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Das ist München. Aber anders. Gedanken aus und über Neuperlach

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Erzähl doch keine Märchen!

Es war einmal… Nein, den Stadtteil gibt es immer noch. Die Rede ist vom wohl märchenhaftesten Stadtteil Münchens: Waldperlach. Die Straßen heißen dort

  • Aschenbrödelstraße
  • Däumlingstraße
  • Dornröschenstraße
  • Drosselbartstraße
  • Elfenstraße
  • Erlkönigstraße
  • Eulenspiegelstraße
  • Frau-Holle-Straße
  • Froschkönigweg
  • Gänselieselstraße
  • Heinzelmännchenstraße
  • Isegrimstraße
  • Koboldstraße
  • Märchenweg
  • Nixenweg
  • Puppenweg (gemeint ist das Marionetten-, Puppen- oder Kasperlspiel)
  • Robinsonstraße (gemeint ist Robinson Crusoe)
  • Rotkäppchenplatz
  • Rotkäppchenstraße
  • Rübezahlstraße
  • Rumpelstilzchenstraße
  • Schneewittchenstraße
  • Sterntalerstraße
  • Struwelpeterstraße

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Damit hat ein Großteil der Straßen dort einen Bezug zu Märchen, Sagen und ähnlichen phantastischen Geschichten.

Szene aus Frau Holle. Beim Betten ausschütteln schneit es – zumindest im Märchen. Foto: Christian Heindel / Lizenz siehe: flickr

Eine Frage in einem Forum brachte mich heute auf das Thema. Woher kommen diese Namen? War hier ein Scherzbold am Werk? Ein Märchenpapst? Die Antwort, dass thematische Schwerpunkte die Orientierung vereinfachen würden und z.B. für Taxifahrer eine Erleichterung seien, geht etwas am Thema vorbei. Genauso gut könnte man auch Maler, Dichter, Gebirge oder Kräuterarten bemühen.

Tatsache aber ist, dass Perlach (inklusive Waldperlach und Fasangarten) 1930 nach München eingemeindet wurde. Bei Eingemeindungen stellt sich das Problem, dass leider dann ein paar Straßen Dubletten bilden. Zweimal „Marienplatz“ geht einfach nicht in München (ja, liebe Pasinger, ich weiß, ihr habt dennoch euren Marienplatz behalten). Also müssen jede Menge Straßen umbenannt wurde.

Laut  einem Artikel auf der Webseite der Katholischen Gemeinde St. Michael mit St. Georg wurden nicht nur Dubletten entfernt, sondern alle an die Monarchie (die bekanntlich 1918 endete) erinnernden Straßennamen. Sehr detailreich ist hier WAPE Bürger IG und verrät folgende Namensanpassungen:

  • Äussere-Prinz-Rupprecht-Str. → Rotkäppchenstraße
  • Finkenstraße → Rübezahlstraße
  • Hirschenstraße → Rumpelstilzchenstraße
  • Hohenzollernstraße → Frau-Holle-Straße
  • Innere-Prinz-Rupprecht-Str. → Schneewittchenstraße
  • Kaiser-Wilhelm-Straße → Erlkönigstraße
  • Otto-Rieger-Straße → Gänselieselstraße
  • Prinz-Arnulf-Straße → Isegrimstraße
  • Prinz-Franz-Straße → Robinsonstraße
  • Prinz-Heinrich-Straße → Aschenbrödelstraße
  • Prinz-Leopold-Straße → Heinzelmännchenstraße
  • Prinzregentenstraße → Däumlingstraße
  • Waldperlachstraße → Waldperlacher Straße
  • Wittelsbacherstraße → Eulenspiegelstraße
  • Zeppelinstraße → Koboldstraße

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Nicht alle der märchenhaften Namen sind aus der Umbenennung 1930 hervorgegangen. Auch bei neu gebauten Straßen wurde die Tradition teilweise fortgesetzt. Die Struwelpeterstraße etwa wurde erst 1953 errichtet.

Auffallend ist auch, dass einige neu gebaute Straßen einen Bezug zur germanischen Götter- und Sagenkultur bekamen, so der Asenweg und die Beowulfstraße. Auch weitere Waldperlacher Straßennamen haben indirekt mit Sagen zu tun, Friedrich Panzer etwa war unter anderem ein bayerischer Sagenforscher und wurde 1955 mit der Benennung einer Straße geehrt.

Bis heute schwingt die Tradition in Waldperlach fort. Wer glaubt, die jüngeren Namensvergaben wären im kommunalpolitischen Kleinmief untergegangen, wird eines Besseren belehrt: 2000 etwa wurde eine Straße nach Klara Ziegler benannt, eine Schauspielerin, die als Deutschlands letzte Heldendarstellerin gilt und u.a. die Brundhild in den „Nibelungen“ spielte.

Die Frage nach dem Grund für den Hang zu den Märchen und Sagen wurde aber immer noch nicht zufrieden stellend beantwortet. Möglicherweise war Waldperlach einfach immer schon märchenhaft. Und wenn nicht, ist es das durch die Straßennamen vielleicht inzwischen geworden. Aber vielleicht weiß ja ein Leser mehr… 2012 feiert Waldperlach übrigens 100-Jähriges. 100 Jahre, das ist der Zeitraum, den Dornröschen schlafen sollte.

Warum?

Es gab keinen Terroranschlag. Es ist kein Zug entgleist. Es gab kein Erdbeben, keine Überschwemmung. Aber es starben mindestens 19 Menschen und über 300 sind verletzt. Auf der Love Parade, die im Namen was ganz anderes verkündet. Auf einem Fest, auf dem niemand etwas Böses vorhatte, außer laute Musik zu hören und zu feiern.

Absolute Sicherheit gibt es nicht. Auch nicht vor einer Massenpanik. Allerdings haben die Planer, die Sicherheitsexperten, die Polizei jahrzehntelange Erfahrung mit Massenveranstaltungen. Das Phänomen der Massenpanik ist hinreichend, wenngleich nicht bis ins letzte Detail erforscht.

Es ist erschreckend, dass man aus den Massenpaniken der letzten Jahrzehnte offenbar wenig gelernt hat. Auf dem Haddsch in Mekka starben 1990 in einem Fußgängertunnel 1427 Pilger. Das ist weit weg, aber keine Entschuldigung. Aber auch in Europa sind ähnliche Unglücke nicht unbekannt. 1989 kamen bei einem Fußballstadion im englischen Sheffield 96 Zuschauer zu Tode, fast 800 wurden verletzt.

Tragisch ist, dass die Polizei und auch andere Stimmen im Vorfeld vor einer Nadelöhrsituation gewarnt hatten. Die Polizei war mit einem eigenen Sicherheitskonzept gescheitert. Die Stadt soll vom Veranstalter in die Enge getrieben worden sein und habe schließlich den Planungen zugestimmt. In eine Enge, die am Schluss keine sprichwörtliche mehr war. Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland sprach gestern unbeholfen von einer „Tat“ (korrigierte dann aber zu „Tatsache“), vielleicht, weil man bei einem schrecklichen Ereignis eher an das Werk von Terroristen und Tätern denkt und nicht an ein sich Hochschaukeln fluchtartiger menschlicher Verhaltensweisen, die schnell unkontrollierbar werden und in der Katastrophe enden. Eine „Tat“ war es sicher in dem Sinn nicht, da es niemand gewollt hat, aber vielleicht grob fahrlässiges Handeln.

Dennoch bleibt am Ende nur ein „Warum“ mit vielen Fragezeichen.

Aufbau der Love Parade 2010 in Duisburg. Trotz kritischer Stimmen reagierten die Verantwortlichen nicht. Foto: 3ds / Lizenz siehe: flickr

Einkaufszentrum Life: Nägel mit Köpfen (Update)

Als Ersatz für die Espresso-Bar, die Anfang des Jahres aufgegeben hat (Neuperlach.org berichtete), hat nun die Crêperie Prestige ihre Pforten im Einkaufszentrum Life geöffnet. Neben der bretonischen Form des Pfannkuchens gibt es dort auch Eis, Eiskaffee, Milchshakes und mehr. Samstag Nachmittag gab es zwar ein umfassendes kulinarisches Angebot – doch eines war noch Mangelware: die Gäste.

Der neue Gastrobetrieb im Life – die Crêperie Prestige (18.07.2010) © Thomas Irlbeck (Handycam)

Als Ersatz für die Saftbar, die aufgeben musste, kommt nun doch kein Döner-Stand. Stattdessen werden dort nun Nägel mit Köpfen gemacht, ein Nagelstudio wird das Life bereichern. Am 18.07. hat das Nagelstudio noch nicht geöffnet, in den Räumlichkeiten wird noch gefeilt.

Bald kann sich frau im Life solche Nägel machen lassen. Foto: B_Zedan / Lizenz siehe: flickr

Update vom 24.07.2010: Das Nagelstudio hat eröffnet.

Das Nagelstudio mit einer der ersten Kundinnen (24.07.2010) © Thomas Irlbeck (Handycam)

Einbruch ins Life aufgeklärt

Der Einbruch ins Neuperlacher Einkaufszentrum Life (Neuperlach.org berichtete) ist aufgeklärt.Die Tat konnte einem 20-jährigen und einem 22-jährigen Münchner zweifelsfrei nachgewiesen werden. Die beiden verübten ganze 16 Ladeneinbrüche im Zeitraum Oktober 2009 bis März 2010. Der 22-jährige Haupttäter sitzt in U-Haft. Quelle: Polizei Bayern


Das Einkaufszentrum Life (Archivfoto). © Thomas Irlbeck

„Mami, ich will Schoki“ – die Teilabschaffung der Quengelkasse

Bei Müttern und Vätern sind sie gefürchtet, wenn der junge Anhang beim Einkaufen im Supermarkt dabei ist: die Quengelkassen. Sie sind das süßeste Instrument zur Verkaufsförderung. Beim Anstehen an der Kasse werden Eltern von den Dreikäsehochs genötigt, Schoki & Co. noch zusätzlich auf das Kassenband zu legen, nachdem vorher die Süßigkeitenabteilung elegant umschifft wurde, ohne dass Klein-Fritzchen oder Klein-Mariechen mit einem Tobsuchtsanfall die gesamte Aufmerksamkeit von Personal und Kundschaft auf sich gezogen hat.

Die Supermärkte haben aber inzwischen zum Teil reagiert. Vermutlich kostet das ein wenig an Umsatz, aber eine Imagesteigerung ist ja auch nicht schlecht, und vielleicht verhindert man mit einer Goodwill-Aktion ja, dass der Gesetzgeber zur Tat schreitet, der alles regeln will, was es zu regeln gilt, und wenn das nicht ausreicht, ja vielleicht noch ein wenig mehr. So sah ich heute in einem Neuperlacher Supermarkt die „süßwarenfreie Kasse“, groß per Schild ausgewiesen. Sie ist keine Neuerung, wie ich erfahre, sondern schon seit Jahren im Einsatz, aber sie war mir bisher entgangen.

An den anderen Kassen im  selben Supermarkt gibt es die ungesunden, zahnzerstörenden Kalorienbomben aber noch. Wäre es dem Supermarkt darum gegangen, dass primär nur noch das gekauft wird, das es in den jeweiligen Abteilungen gibt, die vorher gezielt angesteuert wurden, hätte der Supermarkt alle Quengelkassen eliminiert und nicht nur eine.

Auch für die Raucher und Alkoholtrinkenden „tut“ man in den Supermärkten „viel“. Zigaretten und Hochprozentiges gibt es auch bzw. ausschließlich an der Kasse. Da werden manche vielleicht auch schwach, wenn sie sich gerade das Rauchen oder das Trinken abgewöhnt haben.

Was die Kassengestaltung insbesondere in puncto Süßwarenangebot anbelangt – es muss ja nicht immer gleich ein Gesetz her. Die Erziehung ersetzen kann ohnehin kein Gesetz.

Leckerlis in Kassennähe. Foto: mahr / Lizenz siehe: flickr

Auch so was findet man im Supermarkt, wenngleich eher selten. Foto: d_vdm / Lizenz siehe: flickr

5. Architekturwoche München – Von Neuperlach Süd nach Neuperlach Zentrum – Führung

Am 23. Juli findet im Rahmen der 5. Architekturwoche München eine Exkursion von Neuperlach Süd nach Neuperlach Zentrum statt, dabei werden die städtische Großform des „alten“ Neuperlach, die aktuellen Planungen für den südlichen Stadtrand und die neue urbane Mitte am Hanns-Seidel-Platz vorgestellt. Der Preisträger, Roland Dieterle, SPACIAL SOLUTIONS GmbH, erläutert den Siegerentwurf aus dem städtebaulichen Ideenwettbewerb. (Gehstrecke ca. 3,5 km)

Teilnahme nur mit Anmeldung unter
http://www.architekturwoche.org/muenchen/city/muenchen/programm/detail.php?city=4&open=2&kind=&day=2010-07-23&id=1299
(begrenzte Teilnehmerzahl)
Termin: 23. Juli, 14 bis 17 Uhr,
Treffpunkt: U-Bahnhof Neuperlach Süd, Ausgang Süd Carl-Wery-Straße,
Verkehrsanbindung: S1 und U5, Bahnhof Neuperlach Süd
Route: Therese-Giehse-Allee, Paul-Löbe-Straße, Hanns-Seidel-Platz
Führung: Susanne Bäumler, Referat für Stadtplanung und Bauordnung, Stadtplanung
Gast: Roland Dieterle, SPACIAL SOLUTIONS GmbH, München
Veranstalter: LH München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung

Pharao-Haus – das Pyramidenhochhaus (Update)

Update: Nach einem erneuten Besuch heute habe ich den Artikel ein wenig ausgebaut und noch mal veröffentlicht.

Als ein Freund hoher Häuser musste ich mir auch mal das Pharao-Haus in München Oberföhring anschauen – ein spektakulärer Bau mit 400 Wohneinheiten, der von weitem wie eine Pyramide aussieht. Er setzt sich aus drei rechtwinklig angeordneten Flügeln zusammen. Die streng nach oben verjüngende Bauweise ermöglichte es, in jedem Stockwerk Terrassen anzulegen. Ganze drei Fahrstühle sorgen für den vertikalen Transport von Bewohnern und Besuchern.

Das Pharao-Haus (05.06.2010) © Thomas Irlbeck

Auch wenn an der Stelle nur ein einzelnes Hochhaus steht und keine Trabantenstadt, sind eine ganze Reihe an Gemeinsamkeiten mit Neuperlach unverkennbar. Das Pharao-Haus …

  • … stammt aus den 1970er-Jahren, genauer wurde es 1974 errichtet, etwa zeitgleich mit dem Marxzentrum.
  • … hat 18 Stockwerke und ist damit ebenso hoch (von der reinen Anzahl der Stockwerke) wie das höchste Haus in Neuperlach.
  • … gilt wie die großen Wohnblöcke in Neuperlach als anonymer Wohnkomplex.
  • … diente wie z.B. das Marxzentrum häufig als Kulisse für TV-Krimis. Das mit den TV-Krimis verbundene Milieu hat sicherlich mit zu dem eher schlechten Ruf des Pharao-Hauses beigetragen.
  • … hat eine integrierte Gastronomie- und Ladenpassage. Diese wurde anstelle eines vierten Wohnflügel angelegt und als Flachbau ausgeführt.

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Trotz einiger Gemeinsamkeiten mit den Wohnblöcken in Neuperlach ist das Pharao-Haus in München von seiner Form und Größe einzigartig. Es gibt jedoch in Schwabing mit dem „Fuchsbau“ noch ein ebenfalls dreiflügelig angeordnetes Gebäude, das allerdings wesentlich kleiner ist.

Ansicht von Nordwest. Foto: Boenj, freigegeben als Public Domain. Quelle: Wikipedia

Ansicht von Osten. Im Vordergrund ist die Laden- und Gastronomiepassage zu sehen. Foto: Boenj, freigegeben als Public Domain. Quelle: Wikipedia

Die Klingelanlage verfügt über alphabetisch sortierte Namen, sonst hätte man wohl bei 400 Wohneinheiten keine Chance, etwas zu finden (21.07.2010) © Thomas Irlbeck

Ausblick vom Pharao-Haus. Leider habe ich keine Aussichtsplattform gefunden. Nur zwei Fenster, die man nicht öffnen kann. Fotografieren war nur durch die schmutzige Scheibe möglich (21.07.2010) © Thomas Irlbeck

Quellen:

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Andere Baustelle

In München gibt es ein eisernes Gesetz: Die Stadt ist immer eine Baustelle. Und in den Sommerferien ist sie eine Großbaustelle. Es ergibt ja auch Sinn, wenn man die „kleine Eisenbahn“, die Trambahn, dann saniert, wenn die Fahrgastzahlen urlaubsbedingt zurückgehen, weil schon mal der ganze Schülerverkehr daniederliegt.

Aber keine Regel ohne Ausnahme: Die großen Sommerferien haben noch nicht begonnen, aber dafür die Sanierung der Tram 17 in der Wagmüllerstraße. Info: Schienenersatzverkehr wegen Bauarbeiten zwischen Maxmonument und Effnerplatz

Vor kurzem rollten sie hier noch (21.07.2010) © Thomas Irlbeck

Einen heben, Teil 3

Angehoben hat es gestern etwas, das nicht dafür bestimmt war. Nämlich Den Pavillon vor dem Pflegeheim. Ein kleines Gewitterlüftchen und das Teil hob gen Himmel ab. Aber es kam nicht weit.

Der Tag danach (13.07.2010) © Thomas Irlbeck

Einen heben, Teil 2

Die Bewohner eines Neuperlacher Wohnhauses an der Plettstraße hat es hart getroffen. Der (einzige) Fahrstuhl ist wegen des Einbaus neuer Türen leider für 2-3 Wochen außer Betrieb. Das bedeutet den schweißtreibenden Aufstieg im Hochsommer. Bis zu 8 Stockwerke sind zu bewältigen. Derzeitiger Running Gag im Haus: Kommst du noch mal mit runter?

Die Pfeile gehen schon mal in die richtige Richtung (11.07.2010) © Thomas Irlbeck (Handycam)

Aber nach dem Einbau wird der Fahrstuhl Mehrwert bieten. Die neuen Teleskoptüren sind einfach schöner und vor allem praktischer als die alten Drehtüren.

Steinbruchstücke vom Einbau (11.07.2010) © Thomas Irlbeck (Handycam)

Hier klicken für weiteren „Einen heben“-Artikel

Bad(en in) Tölz

Gebadet habe ich nicht in Tölz, aber mit dem Fahrrad bin ich hingefahren (und auch wieder zurück). Ein Aufstieg auf den (kleinen) Kalvarienberg durfte nicht fehlen.

Stadt, Land, Fluss (07.07.2010) © Thomas Irlbeck

Zum Fotoalbum Bad Tölz

Diashow Bad Tölz anschauen

Die heiße Idee des Architekten

Wir schreiben die 1960er-Jahre. Es gibt noch keinen Klimawandel, zumindest weiß man weniger als nichts darüber, und das Wort war auch noch nicht erfunden. Ein Architekt sitzt gerade an einem Hochhaus-Wohnblock. Er ahnt wahrscheinlich nicht einmal, dass er gerade im Begriff ist, diejenigen Häuser zu konstruieren, die später einmal von der Allgemeinheit zu den hässlichsten im Münchner Osten gerechnet werden und die wegen ihrer trostlosen Kulisse gerne für Krimis und Fernsehfilme gebucht werden. Damit man die Häuser später nicht einmal mit einer modischen Farbe streichen kann, versieht er sie mit Myriaden kleiner schwarzer Platten, die mit noch mehr Schrauben festgehalten werden. Die Platten erwiesen sich als Glücksgriff, da sie den sauren Regen abhalten, entsprechend beschränkten sich Betonsanierungen bislang vor allem auf die „kachellosen“ Bereiche, etwa die Loggias.

Auch hinsichtlich der Energieeffizienz war der Architekt durchaus seiner Zeit voraus. Den Räumen, die als Schlafzimmer vorgesehen sind, spendierte er keine Außenwand, sondern eine riesige Glasfront nach Süden. Die Idee dahinter war wahrscheinlich, dass selbst in den Wintermonaten die Räume sich an Sonnentagen so stark aufheizen, dass man auf das Aufdrehen der Heizungen oft verzichten kann. Abends sind die Räume dann noch ausreichend warm.

Es gibt hier aber zwei Probleme: Moderne Fenster haben noch eine weit bessere Energieausbeute. Wer also die Fenster gegen neue ausgetauscht hat, der hat es noch wärmer – vielleicht auch zu warm. Dann werden die Räume aber auch gerne als Kinderzimmer oder Arbeitszimmer genutzt. Auch wenn ich manchmal noch kindisch bin, nutze ich den Schlafraum für Letzteres. Selbst im Winter erreicht man tagsüber schon mal 30 Grad Innentemperatur – ohne Heizung versteht sich.  Im Hochsommer sind Temperaturen weit oberhalb der 30 Grad keine Seltenheit. Im übrigen Teil der Wohnung ist es ein paar Grad kälter. Der Grund ist einfach: Das Wohnzimmer hat kleinere Fenster und ist dafür größer.

2.450 Watt in der Sauna gegen die Sauna (09.07.2010) © Thomas Irlbeck

Wie auch immer, bei Backofentemperaturen kann keiner einen kühlen Kopf bewahren. Anders ausgedrückt, ist das Arbeiten in einer echten Sauna sicher angenehmer. Auch wenn es ökologisch nicht korrekt ist, kühlt seit ein paar Jahren eine mobile Klimaanlage den Raum auf ca. 24 Grad herunter. Viel mehr (weniger) schafft auch sie nicht. Klimaanlage aufgestellt, Schlauch aus dem leicht geöffneten Fenster gehängt, Fensterspalt mit Spezialfolie isoliert – fertig. Die Geräuschentwicklung ist hoch, zum Radiohören etwa muss man das Gerät abschalten, sonst versteht man Dinge, die nie gesagt wurden. Der Raum heizt sich dann aber sehr schnell wieder auf, also beschränkt man sich auf das Wesentliche.

Wer andere Ideen zur Raumkühlung hat, die ökologisch verträglicher sind, dem sei gesagt, dass sie vom Genehmigungsverfahren hochproblematisch sind.

Ein paar Mal macht es Knick (09.07.2010) © Thomas Irlbeck

Einen Raum kann man nicht kühlen, sondern ihm nur Wärme entziehen. Die hier herausströmende Abluft könnte man durchaus zum Haare föhnen benutzen. Im Hochsommer sind die Haare allerdings auch ohne Föhn sofort trocken (09.07.2010) © Thomas Irlbeck

Marmortische sind Bauschutt

Alle paar Jahre findet bei mir dasselbe Ritual statt. In meinem Dachbodenabteil bringe ich die Türe kaum mehr zu, geschweige denn kann ich den Raum betreten, so viel hat sich an altem Klump angesammelt. Nun ist der städtische Sperrmüllabholdienst dran. Der kostet nicht viel und man kann ihn im Internet bestellen. Wie praktisch. Ein paar Mausklicks und der Speicher entleert sich quasi von alleine, fast schon virtuell.

Der Eingang zum Dachboden im 10. Stockwerk (05.07.2010) © Thomas Irlbeck

Drei freundliche und hoch motivierte Männer in Orange kommen. Ich führe sie in den Speicher und zeige ihnen den aufgetürmten Müllberg. Beim Anblick einer Marmortischplatte sagt einer, diese „Steinplatte“ wäre Bauschutt, so etwas würden sie nicht mitnehmen. Ich wies darauf hin, es wäre eine Tischplatte und das Gestell vom Tisch stünde daneben. Doch der freundliche Herr bleibt beim „Nein“. Dabei ist der Tisch eigentlich noch ganz gut. Ein Ecke von der Tischplatte ist leicht abgeschlagen, aber ansonsten wollte ich ihn nicht hergeben, weil er Schrott ist, sondern weil ich in der Wohnung keinen Platz mehr dafür habe.

Dachblöden sind gewissermaßen die dunklen Keller der Lüfte … (05.07.2010) © Thomas Irlbeck

… auch wenn hier und da ein wenig Licht durch eine Luke hereinkommt (05.07.2010) © Thomas Irlbeck

Ich meinte, nun das Wiehern des Amtsschimmels zu hören. Daher probierte ich eine neue Strategie. Ich fragte suggestiv, ob sie Möbel und damit auch Tische mitnehmen würden. Es kam kein Widerspruch. Klar, ich wusste schließlich, dass Möbel abgeholt werden. Ich bot an, dass ich die Tischplatte wieder aufsetzen würde, dann hätten sie einen Tisch, der als Gebrauchtmöbelstück entsorgt werden könnte. Dies wäre eine Sache von einer halben Minute gewesen, da man die Tischplatte nur auflegen muss, sie hält mit Saugnäpfen. Nach kurzer Bedenkpause schien der freundliche Herr den bürokratischen Irrsinn erkannt zu haben. Er sagte „Da diskutieren wir gar nicht lange rum, wir nehmen sie mit“. Also, geht doch.

EinSchließlich mir

Ich höre ein paar seltsame Geräusche im Hausgang. Ein Blick durch den Gucker offenbart, dass sich am helllichten Tag eine Person am Schloss der Nachbarstüre zu schaffen macht. Es ist die Nachbarin selbst, die gerade bei sich einbricht. Ich öffne die Türe und erfahre, sie habe sich ausgesperrt. Mit einfachem Billigwerkzeug aus dem Baumarkt versucht sie das Unmögliche. Doch das Werkzeug erweist sich schließlich als ungeeignet. Ein Großteil meines Werkzeugs ist ausgelagert, doch versuche ich nun ebenso, das Schloss, das vor Fremden schützen soll und sich nun gegen die Eigentümerin selbst richtet, zu besiegen. Doch auch mit meinem Werkzeug bekomme ich keinen Fuß in die Türe. Schlussendlich scheitere ich damit. Mein Angebot zu telefonieren, lehnt die Nachbarin ab. Ein Schlüsseldienst sei zu teuer und sonst wüsste sie auch nicht, wen sie anrufen könne. Nach vielen weiteren Versuchen bringt schlussendlich das Werkzeug eines anderen Nachbarn die Lösung. Die Türe ist auf. Konkrete Anleitungen, wie es denn geht, erspare ich mir aus nahe liegenden Gründen.

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, sein Eigentum vor Einbruch zu schützen. Diese hat mit dem Bericht hier nichts zu tun und dient hier nur zur Illustration. Denn erfahrungsgemäß werden bebilderte Artikel lieber gelesen. Foto: hmboo / Lizenz siehe: flickr

Ein paar Tage später räume ich meinen Dachboden aus (ja, man glaub es kaum, auch in Neuperlach gibt es so etwas!). Das alte Zeug, das nur Platz wegnimmt und das man nur alle fünf Jahre dann doch nicht braucht, muss raus. Irgendwann schaffe ich dann das Unmögliche. Der Schlüssel ist drin, aber nicht im Schloss, die schwere, metallene Speichertüre ins Schloss gefallen und – zu. Aber so richtig zu. Die Speichertüre ist mein neuer Feind.

Ich läute bei der Nachbarin, die ich nun als letztes geöffnetes Hintertürchen sehe, um mich aus der misslichen Lage zu befreien. Sie öffnet und kann sich natürlich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Peinlicher geht es ja nun wirklich nicht mehr. Da sie gerade am Telefon hängt, rückt sie mit vollstem Vertrauen ihren Schlüssel raus. Das Problem ließe sich damit schnell lösen, hat doch eine Gemeinschaftstüre den Vorteil, dass an ihr jeder Wohnungsschlüssel passt. Ich darf jetzt nur nicht den Fehler machen, den Schlüsselbund, an dem Dutzende Schlüssel hängen, nun auch noch einzuschließen, zu verlieren oder zu veruntreuen. Abschließend lässt sich sagen, dass mir das gerade noch so gelungen ist. Aus mir wurde kein Schließ- und Lachdienst, auch wenn das Ganze zum Lachen ist.

Nicht dasselbe in Grün: Fahrradampeln bei den Oranjes

Auch wenn bei dem Thema Fahrradampeln bzw. deren Abschaffung inzwischen etwas die Luft raus ist, soll eine interessante Aufnahme aus Holland nicht zurückgehalten werden. Die Fahrradampeln, die hier zu sehen sind, sind gleich doppelt vorhanden. Auf Radfahrerhöhe und noch mal als Maxiausgabe erhöht angebracht, damit sie auch die Fahrer der Automobile gut einsehen können. Genau dies war ja wohl einer der Knackpunkte in München. Aber die Lösung hier dürfte nicht ganz billig sein. Wenn so etwas wirklich mehr Sicherheit bringt, wäre das Geld aber gut angelegt.

Foto: J.E. / Lizenz: Public Domain

Gebrochenes Still-Schweigen

Vor dem Haus scheint eine Horde Elefanten zu tröten. Nein, ich werde mich jetzt nicht lautstark über die fürchterlichen Vuvuzelas auslassen, denn die WM ist kein Thema bei Neuperlach.org. Aber: Geht es nur mir so, oder trifft es tatsächlich objektiv zu, dass die Lärmverschmutzung immer mehr zunimmt? Zunächst möchte ich einen Schritt im Gehörgang zurückmachen. Es war so um mein 13., 14. Lebensjahr herum, als meine Lärmempfindlichkeit ihren leisen Anfang nahm. Der Nachbar unter mir hatte eine Hi-Fi-Anlage in Betrieb mit mächtigen Boxen, die zur besseren Schallübertragung an der Decke befestigt waren, und der Nachbar oberhalb ging einem seltsamen Hobby nach, das vermutlich pathologisch bedingt war. Er betrieb handwerkliche Arbeiten vornehmlich in der Nacht. Dabei begnügte er sich nicht etwa mit einem Hämmerchen, mit dem er klopfte, sondern er steigerte seine Aktivitäten durch Gebrauch einer Schlagbohrmaschine, die er typischerweise nach 22 Uhr einsetzte. Da ist – so mein leiser Verdacht – der Strom billiger. Die ersten Tage kamen, an denen ich wegen Schlafentzug in der Schule Konzentrationsschwierigkeiten bekam. Still und heimlich entwickelte sich dann eine Lärmempfindlichkeit.

Die Farbe der Tröte ist nicht so entscheidend. Das hat zumindest mal ein Hörgerätehersteller herausgefunden. Foto: Andrewthecook / Lizenz siehe: flickr

Laute(r) Maschinen

Die Tatsache, dass heute viel mehr mit Maschinen erledigt wird als noch z.B. in den 1980er-Jahren, läutete eine neue Epoche in meiner lärmbedingten Leidensgeschichte ein. Früher hatte der Hausmeister im Herbst einen Rechen in der Hand. Die damit verbundenen Geräusche (in der Comicsprache vielleicht ein „kratz-schleif“) hatten nach heutigen Maßstäben betrachtet was Idyllisches, was Be-Ruhigendes. Heute übernimmt ein Hightech-Laubbläser die Aufgabe des Rechens. Die Ingenieure haben es mit viel Mühe geschafft, diese kleinen Mistteile so laut zu machen wie einen Düsenjet. So eine hohe Lautstärke bei so geringer Größe verdient einen Innovationspreis. Die Laubbläser sind so praktisch, dass der eine oder andere Hausmeister damit nicht nur im Herbst das Laub zusammenbläst. Viel mehr vereint er auch in den anderen Jahreszeiten einzelne Blätter, die ein Baum schon mal so verlieren kann, und das ganze Kleinzeug, das so am Boden liegt, etwa kleine Äste, Kaugummipapier und alle Arten von kleinerem Abfall, mit viel Wind und Schall in einem Haufen. Um einer Gehörschädigung zu entgehen und weil der Lärm fast schon Schmerzen bereitet, mache ich ganz gerne einen weiten Bogen um die Laubbläser, was dazu führt, dass ich mich ein wenig mehr an der frischen Luft bewege als vorher.

Früher gab es auch nicht so viele Autoalarmanlagen. Heute geht immer mal wieder eine los, meistens dürfte es ein Fehlalarm sein. Beachtung findet so was kaum, dazu ist es zu häufig, störend wirkt es aber schon, denn dazu ist es wiederum zu laut.

Nachts ist vom gegenüberliegenden Pflegeheim jetzt immer wieder ein lästiger und regelmäßiger Piepton zu hören, vermutlich ein Läuten eines Bewohners nach dem Pflegepersonal. Hier ist weniger die Lautstärke, mehr aber die Höhe des Tons und die penetrante Regelmäßigkeit nervenzerrend.

Und im Bad und in der Küche tropfen die Wasserhähne. In einer Folge der Sesamstraße wird das Problem des tropfenden Wasserhahns durch das Einschalten eines Radios gelöst. Um dieses zum Schweigen zu bringen, wird das Geräusch durch einen Staubsauger überlagert. Das lasse ich aber lieber.

Was wirklich wichtig ist – oder „Der brennende Lieferwagen“

Monty Python erklärte uns mal, wie wichtig es ist, nicht gesehen zu werden. Allerdings gilt nicht erst seit dem digitalen Zeitalter, dass wenn man etwas sieht, es wichtig ist, eine Kamera dabei zu haben. So geriet heute ein Lieferwagen in de Nähe von METRO in Brunnthal in Brand. Während der Löscharbeiten durfte nicht vergessen werden, ein paar mal aufs Knöpfchen zu drücken.

In der Totalen und …(11.06.2010) © Thomas Irlbeck

… näher dran (11.06.2010) © Thomas Irlbeck

Und es geht noch näher (11.06.2010) © Thomas Irlbeck

Update: Wie der Münchner Merkur berichtet, fing der Wagen eines Handwerkers aus dem Landkreis Dachau zu stottern und zu qualmen an. Der Fahrer hielt den Wagen am Straßenrand an. Sekunden später schlugen Flammen aus dem Motorraum. Die von ihm alarmierte Feuerwehr konnte den Brand schnell unter Kontrolle bringen. Der Fahrer blieb zum Glück unverletzt, sein Fahrzeug konnte aber, wie die Bilder unschwer erkennen lassen, nicht mehr gerettet werden.

Nach Ölkatastrophe: Nun geht nichts mehr daneben

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko nähert sich nun einem glücklichen Ende. Ein Absaugtrichter fängt einen Teil des austretenden Öls auf, am Anfang war es ein Drittel. Mit dem neuen Service von Aral/BP geht nun nichts mehr daneben, erst recht keine zwei Drittel. Denn Sie haben es nun selbst in der Hand.

1973 war man seiner Zeit schon weit voraus

Fundstück – Hallo Perlach von 1973

In unregelmäßigen Abständen zeigt Neuperlach.org Historisches. Dieses Mal gibt es einen weiten Blick zurück. Aufgetaucht ist eine Hallo Perlach vom 22.06.1973. Damals wurde die Zeitung nicht gratis verteilt, sondern kostete 30 Pfennig.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Hallo-Verlags

Wer sich das ganz genau anschauen möchte, in voller Auflösung gibt es die erste Seite in meinem flickr-Album:

Titelseite der Hallo Perlach vom 22.06.1973

Die besten 3 Arten, Radfahrer zu ärgern – oder „Gute(r) Rad(politik) ist teuer“

Vor kurzem berichtete Neuperlach.org über die Abschaffung der Fahrradampel. Fahrradfahrer werden damit den Fußgängern gleichgesetzt, da nun die ursprünglichen Fußgängerampeln mit kombinierten Fußgänger-/Radfahrer-Leuchtscheiben versehen werden. Ob die damit verbundenen Einschränkungen durch einen Sicherheitsgewinn kompensiert werden können, bleibt fraglich.

Radfahrer sehen sich aber auch ganz anderen Gängelungen und Problemen ausgesetzt. Sie sind, ohne es zu wissen, Teil eines Spiels mit dem Titel „Die besten 3 Arten, Radfahrer zu ärgern“.

Maßnahme 1: Die Anti-Radfahrer-Baustelle

Diese Maßnahme ist sehr beliebt und kommt bei Bauarbeiten aller Art zur Anwendung. Das Prinzip ist denkbar einfach: Mittels eines profanen Schildes zwingt man den Radfahrer zum Absteigen. Jetzt kann man den Radler quälen. Er hat nun seinen Drahtesel über eine möglichst lange Strecke zu schieben oder zu tragen. Den anderen Mitspielern (Autofahrer) mutet man dies nicht zu. Ich persönlich habe noch keine Baustelle gesehen, an der Autofahrer ihr Automobil schieben oder gar tragen mussten.

Und schon wieder heißt es schieben. Wollten wir nicht eigentlich fahren? (05.06.2010) © Thomas Irlbeck

Maßnahme 2: Die 5-Minuten-Kreuzung

Diese Maßnahme ist besonders effektiv, da sie eine Dauereinrichtung ist. Radfahrer haben sich ja daran gewöhnt, dass sie bei Kreuzungen, die sowohl beim Längs- als auch beim Querverkehr einen Radweg aufweisen, beim Linksabbiegen gleich bis zu zweimal bei Rot warten müssen. Linksabbiegeampeln sind den Autofahrern vorbehalten. Bei einem U-Turn muss man sogar bis zu dreimal warten. Aber wer macht schon einen U-Turn? Außerdem sind die Radfahrer viel zu schlau und schieben ihr Rad einfach auf der Fußgängerfurt über die Straße. Dann muss für einen U-Turn höchstens einmal gewartet werden, was übrigens völlig legal ist. Also muss was anderes her, um den Radfahrer zur Weißglut zu bringen. Die Spielerfinder hatten dabei eine geniale Idee. Wie wäre es, eine Kreuzung so zu konstruieren, dass beim Linksabbiegen gleich drei Ampeln zu beachten sind und ggf. separat gewartet werden muss (wenn man die Ampeln auf den Mittelinseln noch mitzählt (die Radampeln wurden ja abgeschafft), werden es noch entsprechend mehr).

Aber wie meistert man diese Herausforderung? Das geht doch gar nicht, oder? Doch mit viel Mühe und exzessiver Planungsarbeit gelang die Konstruktion einer solchen Kreuzung. Eigentlich ist es eine normale Kreuzung, bei der aber als zusätzliche Maßnahme der Radweg so geführt wird, dass er noch im Kreuzungsbereich endet, und zwar so, dass dieser noch eine überflüssige, schikanöse Kurve nach links macht (sodass der Radfahrer quasi doch einen U-Turn hinlegen muss), deren Ende dann von einer Ampel markiert wird.

Da dies ein wenig schwierig auszudrücken ist, soll eine Bildanleitung helfen:

Wir sind von links gekommen (haben gerade an der Ampel gewartet) und wollen nun geradeaus fahren, in Richtung des Hochhauses im Hintergrund. Dazu heißt es aber zunächst, ein zweites Mal an der Ampel zu warten (05.06.2010) © Thomas Irlbeck

Doch nun endet der Radweg dergestalt, dass man rechts auf die Fahrbahn abbiegen muss. Das wird einem durch ein weiteres (drittes) Warten an der Ampel versüßt. Wohlgemerkt ging es nur darum, an dieser Neuperlacher Kreuzung nach links abzubiegen! (05.06.2010) © Thomas Irlbeck

Schnell können bei ordnungsgemäßer Benutzung der Kreuzung 5 Minuten Wartezeit zusammenkommen. Vorbeidüsende Autos, welche der Linksabbiegespur folgen, dienen als weitere Maßnahme, den Radfahrer zu ärgern und Rotlichtverstöße zu provozieren.

Maßnahme 3: Der Plötzlich-da-Radweg

Da es viel zu einfach ist, entweder auf der Fahrbahn zu rollen oder auf dem baulich gut sichtbaren Radweg, haben sich die Spielerfinder für eine weitere Maßnahme entschieden. Diese besteht darin, Radwegabschnitte einzustreuen, die sich an den unmöglichsten und an besonders schwer einsehbaren Stellen befinden. Das Ziel liegt darin, den ortsunkundigen, zunächst auf der Fahrbahn rollenden Radler kaum eine Chance zu lassen, einen beginnenden Radweg rechtzeitig zu entdecken. Primär will man erreichen, dass er benutzungspflichtige Radwege entweder übersieht (und einen Verkehrsverstoß begeht) oder aber diese im allerletzten Moment entdeckt, sodass er zu einem sehr gefährlichen Abbiegemanöver genötigt wird (und damit ebenfalls einen Verkehrsverstoß begeht). Um noch ein wenig nachzutreten, sind diese Radwegstücke in aller Regel kurvig, zugeparkt und von spielenden Kindern belagert. Zudem weisen sie meist nur eine sehr geringe Länge auf, sodass ein Radfahrer, der gerade noch die Kurve (im wörtlichen Sinne) bekommen hat, sich nicht wirklich freuen kann, da es gleich wieder heißt, auf die Fahrbahn zurück zu müssen, freilich mit weiterem Gefährdungspotenzial, da er nun wieder eine Lücke im motorisierten Verkehr finden muss.

Es soll am Ende der Gedanke haften bleiben, dass es auf der Fahrbahn für die wenigen Meter viel sicherer gewesen wäre und man sich mehrere riskante Manöver erspart hätte (wenngleich dies nicht legal wäre). Das ist aber noch längst nicht alles, denn der Radfahrer soll ja richtig geärgert werden. Als besonderes Überraschungsmoment und ebenfalls extrem effektive Maßnahme beginnt daher nach wenigen Metern Fahrbahn erneut ein Radweg, der ebenso schlecht einsehbar ist und abermals die Eigenschaft eines „Un-Radweges“ hat. Ziel ist es, dass auch ein langsam fahrender, hochkonzentrierter Biker bei seiner Tour mindestens einen benutzungspflichtigen Radweg übersieht und somit wenigstens einen Verkehrsverstoß begeht.

Auch dieser Radweg muss natürlich benutzt werden, aber wie? Foto: wolfgangs / Lizenz siehe: flickr

Um nun keinen falschen Eindruck zu erwecken: München ist nicht die schlechteste Stadt für Radler. Man tut wirklich viel Positives für die Radfahrer. Allerdings scheinen die Städteplaner gelegentlich nicht „Mensch ärgere dich nicht!“ zu spielen, sondern „Mensch, ärgere den Radfahrer!“.

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Bild vom: 31.07.2010, 03:42
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