Quidde-Zentrum: 4 Monate und nichts passiert!

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Quidde-Zentrum
Bild 1: Erst Ladenzentrum, dann der „Neuperlasch Zoo“ (Kunsttreff) (17.10.2019) © Thomas Irlbeck

Praktisch auf den Tag genau vor vier Monaten wurden alle Zugänge zum Quidde-Zentrum gesperrt. Das mit dem Abriss solle nun sehr schnell gehen, hieß es. Und wieder einmal gewinne ich den Eindruck, dass hier übereilt gehandelt wurde. War es wirklich notwendig, dass man die Künstler und sozialen Einrichtungen schon jetzt rausgeworfen hat? Klar, die Räume sind marode – ohne funktionierende Heizung und teilweise mit Wasserschäden. Aber den Durchgang hätte man beibehalten können. Das Neuperlacher Fußwegsystem und eine wichtige West-Ost-Verbindung sind nun faktisch unterbrochen, auch wenn es eine Umleitung (Bild 6) gibt (die aber nicht jeder kennt und die nicht ausgeschildert ist) und die Brücke (Bild 5) über die Quiddestraße weiterhin prinzipiell benutzbar ist. Für Radler bedeutet es aber, auf der Umleitungsstrecke eine schmale Rampe zu befahren, was für viele Absteigen bedeutet. Möglich ist natürlich, dass sich inzwischen schon Teile der Decke selbstständig machen und es zu gefährlich wäre, was aber Spekulation sind und zumindest durch meine Beobachtung nicht gedeckt ist. Wenn es wirklich so wäre, könnte man hier sicherlich eine etwaige Gefahrenstelle durch Sicherungsmaßnahmen entschärfen.

Aber ich frage: Wie lange soll dieser unhaltbare Zustand noch anhalten?

Bereits 2011 (!) schloss der letzte Lebensmittelmarkt im Quidde-Zentrum und auch die Stadtbibliothek. Seitdem ist das Quidde-Zentrum vor allem eins: Eine Ruine ohne die früher bestandene Nahversorgungsfunktion.

Geplanter Neubau

Geplant sind ein neues Ladenzentrum, aber auch Wohnungen. Ziel ist also auch eine Nachverdichtung, die vor allem durch Nutzung des bisherigen Parkplatzes erfolgen soll. Dabei sollen ein achtgeschossiges Zeilenhauses und ein sechsgeschossiges Punkthaus realisiert werden. Pläne und Computergrafiken wurden offenbar noch keine veröffentlicht. Eine Baugenehmigung soll noch nicht erteilt worden sein. Bei einer Informationsveranstaltung für Anlieger („WSB-Mieterfest“) am 13.09.2019 gab es Kritik, berichtete die Süddeutsche Zeitung. Die Mieter fühlten sich nicht gut informiert, ihre Sorgen nicht ausreichend ernst genommen. Anstelle einer Computergrafik soll der neue Bau nur als eine mit einem schwarzen Filzstift angefertigte Zeichnung präsentiert worden sein.

Quidde-Zentrum
Bild 2 (17.10.2019) © Thomas Irlbeck
Quidde-Zentrum
Bild 3 (17.10.2019) © Thomas Irlbeck
Quidde-Zentrum
Bild 4 (17.10.2019) © Thomas Irlbeck
Quidde-Zentrum
Bild 5 (17.10.2019) © Thomas Irlbeck
Quidde-Zentrum Abriss – Map
Bild 6: Umleitungsempfehlung für das Neuperlacher Fußwegsystem. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

Allianz-Versicherung verlässt Neuperlach – Gebäude sollen abgerissen werden

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Bild 1: Der Neubau (13.08.2019) © Thomas Irlbeck

Die Allianz-Versicherung verlässt Neuperlach. Das Unternehmen wird den bis Ende 2020 laufenden Mietvertrag für das Bürogebäude an der Fritz-Schäffer-Straße 9 nicht verlängern. Die Mitarbeiter werden in die Allianz-Zentrale in Unterföhring umziehen. Die Gebäude sollen abgerissen werden. Das berichtet die tz.

Meine Mutter hat dort viele Jahre gearbeitet, daher habe ich einen Bezug zu dem Bau. Anfangs hieß der Konzern noch „Vereinte Versicherung“. Am 1. Mai 1995 wurde das Unternehmen an die Allianz Aktiengesellschaft (heute Allianz SE) verkauft. Am 8. November 2002 ging die Marke „Vereinte Versicherung“ schließlich in der Allianz auf.

Die Gebäude sind noch nicht alt. Anfangs gab es nur den Hauptbau (April 1982 eröffnet laut Dokument „Städtebauliche Entwicklung des neuen Stadtteils Neuperlach in München“, Sigrid Bretzel, München, 2009), der weiße, futuristisch anmutende Bau (weiße Fassade) kam später hinzu (April 1996 eröffnet laut gleicher Quelle).

Der bisherige Eigentümer hat die Gebäude verkauft. Der neue Eigentümer will neue Bürogebäude errichten. Der Grund ist, dass die bisherigen Gebäude zu wenig Büroflächen in Relation zur Grundstücksgröße bieten.

Das geht Richtung Wegwerfarchitektur. Unser Neuperlach wird mir bald fremd!

Der Bebauungsplan lässt nur Gewerbe zu. Dennoch könnte auch einer vorhabenbezogenen Änderung des Bebauungsplans ein Mix aus Wohnen und Arbeiten entstehen.

Dazu ein Alternativvorschlag: Ich könnte mir vorstellen, den Neubau zu erhalten und die Büroflächen neu zu vermieten. Dem Altbau würde ich ersetzen durch einen echten Hochpunkt, das heißt mehrere Häuser, von denen mindestens die Hochhausgrenze sprengt. Dabei würde ich das Design des Neubaus weiterführen. Das Hochhaus könnte dann als Wohnhaus fungieren oder gemischt für Wohnen/Gewerbe.

Update: Ein Leser berichtet, es werde nur der Altbau abgerissen. Bestätigt ist das derzeit noch nicht.

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Bild 2 (13.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild 3: Neubau (links) und Altbau. Der Weg führt hier zum LAO/Plett-Zentrum (13.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild 4: Eingangsbereich Altbau mit dem Brunnen (13.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild 5: Neubau von der Fritz-Schäffer-Straße aus gesehen (13.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild 6 (13.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild 7 (13.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild 8 (13.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild 9 (13.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild 10: An der Kreuzung Fritz-Schäffer-Straße/Thomas-Dehler-Straße/Albert-Schweitzer-Staße aus gesehen (13.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild 11: Von der Fußgängerbrücke aus gesehen, die das LAO/Plett-Zentrum mit der Allianz verbindet (13.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild 12: Der Altbau von der Ständlerstraße aus gesehen (13.08.2019) © Thomas Irlbeck

Genieße Dein Leben – In Neuperlach Süd entsteht Wohnensemble Enjoy

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Bild 1: Werbetafel für das Bauprojekt am Verkaufsbüro (04.08.2019) © Thomas Irlbeck

Die Isaria AG baut am Gustav-Heinemann-Ring 133/135 in Neuperlach Süd als Ersatz für ein altes Büro- und Geschäftshaus einen mehrgliedrigen Wohnbau mit 80 Eigentumswohnungen. Das Projekt firmiert unter dem Namen Enjoy. Im Erdgeschoss sind außerdem drei Läden vorgesehen. Der Vertriebsstart ist bereits erfolgt, Ende 2021 soll die Fertigstellung erfolgen.

Lage

Der Bau liegt fast unmittelbar gegenüber dem U-/S-Bahnhof Neuperlach Süd. Das alte Gebäude steht momentan noch (Bilder 2 bis 11) und ist bereits für den bevorstehenden Abriss abgesperrt.

Bestandsbau

Der Bau, welcher der P&P-Gruppe Bayern GmbH gehörte, wurde 1988 errichtet. Die 4 Obergeschosse waren zur Büronutzung (4.029,73 m²) vorgesehen. Im Erdgeschoss waren früher bzw. zuletzt das China-Restaurant „Chi Wan“, ein Café Ratschiller’s, eine Stadtsparkasse, die „Munich International School of Arts“ und eine Änderungsschneiderei ansässig.

Architektur einmal anders! Verspielt, frech, schräg!

Der neue Bau weicht erfreulicherweise von den üblichen Einheitsbauten ab. Die Grundrisse der beiden Hauptbauten basieren nicht etwa auf Rechtecken, sondern auf verschiedenen, nicht regelmäßigen Pentagonen. Die Balkone haben unterschiedliche und interessante Formen. Sie sind entweder quadratisch, rechteckig, spitz zulaufend, gedreht oder haben andere, unsymmetrische Formen. Jeder Balkon scheint einzigartig zu sein, einige Balkone zeigen in die verschiedensten Richtungen und erwecken den Eindruck, gewagt weit rauszustehen. Dieses gewollte Chaos ist ein Blickfang und harmoniert damit mit den ebenso unkonventionellen Grundrissen. Auch Loggias sind laut Beschreibung vorgesehen, die ich hier jedoch wegen ihrer Anordnung außerhalb des normalen Gebäudeumrisses eher als Erker bezeichnen würde. In den Erdgeschoss-Wohnungen sind Terrassen vorgesehen. Die Farbgebung (grün) ist ebenso ungewöhnlich.

Geschosszahl

Die Geschosszahl liegt bei 8 (der schmalere Gebäudeteil) bzw. 7 (der breitere Gebäudeteil). Die beiden Hauptbauten sind mit einem schwebenden Zweigeschossser verbunden. Der nordwestliche Teil schließt mit einem Zweigeschosser ab – der, damit keine Langweile aufkommt, als unregelmäßiges Oktagon ausgeführt ist –, der an dem Siebengeschosser klebt.

Die Wohnungen weisen 2 bis 4 Zimmer auf. Dazu kommen private Dachgärten und Dachterrassen.

Damit verabschiedet man sich in Neuperlach Süd wohl immer mehr von der alten Regel, maximal 6 Geschosse zu bauen. Hier werden es immerhin wie erwähnt auch 7 bzw. 8 Geschosse – wie punktuell am Gewofag-Bau. Der Mut, ein paar wirkliche Hochpunkte zu setzen, fehlt jedoch. Das mag an den Bebauungsplänen liegen, die mehr nicht zulassen. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Stadt die Bebauungspläne generell ändert, da dies aufwendig ist und man nicht beliebig Ressourcen hat. Aber es ist möglich, Bebauungspläne vorhabenbezogen zu ändern.

Ein paar Meter weiter entsteht ja z.B. mit dem Boardinghouse ein immerhin 17-geschossiges Hochhaus, wozu ebenfalls ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden musste.

Preise

Die Preise sind die in München mittlerweile üblichen, es geht bei 4-Zimmer-Wohnungen –zumindest den mit besonders großer Fläche – jetzt auch in Neuperlach schon offenbar unaufhaltsam Richtung 1 Million.

Preisbeispiele

  • 4 Zimmer, EG, SW-Terrasse zum Innenhof, 85,6 m², 649.900,00 €
  • 4 Zimmer, 6. Stockwerk, Loggia & Balkon, Alpenblick, 106,2 m², 899.900,00 €
  • 2 Zimmer, 7. Stockwerk, Loggia, 57,6 m², 469.900,00 €
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Bild 2 (04.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild 3 (04.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild 4 (04.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild 5 (04.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild 6 (04.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild 6 (04.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild 8 (04.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild9X (04.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild 10 (04.08.2019) © Thomas Irlbeck
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Bild 11 (04.08.2019) © Thomas Irlbeck

Die Perlacher Straße

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Perlacher Straße
Bild 1: Perlacher Straße (sie läuft im Bild von links nach rechts), Ecke Herzogstandstraße. Dieses Haus  markiert den Anfang der denkmalgeschützten „Stockwerksiedlung Walchenseeplatz“. Auch die Bilder 3 bis 9 zeigen Häuser dieser Siedlung (04.06.2019) © Thomas Irlbeck
Perlacher Straße
Bild 2: Unser Name! (04.06.2019) © Thomas Irlbeck © Thomas Irlbeck

Das heutige Thema ist die wohl maximal „perlachigste „Straße überhaupt in München. Nur die Peralohstraße (Peraloh ist der alte Name für Perlach) kann da noch annähernd mithalten (auch von ihr wird später noch die Rede sein). Straßen führen oft dorthin, das sie bezeichnen, oder zumindest in ihre Richtung. Hier ist Letzteres der Fall. Man steuert also auf der Perlacher Straße zumindest in Richtung Perlach, wenngleich man den Stadtteil nicht erreicht. Die Perlacher Straße startet an der Tegernseeer Landstraße („Tela“) in Giesing (genauer Obergiesing) auf Höhe der Zehentbauernstraße und des Giesinger Grünspitz (eine 2.000 qm große Grünfläche, die früher von einem Autohändler genutzt wurde und heute eine Freifläche ist, auf der sich ein urbaner Garten befindet und auf der auch z.B. Flohmärkte stattfinden). Es geht weiter Richtung Südost über die Raintaler Straße und die Spixstraße/Herzogstandstraße.

Stockwerksiedlung Walchenseeplatz

Die Wohnanlage zwischen der Herzogstandstraße und Untersbergstraße des nördlichen Verlaufs der Perlacher Straße ist als Ensemble denkmalgeschützt. Ihr Name ist die „Stockwerksiedlung Walchenseeplatz“. Bild 1 zeigt das Eckhaus, das die südwestliche Ecke dieses Ensembles bildet.

Der Bayerische Denkmal-Atlas sagt zu der „Stockwerksiedlung Walchenseeplatz“:

Zitat Bayerischer Denkmal-Atlas (Klick zum Öffnen)

Die Planung der Großsiedlung am Walchenseeplatz, die im Rahmen des Münchner Großsiedlungsprogrammes der Jahre 1928 bis 1930 von der „Gemeinnützigen Wohnungsfürsorge AG“ errichtet wurde, geht zurück auf einen Vorentwurf von Johanna Loev. Die Konzeption der Planung wurde dann von Loev gemeinsam mit Carl Jaeger, dem die Oberleitung übertragen wurde, durchgeführt. Im Rahmen des damaligen Arbeitsbeschaffungsprogrammes für Architekten waren bei der Bearbeitung der Einzeltypen unter anderem Fritz Landauer, Hanns Atzenbeck, Max Schoen, Joseph Dürr, Hans Grünzweig und Fritz Männche beteiligt. Ausgeführt wurden allerdings nur zwei Drittel des vorgesehenen Umfanges.

Vorgegeben war der Planung bereits der Walchenseeplatz mit der Bebauung seiner Nordseite. Zur Deisenhofener Straße einerseits und zur Perlacher Straße andererseits ist die Siedlung durch langgestreckte viergeschossige Blöcke abgeschirmt. Der Block an der Deisenhofener Straße zeichnet sich durch überhöhte Eckbauten aus. Die Blöcke an der Perlacher Straße folgen dem leichten Schwung der Straße. Die ebenfalls viergeschossigen Zeilenbauten im Inneren der Siedlung sind den damaligen städtebaulichen Vorstellungen entsprechend von Norden nach Süden gerichtet, wobei sich, zum Teil zusätzlich abgeschirmt durch eingeschossige Zwischenbauten mit Läden und Werkstätten an den Kopfenden der Zeilen, großzügige, verkehrsberuhigte Höfe mit Plätzen zum Spielen und zum Trocknen der Wäsche ergeben. Die vom Hochbauamt der Stadt München erarbeiteten Vorgaben für das Münchner Großsiedlungsprogramm führten zu einer weitgehenden Normierung der Haus- und Wohnungsgrundrisse; angeboten sind vornehmlich Wohnungen zu 50 und 60 Quadratmeter, aber auch, wenn auch in geringerer Zahl, Wohnungen zu 75 und 100 Quadratmeter. Zugleich waren die verwendeten Materialien und das Zubehör standardisiert. Trotz dieser Sparsamkeit wurde eine hohe bauliche Qualität gefordert, was den beachtlichen Wohnwert der Siedlung begründet. Der zu einer Individualisierung der einzelnen Bauten verbleibende Spielraum wurde von den Architekten bestmöglich zur Variierung der Fassadengliederung mit unterschiedlichen Fensterlösungen, Loggien- und Treppenhausachsen ebenso genützt wie durch Bauzier in Form von Gußsteinreliefs und großflächigen Sgraffitomalereien. Bei dem insgesamt schlichten Erscheinungsbild spielt auch die Farbgebung eine entscheidende Rolle. Neuere Eingriffe sind nur die beiden Blöcke Kesselbergstraße 22 und Rißbachstraße 3, die sich jedoch auch auf vier Geschosse beschränken.

Kunst in der Stockwerksiedlung Walchenseeplatz

An der Abzweigung Perlacher Straße/Rottacher Straße machen wir kurz Station, denn hier gibt es an einem Häusereck (auch dieses Haus ist Bestandteil der denkmalgeschützten „Stockwerksiedlung Walchenseeplatz“) Kunst in Gestalt einer Hauseck-Skulptur zu sehen. Ein Maurer mit Kelle und Ziegelstein übt sein Handwerk aus:

Perlacher Straße
Bild 3: Perlacher Straße, hier biegt die Rottacher Straße nach links ab. Es gibt Skulpturkunst (04.06.2019) © Thomas Irlbeck
Perlacher Straße
Bild 4: Vergrößerung des Kunstwerks  Maurer als Hauseck-Skulptur (04.06.2019) © Thomas Irlbeck

Auffällig ist die individuelle Gestaltung der Häuser mit verschiedenen Sgraffitomalereien oberhalb einiger Hauseingänge, wie auch der Bayerische Denkmal-Atlas kurz erwähnt hat. Eine davon ist hier zu sehen, wir sind kurz vor der Valeppstraße (und noch immer in der „Stockwerksiedlung Walchenseeplatz“):

Perlacher Straße
Bild 5: Sgraffitomalerei mit Fischern an der Perlacher Straße/Ecke Valeppstraße  (04.06.2019) © Thomas Irlbeck
Perlacher Straße
Bild 6: Vergrößerung (04.06.2019) © Thomas Irlbeck

Gaststätte „Schinken-Peter“ (früher: Gastwirtschaft zum Walchensee“)

Die Perlacher Straße führt weiter über die Valeppstraße. Am Eck ist die Gaststätte Schinken-Peter, an der wir kurz eine Pause einlegen. Es handelt sich um eine Gaststätte mit Biergarten, die früher „Gastwirtschaft zum Walchensee“ hieß und deren alter Name immer noch zu sehen ist (Bild 7). Auch dieses Haus ist der „Stockwerksiedlung Walchenseeplatz“ zuzurechnen. Die Gaststätte sagt über sich selbst:

Seit 31 Jahren ist der Schinken-Peter gepflegte und gelebte Tradition im Münchner Stadtteil Giesing. Er lockt mit kulinarischer Vielfalt aus der bayerischen Küch´ und zeitgemäßen Gerichten.

Perlacher Straße
Bild 7: Gaststätte Schinken-Peter (früher: „Gastwirtschaft zum Walchensee“). Wir sind hier in der Valeppstraße. Die Perlacher Straße ist nicht im Bild, man muss sie sich hinter dem Betrachter von links unten nach rechts oben vorstellen (04.06.2019) © Thomas Irlbeck
Perlacher –Straße
Bild 8: Zoom des vorigen Bildes: neuer und alter Name (04.06.2019) © Thomas Irlbeck
Perlacher –Straße
Bild 9: Gaststätte Schinken-Peter – jetzt mit dem Fokus auf dem Biergarten (04.06.2019) © Thomas Irlbeck

Der Rest der Straße

Es geht weiter über die Untersbergstraße zur Fockensteinstraße/Sinpertstraße. Der Verlauf der Perlacher Straße hat inzwischen ziemlich genau einer Ost-West-Richtung angenähert. An dieser Stelle findet sich die „Mittelschule an der Perlacher Straße“. Es geht weiter über die Trauchbergstraße. Wenige Meter weiter östlich macht die Straße einen Knick nach Norden bis zur Deisenhofener Straße. Dort endet sie.

Ein Tipp für Radfahrer – maximal perlachig nach Perlach

Wer auf besonders originelle (und dennoch praktische Art) von Giesing nach Perlach/Neuperlach kommen will, der kann dies mit maximal etymologisch perlachigem Anteil machen. Man startet an der Perlacher Straße und fährt sie bis zum Ende. Dort biegt man rechts ab in die Deisenhofener Straße, dann rechts in die Schwanseestraße, der man bis zur Ständlerstraße folgt. Nun ist man am Friedhof am Perlacher Forst und hat noch ein Perlach im Namen. Man biegt nun links in die Ständlerstraße ab und fährt an ihr entlang. Auf Höhe der Görzer Straße geht die Straße in eine Autostraße über und der Radweg knickt in einen Park nach rechts ab. Man folgt ihm, bis man zu einer Fußgängerbrücke kommt, die über die Autobahn A8 führt. Diese überquert man. Die Rampe auf der anderen Seite ist nur was für geübte Fahrer. Offiziell ist die Abfahrt verboten, es heißt schieben. Nun ist man auf der Peralohstraße – und damit bereits in Perlach –, die man geradeaus bis zum Ende befährt. Dabei kommt man auf der rechten Seite auch an dem alten Haus mit dem schönen Türmchen vorbei. Die Peralohstraße endet an der Ottobrunner Straße. Wenn man hier schließlich rechts abbiegt, ist man bereits kurz vor dem Perlacher Pfanzeltplatz.

In der umgekehrten Richtung funktioniert es ebenso. Den Abzweig zur Peralohstraße findet man auf der Ottobrunner Straße auf Höhe des „Edeka Linzmair“. Bei der Durchfahrt durch den erwähnten Park, welcher der Brücke folgt, muss man per Unterführung auf die andere Seite der Ständlerstraße wechseln.

Hotel Königshof: Historie, Architektur, Abriss und Neubau

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Hotel Königshof 2014
Bild 1: Hotel Königshof (2014). Lizenz: Public Domain
Von Bruno Tamborino und Thomas Irlbeck

Das Hotel Königshof am Münchner Stachus wird derzeit abgerissen. Danach kommt ein luxuriöser Neubau.

Inhalt

I   Kommentar: Historie und Besonderheiten eines bemerkenswerten Gebäudes
II   Neubau ab 2019 im expressionistischen Stil
III   Historisches Hotel Königshof (1820–1944)
IV   Wiederaufbau und Renovierungen (1950–2007)
V   Abriss 2019

Hinweis: Der Artikel geht auch kurz auf den Abriss ein, einen weit ausführlicheren Abrissbericht gibt es in einem separaten Artikel: Hotel Königshof: Der Abriss

I   Kommentar: Historie und Besonderheiten eines bemerkenswerten Gebäudes

Das Gebäude, das in diesen Wochen des Jahres 2019 verschwindet, hat einige Besonderheiten in sich. Es handelt sich augenscheinlich nur um ein etwas plump gestaltetes Gebäude – zum größten Teil im Stil der 1970er-Jahre, mit einigen kleinen stilistischen Ausrutschern, die nicht so ganz hineinpassen. In Wirklichkeit ist es eine außergewöhnliche, historisch gewachsene Bausubstanz, die zum Teil rund 200 Jahre alt ist. Das heutige Gebäude entstand ursprünglich als Villa unmittelbar vor einem Stadttor – in den allerersten Jahren, in denen man in Mitteleuropa endlich die mittelalterlichen Stadtmauern aufgeben konnte und sorglos auch außerhalb dieser bauen und wohnen konnte. Das noch sehr ländlich anmutende Stachus-Rondell in seiner ersten Variante war noch neu, und das Umfeld der dreistöckigen, schlichten, aber eleganten Villa war ländlich, nur eine breitere Straße führte vom Karlstor aus an ihr vorbei.

Das Schicksal des ganzen Areals änderte sich, als man beschloss, vor dem Karlstor auf die offene Wiese einen Bahnhof für München zu erbauen. Diese Neuigkeit der Technik wurde sehr schnell überall zum Hauptelement der Massenmobilität von Menschen und Gütern, und die Gegend der Vorstadtvilla wurde sehr schnell zu einem wichtigen Durchgangspunkt, an dem bald viel gebaut wurde und Gaststätten -– auch die legendäre Gaststätte „Zum Eustachi“ (das war der Rufname des damaligen Wirtes Mathias Eustachius Föderl), von welcher der Stachus seinen Namen hat – und dann Hotels entstanden. Die Villa war eines der ersten Gebäude in dieser Gegend. Der Garten wurde als Baugrund verkauft, aber sie blieb stehen, bis man sie erweiterte und auch sie zum Hotel wurde. Man bedenke, früher war es die Regel, Gebäude zu erweitern und sie umzugestalten statt sie abzureißen und neuzubauen, wie es heute üblich ist. Es war einfach eine praktische und pragmatische Lösung. Erst mit der überwiegenden Industrialisierung des Bauprozesses ist man davon abgekommen. Der Stil der Villa wurde im Großen und Ganzen beibehalten, sie wurde aber seitlich und nach hinten erweitert und das Erdgeschoss bekam einen städtischen Charakter.

Karlsplatz Stachus
Bild 2: Karlsplatz Stachus, ca. 1908. Lizenz: Public Domain

Die Besonderheit an diesem „Hotel Bellevue“ war, dass das Haus ab diesem Zeitpunkt nur dieser kommerziell intensiven Funktion diente und dass daran nichts angebaut wurde. Es blieb also immer auf allen Seiten frei stehen – auch da es der Spender der umliegenden Baugründe war. Es folgten weitere Umgestaltungen, eine erste mit Doppelgiebeln, eine zweite Variante mit Doppelgiebeln, eine schlichte und elegante Nachkriegsvariante, dann der Einbau des großen verglasten Restaurants, dann das Redesign in den 1970er-Jahren, das sich strikt an architektonische Details und Materialien der Olympiabauten anlehnte. Fast bis zum Schluss wurde aufgestockt, modernisiert und verbessert. Alte und neue Besitzer haben zirka alle 20 Jahre das Gebäude aktualisiert, damit es wieder modern und attraktiv wurde. Dabei sind sie fast den Tendenzen der Zeit hinterhergerannt. Da es sich um ein Hotel handelte, ist dies für ein gewerbliches Gebäude nicht wunderlich. So konnte man die Umbauten auch schnell durchführen, ohne extreme lange Schließzeiten in Kauf nehmen zu müssen. Und da es ein frei stehendes Gebäude in der Innenstadt ist, hatte man keine Rückfassade, an der man auf Umbauten hätte verzichten können. Deshalb hat von der ursprünglichen Identität des Hauses nie etwas überlebt – nur die Erker, die plumpen Proportionen und das Restaurant sind Volumen, die nicht so recht in die modern Variante passen.

Hotel Königshof – Montage aktueller und erster Bau
Bild 3: Die Hervorhebung in der Bildmitte zeigt, wie die Proportionen des Vorgängerbaus – der Vorstadtvilla von 1818 – im Vergleich zum aktuellen Bau aussehen. Es geht dabei nicht nur um die Größenverhältnisse, denn ursprüngliche Bausubstanz aus den Zeiten der vielen Erweiterungen und Umbauten des Hotels bis wahrscheinlich zurück an die Anfänge vor 200 Jahren sind im aktuellen Bau noch vorhanden. Foto: Rufus46, bearbeitet durch Bruno Tamborino / Lizenz: CC BY-SA 3.0

Bestimmt werden beim Abriss sehr alte Gemäuer zum Vorschein kommen, vielleicht überraschenderweise Kellergewölbe in einem „Bau aus den Siebzigern“, bestimmt ist das Stück Fassade mit den mittleren fünf Fensterachsen und dem zweiten und dritten Obergeschoss 200 Jahre alt, vielleicht befinden sich da sogar noch unter vielen Farbschichten die alten Fassadenmalereien.

Was jetzt verschwindet, ist also keine große Schönheit, aber dennoch interessant wegen seiner ungewöhnlichen Geschichte. Leider war das Haus offensichtlich nicht mehr den Zeiten angepasst und bot auch keine Verbesserungsmöglichkeiten mehr. Man muss auch bedenken, dass der Neubau neun anstatt sechs Obergeschosse bieten wird, was wohl wegen geringerer Raumhöhe nur mit einem geringen Höhenzuwachs einhergeht, abgesehen von der Möglichkeit, den Untergrund mit mehreren großen Kellergeschossen viel besser nutzen zu können.

Es bleibt halt nichts anderes als eine Phantasie, sich eine Renovierung des alten Hauses vorzustellen, bei der eine Dokumentation und Zurschaustellung seiner 200 Jahre langen, intensiven Geschichte zum Leitmotiv wird – bei der man die verschiedenen Mauerwerke und jeweiligen Materialien klar zur Schau stellt und dem Ganzen dann nur einen modernen, transparenten Rahmen gibt, ohne nochmals etwas vertuschen und vortäuschen zu wollen. Leider ist eine solche Maßnahme für die Bauherren verständlicherweise überhaupt nicht rentabel. Bestimmt ist man sich im Denkmalamt der Situation bewusst, aber vom Historischen ist ja außer Mauerwerk wirklich nichts mehr übrig.

II   Neubau ab 2019 im expressionistischen Stil

Für den Entwurf des Neubaus zeichnen sich die spanischen Architekten Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano verantwortlich. Von der Optik erinnert nichts mehr an das alte Hotel Königshof. Die expressionistische Fassade bietet einen starken Kontrast zu den umliegenden Gebäuden – dem denkmalgeschützten Nachkriegs-Kaufhausbau (vom Stachus-Rondell aus gesehen links) und dem ebenfalls denkmalgeschützten neubarocken Justizpalast (rechts). Dass der Neubau über neun statt sechs Geschosse verfügen wird, geht da schon fast unter.

Die Fassade ist – ebenso vom Stachus-Rondell aus gesehen – vertikal dreigeteilt. Diese Fassadenteile sind dabei so verschoben und gekippt, dass das doch ein Stück entfernte Stachus-Rondell noch einmal angedeutet wird. Die Fassade öffnet sich – akzentuiert durch einen senkrechten Spalt – quasi dem Betrachter, der auf diese Weise das Gefühl bekommt, nicht vor einer Blackbox zu stehen, sondern auch ein wenig in das Gebäude reinschauen und am Geschehen teilhaben zu können, selbst wenn er es gar nicht betritt.

Mit der Fassadenform wird der außerdem ohnehin schon runde Charakter des Stachus (Google-Maps zeigt das ganz gut) nun auch über die Hotelfassade betont und fortgeführt, was der alte Bau mit seiner geraden Fassade nicht leistete. Die Fassadenteile sind dabei unregelmäßig ausgeführt, was die Dominanz noch verstärken dürfte. In Worte ist das schwer zu fassen, daher soll an dieser Stelle an den Entwurf ist dem Artikel der Süddeutschen Zeitung verwiesen werden: Neubau am Stachus – Neunstöckiges Ausrufezeichen

Der Neubau wird über 95 Zimmer bzw. Suiten verfügen (bislang 71 Zimmer und 16 Suiten). Das Restaurant wird nun in die oberste Etage kommen, um einen Panoramablick über die Stadt zu ermöglichen.

Bereits 2021 soll das neue Hotel eröffnet werden – ein sicherlich ambitionierter Zeitplan.

III   Historisches Hotel Königshof (1820–1944)

1818 wurde ein privates Wohnhaus – als eine Art Vorstadtvilla (München war damals an dieser Stelle nur schwach bebaut; das war quasi Vorstadt) im klassizistischen Stil errichtet. Der Architekt war Gustav Vorherr, daher auch die Bezeichnung Vorherrhaus. Es gab fünf Fensterachsen bei vier Geschossen (Erdgeschoss plus drei Obergeschosse):

Hotel Königshof – Vorherrhaus
Bild 4: Vorherrhaus als Hotelvorläufer (um 1820). Lizenz Public Domain
Hotel Königshof – Vorherrhaus – Vergrößerung
Bild 5: Detailvergrößerung des vorigen Fotos. Lizenz Public Domain

Aus diesem Bau entstand 1866 (einige Quellen sagen auch 1862) das Hotel Bellevue. Dabei wurde der Bau sehr wahrscheinlich schlicht und einfach an beiden Seiten im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss um jeweils drei Fensterachsen erweitert. Das Originalgebäude hatte auch an den Seitenfassaden fünf Fensterachsen, die blieben weiterhin, aber hinten wurde ein gleich hoher Querflügel angebaut und das Erdgeschoss der neuen Funktion angepasst. Der Architekturstil bleibt im Wesentlichen erhalten.

Hotel Königshof 1871
Bild 6: Hotel Königshof (rechts) um 1871. Das Hotel hieß damals noch Hotel Bellevue. Lizenz: Public Domain

Bei einem Aus- und Umbau 1880 wurden auch das zweite Obergeschoss und dritte Obergeschoss an den Seiten auf die volle Breite aufgestockt. Ferner bekam das Haus ein höheres Dach, die markanten Doppelgiebel im Neorenaissancestil mit Romanikeinflüssen und die prächtige Fassadenmalerei von Claudius Schraudolph dem Älteren, wie sie auf der folgenden Postkarte zu sehen sind:

Hotel Königshof um 1900
Bild 7: Hotel Königshof (rechts) um 1900 (Postkarte). Das Hotel hieß damals noch Hotel Bellevue. Lizenz: Public Domain
Hotel Königshof um 1900
Bild 8: Vergrößerung des vorigen Bildes. Lizenz: Public Domain

Irgendwann nach 1900, aber noch vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914, wurde nochmals umgebaut, die Dachgauben seitlich wurden zu einem vollen zusätzlichen Stockwerk, die Fenster seitlich wurden von drei auf zwei reduziert (jeweils das mittlere des Seitenflügels zugemauert), die Giebel vermutlich erhöht und etwas anders gestaltet um sich der neuen Höhe anzupassen, der schlichte Eingang mit einem Vorbau mit drei Bogentoren und zwei Bullaugen aufgewertet. Auf diesen Vorbau kam schon ein großer Balkon (dann wurde er zur Restaurantvitrine). Die Fassadenbemalungen wurden zum größten Teil beibehalten. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs erhielt das Hotel den heutigen Namen „Hotel Königshof“, da französische Name inopportun geworden waren. 1938 wechselte das Haus, das damals 200 Betten aufwies, den Eigentümer. Seitdem gehört es der Familie Geisel.

1943 oder 1944 wurde das Gebäude im Zweiten Weltkrieg, so Wikipedia, „bis auf die Außenmauern zerstört“. Das Gebäude brannte wohl aus, das Dach war eingestürzt, die Außenmauern und wohl auch das Innenskelett waren noch vorhanden, wie ein Video von 1945 zeigt. Auch die Doppelgiebel waren damals noch vorhanden (zumindest der linke, denn das Video zeigt nicht das ganze Haus). In einer Aufnahme aus dem Februar 1948 auf der Seite 20 des Buches München farbig 1946–1965 fehlen die Doppelgiebel bereits, sie waren offenbar kurz nach Kriegsende wegen Einsturzgefahr entfernt worden.

IV   Wiederaufbau und Renovierungen (1950–2007)

Von 1950 bis 1955 wurde das Hotel wieder aufgebaut. Dabei stand Rationalisierung im Vordergrund. Auf eine Wiederherstellung der Giebel wurde verzichtet, der Stuck verschwand. Es entstand die bekannte schlichte Fassade. Die Fensteranordnung blieb, auch die Proportionen im Großen und Ganzen. Die beiden Bullaugen des alten Vorbaus überlebten. Bemerkenswert ist auch, dass das Haus an den Seiten und hinten weiterhin seine Erker hat, die zwar nicht besonders auffallen, aber bereits in dieser Phase der Umbauten architektonisch anachronistisch waren.

Der Balkon der Beletage, also dem ersten Stockwerk, auf dem Vorbau wird überdacht und zur Panorama-Restaurantvitrine. Zur Verzierung dienen Ranken, als Sonnenschutz sind Markisen vorhanden, wie die Bildergalerie der Abendzeitung zeigt.

Bis Ende der 1950er-Jahre (eine der Quellen deutet eher auf Anfang bis Mitte der 1960er-Jahre hin) wird der Balkon über die komplette Fassade verbreitet, wie sie bis zu Ende stand. Ein Foto aus der Bauwelt, zeigt dies. Dafür wurde die Fassade im ersten Obergeschoss komplett herausgebrochen und die darüberliegenden Stockwerke mit Stahlpfeilern abgestützt. Die Stahlpfeiler wurden verkleidet, aber beim Abriss traten sie wieder hervor (Bild 13) .

Hotel Königshof 2014
Bild 9: Fassade (2014) mit kubanisierten Fenstern und Alurahmen (unten) sowie Aluverkleidung (oben)

1970 wurde eine Generalrenovierung durchgeführt. Das letzte Fassadendesign wurde 1972 zu den Olympischen Spielen fertiggestellt. Die ehemals schlanken Fenster wurden dem damaligen Stil entsprechend kubanisiert und so weit wie möglich horizontal orientiert. Als gestalterisches Element erhielten diese Fenster einen breiten Rahmen aus anodisiertem Aluminium, der an den Ecken deutlich abgerundet wurde. Nur im obersten Stockwerk blieben breite Fenster, die aber auch einem Redesign unterzogen wurden. Das so renovierte Haus zeigte sich in einem lebendigen Farbkontrast – zwischen dunklem Ocker und hellem Aluminium, aber auch mit sehr dominanter Leuchtreklame an der Fassade.

2007 wurde die Hotellobby neu gestaltet. Dabei dürften auch in diesem Zeitraum die Aluminiumelemente durchgehend hellgelb gestrichen worden sein. Vorher waren das oberste Stockwerk, die Fensterrahmen, das Erdgeschoss sowie die Leisten am Boden und Dach der Restaurantvitrine in Hellgrau gehalten.

Hotel Königshof 2010
Bild 10: Hotel Königshof (2010.) Rechts ist noch ein Stückchen vom Justizpalast zu sehen. Foto: Rufus46 / Lizenz: CC BY-SA 3.0

Trotz der gewaltigen Veränderungen dürfte die Bausubstanz zum Teil noch die ganz alte sein, vor allen Dingen betrifft das die mittleren fünf Fenster der Hauptfassade für das zweite und dritte Obergeschoss. Wikipedia weist darauf hin, dass „von der Originalsubstanz des Hotels kaum mehr etwas übrig geblieben“ und das Gebäude daher „zwar nicht als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen, aber trotzdem wegen seiner historischen Bedeutung in die Denkmaltopographie Denkmäler in Bayern aufgenommen“ worden sei. Es ist aber plausibel, dass von der alten Bausubstanz doch ein nicht geringer Teil noch vorhanden ist.

V Abriss 2019

Die Entkernung des Gebäudes begann im Februar 2019. So richtig zur Sache mit dem Abriss der Fassade geht es ab Anfang Mai 2019.

Stand 13.05.2019

Das aus dem Gebäudegrundriss herausstehende Teil des Panoramarestaurants im ersten Obergeschoss ist bereits größtenteils verschwunden. Ebenso die Fassade im Erdgeschoss an der Haupteingangsseite.

Mehr Bilder zum Abriss in der umfangreichen Abrissdokumentation

Abriss Hotel Königshof
Bild 11 (13.05.2019) © Thomas Irlbeck
Abriss Hotel Königshof
Bild 12 (13.05.2019) © Thomas Irlbeck
Abriss Hotel Königshof
Bild 13 (13.05.2019) © Thomas Irlbeck

Update 17.05.2019

Optisch gehen die Abrissarbeiten eher langsam voran. Auf der Seite des Karstadt wird ein Gerüst aufgebaut, das nicht nur die Gebäuderückseite abdeckt, sondern auch einen erheblich Teil der Seiten. Das Gerüst dient offenbar als Splitterschutz, um Beschädigungen des Karstadt während des Abrisses zu vermeiden.

Mehr Bilder zum Abriss in der umfangreichen Abrissdokumentation

Abriss Hotel Königshof
Bild 14 (17.05.2019) © Thomas Irlbeck
Abriss Hotel Königshof
Bild 15 (17.05.2019) © Thomas Irlbeck

Update 23.05.2019

Jetzt scheint es schnell zu gehen, der Zangenbagger frisst sich immer weitere ins Gebäudeinnere. Eine riesige Plane – etwa so lang, wie das Hotel hoch ist/war, hängt am Kran und hilft, die Staubentwicklung einzudämmen (Bild 17).

Mehr Bilder zum Abriss in der umfangreichen Abrissdokumentation

Abriss Hotel Königshof
Bild 16 (23.05.2019) © Thomas Irlbeck
Abriss Hotel Königshof
Bild 17 (23.05.2019) © Thomas Irlbeck

Update 29.05.2019

Kriegsschäden präzisiert und Informationen erweitert.

Update 31.05.2019 bis 24.07.2019

Bilder zum Abriss in der umfangreichen Abrissdokumentation

Quellen

Baubeginn bei der Perlach Plaza! (Update 10.12.2019)

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Kultur Quadrat Map
Neuperlachs Mitte – Lage der Perlach Plaza sowie der anderen Bauten: Loge №1und №2 (kurz vor Fertigstellung) und der Gewofag-Bauten (im Bau befindlich, mit „G“ gekennzeichnet“). Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

Die Bauarbeiten zur Perlach Plaza sind am 29.04.2019 gestartet! In Zukunft muss man sich noch einen Begriff in Neuperlach merken: Die Perlach Plaza ist Teil des Kultur Quadrat auf dem Hanns-Seidel-Platz, also unserer Mitte. „Plaza“ ist spanisch und bedeutet „(Markt-)Platz“. Ob es korrekt „die“, „der“ oder „das“ Plaza heißt, darüber kann man streiten. Im Duden steht das Wort nicht und Wiktionary gibt kein Genus an. Auch wenn „Platz“ maskulin ist, haben wir uns für „die Plaza“ entschieden, da das „a“ am Wortende dem Ausdruck eine feminine Note gibt.

Perlach Plaza
Bild 1 (30.04.2019) © Thomas Irlbeck

Perlach Plaza – unser neuer Marktplatz mit unterirdischer Ladenstadt und überirdischem Gewerbe, Hotel und Wohnbau

Nach den beiden Logen-Wohnhäusern und dem Gewofag-Bau (Neuperlach.org berichtete) ist dies bereits das dritte Bauprojekt auf dem Hanns-Seidel-Platz. Die Perlach Plaza findet sich dort, wo früher der Sonntags-Flohmarkt war, also am Eck Thomas-Dehler-Straße/Von-Knoeringen-Straße. Die wörtliche Übersetzung Marktplatz deutet bereits vorsichtig an, was geboten werden wird. Konkret werden Einzelhandel (13.000 m2), Gastronomie, ein Hotel (150 Zimmer), insgesamt 110 Mietwohnungen und dazu noch Studentenappartements realisiert. Die Planung wird vom Architekturbüro AllesWirdGut aus Wien realisiert. Weitere Partner sind die BHB und Concrete Capital (ein Klick zeigt eine Visualisierung).

Beim Einzelhandel stehen die Biolebensmittelkette Tegut sowie der Discounter Lidl bereits als Mieter fest.

Ein paar Baudetails

Es werden insgesamt vier Baukörper errichtet, die längs der Thomas-Dehler-Straße 6 Obergeschosse umfassen, hofseitig 5.

Zur Plaza wird auch ein 5.000 Quadratmeter großer Park gehören, denn schließlich soll man da auch flanieren können, sonst würde es dem Namen nicht gerecht werden. Dabei wird auch ein neuer Zugang zum U-Bahnhof realisiert. Die Einzelhandelsflächen werden dabei primär im Untergeschoss errichtet – mit direktem Zugang zum U-Bahnsteig.

Die Fertigstellung der Perlach Plaza ist für 2022 anvisiert.

Wie die heute entstandenen Fotos zeigen, wurde nun angefangen, den Asphalt des alten Parkplatzes abzutragen. Auch ein Rammgerät zur Herstellung der Spundwand wurde angeliefert.

Mehr zum Thema auf muenchen.de: Perlach Plaza: Neuperlach bekommt eine neue Mitte

Perlach Plaza
Bild 2: Bauarbeiten mit Wacker Chemie im Hintergrund (30.04.2019) © Thomas Irlbeck
Perlach Plaza
Bild 3 (30.04.2019) © Thomas Irlbeck
Perlach Plaza
Bild 4 (30.04.2019) © Thomas Irlbeck
Perlach Plaza
Bild 5 (30.04.2019) © Thomas Irlbeck
Perlach Plaza
Bild 6 (30.04.2019) © Thomas Irlbeck

Update 17.05.2019

Kiesberge haben parkende Autos und den Sonntags-Flohmarkt abgelöst.

Perlach Plaza
Bild 7 (17.05.2019) © Thomas Irlbeck

Update 31.07.2019

Derzeit entstehen die Baugrube und die Spundwände.

Perlach Plaza
Bild 8: Baugrube der Plaza im Vordergrund, rechts die Loge 2 (31.07.2019) © Thomas Irlbeck
Perlach Plaza
Bild 8: Jetzt beide Logen-Wohnhäuser und näher dran (31.07.2019) © Thomas Irlbeck
Perlach Plaza
Bild 10 (31.07.2019) © Thomas Irlbeck
Perlach Plaza
Bild 11 (31.07.2019) © Thomas Irlbeck

Update 22.09.2019

Die Perlach Plaza im Vordergrund, die beiden Gewofag-Wohnhäuser links oben und die beiden Logen-Wohnhäuser rechts oben.

Neue Mitte
Bild 12 (21.09.2019) © Thomas Irlbeck

Update 10.10.2019 (Fotos vom 30.09.2019)

Perlach Plaza
Bild 13: Perlach Plaza, im Hintergrund die wachsenden Gewofag-Bauten (30.09.2019) © Thomas Irlbeck
Perlach Plaza
Bild 14: Abriss zweier U-Bahnabgänge, da der U-Bahnhof an die unterirdische Ladenstadt angeschlossen wird (30.09.2019) © Thomas Irlbeck
Perlach Plaza
Bild 15: Abriss zweier U-Bahnabgänge – mit etwas Abstand betrachtet (30.09.2019) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Hanns-Seidel-Platz
Bild 16: Gewofag-Bauten (30.09.2019) © Thomas Irlbeck

Rolltreppenausbau Neuperlach Zentrum (Update 07.11.2019)

Ausbau einer alten Rolltreppe an einem der beiden stillgelegten U-Bahn-Abgänge Neuperlach Zentrum.

Rolltreppenausbau Neuperlach Zentrum
Bild 17 (07.11.2019). Foto: Lesereinsendung
Rolltreppenausbau Neuperlach Zentrum
Bild 18 (07.11.2019). Foto: Lesereinsendung

Fotos von der imposanten Baugrube (Update 10.12.2019)

Perlach Plaza
Bild 19 (10.12.2019) © Thomas Irlbeck
Perlach Plaza
Bild 20 (10.12.2019) © Thomas Irlbeck

Neues Quidde-Zentrum: Jetzt soll es schnell gehen (Update 27.07.2019)

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Quidde-Zentrum Oktober 2015
Bild 1: Quidde-Zentrum (Archivbild von 2015) © Thomas Irlbeck

Nach vielen, vielen Jahren des Wartens soll es nun schnell gehen – am Quidde-Zentrum sollen ein neues Ladenzentrum, aber auch Wohnungen kommen – in Gestalt eines achtgeschossigen Zeilenhauses und eines sechsgeschossigen Punkthauses. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung, die ihren Artikel mit äußerst passenden Worten einleitet:

„Fast hätte man vergessen, dass das Quiddezentrum abgerissen werden soll, so viel Zeit ist nach den ersten Ankündigungen inzwischen vergangen.“

Zum gesamten SZ-Artikel: Ende eines Schwebezustands

Wir erinnern uns, im November 2011 schloss der letzte größere Laden, der Mix Markt. Die Stadtbibliothek gab wenige Wochen später am 23. Dezember auf. Die Stadtsparkasse, die Papeterie Schwarz, das Tortenparadies (jetzt passenderweise am Neuen Südfriedhof in der Unterhachinger Straße zu finden), die Apotheke, Reinigung, der Friseur – oder, noch älter: der Edeka, Rewe und der Wienerwald – sind ebenfalls längst Geschichte.

Seit fast zehn Jahren ist das Ladenzentrum Geschichte. Einige der Räume werden nun von Künstlern genutzt – im Rahmen des „Neuperlach Zoo“. Andere Räume sind in einem derart desolaten Zustand, dass sie nicht mehr benutzt werden können. Ein Teil des Quidde-Zentrum ist inzwischen mit Bauzäunen abgesperrt.

Der Abriss und eine Realisierung eines Neubaus wurden immer wieder verschoben. Als Grund wurde angegeben, dass man bei der ursprünglichen Neuplanung nachträglich zum Ergebnis gekommen sei, dass der Anteil der Ladenflächen zu hoch ausgefallen sei. Man befürchtete Leerstände. Warum aber diese Umplanung sich über so viele Jahre hinzog, ist unverständlich, zumal Wohnungen dringend gebraucht werden und die Versorgung mit Waren in dem Quartier nicht mehr optimal ist. Immerhin ist ein Lidl (Nawiaskystraße) und ein Penny (Quiddestraße, Ecke Staudingerstraße) zumindest in fußläufiger Umgebung erreichbar. Das war es aber dann auch schon im Wesentlichen.

Weiteres zum Thema: Der nimmer enden wollende Abschied vom Quidde-Zentrum

Quidde-Zentrum Februar 2016
Bild 2: Quidde-Zentrum (Archivbild von 2016) © Thomas Irlbeck
Quidde-Zentrum Kunsttreff
Bild 3: Dieses Bild spricht für sich! Zentrum (Archivbild von 2015) © Thomas Irlbeck
xxxBild 4: Hier waren die Zeiten zumindest noch etwas besser (Archivbild von 2010) © Thomas Irlbeck
Bild 5: Der Mix Markt im Quidde-Zentrum (Archivbild von 2010) © Thomas Irlbeck
Kunsttreff Quidde-Zentrum
Bild 6: Aktuelle Nutzung, der Kunsttreff in den ehemaligen Räumen der Stadtteilbibliothek. Ganz früher war hier ein Edeka ansässig

Update 27.07.2019

Der Abriss soll noch dieses Jahr erfolgen, der Neubau dann nächstes Jahr starten. Die WSB will die Anwohner in den nächsten Wochen über die Pläne informieren. Mehr dazu in der Hallo.

Alexisquartier: Wer ist eigentlich diese(r) Alexis?

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Willibald Alexis
Willibald Alexis um 1840. Lizenz: Public Domain

Wie schon mehrfach berichtet, entsteht zwischen der Niederalmstraße und dem Graf-Zentrum auf dem Gelände des ehemaligen Kieswerks Piederstorfer ein neues Neuperlacher Quartier, das Alexisquartier. Es ist nach dem dort befindlichen Alexisweg benannt (der 1972 seinen Namen erhielt), der an der östlichen Grenze des Quartiers verläuft. Dieser beginnt an der Hippelstraße und führt am Bogenschießplatz vorbei bis zum Marieluise-Fleißer-Bogen (Handwerkerhof).

Wer aber ist Alexis? Zunächst einmal ist Alexis sowohl als weiblicher als auch als männlicher Vorname bekannt. Hier aber ist Alexis ein Nachname. Konkret handelt es sich um Willibald Alexis (* 29. Juni 1798 in Breslau; † 16. Dezember 1871 in Arnstadt).

„Alexis“ nur der Künstlername

Der Name Alexis ist dabei ein Künstlername. Eigentlich heißt er Georg Wilhelm Heinrich Häring. Um Witze über seinen Namen Häring zu vermeiden, übersetzte er diesen ins Lateinische (allec=Hering). Alexis wurde auch in einigen anderen Städten geehrt, so gibt es etwa in Arnstadt, Berlin sowie Brandenburg an der Havel eine Willibald-Alexis-Straße.

Sein Schaffen

Alexis war ein deutscher Schriftsteller, der als Begründer des realistischen historischen Romans in der deutschen Literatur gilt. Seine Romane hatten meist großen Erfolg. Sein erstes eigenes fiktionales Werk ist Die Treibjagd, ein satirisch-idyllische Epos, das 1820 erschien. Mit Walladmor veröffentlichte Alexis 1824 seinen ersten Roman. Dieser wurde – wie von ihm beabsichtigt – vielfach für eine Übersetzung eines Originalwerkes des schottischen Dichters Walter Scott gehalten, den Alexis verehrte. 1832 startete Alexis mit Cabanis die Reihe seiner sogenannten Vaterländischen Romane. In diesen beschreibt er die bedeutendsten Abschnitte der brandenburgisch-preußischen Geschichte vom 14. Jahrhundert bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Cabanis spielt dabei in Berlin zur Zeit Friedrichs des Großen.

Alexis hatte aber auch andere Tätigkeitsfelder. Er rief mehrere Lesegesellschaften ins Leben, betrieb Buchhandlungen, war Immobilienhändler und arbeitete als Theaterkritiker bei der Vossischen Zeitung.

Neubaugebiet Piederstorfer – der Bau
Neubaugebiet Alexisquartier (23.02.2019). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke

Wie die Feuerwehr – unsere Feuerwache 9 an der Heidestraße

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Feuerwache 9
Bild 1 (18.02.2019) © Thomas Irlbeck

Mit der Entstehung von Neuperlach brauchte der neue Stadtteil auch eine Feuerwache. 1975 war es nach zwei Jahren Bauzeit so weit, die Feuerwache 9 an der Heidestraße, Ecke Putzbrunner Straße, wurde eröffnet. Der Standort liegt bereits in Neuperlach Süd.

Die Feuerwache 9 ist dabei nicht nur für Neuperlach zuständig, sondern deckt auch Waldperlach, Perlach, Trudering und Teile von Josephsburg ab. Ferner finden sich hier die Zentralwerkstätten für das komplette Fahrzeug- und Gerätewesen für die Münchner Berufs- und Freiwillige Feuerwehr. Nicht zuletzt ist außerdem hier die Kleiderkammer der Berufsfeuerwehr beheimatet.

Der Hauptbau ist unspektakulär als Quader und mit Sichtbetonfassade ausgeführt. Damit fügt er sich in seiner zweckmäßigen Gestaltung gut im Rest Neuperlachs ein. Eine der wenigen Abwechslungen sind die Säulen im Eingangsbereich, die den überstehenden Gebäudeteil stützen. Ob die in Rot gehaltenen Fenster, Tore und Zäune für das Thema Feuer stehen sollen, soll dem Leser überlassen werden, zumal Brände nur ein Teilbereich einer Feuerwehr sind.

Feuerwache 9
Bild 2: Kunst vor dem Bau:– „Feuervogel“ (18.02.2019) © Thomas Irlbeck

Kunst am Bau findet man nicht – aber immerhin ein Kunstwerk vor dem Bau: 1978 wurde hier passend zum Thema der „Feuervogel“ von Joseph Michael Neustifter aufgestellt, der aus Bronze und Edelstahl besteht. Das teilweise rot lackierte Kunstwerk symbolisiert die zerstörende Wirkung von Feuer (Foto, weitere Ansichten des Kunstwerks in den Bildern weiter unten – Bild 8 und 9).

Ab 2020: Umfassende Sanierung und Umbau

Der optisch gute Eindruck trügt. Inzwischen ist das Gebäude in die Jahre gekommen und soll umfassend saniert werden. Dabei geht es natürlich nicht nur um die Bausubstanz, sondern auch um eine Modernisierung und Anpassung an veränderte und gestiegene technische Anforderungen.

Die Stadt will dabei 68 Millionen Euro ausgeben. Die bestehende Fahrzeughalle soll Richtung Heidestraße vergrößert werden. Noch größer ist der Eingriff beim Trakt mit der Gerätewerkstatt und bei der Rolltor-Halle. Beide werden abgerissen und neu gebaut. Ferner ist auf dem Gelände der Bau von Dienstwohnungen vorgesehen.

2020 sollen die Arbeiten starten, die Fertigstellung ist für 2027 anvisiert.

Feuerwache 9
Bild 3 (18.02.2019) © Thomas Irlbeck
Feuerwache 9
Bild 4 (18.02.2019) © Thomas Irlbeck
Feuerwache 9
Bild 5 (18.02.2019) © Thomas Irlbeck
Feuerwache 9
Bild 6 (18.02.2019) © Thomas Irlbeck
Feuerwache 9
Bild 7 (18.02.2019) © Thomas Irlbeck
Feuerwache 9
Bild 8: Kunstwerk „Feuervogel“ (18.02.2019) © Thomas Irlbeck
Feuerwache 9
Bild 9: Detaildarstellung des Kunstwerks „Feuervogel“ (18.02.2019) © Thomas Irlbeck

Quellen:

Es geht los: Sanierung Feuerwache 9 in München

Kardinal Reinhard Marx weiht neue Kirche St. Jakobus am Quidde-Zentrum ein

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St. Jakobus – Einweihung
Bild 1: Kardinal Reinhard Marx weiht das neue St. Jakobus ein (09.02.2019). Foto: Tobias D.

Neuperlach hat nun ganz offiziell eine neue Kirche! Kardinal Reinhard Marx hat am Samstag, den 09.02.2019, die Kirche St. Jakobus am Quidde-Zentrum eingeweiht. Eine vollständige Chronik des Baus ist hier zu finden.

Einweihungen von Gotteshäusern sind in Deutschland selten geworden. Elf Jahre ist Marx (was für ein passender Name für Neuperlach, siehe Karl-Marx-Ring und Marx-Zentrum) bereits im Amt, doch es ist erst das vierte Mal, dass er ein neues Gotteshaus weiht. Das liegt daran, dass die beiden christlichen Kirchen in Deutschland massive Austritte zu verzeichnen hatten und haben. Die Kirche ist für viele Leute nicht mehr attraktiv und modern genug, sie erreicht gerade jüngere Leute kaum noch. Auch die noch vorhandenen Kirchenmitglieder gehen seltener in den Gottesdienst. Auch die Zuwanderung aus Ländern, in denen andere Religionen vorherrschen, spielt eine nicht unbedeutende Rolle.

St. Jakobus – Einweihung
Bild 2: Die Kirche – zwei verschieden große Quader formen sie (09.02.2019). Foto: Tobias D.

Fazit: Man braucht weniger Kirchen bzw. kleinere Kirchen. Das ist aber nicht der Grund für den Neubau. Denn die alte Kirche St. Jakobus war marode, sogar einsturzgefährdet, und wurde 2012 abgerissen (Neuperlach.org berichtete).

Wenn die Kirche schon abgerissen werden muss, ergibt es Sinn, den Neubau an den sinkenden Bedarf anzupassen. So wurde eine weit kleinere Kirche gebaut. Die Anzahl der Sitzplätze sank von mehreren Hundert auf nun 50.

Die Kirche wurde auf dem Standplatz des alten Kindergartens gebaut, der ebenfalls marode war und abgerissen worden war. Dafür entstand am alten Platz der Kirche nun ein neuer Kindergarten. Es wurden also die Plätze getauscht.

Ergänzung/Richtigstellung: Kapelle oder Kirche?

Anfangs wurde das neue St. Jakobus als „Kapelle“ bezeichnet. In jüngerer Vergangenheit ist davon die Rede , dass es doch eine „Kirche“ geworden sei. Laut Pressemitteilung der Erzdiözese ist St. Jakobus eine „Kirche“. Die Tagespresse hat das übernommen. Laut der Kathpedia liegt der Unterschied nicht in der Größe des Baus, sondern darin, ob der Bau eine eigene Pfarrei besitzt. Auch wenn in Neuperlach Pfarreien zusammengelegt wurden, würde ich schon bejahen, dass St. Jakobus über eine Pfarrei verfügt. Bezeichnen wir St. Jakobus also als „Kirche“.

Architektur

Die neue Kirche hat 2,6 Millionen Euro gekostet. Die Nutzfläche beträgt 315 Quadratmeter. Letztlich besteht der Bau aus zwei unterschiedlich großen Quadern. Einer ist gemauert und wurde mit Holz verkleidet. Der größere Hauptbau, der den Gebetsraum enthält, ist aus Beton und behielt seinen Sichtbeton. Nur der schräg versenkte Eingangsbereich des Hauptbaus stört die strenge mathematische Form, aber selbst das Kreuz fügt sich der Quaderstruktur, da es nicht freisteht, sondern – ums Eck gebogen – mit der (Sichtbeton-)Oberfläche verschmilzt (siehe u.a. Bild 3).

St. Jakobus – Einweihung
Bild 3 (09.02.2019). Foto: Tobias D.

Diese „brutale“ Architektur (Brutalismus heißt der Stil, was aber nicht „brutal“, sondern mehr „Beton“ bedeutet) stieß und stößt auch auf Kritik. Immer wieder erhalte ich Kommentare, wie hässlich die neue Kirche doch sei.

Vielleicht gefällt den Kirchenbesuchern aber der Altarstein besser, den das Künstlerpaar Lutzenberger & Lutzenberger, das sich für die Innenausstattung verantwortlich zeichnet, auf einer Wanderung im Allgäu entdeckt hat.

Der Bau war gezeichnet von vielen Verzögerungen. Bereits im Februar 2017 (!) schien die Kirche vom Rohbaustadium nicht mehr weit entfernt zu sein und dennoch mussten wir noch zwei weitere Jahre auf die Fertigstellung warten.

Vielen Dank an Tobias D. für die Fotos!

St. Jakobus – Einweihung
Bild 4 (09.02.2019). Foto: Tobias D.
St. Jakobus – Einweihung
Bild 5 (09.02.2019). Foto: Tobias D.
St. Jakobus – Einweihung
Bild 6: Kunst in Form von Tafeln zum Thema Heiliger Jakobus (09.02.2019). Foto: Tobias D.

Die Kirche drei Tage vor der Einweihung

Neubau St. Jakobus
Bild 7 (06.02.2019) © Thomas Irlbeck
Neubau St. Jakobus
Bild 8 (06.02.2019) © Thomas Irlbeck

Rückblick

Das war die alte Kirche St. Jakobus, die 2012 abgerissen wurde.

St. Jakobus
St. Jakobus vor dem Abriss (19.11.2011) © Thomas Irlbeck

Quellen

Neuperlach ohne Ständlerstraße (1969/1970)

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Blick vom Strehleranger Richtung Perlach 1969 1970
Bild 1: Blick von einem Wohnhaus am Strehleranger Richtung Perlach (1969/1970). Wo nur ist die Ständlerstraße? Foto: Astrid Stähn; Farben aufgefrischt von neuperlach.org
Map – Nachgestellt – Blick vom Strehleranger Richtung Perlach 1969 1970
Bild 2: Umgebungskarte Nawiaskystraße mit Standort des nachgestellten Fotos, der in etwa dem ursprünglichen Standpunkt entsprechen sollte. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

Was heute unvorstellbar erscheint, Neuperlach gab es einmal ohne Ständlerstraße. Astrid Stähn hat ein herrliches Foto ausgegraben, das 1969 oder 1970 entstanden ist. Es wurde von einem Wohnblock am Strehleranger aufgenommen. Der Blick geht Richtung Perlach, St. Michael Perlach ist gut zu erkennen. Die Querstraße im Bild unten ist die Nawiaskystraße. Hinter dieser wurde später der Neuperlacher Teil Ständlerstraße gebaut – das heißt, die bestehende Ständlerstraße in Harlaching wurde verlängert –, abgetrennt durch einen bepflanzten Erddamm, um den Verkehrslärm abzuschirmen. (Wann diese Verlängerung der Ständlerstraße genau eröffnet wurde, fehlt leider in meiner sonst einigermaßen kompletten Neuperlach-Chronologie. Wer bei der Komplettierung dieser und anderer Angaben helfen kann, darf sich gerne melden.)

Im historischen Foto erkennt man ganz links und ganz rechts zwei Tiefgaragenabfahrten. Die rechte existiert noch, die andere Tiefgarage wurde im Rahmen einer Nachverdichtung (Patrizia Bachquartier) abgerissen und neu gebaut (in Bild 3 ist die Tiefgarageneinfahrt mit „2“ markiert). Der Grund: Die in Neuperlach lange üblichen Tiefgaragen sind nicht so stabil, um Häuser tragen zu können. Auch benötigt man bei Nachverdichtungen zusätzliche Abstellplätze, also braucht es in solchen Fällen neue, stabilere Tiefgaragen.

Foto nachgestellt

Nachgestellt – Blick vom Strehleranger Richtung Perlach 1969 1970
Bild 3: Heutige Position – 1: Nawiaskystraße, 2: Einfahrt neu gebaute Tiefgarage, 3: bestehende Tiefgaragenabfahrt (hinter Büschen), 4a/b/c: Wohnhäuser des Patrizia Bachquartier (26.01.2019) © Thomas Irlbeck

Nun habe ich das alte Foto nachgestellt. Dabei befinde ich mich tatsächlich wohl ziemlich genau an der Stelle, an der das alte Foto geschossen wurde. Das neue Foto entstand mit dem Rücken zu dem Wohnblock, quasi lehnend an ihm. Dabei konnte ich leider lediglich vom Erdgeschoss aus fotografieren.

Die Stelle ist natürlich nicht mehr wiederzuerkennen. Immerhin kann man die Nawiaskystraße identifizieren (mit „1“ markiert). Die rechte Tiefgaragenabfahrt (mit „3“ markiert) ist hinter Büschen versteckt. Die drei weißen Häuser (man sieht zwei ein halb davon – mit „4a/4b/4c“ markiert) mit den gemischten Hoch- und Querformatfenstern – das bereits erwähnte Patrizia Bachquartier – wurden übrigens erst 2015/2016 gebaut.

Um das Ganze etwas besser herauszuarbeiten, zeige ich weitere Fotos mit anderen Ansichten dieses Quartiers.

Rechte Tiefgarage Nawiaskystraße
Bild 4: Näher an der zweiten, rechten Tiefgaragenabfahrt (26.01.2019) © Thomas Irlbeck
Neue Tiefgarage Nawiaskystraße
Bild 5: Einfahrt zu der neu gebauten, ersten (linken) Tiefgarage (26.01.2019) © Thomas Irlbeck
Neue Tiefgarage Nawiaskystraße
Bild 6: Näher dran an der Tiefgarageneinfahrt (26.01.2019) © Thomas Irlbeck
Nawiaskystraße, rechte Tiefgarage
Bild 7: Die zweite, noch bestehende Tiefgarageneinfahrt von der anderen Seite aus gesehen (26.01.2019) © Thomas Irlbeck
Nawiaskystraße, Spielplatz nahe Tiefgarageneinfahrt
Bild 8: Spielplatz nahe Tiefgarageneinfahrt (26.01.2019) © Thomas Irlbeck
Nawiaskystraße, Blick Richtung Lidl und Quiddestraße
Bild 9: Blick Richtung Lidl und Quiddestraße. In das Gebäude rechts ist die neue Tiefgarageneinfahrt integriert (26.01.2019) © Thomas Irlbeck
Nawiaskystraße
Bild 10: Nawiaskystraße – Die Häuserdurchfahrt aus dem obigen Bild nun von der anderen Seite aus gesehen. Wir stehen hier nahe Lidl/Quiddestraße (26.01.2019) © Thomas Irlbeck
Nawiaskystraße
Bild 11: Wie Bild 10, aber näher dran (26.01.2019) © Thomas Irlbeck

Die Turnerschule – die ehemals schönste Schule Münchens (Das historische Haus)

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Grundschule an der Turnerstraße
Bild 1: Die Turnerschule mit dem Haupteingang (03.04.2018) © Thomas Irlbeck

Unser heutiges Objekt ist ein Stückchen von Neuperlach entfernt, aber noch mit einem kleinen Spaziergang gut zu erreichen. Die „Grundschule an der Turnerstraße“ (kurz: Turnerschule) liegt in Waldtrudering. Es ist unschwer zu erraten, dass die Schule an der Turnerstraße zu finden ist (die nach dem ehemaligen „Turnerplatz“, dem heutigen Gelände der Schule, benannt ist). Aber die Tunerstraße ist lang, sie verläuft vom „Am Hochacker“ bis zur Wabula. Daher soll die Position mit „Höhe Reiherweg“ genauer angegeben werden. Von hier aus ist es nicht mehr weit zur Wabula.

Auffällig trägt der dreigeschossige Bau, für den Denkmalschutz beantragt, der aber noch nicht bewilligt wurde, die große Jahreszahl 1938 unter dem Dachgiebel.

Nationalsozialistische Geschichte

Ursprünglich hieß die Schule „Ostmark-Schule“, was auf den Anschluss Österreichs 1938 an Deutschland anspielt und natürlich nichts mit der Währung der DDR zu tun hat. Die Schule wurde errichtet, um die 1930 gebaute und schon bald zu klein gewordene Waldschule zu entlasten. Die Bauphase war von 1938 bis 1939. Der Bezug fand am 12. Juni 1939 statt, die offizielle Einweihung am 28. September 1939. Die Schule galt als schönste von ganz München, wozu die „wunderbar ausgemalten Türblätter und Trachtenfiguren der österreichischen Landschaften“ beitrugen. Damit wird klar, dass auch die malerische Gestaltung auf den Anschluss Österreichs Bezug nimmt.

Über dem Portal gab es eine Inschrift, die nach dem Krieg wenig überraschend übermalt wurde:

Dieses Schulgebäude wurde erbaut im Jahre 1938, in dem die Ostmark in das Reich heimgekehrt ist.

In der Endphase des Zweiten Weltkrieges – ab dem 29. August 1943 – wurde die Schule zum Hilfskrankenhaus. Erst im April 1948 kamen die Schüler zurück. 1969 wurde die Schule um einen Anbau erweitert. 2015 wurde eine neue Mensa (Bild 5) gebaut und am 13. März 2017 eröffnet. Derzeit besuchen rund 600 Schülerinnen und Schüler in über 20 Klassen die Schule.

Der Bayerische Denkmal-Atlas weiß zu dem Gebäude Folgendes zu berichten:

Ehem. Volksschule, sog. Ostmark-Schule, jetzt Grundschule an der Turnerstraße, dreigeschossiger Satteldachbau mit weit überstehendem Dach und niedrigem Nebenflügel mit Turnhalle, im Heimat- bzw. Heimatschutzstil, von Hermann Leitenstorfer, 1937/38. Benehmen nicht hergestellt.

Grundschule an der Turnerstraße
Bild 2: Totale (03.04.2018) © Thomas Irlbeck
Grundschule an der Turnerstraße
Bild 3: Eingang (03.04.2018) © Thomas Irlbeck
Grundschule an der Turnerstraße
Bild 4: Jahreszahl unter dem Giebel (03.04.2018) © Thomas Irlbeck
Grundschule an der Turnerstraße
Bild 5: Die neue Mensa (29.10.2016). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Grundschule an der Turnerstraße
Bild 6: Herbststimmung (12.11.2016). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Grundschule an der Turnerstraße
Bild 7: Herbststimmung (05.11.2016). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke
Grundschule an der Turnerstraße
Bild 8: Winterstimmung (14.01.2017). Foto: Benno Steuernagel-Gniffke

3D-Ansicht der Schule (Google Maps)

Hinweis: Die neue Mensa ist in dieser Ansicht mit dem Stand April 2018 noch nicht zu sehen.

Quelle

Trudering – Waldtrudering – Riem: Münchens ferner Osten / hrsg. von Willibald Karl. Mit Beitr. von Karl Bachmair … – München: Buchendorfer Verl., 2000

Das Katechumenium

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Katechumenium
Bild 1: Eingangsbereich. Der Weg zu Gott ist barrierefrei (16.07.2017) © Thomas Irlbeck
Katechumenium
Bild 2  (16.07.2017) © Thomas Irlbeck

Man könnte fast meinen, dass ein Fluch auf St. Philipp Neri läge. Denn das eigentliche Kirchengebäude von St. Philipp Neri an der Kafkastraße war erst in der letzten Folge zu einem der langweiligsten Bauten in Neuperlach erklärt worden (Bericht nicht mehr verfügbar). Nun trifft es das Katechumenium, ausgerechnet den Ableger von St. Philipp Neri in Neuperlach Süd an der Putzbrunner Straße, Ecke Stubaier Straße. Auch dieses hat nun diese wenig ehrenhafte Auszeichnung erhalten.

Der Begriff „Katechumenium“

Sollte sich jemand auf eine Stelle bei St. Philipp Neri bewerben, so sei empfohlen, den Zungenbrecher Katechumenium ganz fleißig zu üben. Und zwar vor dem Bewerbungsgespräch.

Katechumenium leitet sich von Katechumene ab, dem Taufanwärter. Im Lateinischen heißt es catechumenus. Im Katechumenium schließlich ist die Neokatechumenale Gemeinschaft von St. Philipp Neri ansässig. Neo bedeutet natürlich neu, und der zugrunde liegende Neokatechumenale Weg ist – man ahnt es – ein Weg zur Wiederentdeckung der Taufe.

Der eingeschossige Bau ist sicherlich keine Schönheit. Es mag Geschmackssache sein, aber ein edles Schwarz statt des Graubrauns würde dem Gebäude sicherlich besser stehen.

Frühere Nutzung: Erst wurde in den Flughimmel geschaut – nun durch die großen Dachfenster in den göttlichen Himmel

Ursprünglich war in dem Gebäude die „Flugsicherung“ untergebracht, wie ein alter Stadtplan bestätigt. Die großen Dachfenster sind ein Hinweis auf die Beobachtung der Flugbewegungen. 1992 mit dem Ende des Riemer Flughafens soll das Gebäude dann an St. Philipp Neri gegangen sein.

Katechumenium
Bild 3 (16.07.2017) © Thomas Irlbeck
Katechumenium
Bild 4 (16.07.2017) © Thomas Irlbeck
Katechumenium
Bild 5 (16.07.2017) © Thomas Irlbeck
Katechumenium
Bild 6 (16.07.2017) © Thomas Irlbeck
Katechumenium
Bild 7 (19.12.2017) © Thomas Irlbeck

Waschbeton am Funkmast

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Waschbeton am Funkmast
Bild 1: Waschbeton am Funkmast. Blick von der Heinrich-Lübke-Straße (30.03.2017) © Thomas Irlbeck
Waschbeton am Funkmast
Bild 2: Ansicht mit dominierendem Funkmasten. Rechts die BLM, im Hintergrund ist ein Stückchen des Waschbeton-Baus zu sehen (02.04.2017) © Thomas Irlbeck

Unser heutiges Objekt in Neuperlach Mitte an der Heinrich-Lübke-Straße 25, Ecke Schumacherring, wurde von der Deutschen Bundespost errichtet. Der Telekommunikationsbereich firmiert ja heute bekanntlich unter „Deutsche Telekom“. Das Halteverbotsschild mit Ausnahmen für Fahrzeuge der Deutschen Telekom bestätigt dies. Der Bau wurde einmal um ein Geschoss aufgestockt, wohl in den 1980er-Jahren. Daneben liegt die BLM (Bayerische Landeszentrale für neue Medien) und der Telekom-Funkmast.

Waschbeton am Funkmast
Bild 3: Detailansicht Fassade (02.04.2017) © Thomas Irlbeck

Die einzige Erwähnenswerte des Quaderbaus scheint die Waschbeton-Fassade zu sein). Irgendwelche architektonischen Spielereien hielt man bei Gewerbebauten offenbar nicht für angebracht.

Bei Waschbeton handelt es sich um Beton, dessen Gesteinskörnung durch eine besondere Oberflächenbehandlung erzeugt wird. Er wird vor allem als dekoratives Element für Fassaden eingesetzt. Die Bezeichnung kommt daher, dass nach Entfernung der Gussform die Zementschlämme mit einem starken Wasserstrahl ausgewaschen werden. Die Herstellung ist genauer auf Wikipedia beschrieben.

Nur auf den ersten Blick Langeweile

Ein genauerer Blick zeigt jedoch Außentüren im ersten und zweiten Stockwerk, die offenbar in den Abgrund führen, haben sie doch sogar eindeutig Außengriffe.

Waschbeton am Funkmast
Bild 4: Türen in den Abgrund? (30.03.2017) © Thomas Irlbeck
Waschbeton am Funkmast
Bild 5 (30.03.2017) © Thomas Irlbeck

Funktion des Gebäudes

Die niedrigen Fenster lassen auf ein Betriebsgebäude mit technischen Telekommunikationseinrichtungen schließen, weniger auf Büros. Die Außentüren wurden sehr wahrscheinlich dafür vorgesehen, Telekommunikations-Komponenten im Falle von Defekten oder bei Austausch durch leistungsstärkere Versionen auf einfache Weise – mithilfe eines mobilen Lkw-Krans – an- bzw. abliefern zu können. Das Schild mit der Warnung vor schwebenden Lasten weist darauf hin. Ein fest installierter Kran ist nicht vorhanden, auch zeigt Google Maps keine Reste einer solchen Einrichtung auf dem Dach. Aber für das unterste Stockwerk, für das auch ein paar Zentimeter Höhenunterschied zu bewältigen sind, wurde eine Hebebühne im Boden vor dem Gebäude eingelassen. Dort ist auch die allgemeine Anlieferung.

Waschbeton am Funkmast
Bild 6: Ladetüre im Erdgeschoss (02.04.2017) © Thomas Irlbeck
Waschbeton am Funkmast
Bild 7: Das Schild warnt vor der Gefahr. Der Aufenthalt bzw. Verkehr unterhalb von schwebenden Lasten ist verboten! (02.04.2017) © Thomas Irlbeck

Über eine heute abweichende Nutzung ist nichts Näheres bekannt. Laut Werbeplakat am Gebäude sind in dem Gebäude Büros/Gewerbeflächen, die alle vermietet sind.

Waschbeton am Funkmast
Bild 8: Das Gebäude vom Anfang des Schumacherring aus gesehen (30.03.2017) © Thomas Irlbeck
Waschbeton am Funkmast
Bild 9: Ein Stückchen dem Schumacherring gefolgt (30.03.2017) © Thomas Irlbeck
Waschbeton am Funkmast
Bild 10: Eingangsbereich (02.04.2017) © Thomas Irlbeck
Waschbeton am Funkmast
Bild 11: Anfahrtsbereich (02.04.2017) © Thomas Irlbeck

Aus 6 mach 8, das Ergebnis ist erst einmal 0! Teilweiser Baustopp an der Gewofag-Baustelle (Update 22.07.2019)

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Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 1: Die Gewofag-Baustelle. Für einen der beiden hier geplanten Gebäudekomplexe (den südlichen) wurde ein Baustopp verhängt. Wir sehen hier vor allem den nördlichen Teil (WA1), der südliche (WA2) ist im Bild ganz links (26.02.2017) © Thomas Irlbeck
GEWOFAG, Neuperlach Süd
Bild 2: Sozialer Wohnungsbau mit gefalteten Fassaden, Loggien, ziegelrotem Kratzputz und Klinkersockel. So soll es einmal aussehen (26.02.2017) © Thomas Irlbeck

Die Wohnungsnot ist in München so groß wie noch nie, vor allem fehlt bezahlbarer Wohnraum. Da sind die Gewofag-Mietwohnungen, die derzeit in Neuperlach Süd an der Carl-Wery-Straße, Höhe Therese-Giehse-Allee, gegenüber dem Leonardo Hotel, entstehen, eine Bereicherung. Die 438 Wohnungen werden sozial gefördert, wobei verschiedene Fördermodelle zum Einsatz kommen. Der größte Teil der Teil der Wohnungen fällt unter den KMB (Konzeptioneller Mietwohnungs-Bau), ein weiterer Teil der Wohnungen basiert auf dem Modell München-Modell-Miete und beim Rest kommt eine einkommensorientierte Förderung zum Tragen. Bei den KMB-Wohnungen gelten keine Einkommensgrenzen, sodass sie für alle Münchner interessant sind, dennoch werden diese Wohnungen über 60 Jahre verhältnismäßig günstig vermietet. Denn in dieser Zeit ist garantiert, dass die Miete nur im Rahmen der Anpassung an den Verbraucherpreisindex erhöht wird.

Baustopp für den Komplex WA2 (südlich)

GEWOFAG, Neuperlach Süd
Bild 3: Mit acht Geschossen schafft man mehr Wohnraum als mit sechs, dachte sich die Stadt. Dabei sollen aber einige Vorschriften verletzt worden sein (26.02.2017) © Thomas Irlbeck

Doch leider gibt es mit dem Bauvorhaben derzeit mächtig Ärger. Wie die Abendzeitung berichtete, darf der südliche Gebäudekomplex (WA2) vorerst nicht weitergebaut werden. Nachbarn hatten geklagt, weil die Stadt die Gebäude nicht wie ursprünglich geplant bei sechs Geschossen belassen, sondern teilweise auf acht Geschosse aufgestockt hatte. Dabei seien laut Gericht unter anderem Mindestabstände überschritten worden. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wehrt sich gegen Kritik seitens der CSU, berichtete die Süddeutsche Zeitung. Reiter bringt dabei unter anderem vor, dass die Aufstockung der beiden Gebäude von sechs auf acht Geschosse auch von den CSU-Stadträten im Gewofag-Aufsichtsrat beschlossen worden sei.

GEWOFAG, Neuperlach Süd
Bild 4 (26.02.2017) © Thomas Irlbeck

Der Komplex WA1 (nördlich) ist nicht betroffen. Hier gehen die Bauarbeiten weiter und es bleibt entsprechend bei acht Geschossen.

Hoffen wir einmal, dass der teilweise Baustopp bald aufgehoben werden kann, aber erfahrungsgemäß ziehen sich solche Umplanungen oft stark in die Länge. Etwaige weitere Gerichtsverfahren könnten weiter auf die Bremse treten. Eine etwaig geänderte Planung soll so erfolgen, dass auch der südliche Komplex WA2 mit acht Geschossen errichtet werden kann. Die Fotos zeigen die Baustelle und sind gestern, am Sonntag, den 26.02.2017, entstanden.

Update (24.06.2017)

Es soll nun einen Kompromiss mit gestaffelter Höhe geben. Der Nordbau soll sechs bis acht Geschosse erhalten, der Südbau zwischen zwei und sieben. Es sollen 376 Wohnungen entstehen statt 422 (anderen Quellen zufolge waren es 438). In den ältesten Planungen mit sechsgeschossiger Bauweise waren es noch 327 Wohnungen. Das Ziegelrot verschwindet zugunsten eines weißen Anstriches, damit der Bau nicht so dominant wirkt.

Update (01.08.2017)

Jetzt wächst der Bau in die Höhe.

Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 5 (01.08.2017) © Thomas Irlbeck

Update (29.08.2017)

Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 6 (29.08.2017) © Thomas Irlbeck

Update (17.10.2017)

Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 7 (17.10.2017) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 8 (17.10.2017) © Thomas Irlbeck

Update 24.01.2018

Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 9 (24.01.2018) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 10 (24.01.2018) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 11 (24.01.2018) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 12 (24.01.2018) © Thomas Irlbeck

Update 06.05.2018

Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 13 (06.05.2018) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 14 (06.05.2018) © Thomas Irlbeck

Update 26.10.2018

Die beiden Wohnblöcke nähern sich der Fertigstellung. Auf der Südwestseite ist die Fassade schon sehr weit fortgeschritten. Auch die Frage, die jüngst an mich herangetragen wurde, ob es Balkone geben werde, wird beantwortet: Ja, es gibt welche, genau genommen sind es sogar Loggien, die nach meinem Empfinden aber ruhig noch etwas breiter hätten ausfallen können.

Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 15 (26.10.2018) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 16 (26.10.2018) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 17 (26.10.2018) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 18 (26.10.2018) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 19 (26.10.2018) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 20 (26.10.2018) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 21: Loggia-Detail (26.10.2018) © Thomas Irlbeck

Update 19.04.2019

Nun ist auch die Vorderseite so weit fertiggestellt (zur Rückseite siehe weiter oben, dass das Gerüst abgebaut werden kann. Mächtig und wie eine Wand wirkt der Bau, sodass ihn manche schon als neue Chinesische Mauer bezeichnen. Hat der Bau dieses eher nicht nett gemeinte Attribut verdient?

Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 22: Nordbau (19.04.2019) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 23: Nordbau (19.04.2019) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 24: Nordbau (19.04.2019) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 25: Nordbau (19.04.2019) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 26: Südbau (19.04.2019) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 27: Südbau (19.04.2019) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 28: Südbau (19.04.2019) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 29: Nordbaubau (19.04.2019) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 30: Südbau (19.04.2019) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 31 (19.04.2019) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 32 (19.04.2019) © Thomas Irlbeck

Update 22.07.2019

Die Wohnanlage (der südliche Block) von Unterbiberg aus gesehen.

Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 33 (22.07.2019) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 34 (22.07.2019) © Thomas Irlbeck
Gewofag, Neuperlach Süd
Bild 35 (22.07.2019) © Thomas Irlbeck

 

Die Serbisch-Orthodoxe Kirche am Wohnring

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Serbisch-Orthodoxe Kirche
Bild 1: Serbisch-Orthodoxe Kirche „Heiliger Märtyrerkönig Jovan Vladimir“ (16.02.2017) © Thomas Irlbeck

Unser heutiger mystischer Ort ist ein sehr auffälliges, für deutsche Augen eher ungewöhnliches Gebäude. Kein Wunder, denn katholische Kirchen haben in München bekanntlich einen höheren Verbreitungsgrad, und hier sehen wir ja schließlich eine Serbisch-Orthodoxe Kirche. Sie ist die einzige Serbisch-Orthodoxe Kirche in München. Ihr Name ist Heiliger Märtyrerkönig Jovan Vladimir. Sie liegt fast unmittelbar vor dem Neuperlacher Wohnring, also an einer der bekanntesten Wohnanlagen in Neuperlach.

Dennoch werden viele Neuperlacher diese Kirche noch nie gesehen haben. Das liegt daran, dass sie von der viel befahrenen Putzbrunner Straße aus nur schwer einsehbar ist – und von anderen Straßen (Schumacherring vor dem Wohnring etwa) auch kaum. Man muss von dort ein paar Meter am Hans-Fried-Weg laufen, um die Kirche sehen zu können. Übrigens grenzt an die Kirche unmittelbar der Friedhof Perlach, der auch nicht besonders bekannt ist. Wie auch der Friedhof Perlach liegt die Kirche offiziell haarscharf noch in Perlach, aber der sehr nahe Wohnring erzeugt Satellitenstadt-Atmosphäre.

Serbisch-Orthodoxe Kirche
Bild 2 (16.02.2017) © Thomas Irlbeck

Geschichte und Daten zur Kirche „Heiliger Märtyrerkönig Jovan Vladimir“

Die Serbisch-Orthodoxe Kirchengemeinde in München wurde bereits 1946 gegründet. Unter den ersten Mitgliedern waren frühere serbische Kriegsgefangene. Der Bau der Kirche und des Kirchenzentrums an der Putzbrunner Straße fand aber erst 1994 (Kirchenzentrum vor der Kirche, auf den Bildern nicht zu sehen, siehe Umgebungskarte) bzw. 1996 (Kirchengebäude) statt. Bis dahin wurden für Gottesdienste und andere Aktivitäten provisorisch Räume in Kirchen und Wohnungen angemietet. Heute betreut die Gemeinde rund 25.000 orthodoxe Serben. Die Adresse von Kirchenzentrum und Kirche ist Putzbrunner Straße 49.

Quelle: Die Serbisch-Orthodoxe Kirchengemeinde in München

Die Serbisch-Orthodoxe Kirche

Rund 80 Prozent der elf Millionen Serben weltweit bekennen sich zur orthodoxen Kirche. Mehr unter dem Wikipedia-Artikel Serbisch-Orthodoxe Kirche.

Serbisch-Orthodoxe Kirche
Bild 3 (16.02.2017) © Thomas Irlbeck
Serbisch-Orthodoxe Kirche
Bild 4 (16.02.2017) © Thomas Irlbeck
Serbisch-Orthodoxe Kirche Map
Bild 5: Umgebungskarte der Serbisch-Orthodoxe Kirche. Es ist zu erahnen, dass die Kirche von der Hauptstraße (Putzbrunner Straße) kaum einsehbar ist. Ganz oben ist übrigens der Wohnring. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

Heiliger Märtyrerkönig Jovan Vladimir

Jovan Vladimir (serb. Јован Владимир; bulg. Иван Владимир Ivan Vladimir; deutsch auch Johannes Wladimir; * 10. Jahrhundert; † 22. 05.1016) war laut Wikipedia Herrscher von Duklja, dem bedeutendsten serbischen Fürstentum seiner Zeit. Er wird von der Serbisch-Orthodoxen Kirche als Märtyrer und nationale Symbolfigur verehrt. Mehr unter dem Wikipedia-Artikel Jovan Vladimir.

Die Kirche mit dem „angeschrägten“ Hochhaus-Turm

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St.-Augustinus-Kirche
St.-Augustinus-Kirche (30.08.2013) © Thomas Irlbeck

Wie sicherlich das eine oder andere Mal erwähnt, habe ich mit der Kirche als Institution weniger als wenig am Hut. Aber Kirchenarchitektur kann mich durchaus begeistern. Dabei zieht mich hier vor allem klassische Kirchenarchitektur an. Moderne Kirchenbauten gibt es nur sehr wenige, die mir gefallen.

Der heutige mystische Ort ist die katholische St.-Augustinus-Kirche in Trudering, die folgerichtig an der St.-Augustinus-Straße liegt. Die Kreuzung zur Bajuwarenstraße ist hier ganz in der Nähe, und – wen wundert es – an dieser befindet sich auch die Augustinus-Apotheke. Räumlich sind wir zwar ein Stückchen von Neuperlach entfernt. Doch das Ziel, endlich einen mystischen Ort in Neuperlach zu finden, kommen wir heute vielleicht näher denn je.

Der Neuperlach-Faktor liegt in der Architektur. Die Kirche ist kein klassischer, aber auch kein typisch moderner Bau. Es ist 1950er-Jahre Architektur, so gesehen also der Nachkriegsmoderne zuzuordnen. Genauer wurde die Kirche 1952 bis 1955 geplant und gebaut. Am 28. August 1955 zum Fest des heiligen Augustinus wurde sie geweiht.

Ungewöhnlich: Die Form des Turmes ist die eines „angeschrägten“ Quaders

Das Neuperlachige ist die Form des Turmes, der 26 Meter Höhe misst bei einem Grundriss von 7 × 9 Metern. Dieser sieht wie ein Quader aus und hat auch das in Neuperlach obligatorische Flachdach. Damit ähnelt der Turm von der Optik einem Hochhausblock, wobei es hier doch zwei Unterschiede gibt. Erstens: Das Flachdach ist weit auskragend. Zweitens: Der Quader ist bei strengerer Betrachtung keiner, der Turm verjüngt sich nach oben hin zumindest leicht. Das Besondere ist, dass die Schräge nur auf der Nordseite vorhanden ist, im Bild ist das rechts. Das Foto kann diesen Effekt nur begrenzt zeigen – siehe weiter unten unter Nicht objektiv, sondern eine Sache der Perspektive.

Glocken

St.-Augustinus-Kirche
Nordseite des Kirchenschiffs (30.08.2013) © Thomas Irlbeck

Im Turm befinden sich sieben Glocken, die 1955 auf Basis einer zinnfreien Bronzelegierung in Erding gegossen wurden. Die Töne der Glocken lauten von unten nach oben: As – c‘ – es‘ – f‘ – as‘ – b‘ – c“

Kirchenschiff und Orgel

Das Kirchenschiff misst 15 Meter in der Höhe, ist 45 Meter lang und 22 Meter breit. Es verfügt über ein übliches Satteldach. Verspätung gab es bei der Kirchenorgel. Diese wurde erst 1965 von der Firma Carl Schuster und Sohn erbaut und in Betrieb genommen. Die 41 Register sind auf Hauptwerk, Positiv, Schwellwerk und Pedal verteilt.

Kirchturm ohne Kreuz – der Flughafen Riem war schuld

St.-Augustinus-Kirche, Kreuz Detail
Der Abstand des Kreuzes zur Turmwand wird nach oben hin größer. Durch Klick vergrößern, um den Effekt gut sehen zu können (30.08.2013) © Thomas Irlbeck

Der Flughafen Riem, 1939 eröffnet, sorgte für ein Kuriosum. Aus Sicherheitsgründen galten in der Einflugschneisen des Stadtgebiets strenge Bauhöhenbegrenzungen. Diese kann man heute noch in Neuperlach sehen. An der Haupteinflugschneise war eine Begrenzung auf 25 Meter vorgeschrieben (was acht Stockwerke ermöglichte), wobei man bei Dachaufbauten manchmal großzügig waren, sodass manche Häuser doch zumindest punktweise auf rund 26 Meter kamen. Außerhalb der Haupteinflugschneise – bereits das Marx-Zentrum lag ein paar Meter von dieser entfernt – gab es weniger strenge Limitierungen. So waren für die Häuser im Marx-Zentrum bis zu 35 Meter erlaubt, was sich in bis zu 14 Stockwerken (zuzüglich teilweise mehrstöckiger Dachaufbauten) widerspiegelt.

Genau diesr Bauhöhenbegrenzung war verantwortlich dafür, dass die St.-Augustinus-Kirche kein Kreuz auf dem Turm tragen durfte. Mit 26 Meter Höhe des Turmes war offenbar schon alles ausgeschöpft. Als Ersatz war aber aber ein kleines Kreuz auf dem Dach des Kirchenschiffs ganz vorne am Haupteingang (Westseite) aufgesetzt worden. 1992 wurde der Flughafen Riem stillgelegt, doch erst 2002 bekam der Kirchturm sein Kreuz. Im Rahmen einer umfassenden Sanierung wurde an der Nordseite des Turms ein zwölf Meter langes vergoldetes Kreuz angebracht, das sechs Meter über das Flachdach hinausragt, und das alte Kreuz auf dem Satteldach entfernt. Obwohl gerade diese Nordseite nicht senkrecht, sondern schräg läuft, steht das Kreuz selbst exakt vertikal. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass dies durch zwei unterschiedlich lange waagrechte Halterungen erzielt wird (die Abbildung zeigt es, diese anklicken, um zu vergrößern). Der Abstand des Turms zum Kreuz wird nach oben hin größer. Aber auch bei den Fenstern am rechten Rand des Turmes (Abbildung am Artikelanfang) sieht man, dass deren Abstand zur rechten Turmwand nach oben hin kleiner wird.

Nicht objektiv, sondern eine Sache der Perspektive

Ein Objektiv ist nur dem Begriff nach objektiv. In der Realität gibt es starke Verzerrungen, je weitwinkiger, desto größer werden sie. Objekte laufen dann auf einmal spitz nach oben oder unten zu, Hochhäuser und Türme, speziell am Bildrand, drohen umzustürzen. Diese stürzenden Linien lassen sich per Bildbearbeitung automatisch oder manuell aufrichten. Hat man ein Gebäude vor sich, bei dem die Kanten wirklich senkrecht laufen, lässt sich auf diese Weise ein gutes Ergebnis erzielen und ein Schiefer Turm von Pisa vermeiden. Besitzt ein Gebäude aber keine oder nicht durchgehend senkrechte Kanten, da es sich tatsächlich verjüngt, wird es schwieriger, da es weniger oder keine Anhaltspunkte gibt. Eine normale Entzerrung stürzender Linien würde hier ein Ergebnis erzielen, das an der Realität vorbeigeht. Daher wurde hier die Entzerrung behutsam eingesetzt. Dabei wurde darauf geachtet, dass alle senkrechten Kanten inklusive des Kreuzes möglichst vertikal verlaufen. Die einzige Schräge ist damit die Turmnordseite, die aber hier im Ergebnis möglicherweise subjektiv zu stark ausfällt. Es muss klar sein, dass dies nur ein Kompromiss sein kann. Keine Aufnahme, ganz speziell in diesem Fall, kann eine Betrachtung vor Ort ersetzen.

Der heilige Augustinus

St.-Augustinus-Kirche, Relief
Relief an der Westseite mit dem heiligen Augustinus (30.08.2013) © Thomas Irlbeck

Augustinus von Hippo (* 13. November 354 in in Tagaste, auch: Thagaste, in Numidien, heute Souk Ahras in Algerien; † 28. August 430 in Hippo Regius, heute Annaba in Algerien) war „einer der vier lateinischen Kirchenlehrer der Spätantike und ein wichtiger Philosoph an der Epochenschwelle zwischen Antike und Mittelalter“ (Quelle: Wikipedia). Von den Westkirchen wird Augustinus als Heiliger verehrt.

An der Westseite der Kirche mit dem Haupteingang befindet sich ein Relief des heiligen Augustinus (siehe Abbildung). Der Künstler Siegfried Moroder meißelte dieses 1958 aus den Sandsteinblöcken heraus, die bereits beim Bau der Kirche eingefügt worden waren.

Umgebungskarte

Umgebungskarte St.-Augustinus-Kirche
Umgebungskarte St.-Augustinus-Kirche. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

Per ÖPNV erreicht man die Kirche am besten so:

Bus 195, N49: Gnadenwaldplatz

oder

Bus 139, 195, N49: St.-Augustinus-Straße

Quellen

Über Neuperlach ins Schwarze Meer: Der Hachinger Bach

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Hachinger Bach Unterbiberg
Der Hachinger Bach bei Unterbiberg (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

Auf der Suche nach mystischen Orten in Neuperlach werden wir nun das erste Mal einen Ort finden, der tatsächlich (auch) in Neuperlach liegt und nicht haarscharf daneben. Gena

u genommen ist es kein Ort, sondern vielmehr ein linienförmiges Gebilde: der Hachinger Bach. An seinem Verlauf gibt es eine ganze Reihe mystischer Orte. Auch als Ort der Ruhe ist der Bach an vielen Stellen mindestens eine Kraftzone. Da auch Taufrituale an Gewässern durchgeführt werden, hat ein Gewässer grundsätzlich einen gewissen mystischen Charakter. Zudem ranken sich noch Sagen und Legenden um den Hachinger Bach, dazu später mehr. Schließlich soll noch ein Experiment den Bach „erfahrbar“ machen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Ansichtskarte Hachinger Tal
Ansichtskarte Hachinger- und Gleißental aus der Vogelperspektive (um 1909). Urheber: unbekannt, Lizenz: Public Domain

Zunächst einmal das Wichtigste: Der Hachinger Bach fließt durch Oberhaching, Taufkirchen, Unterhaching, Unterbiberg, Perlach und dann eben auch Neuperlach. Gleich hinter Neuperlach taucht dann der Bach in den Untergrund ab, worauf später noch näher eingegangen wird. Letztlich fließt der Bach über seine Folgegewässer ins Schwarze Meer.

Ein Bach ohne eindeutige Quelle – und mit ungewöhnlicher Mündung

Das zwölf Kilometer lange Gewässer beginnt in einer ehemaligen Gletscherabflussrinne zwischen Deisenhofen und Oberhaching. Dabei zeigt sich die erste Besonderheit, der Hachinger Bach hat keine eindeutige Quelle. Die Stelle, wo der Hachinger Bach in Erscheinung tritt, liegt in einem Bereich, in dem das vom Deininger Weiher ausgehende Gleißental zum Hachinger Tal wird. Auf einer Länge von rund 100 Metern tritt stetig mehr Grundwasser aus dem Boden, sodass der Boden immer mehr Feuchtigkeit aufweist, bis tatsächlich eine sichtbare Wasserrinne und damit der Bach entsteht. Da das Grundwasser ständigen Schwankungen unterworfen ist, lässt sich kein genauer Quellpunkt ausmachen. Um zu verhindern, dass das Bachbett ganz trocken fallen kann, wurde neben einem Parkweg ein Rohr installiert, das Wasser einleitet. Die Wassermenge steigt im weiteren Bachverlauf an – durch Grundwassereintritt und Zuflüsse wie den Entenbach in Taufkirchen.

Doch nördlich von Unterhaching ist der Bach in Gefahr, da die Flinzschicht, die das Wasser hält und den Bach vor einem Versickern bewahrt, stark abfällt. Ebenso sinkt das Grundwasser. Doch die Schlammablagerungen, die der Bach selbst geschaffen hat, verschonen ihn vor diesem Schicksal. Dadurch versickerte der Bach nicht mehr wie ursprünglich irgendwo kurz nach Unterhaching in der Münchner Schotterebene, sondern schaffte es noch bis zu einer Stelle, die nördlich des heutigen Ostparks liegt. Doch heute ist alles anders. Der Bach unterquert nach dem Ostpark noch die Heinrich-Wieland-Straße und hat dann noch 120 Gnadenmeter an der Oberfläche, bevor er seit 1933 in einem Einlaufbauwerk mit automatischem Schmutzrechen abtaucht. Neben dem Einlaufbauwerk wurde ein Versickerungsbecken angelegt, das bei Hochwasser Überschwemmungen verhindern soll.

Jetzt wird es unterirdisch

Der Bach fließt ab dem Einlaufbauwerk unterirdisch durch ein profanes Betonrohr bis zum so genannten Hüllgraben, einem künstlich angelegten Kanal, der am Zamdorfer Gleisdreieck beginnt. Von dort geht es oberirdisch weiter zum sogenannten Abfanggraben, der zwischen Johanneskirchen und Aschheim liegt. Dieser führt schließlich zum Mittlere-Isar-Kanal westlich von Neufinsing. Letzterer fließt dann bei Tiefenbach, westlich von Landshut, in die Isar. Diese wiederum mündet bekanntlich in die Donau und diese fließt noch „bekannlicher“ ins Schwarze Meer.

Renaturierung

Der Bach wurde wie viele Gewässer auch an vielen Stellen begradigt. Auch heute noch fließt er an manchen Stellen schnurgerade, oft sogar in einer kanalähnlichen Betonrinne. An einigen Stellen, etwa in einem Teilabschnitt in Unterbiberg, wurde aber inzwischen eine Renaturierung durchgeführt. Inwieweit diese Renaturierungen gelungen sind, zeigen die Fotos weiter unten.

Nach oben kommen!

Forderungen, den Hachinger Bach auch in Berg am Laim, wo er ja unterirdisch fließt, an die Oberfläche zu holen, gibt es immer wieder. Man hat auch eine vorbereitende Maßnahme durchgeführt und vom Einlaufbauwerk bis zum Pavillon der U-Bahn-Station Josephsburg ein Bachbett angelegt. Doch dieses ist bis heute ungenutzt. Update: 2014 soll es nun so weit sein und der Bach hier offengelegt werden.

Legende

Früher versiegte die Quelle des Baches rund alle sieben Jahre, um dann ein Jahr später wieder aufzutauchen. Dafür und auch für das Versickern des Bachs hatte man damals keine Erklärungen. Entsprechend entstanden einige Sagen, in denen dafür dem Teufel die Verantwortung dafür gegeben wurde. Ferner ist eine Sage bekannt, in der von einem Erbschaftsstreit um eine Mühle am Bach zwischen zwei Söhnen die Rede ist. Da sich die Söhne nicht einigen konnten, soll Gott höchstpersönlich die Quelle zum Versiegen gebracht haben, um die Mühle vorübergehend sinnlos zu machen.

Wortherkunft

Der Name Hachinger Bach leitet sich von Hacho ab, einem Bajuwaren, der zwischen dem 5. und dem 8. Jahrhundert Siedlungen entlang des Bachlaufs errichtete.

Das Experiment – Entlang am Hachinger Bach

In dem angekündigten Experiment möchte ich den gesamten Hachinger Bach mit dem Fahrrad abfahren und auch das ominöse Wasserrohr an der Quelle lokalisieren. Der Grundgedanke ist, dass wenn ich nach Deisenhofen auf der normalen Straße fahre, ich möglicherweise gar nichts finde, da das Wasserrohr gut versteckt und der Bachverlauf unklar sein könnten. Also fange ich lieber auf der sicheren Seite an (im wahrsten Wortsinne!), das heißt beim Einlaufbauwerk am Michaelibad. Von dort aus taste ich mich gewissermaßen zum anderen Ende der Schnur. Meine selbst gesetzte Vorgabe ist, möglichst immer am Ufer zu fahren, zumindest aber in Sichtnähe zum Bach. An Stellen, wo der Bach durch Privatgrundstücke fließt, sind Ausnahmen möglich, aber zu weit sollte ich mich nicht vom Bach wegbewegen. Alle Bilder sind übrigens in der Reihenfolge streng von der Mündung in Richtung Quelle angeordnet. Der Blick wechselt aber mitunter und geht mal in die eine und mal die andere Richtung (je nachdem, was es zu sehen gibt und auch um Gegenlichtaufnahmen möglichst zu vermeiden). Das Experiment kann beginnen. Werde ich die Aufgabe meistern und am Ende vor dem erwähnten Rohr stehen?

Noch ein Hinweis: In dem nachfolgenden Text mag man mir verzeihen, dass ich den Verlauf Richtung Quelle beschreibe und dabei immer mal wieder die Formulierungen der „Bach unterquert, schlängelt sich (oder ähnlich)“ verwende, obwohl das ja dann quasi flussaufwärts wäre. Natürlich kann selbst der Hachinger Bach nicht Richtung Quelle und auch nicht bergauf fließen. Aber es ließe sich anders nur sehr kompliziert ausdrücken, daher diese sprachliche Ungenauigkeit.

Das Einlaufbauwerk

Hachinger Bach Einlaufbauwerk
Der Hachinger Bach verschwindet im Einlaufbauwerk (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Josephsburg
Das kurze oberirdische Stück des Bachs in Josephsburg (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

Ich starte am Einlaufbauwerk, das sich an der Kampenwandstraße befindet. Das Kleine Brauhaus Wilder Mann ist hier ganz in der Nähe. Das Gelände mit dem Einlaufbauwerk ist eingezäunt und durch Bewuchs nur schlecht einsehbar. Lediglich den Bach sieht man deutlich verschwinden, der dann auf der anderen Seite nicht mehr auftaucht und sich unterirdisch auf seine Reise gen Norden begibt. In dem kurzen Stück zwischen Einlaufbauwerk und Heinrich-Wieland-Straße hat der Bach immerhin ein würdevolles Bett.

Im Ostpark

Heinrich-Wieland-Straße
Der Bach überquert die Heinrich-Wieland-Straße. Hier ein Blick auf das kurze Stück (Blick nach Norden), das der Bach hier noch bis zum Einlaufbauwerk hat (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

Nachdem der Bach die Heinrich-Wieland-Straße unterquert hat (Bild links), geht es ziemlich idyllisch durch den Ostpark. Es gibt diverse Brücken, auch Stellen, wo man nur mit Mühe auf einem kleinen Trampelpfad dem Gewässer folgen kann. Aber es lohnt sich. Ich zeige einfach mal einige der schönsten und typischsten Stellen. Bei einigen Bildern kann man kaum glauben, sich im künstlich angelegten Ostpark zu befinden. Es lohnt sich aber, die offensichtlichen Wege zu verlassen und dem Bach haut-, besser wassernah zu folgen.

Hachinger Bach Ostpark
Der Ostpark: So künstlich angelegt … (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Ostpark
… sieht der Park hier gar nicht aus (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Ostpark
Im Ostpark: Eine der vielen Brücken über den Bach (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

In Neuperlach West

Nachdem der Hachinger Bach die Staudingerstraße unterquert hat, fließt er am Adolf-Baeyer-Damm durch Neuperlach West. Das Ufer ist hier schön grün angelegt, aber das Ufer ist nicht so natürlich und wild wie im Ostpark. Hier steht jedoch das Erholungserlebnis der Bürger im Vordergrund, so führen an einer Stelle z.B. Betonstufen runter zum Bach (siehe die ersten drei Bilder). Unter der Ständlerstraße verlässt der Bach schließlich Neuperlach (letztes Bild).

Hachinger Bach Neuperlach West
Der Hachinger Bach in Neuperlach West (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Neuperlach West
Hier führen Stufen runter zum Ufer (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Neuperlach West
Die Stufen nun von der anderen Seite (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Neupelach West
Hier lässt es sich wirklich gut aushalten (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Neupelach West
Auch das gibt es: eine der winzigen Inseln (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Neuperlach West
Hier unterquert der Bach die Ständlerstraße (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

Perlach – hier ist die Zeit stehen geblieben

St. Michael, Perlach
St. Michael am Pfanzeltplatz. Foto: Rufus46 / Lizenz siehe: Wikipedia

Nach der Ständlerstraße schlängelt sich das Bächlein durch Perlach, also gewissermaßen Altperlach. Hier findet sich ein extrem abwechslungsreicher Verlauf. Es gibt wilde Stellen, aber auch gezähmte, bei denen der Bach fast schon trostlos in einer schnurgeraden Betonrinne dahinplätschert. Auffällig sind die vielen Brücken, von denen manche speziell nur für den Zugang von Einfamilienhäusern gebaut wurden. Einige der Brücken sind sehr simpel, andere aufwändiger und auch mit schwerem Gerät befahrbar.

St. Paulus Perlach
St. Paulus in der Nähe vom Pfanzeltplatz ist die älteste evangelische Kirche Münchens. Foto: Donaulustig at de.wikipedia / Lizenz siehe: Wikipedia

Die Häuser weisen meist sehr dörflichen Charakter auf, aber auch Neubauarchitektur, die verdächtig nach Einheitsarchitektur von der Stange aussieht, hat sich stellenweise breit gemacht. Einöde wechselt sich mit belebten Stellen ab. Das Zentrum ist natürlich der Pfanzeltplatz, wo auch ein Marktplatz und die meisten Läden angesiedelt sind. Viele der Geschäfte haben ihren ursprünglichen Charakter behalten, bei manchen scheint die Zeit in den 1960er-Jahren stehen geblieben zu sein.

Am Pfanzeltplatz treffen wir auch auf den ersten echten mystischen Ort, die 1728 errichtete barocke römisch-katholische Pfarrkirche St. Michael (siehe Bild links). Etwas weiter stadtauswärts – der Sebastian-Bauer-Straße folgend – kommen wir noch einmal an einer Kirche und damit an einem weiteren wirklichen mystischen Ort vorbei, der evangelisch-lutherischen St.-Paulus-Kirche (siehe Bild rechts).Es ist keine Kirche wie jede andere, es ist vielmehr die älteste evangelische Kirche Münchens. Sie wurde 1849 nach Plänen des Architekten Georg Friedrich Ziebland (* 1800; † 1873) gebaut. Von ihm stammen unter anderem auch die Staatlichen Antikensammlungen am Königsplatz.

Unter den S-Bahn-Gleisen verlässt der Bach schließlich das eigentliche Perlach. Jetzt geht es weiter durch Perlach Süd (nicht zu verwechseln mit Neuperlach Süd!).

Hachinger Bach Perlach
Eine natürlich wirkenden Stelle mit Insel (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Perlach
Hier wirkt der Bach arg kanalmäßig eingezwängt (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hofangerstraße Perlach
Hier in Perlach fühlt man sich noch fast wie auf dem Dorf (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Pfanzeltplatz Markt
Pfanzeltplatz mit Marktplatz (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Perlach
Besonderes Haus am Bach (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Perlacher Hof, Perlach
Der Perlacher Hof – natürlich – in Perlach (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

Perlach Süd – Idylle und eine geheimnisvolle Kapelle

Obwohl es in Perlach Süd ein Gewerbegebiet gibt, befinden sich am Bach die vielleicht idyllischsten Punkte überhaupt. Der Bach fließt dabei westlich der Unterbiberger Straße und parallel zu ihr. Am Ufer führt ein einfacher Pfad. An einigen Punkten läuft der Bach fast schon spektakulär durch Privatgrundstücke und ganz nah an Privathäusern vorbei. Es gibt viel zu entdecken – interessante Brücken, ein Baumhaus und ganz besonders geformte Bäume.

Am südlichsten Zipfel von Perlach kann ein weiterer echter mystischer Ort bestaunt werden, eine Kapelle gleich neben dem Bach. Leider ist „bestaunen“ schon fast zu viel versprochen, denn das Gotteshaus steht auf einem nicht zugänglichen, eingefriedeten Privatgrundstück. Das Wohnhaus und die Einrichtungen um das Haus herum machen nicht mehr den frischsten, ja fast schon einen verlassenen Eindruck. Dem Besucher bleibt leider nur ein Blick auf die Kapelle (siehe letztes Bild). Vielleicht weiß ja einer der Neuperlach.org-Leser mehr über die Kapelle.

Hachinger Bach Perlach Süd
Jetzt wird es ziemlich privat (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Perlach Süd
Noch mal sehr privat (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinge Bach Perlach Baumhaus
Eine Brücke und ein Baumhaus (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Perlach
Baumhaus und Brücke aus der Nähe (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach in Perlach Süd
Jetzt wird es wirklich ländlich (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach in Perlach Süd
Der Hachinger Bach in Perlach Süd (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Perlach Süd
Zäune sind doch keine Hindernisse für einen Bach! (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Perlach
Ein ganz besonderer Baum (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Perlach Süd
Auch Brücken der einfachsten Art verbinden (06.12.2012) © Thomas Irlbeck
Kapelle am Hachinger Bach
Kapelle am Hachinger Bach (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

Unterbiberg

Nun führt der Bachverlauf mich nach Unterbiberg, einem Ortsteil von Neubiberg. Hier hat der Bach richtig viel Platz. Es gibt einen Park und große Felder und es ist alles nicht so zugewachsen. Das erleichtert es auch, Bilder zu machen, die nicht wie die bisherigen den Bach vor einem eher unruhigen, grünen Hintergrund zeigen. Als Erstes komme ich an der Grundschule Unterbiberg vorbei, ein sehr farbenfrohes Gebäude, das bezeichnenderweise an der Straße „Am Hachinger Bach“ liegt. Als Nächstes führt mich mein Weg an der barocken römisch-katholischen Kirche St. Georg vorbei, dem bereits vierten mystischen Ort. Das dürfte rekordverdächtig für diese Reihe auf Neuperlach.org sein! Der Bau von St. Georg wurde 1725 begonnen und rund 20 Jahre später abgeschlossen. Der Friedhof ist übrigens noch viel älter, etwa 600 Jahre. Kurz hinter St. Georg verlasse ich den bebauten Teil von Unterbiberg. Nun wird es zunächst auf ein paar Metern fast so was wie wildromantisch, wenn man mal über die steinerne schnurgerade Kanalrinne hinwegsieht. Etwas weiter hinten wird der Bach begradigt über riesige Felder geführt. Hier sind noch keine Baumaschinen angerückt, um eine Neubausiedlung aus dem Boden zu stampfen, immerhin. Der Bach ist Hauptakteur in der Szenerie, ein Blick zurück auf St. Georg darf nicht fehlen. Nur das Rauschen der A8 im Hintergrund trübt die Stimmung.

Bald nähert sich der Bachverlauf der Autobahn. Und der Bach fließt unter der Autobahn durch. Das wäre eigentlich nicht schlimm, doch das Tunnelbauwerk hat nur einen engen Notdurchgang. Natürlich weiß ich, dass es noch andere Unter-/Überquerungsmöglichkeiten in der Nähe gibt, aber ich will ja direkt dem Bach folgen. Nur mit Mühe schaffe ich es, mein Rad in den schmalen Tunnel mit den scharfen abknickenden Mauern einzufädeln. Zum Glück leide ich nicht unter Klaustrophobie. Das gerade Stück lege ich sogar fahrend zurück, am Ende muss ich das Rad wieder ausfädeln. Geschafft!

Hachinger Bach Grundschule Unterbiberg
Die Grundschule Unterbiberg am Hachinger Bach (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Unterbiberg
Der Hachinger Bach in Unterbiberg (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach St. Georg Unterbiberg
St. Georg in Unterbiberg (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Unterbiberg
Unterbiberg: Hier wird es fast wildromantisch (06.10.2012)
Hachinger Bach Unterbiberg
Südlich von Unterbiberg, Blick zurück auf St. Georg (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Unterbiberg
Unterbiberg, im Hintergrund die A8 (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Unterbiberg
Begradigter Hachinger Bach in Unterbiberg (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach
Kurz vor der Autobahnunterführung ein Blick zurück (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Autobahn A8 Unterführung
Nicht vertrauenerweckend, aber da „muss“ ich durch (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Autobahn A8 Unterführung
Unterführung unter der A8: Bequem ist was anderes (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Autobahn A8 Unterführung
Schon etwas knapp (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

Unterhaching

Nach der unbequemen Tunnel-Tour bin ich nun auf der anderen Seite, die zu Unterhaching gehört. Hier führt der Bach erstmals durch einen Ort, wo sich der Name des Baches auch im Ortsnamen findet. Doch die Freude währt nur kurz, der Bach verschwindet nach wenigen Metern in einem sehr gut eingezäunten Grundstück. Da geht es endgültig nicht mehr weiter, auch nicht so einfach an der Seite vorbei. Ich schaue mich ein wenig um. Ich befinde mich auf einem riesigen Parkplatz, auf dessen Ende das Geothermiekraftwerk Unterhaching liegt. Über den Parkplatz komme ich zu einer Hauptstraße, der Biberger Straße. Würde ich dieser folgen, würde ich sicherlich bald wieder auf den Bach treffen. Doch mir läuft die Zeit davon. Viel zu lange habe ich für die vielen Fotostopps gebraucht. Auch schlägt das Wetter nun so langsam um.

Hachinger Bach Autobahn A8 Unterführung
Unterführungsbauwerk für Schlanke: Da kam ich … (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Autobahn A8 Unterführung
… tatsächlich raus. Jetzt aber weiter! (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Unterhaching
Hier geht‘s nicht mehr weiter. Und nun? (06.10.2012) © Thomas Irlbeck
Hachinger Bach Geothermiekraftwerk Unterhaching
Endstation Geothermiekraftwerk Unterhaching (06.10.2012) © Thomas Irlbeck

Fazit

Das Projekt Wasserrohr-Lokalisierung ist daher erst einmal gescheitert, aber gesehen habe ich dennoch eine Menge Interessantes. Einen mystischen Ort auf Neuperlacher Gebiet habe ich allerdings, wenn man strengste Maßstäbe anlegt, wieder nicht gefunden, es sei denn, man lässt den Bach als Ganzes durchgehen, wie ich es am Anfang angedeutet habe. Aber es wird sicherlich eines Tages noch einen 9. Teil der Serie geben. Dann werden die Karten neu gemischt.

Am Ende noch ein kleines Zuckerl:

Das Michaeli-Gymnasium hat gleich zweimal einen Bezug zum Hachinger Bach

Michaeli-Gmynasium
Michaeli-Gmynasium. Foto: Rufus46 (de) / Lizenz siehe: Wikipedia

Das 1971 gegründete staatliche Michaeli-Gymnasium im Stadtteil Josephsburg, der zum Stadtbezirk Berg am Laim gehört, liegt nicht nur in der Nähe des Hachinger Bachs, genauer an dem erwähnten Einlaufbauwerk, sondern hat auch eine passende postalische Adresse. Man würde sich für eine Schule von Weltruf, die rund 1.300 Schüler und rund 100 Lehrkräfte beheimatet, einen Straßennamen wie etwa Heinrich-Mann-Straße oder Albert-Einstein-Allee wünschen, doch der Betonbau liegt an der Hachinger-Bach-Straße 25. Mit etwas Augenzwinkern betrachtet nimmt der verniedlichende Name dem renommierten Gymnasium etwas von seinem Weltstadtflair. Aber München ist ja vielleicht gar keine Weltstadt, sondern eher ein Weltdorf und durch den Straßennamen wird die Schule wiederum etwas Besonderes. Sicherlich wird schon der eine oder andere mit angelsächsischen Wurzeln die Adresse falsch als „Häjtschinger Bach“ ausgesprochen haben.

Eine weitere Eigenheit des Gebäudes ist, dass man aus Gründen der Kostenersparnis das gleichzeitig im Stadtteil Fürstenried entstandene Thomas-Mann-Gymnasium nach exakt den gleichen Bauplänen errichtetet hat. Ähnliches findet man auch in Neuperlach – auch dort sehen sich die meisten Schulen zum Verwechseln ähnlich, etwa die Grundschule am Karl-Marx-Ring, die Grundschule an der Kafkastraße und (früher, vor dem Umbau) die Wilhelm-Röntgen-Realschule an der Klabundstraße. Effizienz ist alles.

Kunst

Die Bachmühle in Taufkirchen
Die Bachmühle in Taufkirchen. Bild: Festring Perlach

Quellen

Requiem – in Erinnerung an das Plett-Zentrum

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Viele sahen und sehen im Plett-Zentrum eine Betonbausünde aus den 1960er-Jahren, der man keine Träne nachweinen sollte. Doch dies wird dem Bau nicht gerecht. Denn der Gebäudekomplex war etwas Besonderes, er war durchdacht, er hatte seine berühmten Vorbilder und nahm Anleihen bei Stararchitekten. Vieles ist jedoch dem Normalsterblichen nicht bekannt und kann auch nicht mehr erkundet werden, da der Bau schlicht nicht mehr existiert – zum Zeitpunkt dieses Artikels liefen bereits die Abrissaktivitäten des verbliebenen Westteils. Speziell für Interessierte, die den ursprünglichen Bau nie oder nur flüchtig gesehen haben, ist es schwer, mehr zu erfahren. Auch hat nicht jeder das erforderliche architektonische Hintergrundwissen, ebenso sind manche Details nur mit aufwändiger Recherche in Erfahrung zu bringen, wenn sie überhaupt öffentlich zugänglich sind. So weist der Bau einige bemerkenswerte Raffinessen auf. Außerdem war das Plett-Zentrum in stärkerer Weise als Zentrum Neuperlachs konzipiert, als es gemeinhin bekannt ist. Bruno Tamborino entführt uns in die Entstehungsgeschichte des Baus und bringt uns in diesem hochinteressanten Artikel dessen Charakteristika und Eigenheiten nahe. Mit dieser Beschreibung liefert der Autor ein Plädoyer für den Erhalt vergleichbarer Gebäude, im Besonderen in Neuperlach.

Neuperlach 1967 bis 1970
Bild 1: Das Plett-Zentrum (ca. 1970). Foto: Christoph Wimber

Thomas Irlbeck

Über den Autor Bruno Tamborino (* 1969) lebte von 1974 bis 1987 in Neuperlach und hat mit starkem Interesse sämtliche Bau- und Umgestaltungsmaßnahmen in Neuperlach Mitte und Nord erlebt, heute lebt er in Italien. Er hat ein kleines Privatarchiv, bestehend aus Fotos, Postkarten, Zeichnungen und Bauplänen, mit persönlichen Aufzeichnungen und war immer daran interessiert, was aus Perlach Nord am besten werden könnte. Er ist ab der 5. Klasse im Werner-von-Siemens-Gymnasium zur Schule gegangen und war deshalb täglich in Perlach Nord unterwegs. 1983 schlug er der Neuen Heimat einen Neuanstrich für ein Haus vor, dieser Vorschlag wurde dann in der lokalen Wochenzeitung „Hallo“ veröffentlicht, aber nicht ausgeführt. Er hat auch ein Modell von einem Haus in Neuperlach gebaut und in Neuperlach 1985 ausgestellt und Daten für weitere Modellgebäude gesammelt.

Der Zweck dieses Beitrages ist, vom Plett-Zentrum eine Erinnerung zu erhalten und die Gründe seines Verschwindens zu verstehen.

Neue Heimat/Plett-Zentrum 2007
Bild 2: Das Plett-Zentrum (2007). Foto: Bruno Tamborino

Das Plett-Zentrum ist nach zirka 40 Jahren Existenz nur noch Erinnerung und das ist sehr schade. Die Hoffnung dieses Beitrages ist, dass, nachdem dieser Bau lieblos behandelt und recht flott abgebrochen wurde, dies nicht auch anderen Gebäuden in Neuperlach droht. Trotz einer sehr traurigen Indifferenz der Leute, die doch mit und in diesen Bauten aufgewachsen sind, stellen diese für viele ein Stück Heimat dar, das jetzt verschwindet, obschon man es schützen sollte.

Geschichte

Plett-Zentrum Zeichnung
Bild 3: Von oben links zeilenweise nach unten sieht man die Ostfassade, daneben die Westfassade mit Laderampe, die Südfassade mit den Kellerfenstern und die Nordfassade mit den Treppen und den Einfahrten. Alles ist im Ursprungszustand noch ohne Brücke an der Südseite, aber mit der Space Churn. Auch die dunklen Brüstungsabdeckungen gab es anfangs noch nicht. In Rot unterstrichen ganz unten ist der zuletzt noch stehende Bauteil markiert. Zeichnung: Bruno Tamborino

Das Plett-Zentrum war 1967 schon ganz geplant (siehe das Titelbild und Hauptillustration vom Buch „Entlastungsstadt Perlach in München“, herausgegeben 1967 von der Neuen Heimat), es wurde aber erst ein oder zwei Jahre nach den Wohnhäusern in seiner Umgebung zusammen mit dem noch bestehenden gegenüberliegenden Bürohaus eingeweiht. 1971 bezog also die Neue Heimat Bayern ihr neues Verwaltungshaus, es kamen aber auch Geschäfte, ein Restaurant und eine Filiale der Stadtbibliothek München in das Zentrum. Es waren der Ayinger Hof, ein Rewe-Supermarkt, die Papeterie Perlach, ein Solarium mit Kosmetikstudio und andere Geschäfte, die recht bald wieder verschwunden sind oder ihre Identität geändert haben, wie z.B. ein Tapetengeschäft. Der mittlere Teil des Plett-Zentrum bestand aus einem großen, offenen Platz, auf den auf einer Seite der Eingang der Verwaltung der Neuen Heimat schaute, auf der anderen Seite waren Geschäfte. Die Eingänge und Vitrinen aller Geschäfte (auch des Restaurants und der Bibliothek) bildeten drei Fronten, zwei schauten auf eine offene Passage, die andere auf diesen Platz. Der Platz war wie das ganze Hochparterre des Plett-Zentrum zirka 2,60 Meter über dem Straßenniveau. An seinen zwei gegenüberliegenden Seiten grenzten ihn nur zwei schmale Dachstreifen optisch ein und hier stand ab 1972 die Space Churn (Raumspindel, auch als Neuperlach Mobile bekannt), das Wahrzeichen Neuperlachs.

Plett-Zentrum Grundriss Zeichnung
Bild 4: Hochparterre-Grundriss des Plett-Zentrum. Man erkennt in Schwarz die Säulen in versetztem Doppelraster, alle parallelen Säulen stehen in 10,50 Meter Abstand. In Orange die Räume im Hochparterre, in Rot und Violett die Obergeschosse der Büros, rechts die Geschäfte. In Hellblau die Bedachung der Freiflächen im Hochparterre. Die gestrichelten Linien deuten schematisch die Tragebalken der Decke an, alle habe ich nicht rekonstruieren und einzeichnen können. Zeichnung: Bruno Tamborino

Anfang der 1980er-Jahre wurde die Fußgängerbrücke über die Ständlerstraße gebaut, als auch das Konzerngebäude der Vereinte Versicherung (damals noch Vereinigte Versicherung) und das pep fertig waren. Als Durchgang zur Brücke wurden die Brüstung und der Blumentrog hier unterbrochen, welche vorher durchgehend waren, obwohl diese Brücke schon von Anfang an geplant war. In der ersten Hälfte der 1980er-Jahre wurde der Bau auch einer Pflege unterzogen, bei der die vertikalen Brüstungsplatten per Hochdruckwasserstrahl gesäubert wurden und vor allen Dingen die Oberkanten dieser Platten mit optisch angepassten, dunklen Aluminiumprofilen geschützt wurden. 1986 wurde die Neue Heimat aufgelöst und die WSB Bayern zog ein, entsprechend wurde auch das große „NH“-Logo am Obergeschoss des Verwaltungsbaus durch ein „WSB“-Logo ersetzt.

1999 wollte die WSB schon neue Räume, bis sie einige Jahre später den Bau verließ und die Büros dann nicht mehr benutzt wurden. 2001 zog die Stadtbibliothek in das nahe Quidde-Zentrum um, auch dies war ein klares Zeichen, dass das Plett-Zentrum seine besten Zeiten leider schon hinter sich hatte. Spätestens 2005 standen die Verwaltungsräume und die meisten Geschäfte leer. Der großflächige Bau wurde unter zwei Besitzern geteilt, der Geschäftsteil kam in eine Hand, der doppelt so große Teil mit Büroräumen und Platz in die Hand von Aldi, um dort die Büros und den Platz mit einem Markt zu ersetzen. 2006 schenkte die WSB die Space Churn auch der Stadt München.

Im März 2008 wurde der größere Teil des Baus abgerissen, zu diesem Zweck wurde die Space Churn umgesiedelt und der übrige Teil des Baus an der Trennstelle funktionell wieder instand gesetzt. Nach dem Abriss wurde dann nicht der Aldi-Markt, sondern das Life-Einkaufszentrum erbaut, das an den noch stehenden Teil anschloss. Die offene, ehemalige Ladenpassage wurde abgezäunt und ihre Ladenvitrinen mit Holzplatten verschalt, um weiterhin als Durchgang zur Fußgängerbrücke zu dienen, während der Restbau leer und mehr oder weniger in der Hand der Vandalen war, aber aus einigen Blickpunkten sah er noch recht gut aus. Im März 2012 begann auch hier der Abbruch, um ein mehrstöckiges Gebäude an seiner Stelle zu erbauen. Damit enden die 41 Jahre Existenz des Plett-Zentrum.

Beschreibung

Das Plett-Zentrum war ein großzügiger, flacher Bau, der mit großen Spannweiten zwischen den wenigen, relativ dünnen Säulen und einer Totalverglasung der Büro- und Ladenräume imponieren sollte. Die Räume sollten ein Maximum an Licht und Flexibilität bieten, auch innen waren nur wenige Säulen und Mauern zu finden. Alle Fenster der Büros schauten auf das Grün der balkonartigen Brüstungen oder auf zwei grüne Innenhöfe, deren größerer quadratisch war und sich in drei stockwerkshohen, begrünten Stufen nach unten verkleinerte. Alle Brüstungen, auf die Fenster oder Fußgängerbereiche schauten, waren mit Sträuchern und Blumen bepflanzt. Alles am Bau war streng geometrisch und entsprechend fixer Regeln gestaltet.

Das Plett-Zentrum war vollunterkellert, dieser Keller schaute über einen Meter aus dem Boden. Er diente als Büro- oder Archivraum, Tiefgarage und Nebenräumlichkeiten der Geschäfte. Das Hochparterre bedeckte den größten Teil der Oberfläche, abgesehen vom zentralen Platz, der Ladenpassage, den zwei Passagen von dieser zum Platz und beiden Innenhöfen der Verwaltung. Neben dem Platz befand sich der dreistöckige, quadratische Hauptbau der Verwaltung, dessen oberstes Geschoss nach außen keine Fenster hatte und deshalb nur wie eine sehr hohe Abschlussbrüstung aussah. Das Plett-Zentrum wies an der Nordseite drei breite Treppen zum Hochparterre auf, eine als Nebeneingang zur Verwaltung, zwei zu den offenen Flächen und zwei Tiefgarageneinfahrten. An der Südseite hatte nur der Keller unter dem dreistöckigen Bauteil große Fenster entsprechend den Stockwerken darüber. An der Westseite befand sich eine Laderampe für die Lagerräume der Geschäfte, auch hier war der Bau streng und komplett gestaltet. Außer an der Laderampe und an den Südfenstern war der Keller völlig fensterlos.

Es gab an dem Bau keine kleinteiligen Ausnahmen, alles folgte einem geometrisch-minimalistischem Stil, der aber sehr großzügig umgesetzt wurde. Die Decken waren alle in Innen- und Außenbereichen mit Rigipsplatten durchgehend flach und weiß verkleidet, mit eingebauten Neonleuchten. Horizontale, durchgehende Elemente waren dominant. Alle Brüstungen setzten sich aus vorgeblendeten, massiven Betonplatten zusammen, die gesägt, geschliffen und poliert waren, also fast wie natürliches Konglomerat aussahen. Alle Fenster- und Türrahmen und die sieben kubusförmigen Dachaufbauten waren aus brauneloxiertem Aluminium, die Säulen aus nicht bemaltem Beton und alle Kellermauern, außer den wenigen unter den Kellerfenstern, weinrot bemalt. Die Freiflächen bestanden aus großen, quadratischen, perfekt horizontalen Waschbetonplatten mit relativ breiten Fugen dazwischen, in die das Regenwasser abfloss und dann unter den Platten abgeleitet wurde. Auch die Treppen waren aus Waschbeton. In den meisten Räumen befand sich ein neutral gefärbter Teppich, in der Eingangshalle der Büros waren die Haupttreppe zu den Obergeschossen und die Empfangstheke imponierend und phantasievoll gestaltet. Die dominante Farbe außen war Betongrau, mit viel Verglasung.

Das Plett-Zentrum repräsentierte einen Bau mit gemischter Funktion, es war gleichzeitig Verwaltungsbau, Ladenzentrum und öffentlicher Bau mit der Stadtbibliothek, dem großen Platz und der Passagenfunktion zur Brücke. Die Verwaltung besetzte den größten Teil. Die Position der Space Churn auf dem Platz war nicht zufällig, denn der Platz war als erster Neuperlacher Mittelpunkt vorgesehen, die große Treppe, die Space Churn und seine ganze würdevolle Gestaltung bestätigen dies (siehe auch Illustration in „Entlastungsstadt Perlach“), er sollte in moderner Form eine säulengerahmte, griechische Agora interpretieren. Die breiten, nicht steilen Treppen waren alle einladend, wenn auch nicht barrierefrei.

Als Verwaltungsbau der (damals Neuperlach erbauenden) Neuen Heimat Bayern war er das eigentliche Zentrum Neuperlachs, mehr als der heute noch völlig undefinierte Hanns-Seidel-Platz. Der Bau sollte das Paradepferd von Neuperlach Nord sein und war es auch. Das Plett-Zentrum war aber auch ein klares Machtsymbol der Neuen Heimat, mit seiner sehr großen Ausdehnung und seinen besonderen bautechnischen Lösungen. Kohärent mit ihrer Wirkungs- und Bauphilosophie hat sie aber auf teure und exklusive Baumaterialien, etwa Marmor, oder auf aufwändige Verkleidungen verzichtet.

Maße und Bautechnik

Ich werde jetzt technische Charakteristika und Maße angeben, die alle aus meiner Beobachtung stammen. Ich bin mir der Maße ziemlich sicher, aber mit maximal 10 % Toleranz kann ich deren ganz sicher sein.

Das Plett-Zentrum war ein ungeteilter Stahlbeton-Skelettbau mit vorgefertigten Deckenplatten, Bodenbelagsplatten und vertikalen Fassadenbrüstungen und -platten. Vor Ort wurden also der Keller, die Säulen, die Deckenträger und die Brüstungshalterungen gegossen; wie schon angedeutet, war die Struktur völlig ohne Dehnfugen. Das Muster der Säulenverteilung war ungewöhnlich, um von außen weniger Säulen erscheinen zu lassen, als effektiv vorhanden waren. Auf den Säulen befanden sich massive, vor Ort gegossene Betonträger, die dann die Deckenplatten trugen. Die begehbaren Außenbereiche hatten unter dem sichtbaren Bodenbelag eine geneigte, vor Wasser schützende Dachoberfläche, auf der die Platten waagrecht aufgestützt waren.

Alles am Bau basierte auf einer besonderen Baukonzeption: wenige, dünne Säulen, von denen man von außen den Eindruck haben sollte, es seien nur halb so viele, auf denen komplexe, verschieden strukturierte Dachkonstruktionen ruhten. Die großen Spannweiten und die vielen Anforderungen führten also zu sehr hohen Dachkonstruktionen. Das was von außen wie Balkonbrüstungen aussah, war ja in Wirklichkeit fast nur der vertikale Abschluss dieser Deckenkonstruktion. Die Betonbalken, die doppelte Struktur der Freiflächen und die Blumentröge verursachten das Surplus an Höhe, während die schlichte, weiß bemalte Verkleidung der Decken den Eindruck erweckte, man sehe von unten die eigentliche Decke.

Der ganze Bau maß beachtliche 172 mal 56 Meter und war größtenteils 6,50 Meter hoch, der Verwaltungsbau hatte auf 14,30 Meter seine Dachhöhe. Es war ein sehr ausgedehnter und flacher Bau. An den Fassaden sah man alle 10,50 Meter eine 30 Zentimeter dicke Säule, die Brüstungen waren 1,75 Meter hoch, die Fensterbänder 2,60 Meter. Im Inneren waren die Säulen auf einem doppelten, diagonal versetzten Quadratraster angeordnet, um den 10,50 Meter-Abstand zu halbieren. Die Kellerbasis ohne Treppen, Einfahrten, Rampen und der 1,75 Meter-Auskragung der Brüstungen bedeckte stolze 8.886 Quadratmeter. Die Deckenkonstruktion hatte als Hauptelement 60 Zentimeter hohe und 30 Zentimeter breite Tragebalken, auf der die Fertigteil-Deckenplatten lagen. Die Deckenverkleidung war 20 Zentimeter unter den Balken abgehängt. Darüber befanden sich die oben genannten Bodenbeläge der Außenbereiche, die Erde der Blumentröge oder die entsprechende Füllschicht der Innenbereiche. Vom Fußboden bis zur Deckenunterseite waren es reichlich mehr als ein Meter Höhe, oben schauten die Brüstungen nur 40 Zentimeter heraus, dieselbe Höhe der an den Innenseiten der Blumentröge angeordneten Betonsitzbänke um die Außenbereiche.

Architektur

Das gewollte Aussehen des Baus war das einer filigranen, vertikalen Struktur, mit viel Glas und minimalistischen, modernen Fensterrahmen, auf der große und mächtige, horizontal betonte Decken lagen, alles schlicht und geometrisch gestaltet. Glas, lange, durchgehende Brüstungen und der massive obere Abschluss charakterisieren den Bau. Die Fensterrahmen aus brauneloxiertem Aluminium mit quadratischen Profilen und sehr großzügiger Isolierverglasung waren sehr modern, wie auch die niedrigen Heizkörper dahinter und die Vollklimatisierung.

Die Architektur ist typisch für die 1950er- oder 1960er-Jahre und entspricht internationalen und amerikanischen Vorbildern. Man erkennt den Pavillon der Expo in Barcelona (Bild 5), die Neue Nationalgalerie in Berlin (Bild 6), die Lake Shore Drive Apartments in Chicago (Bild 7) als Vorbilder, alles Meisterwerke des Architekten Ludwig Mies van der Rohe. Auch die Villa Fallingwater des Architekten Frank Lloyd Wright (Bild 8) und das Lever House (Bild 9) in New York könnten als Vorbild gedient haben. Es sind alles Meilensteine des Modernismus.

Pavillon der Expo in Barcelona

Pavillon der Expo in Barcelona
Bild 5: Pavillon der Expo in Barcelona (van der Rohe, 1929). Foto: Hans Peter Schaefer / Lizenz siehe: Wikipedia

Als Vorbild für das Plett-Zentrum diente hier das Verhältnis zwischen Wänden und der Decke, die wie Platten aneinanderstoßen, auch die Sitzbank (Mitte) und die Fensterkonstruktion.

Neue Nationalgalerie in Berlin

Neue Nationalgalerie in Berlin
Bild 6: Neue Nationalgalerie in Berlin (van der Rohe, 1962). Foto: Manfred Brückels / Lizenz siehe: Wikipedia

Das große, markant horizontale, massive Dach auf dünnen Säulen diente als Vorbild, auch die dunkle Farbe der Metallkonstruktion und auf dem Bild nicht sichtbare große Untergeschossfenster.

Lake Shore Drive Apartments in Chicago

Lake Shore Drive Apartments in Chicago
Bild 7: Lake Shore Drive Apartments in Chicago (van der Rohe, 1962). Foto: End User / Lizenz siehe: flickr

Die Gestaltung der offenen Erdgeschossbereiche war hier das Vorbild, mit der peniblen und streng geregelten Detailgestaltung. Auch die schmalen Bedachungen sah man um den Platz des Plett-Zentrum.

Villa Fallingwater in Pennsylvania

Villa Fallingwater in Pennsylvania
Bild 8: Villa Fallingwater in Pennsylvania (Wright, 1939). Foto: Jack Boucher, HABS / Lizenz siehe: Wikipedia

Damals modernste Bautechniken erlaubten es, die massive Balkone wie schwebend erscheinen zu lassen, die Säulen waren relativ dünn und in den Schatten zurückversetzt. Einen ähnliche Eindruck ergab das Plett-Zentrum, erzielt mit einer ähnlichen Technik.

Lever House in New York

Lever House in New York
Bild 9: Lever House in New York (Studio S.O.M., 1957). Foto: David Shankbone / Lizenz siehe: Wikipedia

Das fensterlose oberste Geschoss des Hauses war ein technisches Stockwerk und bildete einen optisch gelungenen Abschluss-Akzent, diese Lösung wurde bei Hochhäusern auch von van der Rohe verwendet. Der Flachbau auf Stelzen, den man im Vordergrund sieht, hat einen begrünten Innenhof. Beide Motive sah man am Plett-Zentrum.

Erklärungsversuche zum Abbruch

Das Plett-Zentrum hatte einige Mängel, die den Abbruch auf keinen Fall rechtfertigen, ihn aber vielleicht erklären. Bei 8.886 Quadratmetern Oberfläche (das Grundstück ist natürlich noch größer) bot es nur 7.828 Quadratmeter Büro- und Ladenflächen. Das ist wenig.

Der würdevolle Platz in der Mitte wollte eine Agora, also ein Treffpunkt sein, was er aber nie geworden ist. Ein Marktplatz (was das pep irgendwie ist) hätte besser funktioniert, der Platz ist leider immer leer geblieben.

Der flache, weitverglaste Bau war bestimmt unwirtschaftlich in der Beheizung, er war entsprechend der damaligen Technik wenig isoliert und hatte nach oben und nach unten potenziell große Wärmeverluste.

Dass man zu den Geschäften, der Verwaltung und dem Platz 2,60 Meter Höhe durch Treppen überwinden musste, machte den Bau bestimmt auch nicht beliebt, denn es gab keine barrierefreie Alternativen dazu.

Wahrscheinlich wurde das Plett-Zentrum als striktes ideologisches Eigentum und Symbol der Neuen Heimat angesehen, es war also den Nachfolgebesitzern unsympathisch, es wurde wohl als etwas Fremdes empfunden.

Komischerweise war der Bau 1967 als Erster schon fertig geplant, wurde aber erst vier Jahre später eingeweiht, trotz seiner schnell realisierbaren Bauweise. Wahrscheinlich musste man damals auf der Riesenbaustelle Neuperlach den Wohnhäusern Vorrang geben. Der Bau war also 1971 schon veraltet, die Planung geschah ja vor 1968 und der Energiekrise 1973, danach war eben viel schon wieder anders.

Es hat wohl auch Wassereinfallprobleme am Dach gegeben, die besondere, asymmetrisch ausgelastete Struktur des Baus ohne Dehnfugen mit Fertigteildachelementen hat vermutlich zu Spannungen im Dach geführt, die als Folge die dichtende Teerpappe darauf immer wieder aufgerissen haben könnten.

Schließlich litt der Bau wie alle Subzentren in Neuperlach schon seit den 1980er-Jahren unter der Konkurrenz des pep.

Eine Illusion …

Trotz allem hätte man den Bau retten müssen und können, ihn renovieren, reparieren und rentabel machen können. Mehrere, mit Spiegelglas verkleidete Stockwerke in Leichtbauweise auf den Geschäfts- und Büroteilen, ein Verglasen oder Zubauen des quadratischen Innenhofes und eine Umfunktionierung und Bedeckung der Agora hätten den Bau rentabel gemacht und ihn erhalten und modern gemacht. Aufzüge oder neu gestaltete, flachere Rampen (die alten Treppen hatten nur eine integrierte, mit einer hohen Stufe beginnende Kinderwagenrampe) hätten den Zugang erleichtert. So wäre der ursprüngliche Mittelpunkt Neuperlachs noch erhalten und die Identität dieses Stadtteils bewahrt, auch die Bibliothek könnte heute noch viele positive Jugenderinnerungen wachhalten. Das Plett-Zentrum war insgesamt ein einladender Bau mit Öffentlichkeits- und nicht Privatcharakter, der leider an einer Privatmentalität zu Grunde gegangen ist, obwohl er noch stehen sollte.

Bruno Tamborino
bruno.tam15@gmail.com