003).

Aber in dem Artikel werden alle Klischees bedient (Häuserfassaden mit Asbestplatten bekleidet, Substitutionspraxis, der Vinzenzmurr schloss, da er, so wörtlich, sein Fleisch schon länger dort (gemeint ist das Marx-Zentrum, der Verfasser) nicht mehr verkaufen wolle, Nagelstudio, Goldankauf, fast ungenutzte Laderampen). Mit den Einkaufswägen hat dies aber kaum etwas zu tun. Im Übrigen wurde das Marx-Zentrum so konstruiert, dass die Läden mit lastenintensiver Anlieferung ringförmig liegen und daher mit Laderampen ausgestattet sind, die übrigens sehr wohl auch heute noch rege genutzt werden. In der Mittelinsel (wo es keine Laderampen gibt) wurden dagegen bevorzugt Läden und Einrichtungen angesiedelt, die keine intensive Warenanlieferung haben. Hier haben die Planer mitgedacht.

Einkaufswagen mit Wegfahrsperre
Einkaufswagen mit Wegfahrsperre. Das rechte Vorderrad wird bei Verlassen des Ladens blockiert (18.09.2012) © Thomas Irlbeck

Doch inzwischen wurden die Läden der Mittelinsel zum Teil zweckentfremdet. Der frühere Frisör, der eher kleinere Mengen an Shampoo und Haarspray benötigte, ist gewichen. Der Lebensmittelmarkt, der dann dort eingezogen ist, hat ein hohes Lieferaufkommen. Die Lieferung erfolgt per Lkw durch die Fußgängerzone. Auch weitere Läden auf der Mittelinsel werden durch Lkw beliefert. Durch die zu schweren Lkw kommt es immer wieder zu Schäden, da die Fußgängerzone nicht dafür ausgelegt ist. Viele der Schäden wurden nie repariert, so gibt es nicht nur gebrochene Bodenplatten, sondern es wurden auch inzwischen fast alle Laternen und weiteren Masten mehrfach vom Lieferverkehr angefahren, wodurch sie immer krummer und verbeulter werden. Die Schäden haben sich über Jahrzehnte angesammelt und wurden meist nur notdürftig beseitigt, wenn überhaupt. Man darf hier fragen, warum sich die Hausverwaltung nicht darum kümmert. Auch die Tiefgarage, die sich direkt unterhalb der Fußgängerzone befindet, wird durch den Lieferverkehr über Gebühr belastet, auch hier sind Schäden und vorzeitige Abnutzungen vorprogrammiert.

Einkaufswagen mit Wegfahrsperre, Hinweis
Vergrößerung Hinweisschild im Wagen (18.09.2012) © Thomas Irlbeck

Trotz diverser Mängel halte ich das Marx-Zentrum weiterhin für sehr lebenswert. Was ich an dem Artikel kritisiere, ist die assoziierte Negativdarstellung. Bei Aussagen wie, dass der Vinzenzmurr dort kein Fleisch mehr verkaufen wolle, entsteht beim Lesen der Eindruck, das Marx-Zentrum müsse ja der schlimmste soziale Brennpunkt sein. Und das stimmt definitiv nicht.

Der Artikel aus der Süddeutschen Zeitung ist nicht online erhältlich, zumindest nicht in einer kostenlosen Variante, deswegen gibt es hier keinen Link.

Man spricht Deutsch

Werbung

Gerade erlebt: Eine Frau läuft auf dem Neuperlacher Fußwegsystem und redet ziemlich laut in ihr Handy. Es ist kein Deutsch, das da zu vernehmen ist. Ein Herr läuft wenige Meter entfernt von ihr und gibt lautstark von sich: „((Fluch, zensiert.)) In Deutschland wird Deutsch geredet!“.

Es wäre mir neu, dass es dafür eine Verpflichtung gäbe.

Presserundgang durch Neuperlach – der Artikel

Werbung

Der Süddeutsche Verlag hat mir freundlicherweise erlaubt, den Artikel, der aus dem Presserundgang durch Neuperlach entstanden ist, hier zu veröffentlichen. Vielen Dank! Die Rechte liegen natürlich weiterhin beim Süddeutschen Verlag, entsprechend darf der Artikel nicht ohne Genehmigung weiterverbreitet werden.

Die Stadt am Rande der Stadt

Große Ansicht

Aus der Süddeutschen Zeitung vom 30.11.2011. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Süddeutschen Verlags

Presserundgang durch Neuperlach

Werbung

Das Telefon schrillt. Eine Redakteurin einer großen Tageszeitung ist am Rohr. Man wolle einen Artikel über Neuperlach machen. Dazu brauche man Informationen, wie sich der Stadtteil verändert habe. Wo es besondere Orte gäbe, die man nicht finde, wenn man mal einfach so aus der U-Bahn aussteige. Natürlich kann ich da helfen.

Treffpunkt ist mittags am pep. Ich führe die Redakteurin kreuz und quer durch Neuperlach. Durch die Ladenzentren, die besonderen Orte. Ich rede und rede, ich beantworte Zwischenfragen. Ich zeige die Ladenzentren, die kurz vor dem Abriss stehen. Die Ladenzentren, in denen es keine Supermärkte, keinen Bäcker, keinen Apotheker und keinen Metzger mehr gibt, dafür aber bis zu drei Wettbüros oder Spielhallen. Ich spreche über die Kriminalität, wie hoch sie wirklich ist. Sie ist erheblich niedriger als allgemein vermutet.

Ich zeige Architektur, wie sich die Häuser verändert haben. Immer mehr Häuser werden bunt oder knallbunt angestrichen. Das Trostlose weicht farblich, auch wenn ein Eimer Farbe alleine ein Haus nicht in der Substanz ändern kann. Ich beschreibe den hohen Komfort – Tiefgaragen, über die man trockenen Fußes in die Wohnungen gelangt. Ich zeige eine Wohnanlage, die sich sogar den Luxus eines eigenen Hallenbades leistet. Ich erkläre das großzügige Fußwegsystem, über das man fast überall hingelangt, ohne eine Straße betreten zu müssen. Die Querungen erfolgen mithilfe unzähliger Brücken und Unterführungen. Ich erwähne, dass man zwar versucht habe, die autogerechte Stadt zu schaffen, aber dass dies nicht direkt auf Kosten von Fußgängern und Radfahrern ging.

Einige Vorurteile, wie dass man sich leicht verlaufen könne, bleiben bestehen. Andere lösen sich auf. Marode Gebäude lassen sich keine präsentieren, mal von den Ladenzentren und einer einsturzgefährdeten Kirche abgesehen, die eher an ein Parkhaus erinnert. Das schlimmste Wohnhaus, bei dem bereits die Fassade abbröckelt und das man von der Optik eher im Ostblock der 1909er vermuten würde, gibt es nicht mehr in dieser Form. Vor ein paar Wochen wurde die Sanierung begonnen und fast alle Spuren sind schon beseitigt.

Das viele Grün und die vielen Freiflächen werden positiv aufgenommen. Ich erzähle unzählige Anekdoten. Das Jugendkino, das nicht mehr da ist. Das plattgemachte Verwaltungsgebäude der Neuen Heimat, wo jetzt das Einkaufszentrum Life steht. Die Stadteilinformation, wo sich neue Bewohner über Neuperlach informieren konnten und in dem auch ein Gipsmodell der Entlastungsstadt stand. Dort befindet sich heute ein türkisches Lebensmittelgeschäft. Es sind viele solche Läden entstanden. Ich rede über Migrationsprobleme, Brennpunkte, die Methadonpraxis, Vandalismus. Es gibt so viel zu erzählen. Nachdem fast jeder Häuserblock passiert wurde, zumindest in Neuperlach Nord, Ost und Mitte, geht es noch kurz ins Café. Nach 3½ Stunden ist der Presserundgang beendet. Ich spüre erst jetzt, wie weit ich gelaufen bin. Aber mit dem Auto könnte man den Stadtteil kaum zeigen – zu weit sind die viel zu breiten, fast leeren Straßen  von den interessanten Punkten entfernt. Neuperlach ist nicht dort, wo man es wähnt.

SEK-Einsatz in Arztpraxis im Marx-Zentrum (4. Update)

Werbung

In einer Arztpraxis im Neuperlacher Marx-Zentrum gab es am Samstag einen SEK-Einsatz. Ein 51-Jähriger betrat die allgemeinärztliche Praxis im 4. Stockwerk des Ärztehauses im Marx-Zentrum. Diese Praxis führt auch Drogensubstitution durch. Mit einer Pistole bedrohte er die anwesenden Assistentinnen und Patienten. Der Arzt war zu diesem Zeitpunkt mit einer Patientin im Sprechzimmer. Der Täter trommelte an die Türe. Diese Situation nutzten zwei Assistentinnen und drei Patienten zur Flucht. Arzt und Patientin verbarrikadierten sich im Sprechzimmer und setzten einen Notruf ab. Die Polizei ging von einer Geiselnahme aus und schickte ein Sondereinsatzkommando zum Tatort. Zunächst konnte der Arzt mit der am Haus fest angebrachten Feuerleiter aufs Dach flüchten. Die Patientin wollte ihm wegen Höhenangst nicht folgen. Statt dessen unternahm sie den Versuch, mit dem Täter ins Gespräch zu kommen. Der Täter schilderte die in seinen Augen ausweglose Situation. Er drohte mehrfach mit Selbstmord und legte es offenbar darauf an, vom SEK erschossen zu werden. Die Patientin konnte den Täter durch das Gespräch beruhigen.

Daraufhin wirkte der Psychologische Dienst der Polizei auf den Täter ein. Nach einem längeren Gespräch wurde der Täter gegen 14:30 vom SEK überwältigt. Er blieb unverletzt. Die Patientin war kurz zuvor per Drehleiter gerettet worden. Die Rettung des Arztes vom Dach erfolgte ebenfalls per Drehleiter.

Bei der Waffe handelte es sich um eine Schreckschusspistole. Zu dem Motiv des Täters heißt es, er brauchte dringend eine Methadondosis und wollte diese vom Arzt erpressen bzw. Rache wegen einer verweigerten Methadondosis üben. Der Täter wurde in die Psychiatrie in Haar eingewiesen.

Quelle:

tz: SEK-Einsatz in Münchner Arztpraxis

Fotos vom Einsatz gibt es bei der Quelle, in einem Bericht der Abendzeitung und auf der Facebook-Seite Marx-Zentum. Die Abendzeitung zeigt dabei auch die Rettung des auf das Dach geflüchteten Arztes.

(Bild entfernt)

SEK-Einsatz im Marx-Zentrum (19.11.2011)

Hintergrundinfo

Die Substitutionspraxis im Marx-Zentrum sorgt immer wieder für Missmut bei Anwohnern, Kunden im Ladenzentrum und Gewerbetreibenden. Zwar gibt der absolut überwiegende Teil der betreuten Drogenabhängigen keinen Anlass für Beschwerden. Diverse, auch größere Vorkommnisse waren jedoch der Auslöser dafür, dass bereits mehrfach ein Umzug der Praxis gefordert wurde. Erst im Juni dieses Jahres gab es einen Raubüberfall auf die Substitutionspraxis, bei dem zwei Täter den Vorratsschrank, in dem Betäubungsmittel gelagert werden, leerten. Eine Arzthelferin wurde bedroht und gefesselt. Laut damaligem Zeitungsbericht war mindestens einer der Täter ein Patient der Praxis.

Der SEK-Einsatz am Samstag wird wieder für neue Diskussionen sorgen. Die meisten Politiker sind aber der Meinung, dass ein Umzug das Problem nicht beseitigen, sondern nur verlagern würde. Es wurde auch schon einmal die Idee aufgebracht, die Methadonausgabe ins Klinikum Neuperlach zu verlagern. Dieser Vorschlag wurde aber ebenfalls abgelehnt.

4. Update (Montag 1:00)

Der Tatverlauf wird inzwischen etwas anders dargestellt, entsprechend wurde der Artikel überarbeitet.

Schöner Drogen – alkologisch!

Werbung

In meiner näheren Umgebung befindet sich eine allgemeinärztliche Praxis, die auch als Substitutionspraxis fungiert und immer mal wieder in den Schlagzeilen ist. Oft geht es darum, dass die Anwohner zwar nichts gegen eine Substitutionspraxis haben, aber diese solle sich bitteschön nicht gerade vor der eigenen Haustüre befinden. In dieser besagten Praxis werden heroinabhängige Menschen mit dem Heroin-Ersatzstoff Methadon versorgt. Die Substitution ist eine wirksame, aber auch nicht unumstrittene Möglichkeit für Menschen, wieder zurück ins Leben, in einen geregelten Alltag zu finden und auch einer Arbeit nachgehen – mit viel Disziplin, etwa Alkoholverbot, und ständiger ärztlicher Kontrolle. Die körperliche Abhängigkeit aber bleibt. Heroin ist ein Teufelszeug, ebenso Kokain, Crack und die vielen weiteren harten Drogen.

Der neueste Hit ist die aus Russland stammende Droge Desomorphin, auch Krok oder Krokodil genannt. Die Lebenserwartung soll nach Beginn der regelmäßigen Einnahme nur etwa ein Jahr betragen. An den Injektionsstellen zeigen sich grünliche Verfärbungen, daher auch der Name. Dabei verfault der Körper schlicht von innen. Die Entzugserscheinungen sind noch viel fürchterlicher als bei Heroin.

„Die Linke“ will langfristig alle (weiche und harte) Drogen legalisieren und sorgt für mediale Empörung

Krokodil soll bereits in Deutschland angekommen sein. Wie die Faust aufs Auge passen da die Berichte, was die Linkspartei, offiziell „Die Linke“ genannt, eben auf ihrem Parteitag in Erfurt mehrheitlich beschlossen hat. Die Partei will alle Drogen „langfristig legalisieren“, und zwar ausdrücklich nicht nur weiche Drogen wie Haschisch, wie es der Parteivorstand zunächst forderte, sondern auch harte Drogen wie eben Heroin und Kokain.

Die Linke
Oskar Lafontaines Herz schlägt seit 2005 noch „linker“, da verließ er nämlich die SPD. Foto: hailippe / Lizenz siehe: flickr

Das Signal nach außen ist ein verheerendes, Kritik kommt von allen Seiten. Die Medien tendieren aber dazu, alles verkürzt wiederzugeben, was zu Verfälschungen führt, und sich auf Sensationen zu stürzen. Was wurde nun denn genau per Änderungsantrag beschlossen? Schauen wir uns das einmal an:

Wir wollen eine liberale und aufgeklärte Drogenpolitik in Deutschland. Drogen sind eine Alltagserscheinung. Der Alkoholmissbrauch ist ein gesellschaftliches Problem. Die Unterscheidung in legale und illegalisierte Substanzen ist willkürlich. Der Missbrauch von Drogen kann zu schweren gesundheitlichen, sozialen und materiellen Problemen führen, die durch Kriminalisierung noch weiter verschärft werden. Wir treten daher für eine rationale und humane Drogenpolitik ein, was eine Entkriminalisierung des Drogenkonsums und langfristig eine Legalisierung aller Drogen beinhaltet. Im Grundsatz wollen wir eine Gesellschaft, die nicht auf Strafe und Repression gegen Drogenkonsumentinnen und -konsumenten setzt, sondern die mit Prävention und Aufklärung dem Drogenmissbrauch vorbeugt.

Das klingt nun nicht mehr ganz so katastrophal. „Prävention und Aufklärung“ wird jeder unterschreiben, und auch dass man nicht den Drogenkonsumenten kriminalisieren sollte, was im Umkehrschluss bedeutet, dass man sich auf die Dealer und deren Vertriebswege konzentriert, dürfte Zustimmung bei vielen erfahren. Warum man dazu aber die gefährlichsten Substanzen legalisieren muss, was immer das bedeuten mag, bleibt wohl das Geheimnis der Linkspartei. Was heißt aber hier legal? Offenbar soll der Besitz der Substanzen legal werden, ggf. auch die Beschaffung, der reine Konsum (die Einnahme) ist übrigens bereits heute nicht illegal (was aber jetzt an Haarspalterei grenzt, da die Einnahme erst einmal Beschaffung und Besitz voraussetzt). Ob irgendwelche lizenzierten Stellen gewisse weiche und harte Drogen herstellen dürfen, bleibt offen. Sinn könnte dies ergeben, um zumindest zu verhindern, dass Süchtige verunreinigte und damit noch gefährlichere Stoffe konsumieren. Höchst umstritten würde dies aber auf jeden Fall bleiben, da schlimme Drogen auf diese Weise noch mehr Verbreitung finden könnten. Dem gegenüber würde aber ein Rückgang der Beschaffungskriminalität stehen.

Ob weiche Drogen ähnlich wie in den Niederlanden frei zugänglich für jedermann werden sollen, bleibt ebenso nebulös. Da die Linkspartei aber die Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Substanzen kritisiert, womit nur die Tatsache gemeint sein kann, dass Alkohol legal ist, aber dennoch auch als Droge verstanden werden muss, die bei übermäßiger Anwendung viel Leid anrichten kann, Haschisch dagegen als illegale (weiche) Droge zählt, ist es relativ wahrscheinlich, dass das niederländische Modell zumindest diskutiert werden wird.

Wäre der Antrag im Vorfeld entschärft oder einfach abgelehnt worden, hätte es keine oder zumindest keine so große Empörung über die zukünftige Drogenpolitik der Linkspartei gegeben. Nachdem auffallend viele Mitglieder der Linkspartei erst kürzlich den Mauerbau verteidigt hatten, zum Teil mit unerträglichen Begründungen, ist nun ein neuer Tiefpunkt erreicht. Man könnte es so zusammenfassen: Die Linkspartei schafft gerade nicht das Drogenproblem ab, sondern sich selbst.

Ergänzung

Parteichef Klaus Ernst schlug übrigens zum Ende des Parteitags vor, den Punkt „Legalisierung aller Drogen“ noch mit dem Halbsatz „das bedeutet die Entkriminalisierung der Abhängigen und die Organisierung von Hilfe und einer legalen, kontrollierten Abgabe von Drogen an diese.“ zu ergänzen, was angenommen wurde. Aber auch dieses überhastete, chaotische Zurückrudern (das aber im Wesen des Beschlusses kaum etwas ändert) brachte ihm wieder Kritik ein.

Twitter-Splitter: Meinungen zum Thema

Medien_Buero: Man sollte auf jeden Fall die Drogen verbieten, die auf dem Parteitag der Linken in Erfurt genommen werden.

CDUWeirich: Linkspartei will alle Drogen legalisieren. Beruhigend ist: Das Ende des Sozialismus in seinem Rausch, halten weder Koks noch Haschisch auf!

Anon_vanita5: Die Linke will ALLE Drogen legalisieren? Wie soll ich mir das vorstellen? Heroin bei Aldi im Angebot??

ki_naudiz: Ich denke, die Strafen bei harten Drogen sind eine effektive Abschreckung und sollten beibehalten werden.

Halina_Waw: fassungslos. linke beugt sich mediendruck und ändert beschluss zu drogen, soll mir noch mal jemand stöckchenspringer sagen. absurd #linkebpt